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Sophie1028

Sophie1028
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Ich würde gerne ein Problem von mir teilen, das vielleicht auf einige lächerlich oder banal wirken könnte, da es nicht wirklich schwierigen Umständen geschuldet ist, sondern nur in meinem Kopf existiert. Da es mich trotzdem seit einiger Zeit sehr belastet, wäre ich sehr dankbar, wenn ihr eure ehrlichen Einschätzungen und Ratschläge dazu teilen könntet. Vielleicht hat der eine oder andere ja auch schon einmal so oder so ähnlich empfunden.

Wie der Titel bereits verrät, habe ich Angst davor, nicht richtig glücklich zu sein und mein Leben nicht genießen zu können, obwohl ich jeden Grund dazu hätte. Ich bin sehr zufrieden und dankbar für meine Lebensumstände und müsste eigentlich rund um glücklich sein. In Momenten, die eigentlich schön sind und die ich genießen sollte oder in denen ich intensiv fühlen sollte, kommt der Gedanke auf, dass ich es nicht kann oder nicht „richtig“ mache. Verbunden mit diesem Gedanken ist die Angst, dass es mir tatsächlich nicht gelingt und ich es nie wieder in meinem Leben können werde und das versetzt mich in einen Zustand des Widerstands und der Panik, sodass ich dadurch tatsächlich gar nicht mehr genießen kann.
Manchmal mache ich etwas Schönes, das ich genießen sollte und wünsche mir gleichzeitig aber, dass der Moment endlich vorbei ist, weil der Druck so hoch ist, richtig genießen zu müssen und das Gefühl so unerträglich, dass es nicht funktioniert. Und dann ärgere ich mich extrem darüber, dass ich so empfinde, weil ich den schönen Moment ja hätte richtig genießen sollen.
Ähnlich verhält es sich in Situationen, in denen ich Emotionen empfinden sollte. Ich habe solche Angst, dass ich keine Emotionen empfinde oder nicht intensiv fühle und dies den Gedanken und meine Angst nur bestätigt.

Ich habe das Gefühl, dass es mir ab und zu gelingt, glücklich zu sein, dies aber wieder schwindet, sobald dieser Gedanke auftaucht. Ich wünsche mir einfach, dieser Gedanke wäre nie in mein Leben gekommen, da er alles kaputt macht. Ich weiß, dass es nur ein Gedanke ist, der kommt und wieder geht, aber meine Reaktion auf den Gedanken ist immer so stark, wenn er aufkommt, dass es sehr unangenehm ist. Ich habe regelrecht Angst vor und Hass gegenüber diesem Gedanken. Manchmal denke ich auch gar nicht weiter über seinen Inhalt nach, aber allein, dass er aufkommt und ich realisiere, dass da wieder „dieser Gedanke“ ist, löst Panik und Widerstand in mir aus. Wenn ich mir eine Sache wünschen könnte, wäre es, dass dieser Gedanke nie wiederkommt.

Mir ist absolut bewusst, dass es nur ein Gedanke ist, der nicht wahr sein muss und dass ich den Gedanken haben und trotzdem Momente genießen kann. Die negativen Gefühle werden eher durch meine Bewertung und meinen Widerstand ausgelöst. Gleichzeitig kommt immer wieder die Angst auf, dass der Gedanke doch recht haben könnte und dass das Leben ja keinen Sinn hat, wenn man nichts Schönes oder generell keine intensiven Emotionen mehr empfinden kann.
Ich weiß, dass vieles von dem, was ich geschrieben habe, vielleicht keinen Sinn ergeben. Ich habe auch schon sehr oft das Thema rational analysiert. Mir ist bewusst, dass ich Gedanken nicht kontrollieren kann, sondern nur meine Reaktion darauf. Mir ist auch bewusst, dass es keine richtige Art und Weise gibt, um zu genießen und zu fühlen und ich mich viel zu sehr unter Druck setze. Dennoch bleibt meine emotionale Reaktion darauf und meine Angst davor leider unverändert und ich würde mich über ähnliche Erfahrungen und Tipps im Umgang mit meinen Gedanken sehr freuen.

• • 24.09.2026 x 1 #1


8 Antworten ↓

User_0815_4711
Zitat von Sophie1028:
Mir ist auch bewusst, dass es keine richtige Art und Weise gibt, um zu genießen und zu fühlen und ich mich viel zu sehr unter Druck setze. Dennoch bleibt meine emotionale Reaktion darauf und meine Angst davor leider unverändert und ich würde mich über ähnliche Erfahrungen und Tipps im Umgang mit meinen Gedanken sehr freuen.

Hallo und willkommen hier!

Ich glaube, so richtig helfen kann ich nicht. Im Grunde es es eine sehr interne Angstproblematik, oder?

Ich kann nur sagen, mit dem Begriff "genießen" habe ich nie etwas anfangen können. Manche Sachen machen mir Freude, manche müssen einfach getan werden. Ich habe keine Ahnung, was genießen überhaupt ist. Zufrieden bin ich dennoch.

Und wenn du wenig empfindest, dann ist das einfach so. Da gibt es kein richtiges Maß. Wichtiger ist, wie man sich verhält und nicht immer das Ekel raushängen lässt.

• x 2 #2


A


Angst davor, nicht genießen zu können und vor Gedanken

x 3


alles_roger
@Sophie1028
Hey Sophie,
das Hauptproblem liegt tatsächlich fast immer in der Diskrepanz zwischen subjektiver und objektiver Wahrnehmung. Dieses Spannungsfeld ist der Kern vieler Konflikte, Missverständnisse und psychologischer Herausforderungen – sei es in der Kommunikation, in Beziehungen, bei der Arbeit oder in der eigenen Selbstreflexion. Um dieses Problem zu lösen oder zumindest abzuschwächen, hilft meist nur aktives Hinterfragen und wertfreier Abgleich mit der Realität. Alles Liebe!

• x 1 #3


Schlaflose
Zitat von Sophie1028:
Wie der Titel bereits verrät, habe ich Angst davor, nicht richtig glücklich zu sein und mein Leben nicht genießen zu können, obwohl ich jeden Grund dazu hätte. Ich bin sehr zufrieden und dankbar für meine Lebensumstände und müsste eigentlich rund um glücklich sein. In Momenten, die eigentlich schön sind und die ich genießen sollte oder in denen ich intensiv fühlen sollte, kommt der Gedanke auf, dass ich es nicht kann oder nicht „richtig“ mache. Verbunden mit diesem Gedanken ist die Angst, dass es mir tatsächlich nicht gelingt und ich es nie wieder in meinem Leben können werde und das versetzt mich in einen Zustand des Widerstands und der Panik, sodass ich dadurch tatsächlich gar nicht mehr genießen kann.

Das klingt nach Zwangsgedanken.
Niemand ist immer glücklich und genießt permanent sein Leben. Das sind nur Momente, in denen man so empfindet. Man denkt nicht ständig darüber nach, ob man etwas wirklich genießt oder nicht. Man lässt es zu, ohne sich darüber Gedanken zu machen, ob man das auch richtig macht. Und es ist auch erlaubt, etwas nicht zu genießen und nicht immer glücklich zu sein, auch wenn man es prinzipiell ist oder sein müsste.
Könnte bei dir auch der Gedanke dabei sein, dass dein Glück kaputt geht, wenn du es nicht ständig empfindest? Das wäre so etwas wie magisches Denken, was oft mit Zwangsgedanken einhergeht.

• x 2 #4


Sophie1028
@Schlaflose vielen Dank für deine Antwort. Es ist tatsächlich nicht so, dass ich das Gefühl habe, es würde mein Glück mindern, wenn ich es nicht ständig empfinde. Mein Problem ist eher, dass ich mich in den Momenten, in denen eigentlich alles schön ist, extrem unter Druck setzte, diese Momente jetzt auch genießen zu müssen. Und wahrscheinlich hast du recht, dass es sich dabei um einen Zwangsgedanken handelt. Wie die anderen und du bereits beschrieben haben, ist das Genießen etwas, das automatisch geschieht (oder manchmal eben nicht) und nicht durchdacht werden sollte. Das hilft bereits. Danke! Ich muss daran arbeiten, dass ich nicht schon mit Anspannung und Leistungsdruck an dieses Thema herangehe.

• #5


User_0815_4711
Zitat von Sophie1028:
Leistungsdruck

Ich denke, genießen und Leistungsdruck sind ziemliche Gegensätze.
Wobei, manche durch Leistungsdruck in einen Flow geraten und das wahrscheinlich auch Glücksgefühle bescheren kann.

Zitat von Sophie1028:
dass ich mich in den Momenten, in denen eigentlich alles schön ist, extrem unter Druck setzte, diese Momente jetzt auch genießen zu müssen.

Eigentlich? Wie auch immer, hast du ev. ein Beispiel?

• #6


Sophie1028
@User_0815_4711 Das stimmt vermutlich, die beiden Dinge schließen sich vermutlich gegenseitig aus. Das ist dann genau mein Problem: Ich möchte etwas genießen, setze mich damit unter Druck und habe dann das Gefühl, dass es dadurch gar nicht mehr möglich wird. Als konkrete Situationen, in denen das besonders stark auftritt, würde ich zum Beispiel ein leckeres Essen, einen Spaziergang in der Natur oder auch schöne Aktivitäten mit Freunden nennen.

• #7


B
Hallo Sophie1028, bei deinen ersten Zeilen fiel mir nichts dazu ein und auch nicht an mir vergleichbares, aber nach längerem Nachdenken kam dann doch einiges zu Tage was auch mich schon sehr lange beschäftigt.

Es ist im Grunde die Unterscheidung zwischen "rational" und "genießen". Das ist gegenwärtig auch ein gesellschaftliches Thema und sehr tiefgreifend. Vielleicht wird es bei dir auch dadurch verstärkt.

"rational" bedeutet hier, dass alles einen Nutzen haben muss. Auch ein Urlaub soll einen rationalen Nutzen haben - Erholung. Ein Abendessen, ein Saunabesuch, ein Kinobesuch, eine Wellness, ein Spaziergang, alles soll einen Nutzen haben. Das führt dazu, dass der Imperativ das Genießen befällt, womit es dann heißt: genieße! Wie ein Befehl.

Andererseits werden die Leute medial ausgenutzt und benutzt, indem ihnen gesagt wird, dass sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen und blos nie rational sein sollen und andere sich um die Rationalität kümmern werden. Das machen die Anderen aber nur in dem Maße, als dass sie die Gefühle der anderen rationalisieren, also benutzen, damit diese einen Nutzen bekommen. Die Leute finden das eine gute Idee, dass ihre Gefühle rationalisiert werden. Aber, wenn einmal nur mal so etwas geäußert wurde, dann gilt das auch und es gibt keinen Rückzieher wie "das habe ich gar nicht so gemeint".

An mir fällt mir das nur selten und schwer auf. Da ist diese eine Situation einer Naturbegebenheit, bei der alle raten, sie einfach nur zu genießen. Da sind dann auch Leute, die das machen und auf jegliche Technik verzichten. Und dann komme ich und packe meine Technik aus, die das Naturerlebnis eindrucksvoller darstellt, und alle sind fasziniert. Doch eigentlich habe ich die Sache vermasselt. Aber es geht noch weiter. Dann ärgere ich mich, dass ich nicht noch dies und das gemacht habe, weil ich es dann noch besser erlebt hätte. Alles schrecklich. Ich hätte einfach gar nichts tun sollen und nur den Moment genießen.

Das fatale daran ist, dass ich nicht nur im Nachhinein bemerkt habe, dass ich es vermasselt habe, sondern mich auch noch ärgere, es nicht besser gemacht zu haben. Dabei hätte ich einfach nichts tun müssen.

Ich kenne das auch noch aus anderen Situationen, dass ich nicht in der Lage bin in einer Situation diese einfach nur zu genießen, damit ich danach eine schöne Erinnerung daran habe. Wenn ich in der Situation bin, dann denke ich an ... da geht mir alles mögliche durch den Kopf ... und meistens bin ich sowieso immer mehr in irgenwelchen Gedanken und darin ganz woanders als in der Situation.

Bei meinem letzten Psychiatrie-Aufenthalt habe ich eine Übung gelernt: Wenn du in der Situation bist, dann frage und beantworte dir drei Fragen:

- Was siehst du?
- Was hörst du?
- Was fühlst du?

Die letzte Frage meint körperliches Fühlen, aber nicht Beschwerden. Also eher sowas wie feuchte Hände, kalte Füße, ein Windhauch, etc.

• #8


freely
Zitat von Sophie1028:
Wie der Titel bereits verrät, habe ich Angst davor, nicht richtig glücklich zu sein und mein Leben nicht genießen zu können, obwohl ich jeden Grund dazu hätte.

Vielleicht ersetzt du glücklich sein durch bewusst sein?
Wahrnehmen was ist ohne es zu bewerten.

Nach einigen Abschnitten deines Textes dachte ich mir aber auch, puh anstrengend, wie wäre es mal mit Abstinenz vom Glücklichsein. Das hört sich nach so viel Druck und Zwang an, da würde ich lieber aufs glücklich sein mal ne weile verzichten als mich diesem Druck auszusetzen.

Vielleicht mal zur Abwechslung absichtlich nicht genießen. Wenn man das nonstop erwartet nutzt es sich doch eh ab.
Der 5. und 10. Sonnenuntergang mag noch sehr schön sein. Der 50. Sonnenuntergang ist dann schon nichts besonderes mehr oder?

Um glücklich zu sein braucht es im Außen eigentlich auch gar nichts das du genießen musst. Bewusstsein reicht, da kannst du die Augen schließen und musst gar nichts tun. Einfach sein, das tust du sowieso schon 🙂 du musst sonst gar nichts tun.

• #9






Mira Weyer
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