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Hallo Ihr.

Ich brauche dringend ein paar Ratschläge von Menschen, die meine Zwänge und Ängste in irgendeiner Form nachvollziehen können.

Gestern ist etwas passiert, was mich ziemlich aus der Bahn geworfen hat und jetzt total fertig macht. Obwohl ich weiß, dass es NUR die Krankheit ist und eigentlich nichts außer Täuschung dahintersteckt, fühle ich mich genauso schrecklich, als wüsste ich dies nicht.
Ich fange mal von vorne an.
Bis vor etwa zwei Wochen habe ich ungefähr weitere sechs Jahre mit meinem Stiefvater (und leiblicher Mutter) zusammengelebt, der mich vor sechs Jahren sexuell belästigt hat. Das ging von 'Reinkommen während ich bade und im Wasser rumrühren über Ganzkörpermassage (*beep*) bis hin zu Vibr. in meine Hose stecken.
Meine Mutter hat sich nie von ihm getrennt, weil ich es ihr erst etwa zwei Jahre später erzählt habe. (Das ist kein Grund bei ihm zu bleiben, ich weiß, ich verstehe es auch nicht, aber das ist nicht das Thema)
Jetzt wurde es bei mir so extrem, dass ich über zehn Tage nichts mehr essen konnte, weil ich mich vor allem fürchtete, was dieser Mann angefasst hat. Nicht mal eine Gabel konnte ich mehr in den Mund nehmen, weil er sie schließlich auch schon mal benutzt hatte.

Jetzt wohne ich bei meinem leiblichen Vater, weil es der einzige Ausweg war, da ich wegen einigen anderen Erkrankungen nicht fähig bin alleine zu wohnen. Agoraphobie, Emetophobie, Panikstörung, etc.
Ich fühle mich hier auch eigentlich super wohl, ich esse wieder, habe auch Spaß am Essen. Es gibt zwar viele zwanghafte Einschränkungen, zB. kann ich nicht mehr in Läden einkaufen, in denen mein Stiefvater gekauft hat und ich muss - obwohl ich woanders bin - die Töpfe und Gabeln und alles immer noch einmal selbst abspülen, bevor ich es sicher benutzen kann. Hallo Zwang. (;
ABER.... durch dieses 'Trauma', das ich durch meinen Stiefvater erlitten habe, gehen meine Zwangsgedanken in alle möglichen Richtungen und meine Fantasie ist grenzenlos. Mein Vater weiß NUR, dass etwas vorgefallen ist zwischen meinem Stiefvater und mir, aber nicht die Details und nichts Genaues.
Für ihn ist es also normal und kein Problem, wenn ich mit ihm alte Kleider aussortiere, damit ich einen Kleiderschrank für meine Klamotten habe, bevor wir einen neuen kaufen können, eine alte Hose mal anzuprobieren. Tja... für mich aber schon, denn ich habe meinen Vater das letzte Mal vielleicht mit 10 Jahren in Unterwäsche oder Badehose gesehen und jetzt bin ich 23 und wurde sexuell belästigt und denke mir dann einfach: Es ist wie ein Unfall, ob man will oder nicht, man muss hinsehen. Und dann stellt man fest: Mein Vater hat ja für sein Alter noch eine gute Figur.
Ja, nun... Der Zwang schaltete sich sofort ein und ich hatte brutale Angst davor, dass es mich erregen könnte. Und was resultierte aus dieser eingeredeten Angst? Natürlich dass ich wirklich glaubte, ich sei erregt und sich ein ähnliches Gefühl breitmachte. Der Zwang hatte mir also bestätigt, dass ich perv. bin.
Es macht mich fertig. Aber nicht nur das, denn ich könnte ihm einfach erklären, er sollte doch in Zukunft bitte warten, bis ich aus dem Zimmer bin, wenn er sich umzieht oder so was. ABER... weil ich dieses Gefühl der Erregung hatte, von dem ich weiß, dass es reine Zwangseinbildung war (schließlich habe ich sonst nicht das Bedürfnis ihn so zu sehen oder ähnliches, ich habe ja eher Angst, dass er mich mal *beep* sehen könnte oder einen Ausschnitt sehen könnte oder sonst was. Ich lasse ihn ja nicht mal meine Unterwäsche mitwaschen. Also... ihr seht, da besteht kein echtes Gefühl... ) ... habe ich mich zum Test sozusagen und weil ich das Gefühl loswerden wollte, selbstbefriedigt.
Nicht, weil ich es wollte, sondern um das zwänglich eingebildete Gefühl loszuwerden. Ich habe mich da so reingesteigert, dass es nicht mehr wegging und ich Angst hatte.
Und deswegen fühle ich mich jetzt so abgrundtief elend und schei. und schlecht, dass ich einfach nicht weiß, was ich machen soll. Jetzt gehe ich auf Abstand zu dem Menschen, der immer nur das Beste für mich gewollt hat, hier alles dafür tut, dass es mir gut geht, mir einen Therapieplatz besorgt, mich so viel Wasser zum Spülen verbrauchen lässt, wie ich durch den Zwang eben brauche, etc. Das tut mir sehr weh, weil er ja an nichts Schuld ist, ER hat ja gar nichts falsch gemacht... aber ich... denn mit der Befriedigung habe ich mir ja nochmals bestätigt, dass ich perv. bin, wobei ich weiß, dass es nur der Zwang und die Krankheit war, aber dennoch. Das Gefühl der Schuld lässt mich nicht los.

Nun weiß ich nicht, wie es weitergehen soll. Sollte ich einfach mit ihm offen über alles reden, damit es zwischen uns keine Geheimnisse gibt, oder sollte ich weiter in der 'Schuld' leben und darauf warten, ob sie weggeht? Im Moment kann ich nicht zu meiner Therapeutin, weil sie noch im Osterurlaub ist...
Ich kann es nicht einfach abtun als: Es ist die Krankheit, schei. doch drauf.
Ich versuche es, aber es geht nicht. -.- Ich bin ihr ausgeliefert... gerade habe ich wieder angefangen das Leben zu genießen, weil es mir bei meinem Vater so gut geht und dann passiert so etwas und macht wieder alles zunichte. Meinen ganzen Neuanfang... >.<

Sollte ich alles von Anfang an erzählen, damit er versteht und damit es keine Geheimnisse gibt und ich mich wieder gut fühlen kann? ...
Allerdings hätte ich dann vielleicht die Angst, dass er sich vorstellt, wie ich mich befriedigt habe und er sich dann auch befriedigt, weil ihn das erregt und dann wäre er genauso wie mein Stiefvater, wegen dem ich so krank bin und .... ach, es ist so SCHRECKLICH mit diesen ganzen Zwangsgedanken und endlosen Grübeleien, die zu GAR nix führen....

Vielleicht hat jemand von euch einen Tipp für mich. Denn ich weiß echt gerade nicht weiter. :-/

27.04.2014 10:52 • 27.04.2014 #1


4 Antworten ↓


kalina
Dieses "Schuldgefühl" hat ja nichts mit Deinem Vater zu tun, sondern mit dem Stiefvater.

Ich würde versuchen, Deinen Vater da rauszuhalten. Das würde ICH tun. Ob es für Dich richtig ist, weiß ich nicht. Und dann das Problem mit der Therapeutin besprechen.

Wie alt bist Du denn?

Ich kann mir vorstellen, dass es für Dich sehr wichtig wäre selbständig zu werden und alleine zu wohnen.

Es gibt auch therapeutische Wohngemeinschaften, in denen man für ein bis zwei Jahre therapeutisch begleitet sich von

zu Hause abnabeln kann.

27.04.2014 11:57 • #2



Zwänge nehmen Überhand (Zwangsgedanken aller Art)

x 3


Ich würde niemals alleine wohnen wollen. Ich bin zu meinem Vater gezogen, damit es mir gut geht und genau das ist ja auch eingetreten. Bis eben jetzt gestern. Hier zu wohnen ist für mich ein richtiges Glückserlebnis. Mir gefällt die Umgebung, ich BIN selbstständig, weil ich durch die ganzen Zwänge gar nicht zulassen kann, dass jemand für mich kocht, die Wäsche macht, mein Zimmer putzt oder ähnliches. Ich tue alles allein, mein Vater wohnt nur einfach im selben Haus.
Und mit meinem extremen Krankheitsbild, was ja noch viel weiter reicht, als ich es hier geschildert habe, ist alleine wohnen nichts für mich. Ich war schon mal von zuhause ausgezogen wegen dem Stiefvater Problem und bin danach in der Klapse gelandet, weil ich nicht klargekommen bin. Und da war ich auch betreut. Nicht nur von Therapeuten, sondern auch von Freunden, Partner, etc.
Es war unmöglich.
Ich fühle mich hier ja wunderbar. Ich mache mir nur einfach wegen der Sache, die ich getan habe, derbe Schuldgefühle und kriege sie nicht mehr weg... und ich versuche zu entscheiden, ob es besser ist, mit meinem Vater über das alles zu sprechen, oder daran kaputt zu gehen, während ich es versuche, selbst zu vergessen... oder zu verdrängen.

27.04.2014 12:05 • #3


kalina
Ich sagte ja bereits, dass ICH nicht mit ihm darüber reden würde, denn schließlich sind es ja DEINE Vorstellungen und nicht seine.

Sonst verschwimmen da immer mehr die Grenzen.

Ich würde mit der Therapeutin darüber reden, wenn sie wieder da ist.

Willst Du Dein ganzes Leben bei Deinem Vater leben? Wenn er selbst eine Partnerin hat?
Ich finde das nicht so gesund.

Irgendwann wird eine Abnabelung notwendig sein, evtl. mit Hilfe.

Viel Glück!

27.04.2014 12:32 • #4


Ich werde dann ausziehen, wenn ich einen Partner habe, der mit mir zusammenzieht. Ich bin mit meinem Freund seit bald sechs Jahren zusammen, aber da er in dem Haus seiner Oma wohnt, welches er erbt, möchte er nicht ausziehen und Miete zahlen. Dort einziehen kann ich nicht, weil die Oma Hunde hat und ich eine Katze. Und das habe ich auch bereits ohne Katze vorher mal versucht, was zu schlimmen Gewichtsverlust geführt hat, weil er oben keine Küche hat und ich nicht bei der Oma in der Wohnung kochen möchte, da ich beim Kochen und Essen in Ruhe gelassen werden will.

Mein Vater hat keine Partnerin... er ist sehr froh, dass ich jetzt bei ihm wohne, denn ansonsten wäre ich jetzt halb verhungert in irgendeinem Krankenhaus.

Ich werde es wohl dann so machen, dass ich warte, bis ich meine Therapeutin erreiche und dann kann ich mit ihr vielleicht eine passende Lösung für alle Seiten finden.
Allerdings wird es nicht besser, wenn ich mit meinem Vater über gar nichts rede, denn so werden keine Probleme gelöst.

27.04.2014 12:42 • #5




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