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29

A

amber
Gast

Hallo, ich bin neu hier,
Ich habe Angst vor Lärm von Menschen, sowohl unter tags als auch nachts.
Ich empfinde schon leises Sprechen, wenn es in meine Wohnung dringt als sehr störend und beängstigend, ebenso Musik.
Vogelgeräusche, außer Tauben, und Motorengeräusche stören mich nicht.
Ich schlafe mittags und nachts immer mit Ohrenstöpsel und habe aber Angst, dass sie nicht alles abhalten.
Amber

08.10.2017 #1


64 Antworten ↓
S

sevens
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Lärm hat unterschiedliche Qualitäten.

Mit undifferenziertem "Geräusch" kann man mich verjagen. Am Schlimmsten ist Jahrmarkt/Rummel/Kirmes, wenn da aus jeder Ecke ein anderes Geräusch kommt. Aber auch plötzliche, laute Geräusche, die einen zusammenschrecken lassen: Silvesterknaller, Zirkus, Motorsägen etc. - Als Kind habe ich große Angst vor solchen Dingen gehabt.

Wenn ich hingegen Struktur erkenne und weiß, dass es sich um ganz bewusst eingesetzte, gut zusammenpassende Geräusche handelt, halte ich viel Lautstärke aus. Wenn ich die Musik mag, kann ich mich auf einem Rock-Konzert auch direkt neben die Boxen stellen, und es stört mich nicht, es macht mir sogar Spaß.

Ich denke, es geht bei der "Menschenlärmphobie" vor allem um die eigene Machtlosigkeit, wenn tausende unzusammenhängende, menschengemachte Geräusche zusammentreffen und einen furchtbaren Lärm erzeugen, der Tag und Nacht zermürbt. Auch wenn keines dieser Geräusche sicherlich aus dem Grund gemacht wird, empfindlichen Menschen den letzten Nerv zu rauben, ist das Ganze (nämlich der Krach) auch hier mehr als die Summe seiner Teile. Es führt zu schnell zu schlechter Stimmung.

Die Flucht aus dem Lärm ist stets erfüllend, hat aber auch stets zur Folge, dass man ihn bei der Rückkehr als um so schlimmer erlebt. Evtl. empfiehlt es sich, eine Methode zu finden, störende Geräusche auszublenden. Das geht. Auch das hat mit Frustration zutun - und wie man sie vermeidet. Gelingt es, sich nicht in den Ärger über den Krach hineinzusteigern, sondern den Ärger wie auch den Krach als nebensächlich zu betrachten, ist man auf einem guten Weg.

04.05.2015 22:26 • x 2 #32


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A


Menschenlärmphobie

x 3


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Zitat von Adea:
Stille ist etwas Elementares, das der Mensch zum Leben braucht. Nämlich zum Auftanken von Kraft, zum Regenerieren und für ein feineres Bewusstsein. Aber die Menschen haben ihr Bedürfnis nach Stille vergessen. Es ist unserer Zivilisation zum Opfer gefallen.

Es ist weder eine Phobie noch eine Störung, wenn uns Lärm krank macht und wir schon Angst davor haben - im Gegenteil ist es ein Zeichen von Gesundheit, wenn das Bedürfnis nach Stille erhalten geblieben ist oder sich entwickelt hat - sondern der Mangel an Stille in unserer lauten Welt ist der Fehler.

Für mich die eigentliche Botschaft des Films Nell mit Jodie Foster.

Ich sehe es auch so, dass Stille der Normalzustand ist. Der Mensch hat 99% während seiner Existenz in der Steinzeit gelebt, und da gab es nachts kein halli-galli, es gab keine unbekannten Stimmen, die einen aufwecken, und wenn es Geschrei gab, dann bedeutete es teils lebensbedrohliche Gefahr. Der Mensch kann einfach nicht so schnell umprogrammiert werden. Ich würde mich auch davor hüten, meine Geräuschsensibilität als Phobie zu bezeichnen. Und ich sehe es auch nicht ein, im Zug einen Kopfhörer aufzusetzen. Denn ich will ja meine Umgebung akustisch hören. Nur eben nicht die Stimmen mit Dummgelaber und Gekicher. Was ich mir vorstellen kann, ist nicht, Störgeräusche mit eigenen Gegengeräuschen (Musik) zu eliminieren, sondern mit einem Gegenschallkopfhörer, der mir eine gewisse Stille ermöglicht. Allerdings zu dem Preis, dass man dann vorübergehend taub ist.

06.05.2015 18:46 • x 2 #40


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Adea
Hallo Amber,

wie gut ich dich verstehe! Mir geht es ähnlich, nur nenne ich es nicht Phobie. Der Lärm, den Menschen erzeugen, empfinde ich auch als extrem belästigend! Das kommt, weil ich Stille und Naturgeräusche nicht nur liebe, sondern regelrecht brauche für meinen Seelenfrieden. Den Gesang der Vögel, das Rauschen der Blätter im Wind. Wie derb dagegen der Lärm, den Menschen machen. Auch mich stört, wenn ich Menschen sprechen höre, wenn sie die Stille mit ihrem Sprechen durchbrechen. Noch schlimmer Radio oder Musik, die ich gerade nicht hören will.

Mich stören auch Motorengeräusche - aber Tauben höre ich gerne gurren. Das beruhigt mich.

Kannst du nicht in eine einsame Gegend ziehen?

Liebe Grüße!

#2


A
Danke, für Deine Antwort. Ja, das wäre schon schön, aber das ist illusorisch, da müßte ich schon auf eine Alm ziehen.
Lebe mit meinem Sohn zusammen, der hier in der Stadt studiert. Da er Asperger Autist ist braucht er mich.
Außerdem wäre es auf einer Alm noch einsamer, da ich hier in der Stadt auch schon recht einsam bin. lg amber

#3


Adea
Hi Amber,

wenn man für einen Menschen da sein muss, hat man nicht die Wahl.

Ansonsten steht man vor der Entscheidung in die Einsamkeit zu ziehen, fernab von Lärm, oder die Angebote der Stadt zu wollen, dann muss man den Lärm in Kauf nehmen. Aber vielleicht findest du in der Stadt eine ruhigere Bleibe?

LG

#4


A
Habe schon in einigen Wohnungen gelebt und diese Wohnnung würden Menschen ohne meine Störung als ruhig beschreiben.
Es liegt an mir, dass ich vor menschlichen Geräuschen Angst bekomme- vermute sie machen mir meine Einsamkeit bewußt.

#5


Adea
Und wenn du es nicht als "Störung" und "Phobie" definierst? Sondern als ein starkes Ruhebedürfnis? Aus welchem Grund auch immer.

Dass die Geräusche der Menschen dir deine Einsamkeit bewusst machen, verstehe ich. Lieber bin ich in der Natur allein als unter fremden Menschen, zwischen denen ich sehe, dass sie Menschen haben. Allein in der Natur hingegen fühle ich mich niemals einsam, sondern als Teil des Ganzen.

Das spricht für die Alm Mr. Green

#6


Icefalki
Amber, bei mir ist das auch sehr stark ausgeprägt. Ich habe aber keine Angst, sondern es macht mich wahnsinnig.

Und ich komm nicht dahinter, warum mich das so stört.

Außer, dass ich es nicht abhaben kann, wenn ich ausgeliefert bin. Und das bin ich, auch wenn diese Menschen dafür nix können. Ist zum mäusemelken. Und trotz Oropax höre ich dann noch extra hin wie eine fledermaus mit Ortungsschall.

Ich lasse im Schlafzimmer einen Ventilator laufen. Damit ich ja nichts höre. Also Geräusch mit gegengeräusch vernichten. Und der stört mich nicht, denn das habe ich in der Hand.

Wäre auch sehr froh, diesen Spleen nicht zu haben.

Und Naturgeräusche stören mich auch nicht.

#7


A
Ich liebe es auch ganz alleine in der Natur zu sein.
Als ich vor vielen Jahren auf einem hohen Berg war und einen Moment der Stille hatte ist mir spontan eingefallen :
"wer etwas besitzen will
verliert es
wer nicht besitzen will, dem gehört alles"
Das schönste, das es gibt, kann man nicht kaufen.

Ich empfinde es auch so, Teil des Ganzen zu sein, ob in den Bergen oder am Meer....das ist ein wirklich wunderbares Gefühl.

Habe mal einen Monduntergang auf einem Strand auf Korfu erlebt und Menschen die dazu gequasselt haben- bin dann zur Seite gegangen um diesen Moment bewusst alleine zu erleben.

#8


A
Liebe icefalki,
Ich hab mir für unter tags instrumentale cds gekauft, die ich einschalte, wenn ich mich belästigt fühle.
Außerdem läuft oft der Fernseher, den ich jeder zeit um oder abschalten kann, die Menschen im und außerhalb des Hauses ja nicht!.
Ja das den Menschen Ausgeliefert Sein ist ein wichtiger Punkt.

Braucht ein Ventilator als Hintergrundgeräusch, der Störendes schluckt nicht sehr viel Strom, was hast du dafür für einen in Verwendung?
lg

#9


Mich84
Hi amber,

mit geht es ähnlich. Lärm wie Türe knallen und aufgeregtes Gerede plötzlich vor der Wohnungstür. Das macht mich kirre. Ich bewege mich dann auf einmal nicht mehr "natürlich" in meinem Appartement

#10


Mich84
Ich habe nachdem ich damals die Sozial-Psychatrie verlassen habe nicht mehr weitere Testungen durchführen lassen, die die Verdachtsdiagnose auf Schizotype Störung verifizieren hätten können. Aber ich habe den Verdacht, dass diese spezielle Menschenlärmempfindlichkeit bei mir mit der Reizfiltermacke einher geht- also für die "Normalen" unbedeutender Reiz wird verarbeitet

#11


A
Lieber Mich!
Ja, das ist bei mir auch so,durch eine Störung in der Reizverarbeitung vertrage ich sehr wenig Stress und versuche immer einen Ausgleich durch möglichst viel Ruhe zu schaffen.
Ich würde oft gerne einen Filter vorschalten, der mich schützt.

#12


Icefalki
Amber, musst auf die Wattzahl gucken, ich glaube nicht, dass er so teuer ist. Ich lasse ja nur den Ventilator laufen. Und möglichst einen, der nicht so leise ist. (Man hat mich schon komisch angeschaut, weil ich einen relativ lauten wollte).

Und das mit den Bergen und dem Meer empfinde ich genauso. Das gehört mir dann ganz allein.

Es ist die Weite, irgendwas großes, das mich durch und durch berührt.

#13


Mondkatze
Hallo Amber,
ich bekomme Angst, wenn ich laute Stimmen von Menschen höre.
Wenn jemand ganz plötzlich anfängt zu schreien oder zu streiten.
Vor allem nachts, wenn Betrunkene an unserem Fenster vorbei gehen - ich habe im Schlafzimmer immer Fenster auf - und laut schimpfen, dann bekomme ich richtig Angst.
Ist wahrscheinlich etwas anders als bei Dir; Tierstimmen haben mir auch noch nie Angst gemacht.
In der Stimme kann man so viel erkennen.

#14


A
Liebe Mondkatze!
Fenster aufmachen geht bei mir leider gar nicht auch bei größter Hitze im Sommer. da hätte ich zu sehr Angst vor Lärm!
Vielleicht versuche ich es aber diesen Sommer noch mal als Konfrontationstherapie!
Betrunkene vor dem Fenster hatte ich in meiner letzten Wohnnug und trotz verglaster Veranda und zusätzlicher Lärmschutztüre zwischen Veranda und Zimmer, hat es mich sehr gestört und ich bin nachts immer wieder aufgesprungen.
Wohne nun woanders zur Hofseite, aber ich höre Geräusche aus dem Stiegenhaus, weil es an mein Zimmer grenzt
Zur Zeit geht es mit Ohrenstöpsel und Temesta halbwegs.

#15


A
Meine Zahnarztangst hat sich damals weitgehend gelegt, als ich 6 Termine hintereinander hatte, auch die Angst vorm Auto oder Bus mitfahren habe ich nicht mehr, aber mit dem Lärmproblem komme ich nicht klar, es wird immer schlimmer statt besser.
Vielleicht, weil meine Filter immer schlechter werden, je älter ich werde!

x 1 #16


Mondkatze
ich habe mir angewöhnt, immer wenn ich allein zu Fuß unterwegs bin, Musik über Kopfhörer zu hören.
Da ich immer Angst habe, von allen angestarrt zu werden und ich glaube immer zu sehen und zu hören, wie andere über mich lachen oder reden, lenkt mich das sehr gut ab.

Vielleicht wäre das auch eine Möglichkeit für Dich, Amber, Dich von den Geräuschen abzulenken und diese mit Musik zu überspielen.

x 1 #17

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Hotin
Hallo amber,

Zitat:
Es liegt an mir, dass ich vor menschlichen Geräuschen Angst bekomme- vermute sie machen mir
meine Einsamkeit bewußt.


Da könntest Du schon sehr nah am Thema sein.
Das ist schon mal gut, das Du Dir bewusst bist, das Du an Deinen Angstgefühlen wesentlich selbst
beteiligt bist.
Das du Angst vor den Geräuschen hast, glaube ich nicht. Kann es sein, das Dein Selbstbewusstsein sehr
schwach ist. Im Grunde fühlst Du Dich sehr schutzlos. Dadurch kannst Du Dich vermutlich schlecht richtig
tief entspannen.
Nicht das Geräusch an sich scheint mir das schwierige zu sein. Es wird Deine Unsicherheit sein, etwas
wie ein Zwang, der Dir sagt. "Ist da irgend etwas, was für mich unangenehm und gefährlich sein kann?"

Zitat:
Habe mich selbst irgendwann durch logische Überlegungen von der Autofahrphobie geheilt.


Wenn Du das schon mal geschafft hast, solltest Du Dir hier auch mit Logik helfen können. Das bedeutet,
auch wenn Du durch Geräusche merkst, das sich fremde Menschen in Deiner Nähe bewegen, so bedeutet
das jedoch in keinster Weise irgendwie Gefahr für Dich.
Du brachst noch nicht einmal darüber nachdenken. Lass die Menschen das machen, was die wollen und Du
machst das, was Du willst, nämlich entspannen und Deine verdiente Ruhe genießen.


Viele Grüße

Hotin

x 1 #18


Mich84
Da ist was dran, Hotin. Das niedrige Selbstbewusstsein kann indes von der reizfiltermacke stammen. Und da hat man eben immer wieder mit dem "falschen" denken auf den "normal"Reiz zu kaempfen

#19


Mich84
Wieso kann ich nicht einfach ein Geräusch vor meiner Tür hören und normal mit meinem Zeug weitermachen? Warum raubt mir das Lebensqualität?

#20


A


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Prof. Dr. Borwin Bandelow
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