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Theophanus

Theophanus
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Hiermit eröffne ich das nächste Tanzlokal mit dem Namen „Nordpol“. Hier stelle ich meine Lieder vor und hoffe, dass so mancherlei Melodei und deren Text euch gefallen werden. Die Themen der Lieder sind vielfältig: von der Minne bis zum Frieden, vom Lobgesang zur Gesellschaftskritik und von Mutter Natur bis hin zu einer einfachen Melodie ohne Text. Habt viel Vergnügen damit – ich freue mich auf jede Unterhaltung über den Inhalt der Lieder in diesem Bereich.

20.07.2026 x 3 #1


12 Antworten ↓

Sonja77
Ich wünsche dir viel Freude in deinem neuen Tanzlokal und hoffe das es auch anderen Usern Spaß und Freude bereiten wird
Ich jedenfalls freue mich und schaue gerne immer wieder bei dir rein

x 2 #2


A


Tanzlokal Nordpol

x 3


Theophanus
Dieses Lied erzählt von einer sehr schmerzlichen und herzzerreißenden Geschichte aus meinem Leben. Der Name der Frau wurde bewusst verändert und an das Lied „Ginny Come Lately“ angeglichen. Sie und meine große Liebe höchstpersönlich spielen neben mir die tragenden Rollen in dieser Tragödie. Doch auch mein sehr verehrter Herr Vater kommt auf dramatische Weise ins Spiel: Er meinte es gut mit mir und beendete damit – ohne es zu wollen – leidvoll die tragische Begebenheit. Vor seinem Tod wollte er sein Gewissen erleichtern, indem er mir am Sterbebett all die Geschehnisse offenbarte. Dabei spielte das Schicksal eine übermächtige Rolle in diesem Trauerspiel – was mir wie eine Bestrafung Gottes vorkommt, denn anders kann ich es nicht begreifen.

Diese Lebensgeschichte spielte sich über mehrere Jahre ab. Angefangen hat es, als ich gerade einmal 16 Jahre alt war und im Paradies eintraf – meinem goldenen Zeitalter. Und doch war es auch mein seelisches Grab, denn hiernach war ich nie wieder so frei und glücklich wie in jener Epoche meines Lebens. Damals war ich schwer an einer Zwangserkrankung erkrankt, die mir – ich sage es euch ehrlich – die Haut langsam, aber sicher auffraß. Da sich der Waschzwang mit einem ritualisierten Wiederholungszwang verbunden hatte, musste ich mir in jenem Zeitraum bei einem Waschgang die Hände stets 120 Mal gründlich mit Seife waschen. Ich weiß nicht, ob ihr es euch vorstellen könnt, wenn einen der Schmerz einholt, als würde die ganze Haut zerrissen sein – und ja, sie war es größtenteils eben auch, sodass das Wasser im Waschbecken immer voller Blut war. Ich sprach damals auch kein Wort mehr, wegen der Folter, die ich durch gleichaltrige Mitmenschen erlebt hatte.

Auf einmal trat ein engelgleiches Wesen gleichen Alters in mein Leben und schenkte mir durch wochenlange Geborgenheit meine Sprache wieder. Sie zeigte mir auch das Höchste an Vergebung, was ich bis dato in meinem Leben gesehen habe, indem sie ihren Eltern deren mehr als tausend abscheuliche Untaten des sexuellen Missbrauchs vergab, die sich in all den Jahren des Grauens angesammelt hatten. Sie tat es nicht für sich, sondern für ihre Eltern, damit sie im Falle ihres Todes auf Vergebung vom Allvater hoffen können. Denn wenn sie ihnen doch vergeben kann, dann kann er es doch auch, sodass sie keine Furcht vor ihm haben müssen. Zudem sagte sie: „Und wer wäre ich, ihnen nicht zu vergeben, wenn ich doch im Vaterunser für meine Sünden von dem Allbarmherzigen Vergebung erbitte? Eben eine Heuchlerin und keine Christin.“ Sie war so weise in ihrem zarten Alter. Doch sie machte den gleichen Fehler wie ich selbst: Wir verliebten uns auf himmlische Art und Weise.

Es klang alles so märchenhaft. Ach, wie romantisch wir uns im Leben bewegten und selbiges ausleben durften, dieweil wir so liebevoll zu allen waren. So durften wir des Nachts auch länger aufbleiben in der Jugendpsychiatrie, um im silbernen Mondglanzlicht als Pärchen Hand in Hand zu lustwandeln und mancherlei Tänzlein unter dem Sternenhimmel zu begehen. Zur gleichen Zeit war ich zum Teddybären aller missbrauchten Mädchen geworden; sie erzählten mir vieles im Vertrauen, und ich bekam ein Bildnis zum Beischlaf, das bis heute mit Abscheu verbunden ist.

So kam die erste Tragödie zustande, indem Merle begann, mir ihre Zukunft mit mir vorzustellen, die eigene Kinder beinhaltete. Mit blutendem Herzen musste ich nun Schritte gehen, die mir die Seele derart geschunden haben, dass ich annehme, ich besitze seit diesem Tage keine mehr. Ich sagte ihr, dass ich nicht derjenige sein kann, obwohl ich sie über alles liebte – und zwar bis heute. Denn ich kann mir nur eine platonische Beziehung vorstellen, daher möchte ich ihrem Glück nicht im Wege stehen. Wir weinten beide unter lauter Klage. Als sie aus der Klinik entlassen wurde, kam sie noch einmal auf mich zu und fragte, ob es richtig sei, solch wunderschöne Minne so zu beenden. Doch wie sollte es am Ende mit uns zwei gut gehen? Ich konnte nicht ahnen, dass sich nach langem Zureden durch meine Mutter meine Gedankenwelt zig Jahre danach ändern würde, sodass ich es mir mit vielen Regeln später vorstellen konnte, einen Beischlaf zu vollziehen – wenn eben nur die Frau danach fragen darf, aber niemals ich selbst, und ich weiß, dass sie einen wahren Wunsch äußert, indem ich schon länger mit ihr zusammenlebe und ihr vertrauen kann. Doch bin ich ehrlich: Ich würde gern darauf verzichten.

Ich hoffe sehr, dass sie heute eine kinderreiche Familie und einen wunderbaren Gemahl an ihrer Seite hat; sie verdient es mehr als alle anderen Wesen auf dieser Welt. Ich weiß nicht, ob sie es je mitbekommen wird, doch in all meinen Mären und Liedern ist sie gemeint, wenn es um Minne, Lobeshymnen oder Heldinnen geht. Und wenn ich alt werden darf, so werde ich weiter an meiner Buchreihe über sie und Alwin schreiben – ein Friedenszyklus über eine Geschichte, die das Mittelalter besser darstellt und in der unsere psychische Erkrankung sowie unsere Liebe eine gewichtige Rolle spielen. Dabei wird mein Selbstmordversuch zu ihrem, wodurch sie von einer Seite des Dorfes gern vertrieben würde, während die andere sie beschützt. Am Ende gewinnt der Frieden über den Ort durch Merle und die Unterstützung Alwins. Wobei die Kinder der beiden Hauptfamilien den Frieden für alle Ewigkeit als zwei Bäumlein verfestigen, denn sie heiraten aus freien Stücken über Kreuz. Und da die Frau des „Bürgervorstehers“ nimmermehr das Grab mit ihrem grausigen Gemahl teilen möchte, so wird ihr als Friedensangebot die Erlaubnis erteilt, wenn sie es wünsche, dass sie mit Merle und Alwin deren Grab teilen dürfe.

Und jener Mensch jüdischen Glaubens, der als Einziger ein Pogrom an einem anderen Orte überlebte und Unterschlupf bei Merle und Alwin fand, wird ein extra sechstes Buch in diesem Werk erhalten, weil ich die Nebengeschichte im Nachhinein zu süß fand, um sie nicht zu einer unglaublichen Liebesgeschichte aufzubauen. Denn er wird der Gemahl von Merles bester Freundin. Doch obwohl sie ihn schon sogleich liebt, bleibt sie voller Rücksicht durch den hohen Verlust, den jener Mann erfuhr; die Liebe zwischen den beiden gedeiht in einer herrlichen Sanftmut und Behutsamkeit, die so einzig scheint auf dieser Welt. Derohalben muss zwar der Pfarrherr für eine gewisse Zeit Buße tun, dieweil er sie ehelicht, ohne ihn zu taufen – es geschah indes schon genug Unrecht, daher führt er sie zusammen und geht hiernach auf Pilgerfahrt nach Rom. Er war die erste große Liebe von Merle, doch er entschied sich für Gott. Daher versucht sie, sich das Leben zu nehmen, als Alwin ihre Minne zu ihm verneint, weil er Furcht hat, sie eines Tages zu verlieren. Durch den Tod seiner Mutter hat er schon die Hälfte seines Herzens verloren – wie soll er solch neuen Schmerz überwinden, wenn gar noch des Vaters Tod ansteht? Er besitzt nun mal ein Herz, das die Trauer nicht verliert, sondern mit der Zeit vermehrt, weil er wahrhaftig liebt. In so einem Fall heilt die Zeit nimmermehr.

Nun kam Jenny ins Spiel, eigentlich schon vorab, doch mein Herz kann wohl nur einmal lieben und erst recht nicht zweigleisig unterwegs sein. So gab ich ihr zweimal einen weichen Korb, und doch blieben wir wie Bekannte verbunden in der Klinik, ebenso in den ersten Jahren nach dem Aufenthalt zumindest telefonisch. Sie wollte mir eine große Unterstützung sein, als ich meine erste Depression bekam durch den Entschluss, mich von meiner großen Liebe zu trennen. Doch ich verweigerte es ihr. Sie verstand es, doch durch spätere Gespräche weiß ich, dass sie gleichfalls in ein tiefes Loch fiel; denn sie liebte mich nun einmal und wollte mir eine Stütze sein, doch ich selbst ließ es halt nicht zu. Viele Jahre später schließt sich die zweite Tragödie – eine dritte mache ich hier nicht auf, weil es vielleicht doch zurückverfolgt werden kann. Da ich jedoch niemanden schädigen möchte, verbleibe ich im Stillen. Ich sage nur: Eine Person hat sich verbotenerweise auch in mich verliebt. Irgendwie verrückt – davor und danach war ich immer mutterseelenallein, und im güldenen Jahr sind gleich drei Trauerspiele durch Amor geschehen.

Jahre später war ich wieder einmal in Therapie. Da mein Vater auf dem Sterbebett davon erzählte, weiß ich nicht mehr genau, wann es war; es muss zwischen 1992 und 1998 gewesen sein, und zwar in einem der Jahre, in denen ich in teilstationärer Behandlung war, was eben häufiger der Fall war. Sie wusste den Ort, wo ich wohne, und in jener Epoche gab es noch Telefonzellen mit Telefonbüchern. So fand sie meine genaue Adresse heraus und wollte mich aufsuchen. Doch sie traf auf meinen Vater, der – warum auch immer, wohl aber schützend – so tat, als ob ich mich stationär behandeln ließe und längere Zeit nicht anwesend wäre, wiewohl ich jeden Tag im Hause war. Es handelte sich nur um eine, vielleicht zwei Stunden, da sie nachmittags auftauchte, und das Schicksal hätte anders zuschlagen können, derweilen man ihr die Tür geöffnet hätte. Am gleichen Tag wird mein Vater so krank, dass er am Abend das Hospital aufsuchen musste – was für ein Zufall. Dort trafen sie sich am nächsten Tag, welch Fügung, und so erfuhr er von ihr, dass sie sich das Leben nehmen wollte und daher dort sei. Mein Vater hatte wohl so ein schlechtes Gewissen bekommen, dass er sie am darauffolgenden Kalendertag besuchen wollte, doch er traf sie nicht mehr an. So sprach er eine Krankenpflegerin an, die ihm, einem Fremden, verriet, dass sie sich leidvoll in der Nacht das Leben genommen hatte – in welcher Bestimmung, dass alles in diesen Maßen ablief.

Ich war geschockt, als ich all das anhörte. Mein Vater war dem Tode schon sehr nah und wollte sich die dadurch entstandene Last von der Seele reden, so wagte ich meine tausend Fragen nicht zu stellen; zudem knickten mir die Beine weg vor lauter Traurigkeit. So verbleibt vieles für mich offen. Noch dazu lag seit diesem Tage eine Schwermut in meinem Herzen und die Frage: Warum kam sie so spät in mein Leben? Vielleicht wäre ich mit ihr ein Paar geworden, denn sie war ähnlich wie meine davor kennengelernte große Liebe – einfach ein wunderbarer Engel, der auf Erden wandelte.

Zudem kehrt eine offene Frage immer wieder in meine Gedankenwelt zurück: Hätte ich sie retten und Jahre später gar ehelichen können? Ich trage eine so große Schuld in mir, doch weiß ich nicht, was ich hätte anders machen können. Ich folgte meinem Herzen sowie meinem Gewissen, und ich muss wohl erkennen: Es war ein Fehler. Es gibt nur wenige Fragen dieser Art, die mir das Leben ewig erschweren werden.

Von dieser Art ist auch jene Frage, ob ich mich damals in der Schockstarre in der Jugendherberge hätte vergewaltigen lassen sollen, anstatt meine Zwangserkrankung – die bis zu diesem Zeitpunkt gut therapiert war – aus ihrem Verlies zu holen, damit in mir der Ekel aufkeimt. Damit der Zwang sich vorstellen konnte, dass die mir Fremde vorher auf der Toilette ein großes Geschäft gemacht und sich nicht gereinigt hatte – so übernahm er am Ende die Regie, und so konnte ich jene noch rechtzeitig von mir herunterstoßen. Doch der Zwang verschwand danach nie wieder so wie zuvor und verbündete sich gar mit der Depression, sodass es mir an keinem Tag gut gehen darf. Andernfalls muss ich mich dafür mit tieftraurigem Weinen und Zittern wie Espenlaub bestrafen – und das über Stunden hinweg, weil filmreife Erlebnisse auftauchen, die meinen Liebsten und mir angetan werden: grausame Tode, bei denen man weder sich selbst noch den anderen helfen kann, weil man gefoltert wird. Hierbei wird in der Erinnerung jener Schmerz wachgerufen, den ich empfand, als ein Arzt mit meiner Erlaubnis – um einen Tag an Heilung zu gewinnen – die Naht nach meiner sechsten Steißbeinfistel-Operation im selben Jahr ohne Betäubung öffnete. Zwar gab er mir den Hinweis, es werde ordentlich wehtun und ich solle in das Kissen beißen, doch es war ein Schmerz, den ich nie wieder vergaß – wohl auch, weil manche Stellen der Hautnaht bereits gut verheilt waren.

Nun sind beide in meinem Herzenshaus wohnhaft; die eine verursacht in mir große Freude und die andere, obwohl sie es bestimmt nicht wollte, verschafft mir ein zerbrochenes Herz voller Schmerz. Das einzig Gute daran: Ich bin kein Hallodri geworden, der mit dem Beischlaf nur Leid verursacht durch Fremdgeherei oder Ähnliches. So bin ich auf dem Wege, ohne religiöse Gründe eine ewige Jungfräulichkeit auszuleben – mit voller romantischer Veranlagung, indem ich die große Liebe im Geiste einlade, ihr Lobeshymnen, Gedichte oder preisende Minnelyrik vorzutragen unter dem silbernen Mondhimmel. Oder ebenfalls durch Vorstellungskraft mit ihr unter einer Sternenallee zu wandeln oder zu tanzen, wie es einst geschah, nur noch herrlicher.

Doch langsam geht meine Kraft des Traumes zu Ende, weil sie selbstverständlich mit mir gealtert ist. Doch ist die Furcht in mir gewachsen, dass sie nichts mehr mit der wirklichen Person gemein hat, und so heule ich immer mehr einsam mondwärts und streife als Mondritter muttersternallein als Gespenst durch die Nacht. Ein seelenloser Mensch, der so viel romantische Minne in sich trägt, dass er daran langsam, aber sicher krepiert. Denn mein Herz würde so gern einer Herzenskönigin Geborgenheit schenken und sie auf dem Olymp schweben lassen, ihr ohne Ende und ohne etwas zu verlangen dienen, damit sie in der Himmelsglückseligkeit verweilt; ihr ein Herzens- und Seelengeschwisterlein sein, damit sich die Herzen zu einem verweben und unendliche Seelenküsse gereichen, damit sie sich fühlt, als lebe sie schon längst im Paradies – sodass ihr Glücklichsein meine Schmiede des Glückes werde, indes ihr Unglück mein tödliches Verderben sei. Eben wahre Liebe. Doch weiß ich, dass ich mir durch die Liebe zum Engel von damals wohl selbst im Wege stehe und nimmer auf Suche gehe und es gar vermeide, jemanden kennenzulernen, damit das Leid wachse und wachse wie eine Selbstgeißelung.


O Jenny, ihr kamt leider viel zu spät.


1. STROPHE

O Jenny, ihr kamt leider viel zu spät.
Wie hätte ich euch von Herzen geliebt,
da nun mein Wind des Schicksals traurig weht
und Schmerz mein kleines Herzelein umgibt.
Ich liebe eine andre Frau so sehr.
Und ob die Liebe auch zerronnen ist,
schlägt doch mein Herz für sie nun immer mehr,
weil meine Seele sie zutiefst vermisst.


2. STROPHE

Ich bin nun mal verflucht, allein zu sein,
doch euer stolzes Herz wich nicht zurück.
Ich verblieb in meiner bitteren Pein,
und dennoch suchtet ihr bei mir das Glück.
O Jenny, lieben konnte ich euch nicht
in der Weise, die euch hätte gelabt.
Auch mit viel Zuneigung und Zuversicht
hättet ihr in mir nur ein’n Freund gehabt.


3. STROPHE als BRIDGE

Zu früh seid ihr von uns fortgegangen,
die Erde hält euch nunmehr kühl und fest.
Ihr wart in eurer Liebe gefangen,
die mich nun in tiefer Schuld weilen lässt.
Trotz knospenjungen Seins auf Erdenrund,
von falscher Minne bitterlich zerstört,
schweigt ferner euer zuckersüßer Mund,
ihr habt auf mein Flehen nimmer gehört.
Mein Geist bleibt traurig und allein fortan,
ich war euer Herz niemals richtig wert.
Es bricht der kalte, dunkle Abend an,
der euch das große Glück nun stets verwehrt.


ENDVERS

O Jenny, es tut mir um euch so leid,
denn ihr wart mir vergebens gewogen,
reichen konnte ich euch kein Liebeseid,
war mir doch mein Herz bereits entzogen.


REFRAIN

O Jenny, Jenny, ihr kamt leider viel zu spät,
dieweil sich mein Herz nur einmal im Leben befiedert.
O Jenny, Jenny, ihr kamt leider viel zu spät,
darum ist mein Herzelein doch geteert und gefiedert.


https://www.youtube.com/playlist?list=PLPq2BZB0EvCY

x 4 #3


Theophanus
@Sonja77 Herz Freunde

Ich danke euch für eure herzbewegenden Wünsche aus tiefstem Herzen. Vielleicht lasst ihr euch gern entführen nach Bollywood oder nach Afrika sowie zu einem 60er-Jahre-Ausflug voller Melancholie – gleich beim ersten Lied, das in diesem Tanzlokal dargeboten wird.

x 1 #4


Theophanus
@Sonja77 Herz Freunde

Liebe Sonja, ich hoffe, man darf Euch nachfolgende Frage stellen: Hat Euch der gestrige Besuch im Tanzlokal Südpol im Herzen berührt, oder waren die zwei Geschichten zu belanglos und sind daher Eurem güldenen Herzelein nicht nahegegangen?

x 1 #5


Sonja77
Zitat von Theophanus:
@Sonja77 Herz Freunde Ich danke euch für eure herzbewegenden Wünsche aus tiefstem Herzen. Vielleicht lasst ihr euch gern entführen nach ...

Nichts zu danken mein Freund
ich wünsche mir für dich das du endlich einen Platz findest wo du,du sein kannst und nicht nur selber Freude erfahren sondern auch anderen eine Freude damit bereiten

ich lass mich gerne in fremde Welten entführen und lass mich überraschen wie es da wohl sein wird

x 1 #6


Sonja77
Zitat von Theophanus:
@Sonja77 Herz Freunde Liebe Sonja, ich hoffe, man darf Euch nachfolgende Frage stellen: Hat Euch der gestrige Besuch im Tanzlokal Südpol im ...

Der gestrige Besuch in deinem anderen Tanzlokal hat mich sehr tief berührt,also die Geschichten die du uns da erzählt und geschrieben hast…ich muss ehrlich zugeben das ich nach dem lesen noch eine ganze Weile darüber nachgedacht hab
so viel Gefühl so viel Liebe so viel Trauer so viel Leid so ein schlimmes Ende
das hat mich sehr wohl berührt

ich wollte dir dazu auch eine Kleinigkeit schreiben aber ich denke das es zu manchen Geschichten unseren Lebens einfach keine Worte gibt die man sagen könnte…man kann dann nur eine Umarmung oder ein Danke dalassen um zu zeigen das man es gelesen und zur Kenntnis genommen hat

x 1 #7


Theophanus
@Sonja77 Herz Freunde

Ihr wisst doch, ich bedanke mich gern, dieweil man vielerlei nicht als selbstverständlich ansieht. Und wenn jemand gebenedeite Wünsche sendet, dann bedanke ich mich zutiefst. Jedes Wort, welches Ihr an mich schreibt, kostet eine gewisse Zeit, die ich sehr wertschätze. Bei den anderen kann man ja nie wissen, ob jemand es liest, um sich daran zu ergötzen, oder weil man als Person gefällt – oder ob man mich gar verabscheut und nach etwas sucht, um mir zu schaden. Dazu müssten sie sich jedoch zeigen; doch als Schatten tauchen sie nur auf, weil man sieht, wie oft die Seite besucht wird. Das macht es ein bisschen spukhaft, was ich als schade empfinde.

Wenn Ihr meine Lieder anhört, dann bereist Ihr die Zeit selbst und wandert von einem Ort zum anderen, dieweil ich allerlei Musikrichtungen mag; somit habt Ihr hoffentlich ein großes Vergnügen. Liebt man andere Kulturen, lebt man in allen auf. Das, was bestimmte Leute als „Kulturaneignung“ ansehen, empfinde ich als hochedle Freundschaft. Jedweder, der es anders sieht, erkennt nicht – wie bei dem Buch Die Welle –, dass er auf den Spuren eines grausigen Bösewichts ist, der die Welt in den Abgrund geführt hat. Nur weil sie von der anderen Seite kommen, ist es nicht besser. Wie mein Opa schon früh erkannte: Wandert man zu weit nach links, kommt man rechts an. So ist es längst geschehen, was mich nur noch todtraurig stimmt.

Oh, Ihr meint bestimmt das andere Lokal! Denn die zwei Geschichten im „Südpol“, die mit wunderbarer 50er- und 60er-Jahre-Musik begleitet werden, haben zwar traurige Themen, doch enden sie stets mit einem Happy End. Ihr meint bestimmt meine eigene erlebte Geschichte mit „Jenny“ und Merle. Und ja, die ist mehr als todtraurig. Ich bin ja nicht umsonst jungfräulich unterwegs und weiche allem Möglichen aus, damit ich niemanden mehr kennenlerne, dieweil mir die Liebe selbst so wehtat – und erst recht Jenny. Ich verstehe selbst oft nicht, wie das alles so anfing und gleichfalls, wie es endete. Wie konnte man in einem Jahr so geliebt werden, wenn man ansonsten davor und danach nie wieder Solches in dieser Art und Weise erfuhr? Gut, hiernach habe ich mich auch vor der Minne verborgen.

Hinzu kam ja dann alsbald in der Jugendherberge der sexuelle Übergriff auf mich und Jennys Tod – vielleicht gleich danach oder etwas später. Ihr könnt es mir glauben oder nicht: Mein Herz weint über all das Geschehene immer noch und wird es so lange tun, bis ich nimmer mehr bin oder der Geist mir entschwindet. Ich würde so gern mit jener Person sprechen, die mir damals so sehr geholfen hat. Doch es ist schwer; sie hat wohl Furcht, dass ich ihrem Leben schaden möchte, weil sie mir damals als angehende Therapeutin verbotenerweise versuchte, an meinem Geburtstag einen Zungenkuss zu reichen. Doch ich möchte ihr nichts Böses, zudem war sie selbst von sich erschrocken. Sie kennt halt all die Personen: Merle und eben „Jenny“. Ach, ich weiß nicht, es ist vielleicht albern, doch ich dachte, hier vielleicht den Schmerz zu teilen, wäre gut. Indes merkte ich schnell, dass in ihr Panik hochkam.

Sie ward doch damals genug bestraft, indem sie ihr Studium dort beenden musste, um mich nicht mehr sehen zu können – dies verlangte man von ihr, als sie es ihren Kollegen beichtete. Sie musste die Stadt so schnell wie möglich verlassen, damit sie mich nicht mehr zu Gesicht bekam, sonst wäre sie von deren Seite angezeigt worden. Ich fand das damals stark übertrieben, weil ich ihr schnell verziehen hatte. So mussten wir uns heimlich am Bahnhof wohl für immer verabschieden, wo sie mir einen mehr als dreiseitigen Liebes- und Abschiedsbrief überreichte. Diesen konnte ich jedoch erst Jahre später lesen, um diese Niederschrift als das, was sie war, zu würdigen – denn in der Zeit, als ich ihn bekam, schlug mein Herz alleinig für Merle, während jene Therapeutin sich gefühlt wie eine Schwester für mich anfühlte.

Zumindest bin ich froh, dass sie heute wer ist. Ohne sie wäre meine Therapie damals nämlich verloren gewesen, dieweil sie bei mir eine Eins-zu-eins-Betreuung nach Auftrag gemacht hat, um meine Therapie zu retten, nachdem ich die Liebe zu Merle beenden musste. So wäre ich heute wohl nicht mehr unter euch; denn jene andere Studentin, die die Eins-zu-eins-Betreuung dann übernahm, wäre zuvor niemals dazu in der Lage gewesen, dieweil sie einfach nicht das Niveau besaß, eine gute Therapeutin zu sein. Als sie mich übernahm, war meine Genesung aus der Depression zum Glück schon sehr weit fortgeschritten.

Ich habe meiner damaligen Therapeutin dieses leichte Vergehen schnell verziehen. Vielleicht hasse ich auch deswegen meinen Geburtstag – wiewohl keiner in unserer Familie etwas von so einem komischen Brauch wie einer Geburtstagsfeier oder dem Beglückwünschen hält, nur weil man geboren wurde und ein weiteres Lebensjahr dazugewonnen hat. Außer man dankt der eigenen Mutter an dem Tag dafür, dass sie einen geboren hat – das würde ich begreifen, alles andere eben nicht. Derohalben verstelle ich mich auch nicht mehr und gratuliere niemandem auf dieser Seite. Ich rechne ihr ihre Leistung an mir hoch an; wie sie mir aus dem Sumpf half, war und ist für mich bis heute zutiefst beeindruckend.

So war man natürlich etwas enttäuscht, als man versuchte, wieder Kontakt aufzunehmen, und eher eine Furcht ihrerseits spürte, man wolle ihr den Beruf streitig machen, wenn heute herauskäme, was sie sich damals erlaubte. Doch ihr Name wird stets nimmermehr meine Lippen verlassen oder auf andere Art bekannt werden, denn ich sehe die Welt nicht schwarz-weiß. Sie hat mir das Leben damals gerettet und dabei zu viele Gefühle für mich bekommen; doch ihr Versuch eines Zungenkusses tat ihr sofort aufrichtig leid, und somit war es ein Leichtes, ihr dies gern zu vergeben.

Bei den anderen, in dem Fall ausgedachten Geschichten, die ich eigentlich meinte, habe ich meine Eltern hineingemogelt – entweder mit ihren Namen oder durch diese Frühstücksstory: Mein Vater hatte meine Mutter getroffen, und das hat bei ihm wie ein Blitz eingeschlagen. Meine Mutter brauchte nach einem Überfall einen Beschützer, fand ihn in ihm und verliebte sich mit der Zeit umso mehr in ihn. So war es gleich bei ihrer ersten Begegnung sehr spät geworden, sodass sie nicht in der Nacht nach Hause kam, sondern erst am Morgen – mit Zeitung und Brötchen.

Mein Vater hat die Schuld bei ihren Eltern auf sich genommen, eben mit seinem ganz eigenen Humor: Sie sollten ja nicht gesagt haben, an welchem Tag sie nach Hause kommen solle, und so sei es in der Früh doch besser als abends. Zudem sei er gleichfalls unschuldig – denn was könne er dafür, dass Gott an ihrer Tochter selbst Hand angelegt habe? Anders könne er schließlich nicht begreifen, dass ein solch holdes Wesen hier auf Erden unter den Menschen weile.

Ich empfinde ihre Liebe als so himmlisch süß, dass ich hoffe, sie sitzen nunmehr auf einer Wolke und genießen das Paradies Erde von oben zu zweit – oder gar vereint als ein einziges Wesen. Dieweil ihre Herzen und beiderlei Seelchen derart verbunden waren, dass Gott sie sicherlich zu einem Einzigen verschmolzen hat; verdient haben beide es wahrlich. Ach, könnte man nur solche Treuminne erleben, mit derselben Zuneigung, sodass man nur noch für den anderen leben möchte! Einfach göttlich. Ja, ich schwärme von der Liebe meiner Eltern. Es war ein Pärchen voller Märchen – so, als wären sie zueinander wie Elfen gewesen. Und diese Liebe offenbarten sie nicht nur einander, sondern so waren sie eben auch zu uns: Feineltern aus voller Hingabe.

x 2 #8


Theophanus
Begleittext und mehr zum baldigen neuen Lied: »Der Seelenkuss Christi«

Ich gehe hinaus in die weite Welt und bestaune jene, die mir begegnen. Haben selbige nichts erlebt? Sie sehen aus, als wären sie unverbraucht, gar unzerbrechlich, stets gesund und immerdar jünglinghaft, nie verlegen, groß, nie klein, stark mit breiter Brust, nie schwach mit hängendem Köpflein. Ich singe und schreibe Lieder, doch nicht für jene. Ich weine in mein Glas, damit ich sodann Tröstung trinke.

Ich bin uralt mit schlabbriger Haut, ich tauche ein ins Leben – anwesend, ohne Sturheit, doch zerbrechlich, kränklich, sehr verlegen, eher klein und mit hängenden Schultern. Trotz alledem scheint mir, dass ich mehr Spaß habe als die oben Genannten. Ich lebe und fühle, bin halt kein Roboter, habe lebendige Gefühle, gehe im Takt von Mutter Natur und schwebe mit ihr vereint durchs Sein.

Ich feiere nicht mit Trank wie die Deppen, nehme keine Dro., denn ich möchte das Leben atmen können. Ich bin nicht süchtig wie die Möchtegern-Freien, die Anerkennung für ihr Sein brauchen und auf den Straßen gegen das Unrecht demonstrieren, während sie selbst welches verüben. Sie leben sich in der Kotze aus, die sie selbst herstellen. Mancherlei fühlt sich im Rausch des Beischlafes pudelwohl, doch sind selbige entweder blind für die wahre Liebe oder wollen sie stets gar zerstören.

Ich könnte über all die bestechlichen Hallodris weiter erzählen, doch mir wird dabei nur todtraurig, denn leben tun sie gewiss nie und nimmer. Gerade auch jene, die reisen oder von Ort zu Ort ziehen: Ihr Leben bereichert sich nicht, denn für die Menschen dort und deren Kultur interessieren sie sich auf keinerlei Weise. Warum auch? Sie sind doch die Könige und alle anderen ihre Untertanen. Wohin sie auch verreisen oder hinziehen, bringen sie nur Elend und feiern sich dafür, dass sie mit ihrer Art wieder ein Land zerstörten.

Ich weile an der Stelle, wo Gott mich gebären ließ, und feiere das Dasein erst recht mit dem ganzen Terror all der anderen. Ich trinke auf ihr Wohl – sollen sie doch leben in ihrem Stolz und darin baden, Verbrechen begehen mit ihrer Selbstliebe. Dafür ist sie nun mal da, doch merken tun sie es leidvoll nimmerdar.

Doch ich mag es sehr mit meiner demutsvollen und damit bescheidenen Eigenliebe – gerade mal so vorhanden, damit man überleben tut. Mehr soll keiner in sich tragen, damit man Liebe in der ganzen Welt ausbreitet. Denn Jesus wird geboren bei jedem Stiefmütterchen im eigenen Leibe, wenn die Muttertugenden sich in jenen bildeten, die die Gemahlin des Tugendkaiserspaares darstellen. Denn bevor sie ihren Gemahl kennenlernt und ihn ehelicht, bekommt sie jungfräulich ein Kindelein namens Nächstenliebe – das Kind von Demut und Liebe. Somit ist die Nächstenliebe das Christkind in einem selbst.

Und somit möchte auch ich jenem ein Lied widmen. Dafür habe ich mir sehr viel Zeit genommen, mich in ein schönes, altes Vokalstück hineingehört und mich in dessen Kern verliebt. Ich habe dem Text meine eigene Würze dazugereicht und ihn somit nicht nur erweitert, sondern in Gänze neu geschrieben. Ich hoffe, es gefällt euch; am Sonntag ist es so weit, das Lied trägt den Namen: »Der Seelenkuss Christi«.

So gehe ich vor jedem Stiefmütterchen auf die Knie, denn ich sehe Jesus in ihnen. Sie strahlen in voller Demut ihre Liebe aus und reichen einem stets ihre Engelshand. Nur sie sind Helden. Doch die Welt ist nun mal blind und läuft gern dem Teufel hinterher – in Gestalt eines Heroen, der mit Gewalt für die angebliche Gerechtigkeit kämpft. Doch ich frage mich: Für wen ist es gerecht? Denn oft wandelt es sich in Unrecht. Ach egal, war ja „für das Gute“.

Ach, diese stolzen Rosen! Wenn es die nicht geben würde auf dieser Welt, hätten wir gleich Frieden auf Erden. Doch genau die erzählen, es sei unmöglich. Wer spricht aus ihnen? Es ist Luzifer höchstpersönlich mit klarer Stimme. Denn ja, das ist der Stolz, und jener wächst und gedeiht so herrlich, wird gar gezüchtet. Oh, wehe uns! Ein Wohl auf die Demut, die im Verbund mit der Liebe das Gegenmittel darstellt.

Wer nämlich als Stiefmütterchen unterwegs ist in der Menschenwelt und ein anderes auffindet und lieben lernt, bildet mit deren beiden goldgüldenen, unerschöpflichen Muttertugendbrünnlein noch ein drittes für ihre Beziehung. Ein solches Geschenk hat Gott uns gereicht, doch wird es kaum genutzt. Denn es ist die dreifaltige Liebe: die beharrliche, stets wachsende, treusüße Minne, wo man sich nie streitet und nur füreinander lebt. Diese Pärchen gibt es noch, doch sie sterben aus, dieweil wir der Frohlockung des Stolzes frönen.

Die Liebe ohne Demut ist wie eine übersalzene Suppe – für niemanden genießbar und somit auch nicht für den Frieden, sondern nur für das Böse, namentlich aller Verbrechen. Denn nur mit Demut wird die Liebe genüsslich und schmackhaft. Kein Verbrechen wäre mehr denkbar, weil die Demut es zu verhindern weiß; weil ein demutsvolles Menschlein sofort verwelken würde, wenn es nur an ein Vergehen dächte. Denn es schmerzt ihm so sehr, überhaupt daran zu denken, einem Wesen etwas anzutun – weil für dieses Menschlein jedes andere Wesen mehr wert ist als man selbst.

#9


Theophanus
Ich weiß nicht, was Jesus sagen würde, ich kann es nur vermuten, doch so schreibe ich es mit meinen Worten:

Stellt euch eine Zeit der großen Not und des Hungers vor. Eine Frau, deren Herz voller Demut ist, zieht durch das Land. Sie selbst hat kaum noch etwas zum Überleben, da trifft sie auf eine andere Person, die bitterlich nach Nahrung bettelt. Ohne zu zögern reicht die demütige Frau ihr alles, was sie noch besitzt – selbst wenn dieses Opfer ihren eigenen Tod bedeuten kann.

Das Schlimme aber ist, wenn dieses Gegenüber einer prachtvollen Rose gleicht, die im Grunde schon genug hat, aber aus unersättlicher Gier weiterbettelt, nur um sich selbst noch mehr zu befetten auf Kosten der Hungernden.

Am Ende müssen wir uns alle selbst die Frage stellen: In welchem Reich möchten wir einmal gelangen? In einem Reich, das genauso kalt und vom Stolz regiert ist wie das hier auf Erden, oder eben in den Himmel, wo die Demut und die reine Liebe wohnen?

#10


Theophanus
Ich gehe hinaus in die weite Welt und bestaune jene, die mir begegnen. Haben selbige nichts erlebt? Sie sehen aus, als wären sie unverbraucht, gar unzerbrechlich, stets gesund und immerdar jünglinghaft, nie verlegen, groß, nie klein, stark mit breiter Brust, nie schwach mit hängendem Köpflein. Ich singe und schreibe Lieder, doch nicht für jene. Ich weine in mein Glas, damit ich sodann Tröstung trinke.

Ich bin uralt mit schlabbriger Haut, ich tauche ein ins Leben – anwesend, ohne Sturheit, doch zerbrechlich, kränklich, sehr verlegen, eher klein und mit hängenden Schultern. Trotz alledem scheint mir, dass ich mehr Spaß habe als die oben Genannten. Ich lebe und fühle, bin halt kein Roboter, habe lebendige Gefühle, gehe im Takt von Mutter Natur und schwebe mit ihr vereint durchs Sein.

Ich feiere nicht mit Trank wie die Deppen, nehme keine Dro., denn ich möchte das Leben atmen können. Ich bin nicht süchtig wie die Möchtegern-Freien, die Anerkennung für ihr Sein brauchen und auf den Straßen gegen das Unrecht demonstrieren, während sie selbst welches verüben. Sie leben sich in der Kotze aus, die sie selbst herstellen. Mancherlei fühlt sich im Rausch des Beischlafes pudelwohl, doch sind selbige entweder blind für die wahre Liebe oder wollen sie stets gar zerstören.

Ich könnte über all die bestechlichen Hallodris weiter erzählen, doch mir wird dabei nur todtraurig, denn leben tun sie gewiss nie und nimmer. Gerade auch jene, die reisen oder von Ort zu Ort ziehen: Ihr Leben bereichert sich nicht, denn für die Menschen dort und deren Kultur interessieren sie sich auf keinerlei Weise. Warum auch? Sie sind doch die Könige und alle anderen ihre Untertanen. Wohin sie auch verreisen oder hinziehen, bringen sie nur Elend und feiern sich dafür, dass sie mit ihrer Art wieder ein Land zerstörten.

Ich weile an der Stelle, wo Gott mich gebären ließ, und feiere das Dasein erst recht mit dem ganzen Terror all der anderen. Ich trinke auf ihr Wohl – sollen sie doch leben in ihrem Stolz und darin baden, Verbrechen begehen mit ihrer Selbstliebe. Dafür ist sie nun mal da, doch merken tun sie es leidvoll nimmerdar.

Doch ich mag es sehr mit meiner demutsvollen und damit bescheidenen Eigenliebe – gerade mal so vorhanden, damit man überleben tut. Mehr soll keiner in sich tragen, damit man Liebe in der ganzen Welt ausbreitet. Denn Jesus wird geboren bei jedem Stiefmütterchen im eigenen Leibe, wenn die Muttertugenden sich in jenen bildeten, die die Gemahlin des Tugendkaiserspaares darstellen. Denn bevor sie ihren Gemahl kennenlernt und ihn ehelicht, bekommt sie jungfräulich ein Kindelein namens Nächstenliebe – das Kind von Demut und Liebe. Somit ist die Nächstenliebe das Christkind in einem selbst.

Und somit möchte auch ich jenem ein Lied widmen. Dafür habe ich mir sehr viel Zeit genommen, mich in ein schönes, altes Vokalstück hineingehört und mich in dessen Kern verliebt. Ich habe dem Text meine eigene Würze dazugereicht und ihn somit nicht nur erweitert, sondern in Gänze neu geschrieben. Ich hoffe, es gefällt euch; nun ist es so weit, das Lied trägt den Namen: »Der Seelenkuss Christi«.

So gehe ich vor jedem Stiefmütterchen auf die Knie, denn ich sehe Jesus in ihnen. Sie strahlen in voller Demut ihre Liebe aus und reichen einem stets ihre Engelshand. Nur sie sind Helden. Doch die Welt ist nun mal blind und läuft gern dem Teufel hinterher – in Gestalt eines Heroen, der mit Gewalt für die angebliche Gerechtigkeit kämpft. Doch ich frage mich: Für wen ist es gerecht? Denn oft wandelt es sich in Unrecht. Ach egal, war ja „für das Gute“.

Ach, diese stolzen Rosen! Wenn es die nicht geben würde auf dieser Welt, hätten wir gleich Frieden auf Erden. Doch genau die erzählen, es sei unmöglich. Wer spricht aus ihnen? Es ist Luzifer höchstpersönlich mit klarer Stimme. Denn ja, das ist der Stolz, und jener wächst und gedeiht so herrlich, wird gar gezüchtet. Oh, wehe uns! Ein Wohl auf die Demut, die im Verbund mit der Liebe das Gegenmittel darstellt.

Wer nämlich als Stiefmütterchen unterwegs ist in der Menschenwelt und ein anderes auffindet und lieben lernt, bildet mit deren beiden goldgüldenen, unerschöpflichen Muttertugendbrünnlein noch ein drittes für ihre Beziehung. Ein solches Geschenk hat Gott uns gereicht, doch wird es kaum genutzt. Denn es ist die dreifaltige Liebe: die beharrliche, stets wachsende, treusüße Minne, wo man sich nie streitet und nur füreinander lebt. Diese Pärchen gibt es noch, doch sie sterben aus, dieweil wir der Frohlockung des Stolzes frönen.

Die Liebe ohne Demut ist wie eine übersalzene Suppe – für niemanden genießbar und somit auch nicht für den Frieden, sondern nur für das Böse, namentlich aller Verbrechen. Denn nur mit Demut wird die Liebe genüsslich und schmackhaft. Kein Verbrechen wäre mehr denkbar, weil die Demut es zu verhindern weiß; weil ein demutsvolles Menschlein sofort verwelken würde, wenn es nur an ein Vergehen dächte. Denn es schmerzt ihm so sehr, überhaupt daran zu denken, einem Wesen etwas anzutun – weil für dieses Menschlein jedes andere Wesen mehr wert ist als man selbst.



Der Seelenkuss Christi


1. STROPHE

Welch eine unaussprechlich große Wonne,
reicht mir eure Sonne aus deren Bronne.
Sie quillt unsagbar hold aus dem Gemüte
und geht bei mir auf als eine Feinblüte.
Im Garten am Herzenshaus wächst sie empor
und steht im dort ansässigen Blumenflor
ganz lind in vollendeter wie edler Pracht,
die von nun an gibt auf einen herrlich acht.


2. STROPHE

Welch eine Freude entspringt aus dem Leide,
dass ihr aufnahmt bis in die Eingeweide.
Ihr seid die Liebe selbst auf reinste Weise
sowie unser aller Hoffnungen Speise.
Einen Ozean an Erbarmen reicht ihr
zu jedwedem Einzelnen auf Erden hier.
O süßer wie unerschöpflicher Heiland,
wie fein tragt ihr für uns solch Friedensgewand.


3. STROPHE

Welch eine Güte reicht ihr einer Seele,
obgleich keine sei ohne jeden Fehle,
indes sei sie bestückt mit reichlich Sünde,
doch eure Gnade reicht ihr Liebesbünde.
Ihr seid das herzallerschönste Friedensmeer
und ein vielfaches sowie himmlisches mehr.
O treubarmherziger Herr Jesus Christus,
wie herrlich reicht ihr uns euren Seelenkuss.


4. STROPHE

Welch Trost spendet ihr mit eurer Treuliebe
und versetzt uns wahrlich keinerlei Hiebe.
Jesu sanftmütig erhabene Milde
wandelt alles zu gelobtem Gefilde.
Es sei gepriesen, euer irdisches Sein
sowie euer nunmehr himmlisches Dasein.
Gelobt seien euer golddurchwirktes Herz
und euer Wirken, trotz all dem Erdenschmerz.


REFRAIN:

Lieb' Jesu, in euch ist Herzensfreude in allem Leide.
Habt Dank dafür, liebes Lamm auf der schönsten Friedensweide.
In eurer Tugendweißblüte findet unser Gemüte
Geborgenheit bei Gebrechen und Tod, welch eine Güte.
Lieb' Jesu, mit euren Händen möget ihr alles wenden,
wie auch geheißen mag die Not, die durch euch wird stets enden.
Jesu, drum werden wir euch ehren, euer Lob vermehren,
wir preisen euch im höchsten Tone, um euch zu verehren.

Zum Abschluss erfolgt:

Halleluja Jesu, Halleluja Jesu, ein aber­tausendfaches Königshalleluja für unseren Jesus ...

















#11


Theophanus
Zum Bild:

Jedweder kann im Bild etwas anderes sehen wollen, doch ich wollte Jesus nicht als Mensch hier bildhaft darstellen, sondern ihn derart zeigen, wie man ihn sich auch vorstellt. So ist er das Friedenslamm mit seiner Mutter als Krone, die auf seinem Köpflein thront als Marienkäferlein. Denn jenes Tier zeigt uns auf zweierlei Art Marias Barmherzigkeit auf, indem das Geschöpf mit Marias Gnade wie mit ihrem Mantel die Ernte behütet und somit uns das Brot zum Mahle sicherstellt, sowie uns mit der heiligen Zahl Sieben angibt, dass jedwedes kleine Geschöpf himmlisch sei und uns ein Glücklichsein reicht.

Die drei Friedenstauben sind zum einen eben auch Maria und Jesus – beide werden oft als Friedenstauben dargestellt –, die dritte ist der Allherr selbst. Auch er ist zweimal vorhanden im Bild, denn die Friedensweide und der gesamte Äther sollen ihn ebenfalls offenbaren.

#12


Theophanus
Zum Lied:

Oh liebe Taube ohne Galle an Seelchen, meine Wenigkeit fleht Euch in wahrer Liebe an: Fliegt auf dem Pfad des Friedens mit vollem Edelmut sanft entlang für alle Lebewesen auf Mutter Erde und Euch selbst! Auf dass Ihr nunmehr versehen seid mit unergründlicher Weisheit und Barmherzigkeit, um der Minne in allen Ehren zu dienen. Seid daher alsbald ein brennender Berg und erscheinet als unerschöpfliche Sonne! Lasset das von Euch heilsame Licht fließen zu allen Geschöpfen, sodass sie genesen zu vollen Monden in herrlichem Mondesweißglanz und dabei allerlei begangene Sünden von sich abstreifen.

Seid unermesslich in Eurer Herzensgüte und breitet selbige auf Erden aus, indem Ihr eine Wurzel des Friedens werdet. Seid stark darin, dies zu verbleiben, egal was kommen mag; werdet nicht zaghaft und harrt in Treue aus. Sonach bildet sich mit viel Fortuna durch weitere edeltapfere Seelelein ein Friedenshain – nur so bildet sich nach meinem Ermessen ein wahrer Frieden.

Es dünkt mich, es wollen alle den Frieden, doch meinen sie wohl, er komme von allein, wenn man auf Straßen dafür demonstriert und andere auffordert, hierauf hinzuwirken, doch selbst vermögen sie nichts zu tun. Dabei sollte jedweder wissen: Der Friede kommt nicht von allein, sondern beginnt bei einem selbst. Es ähnelt mir alles dem Rattenfänger von Hameln, der tat auch nichts Gutes im Schilde. Somit geht nimmermehr auf die Straße für den Frieden, sondern agiert an erster Stelle bei Euch höchstselbst! Und habt Ihr noch Kraft, so verwendet sie für die Familie; verbleibt noch ein Körnchen Energie, so setzt es ein für die Gesellschaft vor Ort, in der Ihr lebt.

Hört auf zu lehren, denn damit erschafft Ihr kein Körnchen an Frieden. Stattdessen seid Vorbild, indem Ihr aufhört zu streiten und dergleichen; zeigt dagegen Sanftmut in allen Lagen! So schöpft Ihr ein Vielfaches mehr an Harmonie und Frieden als jene auf den Straßen, denn sie kommen mir Heuchlern gleich. Schaut nur deren Gesichter: Sehen selbige friedlich aus? Nein, das Gegenteil ist der Fall! Sie trotzen nur vor Groll, und er ist ein Bruder von Stolz und Wut. Solche Gesellen haben mit himmlischem Frieden absolut nichts zu tun! Denn wahrer Friede verlangt eine unverwandelbare sowie innige Zuneigung zu allem Leben, ein alles vergebendes Gemüt, ein liebevolles Entgegenkommen, eine unerschütterliche Demut im Verbund mit der Liebe und ihrem Kindelein namens Nächstenliebe, die beharrliche Treue zur Harmonie, eine unerschütterliche Hoffnung für allerlei und eine gravierend schmerzliche Sehnsucht, die nach Frieden sucht – sonst bemüht man sich nicht danach.

Bedenkt indes: Der Weg wird gepflastert sein mit Steinen, die einem so schwer im Magen liegen werden, dass selbige einen verzweifeln lassen und gar solch Leiden verursachen, dass man vor Ungerechtigkeit schreien möchte. Doch leidvoll geht es unter solch einer Menschenwelt nicht anders. Vergebung ist der Weg, auch wenn er einem oftmals als ungerecht vorkommt – denn alles andere bedeutete zu richten und zu kämpfen, und all dies ist nicht der Weg des Friedens, sondern man wird ein Teil des Krieges.

Wie gesagt, es ist nur eine bescheidene Bitte von einem Seelelein, das sich so sehr nach Harmonie und Frieden sehnt. Ein Seelelein, das schon so viel Leid ertrug und doch all jenen, die ihm Leid angetan haben, von Herzen vergeben konnte – weil es dies so sehr wollte. Unter diesen Taten war vieles Strafbare, gar Folter; doch wäre ich denn besser als jene, wollte ich sie bestraft sehen? Auf keinen Fall! Eher schlechter, dieweil man doch so gern auf dem Weg des Guten wandeln möchte.

#13


A


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