Zitat von AJPsychic:Aber kann man das Leistungsvermögen so verbindlich nach vier oder sechs Grundschuljahren feststellen?
Wo sollte denn deiner Meinung nach der Zeitpunkt sein, wo man das feststellen kann? Wenn alle bis z.B. zum 9. Schuljahr zusammenbleiben und der Unterricht sich nach den Schwächsten richtet, ist für diejenigen, die Abitur machen wollen, so viel wertvolle Zeit verschwendet worden. Die müssen dann den gesamten Gymnasialstoff fürs Abitur, der bisher in 8/9 Jahren vermittelt wird, in drei Jahren aufholen. Und weil das nicht möglich ist, werden die Anforderung des Abiturs noch weiter gesenkt.
Wir sind sehr gespannt, wie sich das bei uns mit der Gemeinschaftsschule entwickelt, wenn die ersten Abiturjahrgänge daraus hervorgehen. Wir ahnen Böses.
Bisher war es ja immer so, dass man die Schulform wechseln konnte bzw. musste, wenn man falsch eingestuft worden war. Es kamen immer viele ehemalige Realschüler nach der 10. Klasse auf Gymnasium, um Abitur zu machen. Umgekehrt mussten aber sehr viel mehr abgehen, die am Gymnasium überfordert waren. Ich habe 1982 Abitur gemacht. Aus den ursprünglich 5 Parallelklassen, die in der Klasse 5 anfingen, mit jeweils zw. 45-50 Schülern pro Klasse, machten ca. 70 Abitur, wobei da auch einige dabei waren, die von der Realschule kamen.
Bei uns ist seit ein paar Jahren auch weder eine Empfehlung der Grundschule noch ein bestimmter Notendurchschnitt nötig, um auf Gymnasium zu gehen. Der Elternwille ist entscheidend. Und wenn die Eltern aus sozial schwachen Familien ihre Kinder nicht aufs Gymnasium schicken wollen.... Aber zu deiner Beruhigung, es gehen auch solche Kinder aufs Gymnasium ... und machen viel Ärger. Da kann ich als ehemalige Gymnasiallehrerin ein Lied davon singen.
Zitat von AJPsychic:Ich glaube, ich verstehe langsam besser, warum in Deutschland weniger Kinder aus "Arbeiterfamilien" studieren, als in anderen Ländern.
Das stimmt ja mittlerweile auch nicht. Gerade gestern war ein Bericht im Fernsehen über den rasanten Anstieg der Studierenden an den Unis, trotz geburtenschwacher Jahrgänge. Die Unis platzen aus allen Nähten und es gibt nicht genügend Gelder, um neue Gebäude zu errichten und erst recht nicht, um zusätzliches Lehrpersonal einzustellen.
In anderen Ländern ist auch oft üblich, dass man trotz Abitur noch eine Aufnahmeprüfung machen muss. Das ist in Deutschland ja nicht so.