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Hermit
@Burn

"Erwartet man immer alles in ein und der selben Person , dann ist es unrealistisch und auch naiv.
Das Gegenüber ist nicht dafür da! "

Ein wichtiger Satz in einem sehr differenzierten Posting! Insbesondere facettenreiche Menschen sind gut damit beraten verschiedene Kontakte zu haben, mit denen sie jeweils einen oder mehrere Anteile ausleben können. Die Vorstellung der Partner könnte alle Wünsche erfüllen, alles richtig machen oder ist für das eigene Wohl verantwortlich, ist übergriffig und naiv.
Darum muss man sich leider in erster Linie immernoch selbst kümmern.

• x 4 #41


RainmanX
Sehr sehr schwieriges und hochkomplexes Thema! Ich frage mich ein ganzes Leben lang, was dieses Konstrukt "Freundschaft" eigentlich bedeuten soll? Und im eigenen Interesse vor allem auch, wie viel ich von einer Freundschaft "erwarten darf", da ich ein Mensch bin, der aus verschiedensten Gründen (könnte gar nicht alle aufzählen) keinerlei oberflächliche Kontakte ertragen kann. Insofern bin ich sozusagen gezwungenermaßen sehr sehr anspruchsvoll bei sozialen Bindungen (hab auch mittlerweile seit Jahren keine Freunde mehr, früher hatte ich zumindest ab und an vereinzelte Freundschaften)..

Aber ich würd mir zumindest unter einer solchen freundschaftlichen Beziehung vorstellen, dass man (weitestgehend) bedingungslos für einander da sein kann, sich in allen (realistischen) Belangen unterstützt, sich jederzeit kontaktieren kann (auch zu ungewöhnlichsten Zeiten) und eine zutiefst vertrauensvolle Interaktion und Kommunikation pflegt, ein "echter" Freund(in) wäre für mich mit Abstand das Wertvollste im Leben, könnte ich gar nicht annähernd bemessen..

• x 3 #42


A


Erfahrungen mit Freundschaften

x 3


Azure
Zitat von SilentRoG:
Was meinst du damit? Wenn die Sympathie nach dem Mund aufmachen wie weggeblasen ist, was soll sich dann noch draus entwickeln?

Zitat von Moonlight_74:
?



Gib Menschen eine zweite Chance und erkunde, was sich hinter dem Schutzschild befindet.

Zitat von Moonlight_74:
und Deine innere Welt dann in Dir zusammen stürzt

Beziehungsweise, wenn durch neue Kontakte - die Eigenschaften verkörpern, die du bisher angelehnt hattest - deine (alte, eingefahrene) innere Welt teilweise zusammenbricht und du erkennst, dass die Welt viel mehr bietet und du dir selbst im Weg standest.

• x 1 #43


Azure
Ich persönlich habe gelernt, dass es hilfreich ist, zu akzeptieren, dass Freundschaften und Beziehungen nicht ewig halten müssen.

post2835613.html

• x 4 #44


YellowFerrum
Ich kann mir sehr gut eine besondere Freundschaft vorstellen. Eine, die auf gleicher Wellenlänge beruht und wo man sich sehr gut versteht. Nicht eine distanziertere der sonstigen Freunde. Sympathie allein reicht da nicht.

• x 1 #45


Konkari
Zitat von Hermit:
@Konkari Ich finde es selbst ernüchternd 🙂 Wie geschrieben ist es auch etwas polemisch gewesen, aber im Kern sehe ich das wirklich so. Welchen Grund hat man in Beziehung zu einem Menschen zu treten? Egal wie vielfältig und individuell die Antwort auf diese Frage auch sein mag, bleibt der Befund, ...

Wenn Du das ganze derart pauschalisierst, landest Du am Ende wohl zwangsläufig bei diesem Schluss - das liest sich aber für mich persönlich ein ganzes Stück weit anders als die ursprünglichen Gedanken. 🙂 Ausserdem bleibt: Es mag zwar selten sein, aber es gibt eben auch Fälle, in denen der Gedanke an das eigene Wohlbefinden, die eigenen Bedürfnisse nicht die alleinigen oder auch nur primären Antreiber für was auch immer im Leben sind. Aber sowas kann eben nur gesund sein und funktionieren, wenn es auf Gegenseitigkeit beruht, das ist ganz klar. Alles andere führt zu einer absolut ungesunden Abhängigkeit - ebenso wie der Gedanke, ein Mensch alleine könne alles erfüllen.

• x 1 #46


Hermit
Zitat von Konkari:
Wenn Du das ganze derart pauschalisierst, landest Du am Ende wohl zwangsläufig bei diesem Schluss - das liest sich aber für mich persönlich ein ganzes Stück weit anders als die ursprünglichen Gedanken. 🙂 Ausserdem bleibt: Es mag zwar selten sein, aber es gibt eben auch Fälle, in denen der ...


Ja, da stimme ich sofort zu. Ich habe es derart allgemein gefasst, dass man bei diesem Schluss landen musss.

Inwiefern klingt es ein ganzes Stück anders als die ursprünglichen Gedanken? Vermutlich klang der erste Post etwas arg negativ. Das war wohl so. Manchmal überspitze ich Dinge gerne, um einen Punkt zu verdeutlichen und andere zum Denken anzuregen. Die Antworten und Reaktionen helfen mir dann wiederum dabei meine eigene Ansicht zu verfeinern.

Du sagst, dass es seltene Fälle gibt, in denen nicht der eigene "Nutzen" der Hauptgrund für den Kontakt zu einem Menschen ist. Ich würde das auch nicht ausschließen wollen. Ich denke gerne über die Frage nach, ob es Altruismus wirklich gibt oder ob es wirkliches Mitgefühl gibt und was Grund dafür ist. Ich bin von meiner Natur aus selbst ein empathischer und wohlwollender Mensch, aber du bleibst mir ein Beispiel oder einen anderen Grund schuldig. Was ist denn in diesen seltenen Fällen dann der Grund für den Kontakt oder die Bindung?

• #47


RainmanX
Ich glaube, eine 100%ige Bedingungslosigkeit in Freundschaften ist schon deshalb oft nicht realistisch, weil vermutlich die meisten von uns unbewusste "Bedingungen" (oder einfach nur Wunschvorstellungen) mit der Art und Weise einer Bindung verknüpfen, d. h. jeder Mensch erwartet/wünscht sich wohl oder übel unterschwellig einen Austausch, der für ihn gewisse Bedürfnisse erfüllt (auch wenn man das nicht bewusst oder direkt so äußern würde), so nach dem Motto: "Ich möchte mich in einer Freundschaft genug wertgeschätzt, gesehen und respektiert fühlen", usw. Ich kannte z. B. mal jemand, die konnte sehr schlecht damit umgehen, wenn wir uns nicht regelmäßig (zumindest 1 bis 2 Mal pro Monat) persönlich getroffen haben (anstatt z. B. nur zu telefonieren), während ich manchmal längere Zeit für mich gebraucht hab. Ist das nun gleich eine Bedingung oder nicht? Oder einfach nur eine ganz persönliche Vorstellung, die man mit Freundschaft verknüpft?

Oder anders ausgedrückt: Warum fühlen wir uns zu Menschen hingezogen? Weil wir Bedürfnisse haben, ganz einfach, soziale Grundbedürfnisse, die jeder Mensch hat..und die auch völlig legitim sind, nur eben nicht unbedingt im selben Rhythmus, in der selben Art und Quantität, usw.

• x 2 #48


S
Vielleicht wäre die Frage besser:
Gibt es Freundschaft in der man ein Gleichgewicht in geben und nehmen findet…

• #49


Hermit
@Sanschii

Da würde ich ganz klar "Ja" sagen. Sowas ist denkbar, wenn dies beiden Personen wichtig ist und die Bedürfnisse zueinander passen.

• #50


boomerine
Auch wenn es schon lange her ist.
Wir haben uns in der Berufsschule kennengelernt.
Wir mochten uns und waren uns sympathisch.
Wir wussten nicht was daraus wird.
Wir hatten den selben Beruf und dieselbe Leidenschaft. Tanzen.
In der Gastronomie hatten wir wenig Zeit, jeder hatte andere Schichten, ausserdem eine gute Strecke zwischen uns.
Zu der Zeit hatte noch keiner ein Auto Wir waren auf dem MVV angewiesen
Wir sahen uns regelmäßig in der Berufsschule, als wir den Blockunterricht hatten, nebenbei nicht so oft.
Aber es wuchs etwas.
Vertrauen und verlassen können.
Über das Thema Liebe sprachen wir auch einmal, aber wir wussten beide wir setzen damit unsere Freundschaft aufs Spiel.
Wir waren weiterhin zusammen und ließen es wachsen.
Gespräche, Diskussionen und auch Streit.
Dann kam der Bund, er wollte zur Marine. Er ging.
Wir sahen uns weniger.
Aber der Postweg war weiterhin gut besucht.
Er hatte dann auch mal eine Freundin.
Ich mochte sie.
Irgendwann kam dann der Anruf, du ich muss mir dir reden kommst du rein in die Stadt. Ja.
Wir trafen uns in unseren Cafe wo er mir offenbarte das er gleichgeschlechtlich war.
Es war kein Schock.
Er führte mich in seine Kreise ein.
Es war schön das er ehrlich war, aber ich durfte es nicht weitersagen, auch nicht meinen damaligen Freund und Mann.
Der teilweise schon ganz schön eifersüchtig war.
Aber ich konnte ihn beruhigen.
Das da nichts war.
Er hat ihn dann mit der Zeit respektiert.
Dann kam wieder ein Anruf kannst du kommen. Ja.
Wie gewohnt in unseren Cafe.
Wo er mir offenbarte das er Aids hatte. Bitte sag nichts, ich weiß nicht wie lange ich noch habe.
Mittlerweile hab ich geheiratet, Heinz war mit dabei.
Es war schön, wie machten eine gemeinsamen Urlaub auf Djerba
Die Zeit war schön wir haben sie genossen.
Ich traf mich noch oft mit ihm oder wir telefonieren oder schrieben uns.
Heinz war mein bester Freund.Ein Jahr später zog ich um, Heinz zog von München weg, nach Amsterdam, zu seinen Lebensgefährten.
Der Kontakt ist nicht abgebrochen.
1995 machte ich mit meinen Mann noch Urlaub in Griechenland, als ich zurück kam war der Brief schon im Briefkasten.
Heinz liegt im Hospiz
Ich war telefonisch nicht erreichbar.
Sofort angerufen und Detlef hielt mich auf dem laufenden, buchte die nächste Zugverbindung und fuhr nach Amsterdam, konnte bei Detlef unterkommen aber Heinz sah ich nur noch auf dem Sterbebett.
Das war eine Freundschaft der ich heute noch hinterher weine.
Ich denke gerne zurück, es war eine schöne Zeit.
Geben und nehmen.
Verständnis und Vertrauen
Weinen und lachen
Streiten und verzeihen.

Wie oft hat man das im Leben ?

Vielleicht bin ich deshalb so skeptisch was das Thema Freundschaften angeht.
Auch ich musste lernen Abstriche zu machen.

• x 7 #51


S
Zitat von boomerine:
Auch wenn es schon lange her ist. Wir haben uns in der Berufsschule kennengelernt. Wir mochten uns und waren uns sympathisch. Wir wussten nicht was ...

Das klingt sehr schön und auch traurig zu gleich.
Ich denke dass man vielleicht auch vorsichtiger an Freundschaften ran geht wenn man einiges erlebt hat.

Ich hatte in jüngeren Jahren zu Schulzeiten eine Freundin wo wir uns täglich fast gesehen hatten und alles miteinander unternommen haben.
Sie hat dann eine Berufsausbildung begonnen und mich einfach nicht mehr angerufen. Ich habe es dann nochmal versucht und dann haben wir uns doch noch einmal getroffen.
Ich war bei ihr und dann ist mir aufgefallen dass sie mich bestohlen hatte.
Ich war wie erstarrt und konnte das garnicht fassen. Ich hatte sie jahrelang aufgebaut da sie nicht zufrieden war mit sich und ihrem äußeren.
tja das war’s dann. Danach habe ich nur noch gehört was aus ihr geworden war. Eine richtige Aussprache gab es nie.
Von ihr kam auch nichts mehr.
Seither hat sich in meinem Leben nur noch eine Freundschaft ergeben.

• x 2 #52


Konkari
Zitat von Hermit:
Ja, da stimme ich sofort zu. Ich habe es derart allgemein gefasst, dass man bei diesem Schluss landen musss. Inwiefern klingt es ein ganzes Stück anders als die ursprünglichen Gedanken? Vermutlich klang der erste Post etwas arg negativ. Das war wohl so. Manchmal überspitze ich Dinge gerne, um einen Punkt zu ...

Das ist ein für dieses Thema reichlich philosophischer Ansatz... 😄

Für mein Empfinden kann es hier aber keine allgemeingültige Antwort geben, daher möchte ich das auch nicht weiter großartig vertiefen. Zwischenmenschliche Beziehungen sind zu komplex und Menschen zu verschieden, als dass man solche Fragen mit einer allumfassenden, allgemeingültigen Aussage beantworten könnte. Die meisten Menschen sind sicherlich primär darauf ausgerichtet, die eigenen Bedürfnisse erfüllt zu bekommen, einige wenige Menschen geben lieber - manchmal auch nur in bestimmten Konstellationen... und manchmal ergibt sich eine Dynamik, die dies zum Ergebnis hat, auch erst aus einer konkreten Beziehung heraus. Die Gründe dafür sind so unterschiedlich wie Menschen und ihre Beziehungen selbst. Wer dies mal erlebt hat, kann sich jedenfalls sehr glücklich schätzen. 🙂

• x 2 #53


Hermit
@Konkari

Ich neige wohl zu einer philosophischen Suche nach allgemeingültigen Wahrheiten. Hast mich erwischt 🙂

Deine Antwort, die das Individuum betont, gefällt mir gut. Lassen wir das so stehen 🙂

• #54


User_0815_4711
Zitat von boomerine:
Vielleicht bin ich deshalb so skeptisch was das Thema Freundschaften angeht.

Was du mit diesem Menschen erlebt hast, ist schwer zu toppen. Vielleicht deshalb?

• x 1 #55


RainmanX
Die einzigen Konstanten im Leben sind die Vergänglichkeit und der Wandel. Das fällt mir zu dem Thema auch noch ein - vor dem tragischen Hintergrund, dass alle Freundschaften, die ich jemals hatte, nicht mehr existieren..die Gründe dafür sind wohl so vielfältig, wie das Leben selbst..

• x 1 #56


Aponi
Aus Freunde werden Feinde. Jedenfalls habe ich da kein Glück und möchte nicht mehr enttäuscht werden.

• #57


A


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