Ich beschäftige mich zzt. mit meinem Trauma. Wenn ich lese was andere durch gemacht haben, werde ich ganz demütig und frage mich ob ich nicht übertreibe. Dennoch scheint es auch nach 4 Jahren und Therapie noch da zu sein. Ich könnte in der Therapie jetzt einen neuen Anlauf nehmen, aber zuerst möchte ich es mir von der Seele schreiben und ich höre sehr gerne Eure Geschichte und wie wir damit umgehen können.
Trigger
Zunächst die Triggerwarnung: Es geht um eine Krankenhaussituation nach einer Herz-OP.
Ich hatte vor 10 Jahren eine Zufalls Herz-Diagnose, blieb aber 6 Jahre unter der Risikogrenze. Dann kippte es und ich bekam eine neue Aorta ascendens vom Herzen hoch bis zum Bogen und eine neue Herzklappe. Ich war am selben Tag schon auf der Überwachungsstation, alles gut Verlaufen. Ein paar Tage später wurde ich dann für Stuhlgang auf einen Toilettenstuhl gesetzt, mit allen meinen Kabeln und Schläuchen. Nach einiger Zeit merkte ich einen kleinen Schwindel, der sich dann ausweitete. Ich drückte den Notknopf, der Christbaum der Überwachungsgeräte begann zu lärmen, Ärzte liefen in das Zimmer. Ich wurde in das Bett wieder verfrachtet, irgend was anderes in den Tropf... keine Ahnung. Ich war vollständig teilnahmslos daneben. "Sterbe ich?" habe ich mich emotionslos gefragt. Dann alles wieder ruhig, das Klinkpersonal raus. Ein paar Minuten später wieder Überwachungsgeräte alarm. Nur ein Pfleger kam rein geschlendert und machte sie aus. "Was war das?" fragte ich "Nur die Benachrichtigung das alles wieder normal ist". Eine Woche später dann die Abschlußuntersuchung mit Ultraschall. Der beiläufige Satz "Sie wissen schon, daß Sie jetzt Schlaganfallgefährdet sind" vom untersuchenden Typen.... und ich wurde aus der Untersuchung geschoben. Mit meinem Bett lag ich dann auf dem Flur alleine eine Zeit. Toll, das Herzproblem operiert und gleich die nächste Katastrophe. Es hat sicher eine Stunde gedauert, bis ich endlich ein paar Worte mit einer gestressten Ärztin reden konnte, die Feierabend machen wollte. "Nein, das sowas vorkommen kann wäre normal nach so einer OP und wenn ich vorher nicht gefährdet war, bin ich es auch jetzt nicht."
Hier der gute Rat: lasst nicht locker bis es euch genau erklärt wurde. Ihr seid kognitiv eingeschränkt in so einer Situation. Auch wenn die Ärtzte meine "Das muss der doch verstehen."
Ich bin nach 9 Tagen auf eigenen Beinen ohne Rollator, Krücken oder Rollstuhl aus der Klinik gegangen, mit einem breiten Pflaster vom Schlüsselbein bis zum Bauchnabel.
Wie wirkt das jetzt auf mich? Ich habe meine Angststörung gut im Griff, bin teilweise fast auf 0.
Alleine, verschiedener Stress, Anstrengung und Körpergefühle können ein kleines Angstschwindelgefühl trigger. Es gibt keine organische Ursache. Und dieses ganz kleine Schwindelchen scheint immer wieder diese Erfahrung zu triggern. jetzt nicht mehr als riesen Ausschlag mit Panikattacke - das war mal. Aber immer noch sehr merkbar und es beginnt sofort den Alltag zu berühren.
Ich hatte zuletzt mit meinem Therapeuten eine Hypnosesitzung mit Rückführung in das Krankenhaus als äußerer entfernter Betrachter. Da hatte ich keine Probleme mit. Ich kann auch die ehemalige Station aufsuchen oder einen Angstschub zu bekommen. Der Therapeut sagte, die Traumasituation nochmal zu durchleben ist nicht günstig, zu viel (psychisches) Risiko.
Gibt es jemand mit einer vergleichbaren Erfahrung? ich freue mich sicher über Zuspruch, möchte aber auch mich damit auseinander setzen.
Euch Danke für das Lesen.