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Kruemel_68
Zitat von Schlaflose:
Das hättest du direkt alles schreiben müssen, damit man sich ein Gesamtbild machen kann und sich nicht die Mühe macht Ratschläge zu geben, die schon erfolglos ausprobiert wurden.

Das ist halt wieder das Problem, wenn mehrere Beiträge zum selben Thema eröffnet werden. Im ersten hatte sie alles geschrieben, in den weiteren nicht.

x 3 #21


Kruemel_68
@Psychic-Team Könnt Ihr bitte die drei Beiträge zum selben Thema zusammenfassen? Danke!

x 3 #22


A


Tavorentzug extrem

x 3


K
Es ist natürlich so eine Sache mit Ferndiagnosen, aber ich würde auch mal abseits einer Entzugssymptomatik denken. Die genannte Symptome könnten darauf hindeuten, dass dein Stoffwechsel komplett aus dem Ruder gelaufen ist. Im Grunde könnte das auch mit der vorangegangenen Schwangerschaft zu tun haben. Ich denke da z.B. an eine extreme Histaminintoleranz.

Interessanterweise verwendest du schon in deinem ersten Posting den Begriff "Glutamatsturm", was ja auch schon eine Stoffwechselproblematik andeutet.

Sicher wäre es nicht falsch, mal einen Internisten aufzusuchen - auch mit der Bitte um Krankenhauseinweisung.

x 1 #23


Kruemel_68
@Julia0712 Was mich stutzig macht ist die zeitliche Nähe zur Geburt bzw das sich Depressionen, die vorher schon da waren, da so eskaliert sind.

Postnatale Depressionen entstehen oft aus dem Hormonchaos, das nach der Geburt im Körper herrscht. Bei einigen Frauen regelt es sich schnell wieder, bei anderen nicht. Es kommt aber leider niemand auf die Idee, da mal nachzuschauen. Ist ja ein natürlicher Vorgang, da muss Frau halt durch. Aber mit Antidepressiva und Tavor sind sie dann sehr freigiebig.

Ich glaube tatsächlich, dass die Verschlimmerung durch die Hormone verursacht werden, deine jetzigen Probleme aber tatsächlich medikamenteninduziert sind.

x 2 #24


Julia0712
@Kruemel_68 ja ich glaube mittlerweile auch das es nach Geburt viel zu früh war für ein eh schon komplett überfordertes Nervensystem sowas starkes wie Tavor zu bekommen.. das greift ja massiv in die Hirnchemie ein.. mir wurde es damals aber als „Standardberuhiggungstablette aka die geben wir hier jedem zu Beginn“ verkauft und da ich es nicht besser wusste hab ich auch noch drauf vertraut 😔

x 1 #25


Molly1605
Also von 1 mg für ein paar Monate kann ich mir auch nur sehr schwer vorstellen, dass da eine dauerhafte Schädigung entstanden sein soll.
Bei jahrelangem Missbrauch und das in hohen Dosierungen ist das sicher eine andere Hausnummer.

Dass du paradox auf das Medikament reagierst ist auch sehr unwahrscheinlich, wenn du es die erste Zeit super vertragen hast.

ch kann natürlich auch keine Ferndiagnose stellen aber ich würde auch einfach mal hormonell und nährstoffmäßig alles abklären lassen.
Vielleicht ist dein Körper nach der Schwangerschaft einfach ausgelaugt gewesen und das kann ebenfalls psychische Symptome mit sich bringen.

Die meisten deiner Symptome hatte ich in einer schlimmen Phase von wochenlanger Panik nach der Grippe. Da habe ich kein Medikament genommen auf das ich hätte so reagieren können.

Also wenn dein Nervensystem dauerhaft auf Hochspannung läuft, ist das für deinen Körper wie ein täglicher Marathon. Da verschiebt sich der ganze Biorhythmus an schlafen ist nicht mehr zu denken, denn der Körper denkt er muss ja gleich wieder auf der Flucht sein.
Essen ist im Fluchtmodus auch nicht vorgesehen, also wird da auch kein Hungergefühl entstehen bzw durch das angespannte Nervensystem streikt der Magen.
Die Durchblutung ist im Fluchtmodus nur auf die lebenswichtigen Organe (Gehirn, Herz und Lunge) begrenzt bzw. wird das Blut so verteilt, dass diese ihre Funktion beibehalten können.
Daher wird die Durchblutung im Magen- Darmtrakt, Niere, Leber usw. und in den kleine Kapillaren, auf ein Minimum reduziert (Augen- verschwommenes Sehen, Ohren- evtl Tinnitus oder Ohrgeräusche, Finger und Zehen ( kalt) .

Die Muskeln verkrampfen beim andauernder Angst und Panik, weil dein Körper auf Dauerstress eingestellt ist das erschöpft den Muskel. Laufen wird immer schwerer.

Cortisol und Adrenalin lassen dich nicht zur Ruhe kommen und sorgen für Zittern und unruhige Extremitäten.
Alles eine logische Erklärung.
Durch den Dauerstress verbraucht dein Körper auch noch die allerletzten Reserven von Mikronährstoffen und der Zustand wird immer mieser.

x 3 #26


Julia0712
@Molly1605 vielen lieben Dank für deine Antwort. Hast du vielleicht eine Idee wie ich meinen Körper bzw mein Nervensystem da wieder rausholen kann? Heißes Duschen oder Mass. bringen gar keine Entspannung mehr so wie früher. Ich mache mir am Tag ungelogen 8-10 Wärmflaschen für die Füße und Hände und auch das bringt kaum was. Ich versuche warmen Tee zu trinken aber bekomme ich kaum runter. Es ist unglaublich

x 1 #27


Greta__
Vielleicht würde dir zum Übergang, also runter kommen, Opipramol helfen? Das soll wohl sehr beruhigend sein und ist kein Benzo.

Ich bin durch die Wechseljahre und Entgleisung der Schilddrüse in schlimme Angst, Panikattacken, extreme Unruhe gerutscht. Erst durch eine Untersuchung beim Endokrinologen wurde ich hormonell eingestellt und es geht mir um einiges besser.

Ich würde dir auch raten dich hormonell durchchecken zu lassen.

x 1 #28


Molly1605
@Julia0712 Also, wenn ein Nervensystem so überreizt ist, dann lässt es sich nur sehr schwer regulieren.
Da helfen Meditation oder Atemübungen alleine nicht mehr aus.
Da wird einem meistens nur noch übler bei.
Es ist schwierig das allein zu schaffen.

Ich habe durch das Opipramol eine sehr gute Stütze bekommen und konnte dann nach ein paar Wochen auch mit den üblichen Skills zur Nervensystemregulierung weitermachen.
Da kamen dann die Atemübungen, die heiße Dusche/Wanne, Meditation und andere Entspannungsmethoden.
Das brauchte natürlich auch Übung und man musste durchhalten.

Man sagt gerne: Ein angespanntes Nervensystem will sich nicht entspannen!
So fühlt sich das auch wirklich am Anfang an. Der Körper wehrt sich sogar richtig dagegen mit noch mehr Unruhe.
Da heißt es immer wieder versuchen mit Pausen dazwischen und dann immer ein paar Momente länger durchhalten.

Ohne Anstrengung und Arbeit an sich selbst wird das leider sehr schwer.

Dein Körper ist nicht dein Feind, er versucht dir gerade etwas zu sagen.
Er schlägt förmlich Alarm. Er muss jetzt erst mal wieder lernen, dass er nicht in Gefahr ist.

Wenn du monatelang das Tavor genommen hast und es jetzt abrupt abgesetzt hast, dann ist das definitiv auch alles noch Teil des normalen Entzugs.
Aber, dass du unter der Einnahme schon solche Probleme hattest, deutet eher darauf hin, dass die Dosis mit 1 mg für dein überlastetes Nervensystem vielleicht schon zu niedrig gewesen ist.

Ich vermutet du brauchst jetzt ärztliche Begleitung und natürlich auch psychotherapeutische Unterstützung.
Zusätzlich ist aber ganz dringend etwas zur Beruhigung nötig.

Dass du auf die Antidepressiva so reagiert hast, ist übrigens völlig normal.
Das nennt man Erstverschlechterung und entsteht bei sehr vielen Menschen, die ein Antidepressivum einschleichen. Das dauert ein paar Wochen an und dann entfaltet es erst seine Wirkung.
Zumindest bei den SSRIs oder den SNRIs.
Beim Opipramol ist es eher eine benebelte oder ermüdende Wirkung, die da beim eingewöhnen auf einen zu kommt.
Das ist aber ebenfalls normal und verschwindet nach der Einschleichphase auch wieder.
Also auch hier hilft das durchhalten und lieber kein dauerhaftes hin und her wechseln, das bringt nur noch mehr Unruhe ins System.

x 3 #29


-juli
@Julia0712 gibt es noch andere Alternativen in deiner Region, die für dich erreichbar sind? Ich kann mir leider vorstellen, dass viele so reagieren, aber ich hatte grade die Hoffnung, dass es vielleicht noch die Option gäbe, eine dritte Meinung zu bekommen, falls es mit der zweiten nichts wurde. Ich bin war keine Expertin, aber ich denke, dass du auf der richtigen Spur bist.

Und außerdem, wenn deine Symptomatik rein psychosomatisch wäre, so bräuchtest du doch trotzdem eine Behandlung...

#30


F
@Julia0712 tatsächlich sind mir einige Dinge die du berichtest sehr bekannt.
Ich war 17 Jahre ‚unwissend‘ abhängig weil mir mein doc damals zur Entspannung der Hws Benzos verschrieben hat. Mal ab davon, dass man nicht alles gegoogelt hat (weil das gar nicht mal eben ging 😂) hat man auf den doc vertraut. Als ich dann ambulant versucht habe zu entziehen war von heute auf morgen alles anders. Als hätte man mir einen Mixer in den Kopf gehalten.
Habe dann wieder aufdosiert aber es ist nicht mehr geworden wie vorher. Ein ganzes Jahr habe ich mich dadurch gequält bis ich in die Klinik gegangen bin. Nach 4 Wochen Entzug nach Hause und dann fing die eigentliche Hölle an. Ich habe ALLESY bekommen was es gibt und was es nicht gibt. Meiner Familie habe ich es zu verdanken, dass es mich noch gibt. Jetzt, 2 Jahre später!, geht es mir deutlich besser. Aber es ist ein auf und ab. Das Gehirn erholt sich aber es braucht Zeit! Das wird.. ! …und wenn es hilft die Zeit zu überbrücken versuche alles was geht um ein winziges bisschen zu entspannen.

#31


kadisha
@Julia0712 hey. Wie geht es dir mittlerweile?

x 1 #32


L
@Julia0712
Zuerst einmal möchte ich dir sagen, dass das was du durchmachst sehr wohl bekannt ist, und durchaus nicht ungewöhnlich, nach längerer Einnahme von Benzodiazepinen, aber auch von anderen Psychopharmaka.
Man nennt es Entzugssyndrom, da es nicht nur ein Symptom ist, sondern ein ganzens Konvolut an Symptomen.
Viele Menschen kommen mit einem blauen Auge durch einen Entzug, und haben mehr oder weniger starke Entzugssymptome, können das aber irgendwie aushalten, und es geht ihnen danach wieder langsam besser, und es gibt aber auch Menschen, die bei einem Entzug wirklich alles durchmachen, und das in schwerster Form.
Schuld fast immer dass man es macht wie es einem die Ärzte sagen, oder wie en in Entzugskliniken gemacht wird - ruckzuck schnell weg mit dem Benzo.
Innerhalb weniger Wochen wird entzogen, und der Körper läuft dann Amok.
Man wird zwar benzofrei entlassen, aber die Hölle beginnt erst danach zu Hause. weshalb die meisten wieder eindosieren, und dann oft noch mehr brauchen als vorher da man es sonst gar nicht aushält.
Es passiert auch manchmal dass man nach einem zu schnellen Entzug selbst das Benzo nicht mehr richtig verträgt, und dann nicht mehr mit und nicht mehr ohne aushält.
Dein Zentralnervensystem ist durch den Entzug völlig out of control. Alle Körpersysteme laufen Amok. Das ist Gott sei Dank nur bei wenigen Menschen, so ausgeprägt, aber es ist durchaus bekannt in der Literatur über Medikamenten -Entzugssyndrom.
Ärzte bagatellisieren das gerne, weil sie es selbst wahrscheinlich nie selbst durchgemacht haben.
LT. Lehrbuch, soll man ja einfach nur alle paar Tage die Dosis halbieren und dann weglassen. In 10-maximal 14 Tagen werden sogar hohe Dosen Benzo entzogen im klinischen Bereich. Der Patient wird benzofrei entlassen, und keinen interessiert es mehr wie es danach zu Hause geht.
Zum Deckeln werden zig andere neue Psychopharmaka verschrieben, die bei einem so gereizten ZNS aber absolut nichts bringen, weil sie nur neu reizen.
Du mußt dir das so vorstellen, dass bei PP-Einnahme bestimmte Rezeptoren im Gehirn belegt werden. das passiert so nach und nach bis die volle Belegung da ist. Wenn der "Stoff" aber wegfällt, dann muß das Gehir erst wieder alles neu umbauen, das ist ein heftiger Vorgang, und bringt vieles Durcheinander. Mit einem neuen PP beginnt eine neue Belegung, und alles wird noch mehr durcheinander.
Es ist einem kotzübel, man kann nicht essen, Durchfälle, BD Schwankungen, Herzrasen, Kribbeln, Schwindel, furchtbare Unruhe, kein Schlaf, und und und - die Liste ist unendlich was es alles gibt im Entzug.
Oft kommen dann Pat. wieder nahezu psychotisch in eine Notfallsklinik, bekommen wieder neue Medikamente, die aber natürlich nicht wirken, denn ein brennendes Haus kann man nicht mit neuem Feuer löschen.

Ich habe mich jahrelang mit diesem Thema auseinandergesetzt, weil ich selbst betroffen war, und man niemandem erklären kann wie es einem im Entzug geht, wenn man nicht der "Norm" entspricht, und man mehr leidet und länger zu kämpfen hat, als andere.
Ich kann dir nur raten dir einen verständnisvollen Arzt mit ins Boot zu holen, der dir lange genug ein langwirksames Benzo (Diazepam) verschreibt, um einen sehr langsamen Entzug mitzumachen, also dir die ganze Zeit über Rezepte ausstellt, notfalls soll er das als Privatrezept machen, wenn er Probleme befürchtet. Am besten geht es mit Tropfen, die kann man wirklich langsam absetzen.

Primär geht es bei dir jetzt aber um Stabilisierung.
Du solltest mit einem langwirksamen Benzo eine Dosis finden, bei der du dich halbwegs fangen kannst. Ohne erstmal den Druck dass du absetzen mußt. Erstmal nur stabilisieren. Denn nur wenn man stabil ist kann man redizieren.
Ich weiß nicht wie hoch deine letzte Tavordosis ist - davon dann die Äquivalendosis berechnen.
1mg Tavor sind z.B. 10 mg Diazepam.
Diazepam ist ein Spiegelmedikament, es dauert also ca. 5 Tage bis sich ein gut wirksamer Spiegel aufgebaut hat.
Es beruhigt zwar schon mit den ersten Einnahmen, aber es dauert ein paar Tage bis es richtig gut wirkt.
Gut wäre eine Einnahme 3x am Tag zu Beginn, also die Dosis aufteilen, damit man erstmal die Zwischenentzüge abfedert, die du sicher mit Tavor schon hattest. Man gewöhnt sich schnell dran, und die Wirkungs läßt dann im Tagesverlauf nach, und man müßte immer wieder nachlegen. Ein Teufelskreis.
Das ist mit Diazepam besser, es gibt keine Zwischenentzüge.
Unbedingt einen Arzt suchen, der dir ausreichend lange Rezepte ausstellt, so ein Entzug in deinem Zustand ist nicht in wenigen Wochen durch, da denkt man in Monaten oder Jahren. Das sollte aber geal sein, man muß ja nur wieder lebensfähig werden.

Ich habe für 10 mg Diazepam 2 Jahre gebraucht um es abzusetzen. Und hatte es vorher "nur" 3 Monate genommen.
Ich habe zuerst Tavor genommen, kam auch schnell in Zwischenentzüge, und habe dann langsam und schrittweise auf Diazepam umgestellt, mich stabilisiert, und dann ca. alles 2-4 Wochen nur 1 Tropfen reduziert.
So kann sich das Gehirn immer ganz langsam an die reduzierte Dosis gewöhnen.
Ich hatte das Glück einen verständnisvollen HA zu haben, der mir die Rezepte ausgestellt hat, und mich in meinem Tempo hat machen lassen.

Ja, der Entzug dauert so länger als die vorherige Einnahme, aber so kann man möglichst schonend absetzen, und man bleibt auch alltagskompatibel. Ja, ich hatte auch Tage wo mir richtig übel war, die Angst den ganzen Tag auf der Lauer lag, ich nicht hochkam, weil ich keine Kraft hatte, und vollkommen verzweifelt war, aber mit dieser langsamen Reduktion bin ich ohne KH durchgekommen.
Ich habe täglich dokumentiert wie es mir geht, und irgendwann erkennt man ein Muster. Am wievielten Tag der Reduktion es einem nicht so gut geht, und wann es dann wieder besser wird.
Es sind Wellen und Täler im Entzug, man muß sich drauf einstellen, dass es holperig werden kann, aber es ist auf diese Art zu schaffen.

Was hilft einem ein stationärer Entzug wo hopplahopp entzogen wird, und man es dann zu Hause nicht mehr schafft sein Leben aufrecht zu halten.

Sehr informativ sind Berichte und Erfahrungen von Betroffenen auf PsyAb. Einem Absetzforum.
Viel nachlesen von Erfahrungen kann man auch im mittlerweile geschlossenen Forum ADFD. Die Berichte sind aber alle noch offen und nachzulesen.

Ich wünsche dir alles Gute, und glaub mir, du bist nicht allein!

x 1 #33


F
@luciana was ein toller Text!

#34


A


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