Zitat von Odile:Dann sind sich stottern und Ängste in ihrer Auswirkung, wie auch in den Erfolgschancen der "Heilung", anscheinend ziemlich ähnlich?!
So kann man es sehen, ja.
Man könnte es so formulieren:
Der Kern der Angst lässt sich nie zu 100% "besiegen".
Angst ist ein großer Antrieb für einen Menschen.
Das Problem lässt sich temporär unterdrücken oder kaschieren. Die Zeitdauer ist nicht bekannt.
Es braucht nur ein Schlüsselerlebnis, um die zuvor prägenden Erlebnisse wieder aufkommen zu lassen.
Und da ist es egal, ob soziale Phobie, Sprachstörung, etc. damit gemeint sind.
Eine 100%ige Heilung ist nur nach außen sicht- und erkennbar.
Nach Innen niemals.
Dafür ist man durch das Erlebte schon so tief beeinflusst worden.
Oftmals schlummert dann auch etwas im Unterbewusstsein.
Zitat von Odile:Ich möchte außerdem noch eines sagen: einem Rollstuhlfahrer hilft man nicht. Man schiebt ihn nicht rum und hält ihm keine Türen auf. Das ist respektlos. Wenn dann hat man vorher zu fragen. Etwas was die meisten Leute leider nicht tun. Nicht aus Böswilligkeit, sondern aus Gedankenlosigkeit. Nicht mal weil sie sich vielleicht nie Gedanken drüber machen würden. Eher weil sie sich in die Situation des anderen nicht wirklich rein versetzen können.
Und derselbe Grund ist es bei den meisten, die sich Stotterern (und allen anderen "Behinderten") gegenüber falsch verhalten. Sie tun das, was sie tun, spontan, ohne groß drüber nachzudenken. Und mal ehrlich, kann man ihnen das wirklich immer verübeln? Kann man wirklich erwarten, dass alle Menschen immer und ständig auf die individuellen Erfordernisse jedes anderen Menschen eingehen? Meiner Meinung nach nicht!
Ja das sage ich als Sprechende. Und gleichzeitig als Sehbehinderte, deren Mann Stotterer war als sie ihn kennen lernte.
Mit dem Rollstuhlfahrer, ... jein.
Ich machte ein FSJ und war für die Betreuung von Behinderte im Rollstuhl, Down-Syndrom-Betroffenen und entwicklungsverzögerten Kinder zuständig.
Bei manchen Situationen waren sie sehr glücklich, dass jmd. neben ihnen war und z.B. die Tür aufhielt oder so, aber manchmal merkte ich es, dass er/sie es auch selbst machen wollte.
Das Problem dabei war, dass sie es oft nicht davor gesagt hatten, was sie alleine erledigen wollen und wo sie Hilfe erwarteten.
Aber mal so gefragt, wer einen Rollstuhlfahrer schon mal erlebt hat, wie er sich teilweise beim Türöffnen oder ins-Gebäude-rein-kommen abplagen muss, ... ist da es nicht verwunderlich, wenn die anderen bei dieser deutlich visuellen Beinträchtigung Hilfe anbieten oder leisten ?
Der Rollstuhlfahrer (hier: kein Gendefekt o.ä., sondern Rolli durch einen Unfall [Auto, Gestürzt, etc.]) kämpft nicht gegen das Vorurteil der geringen Intelligenz.
Die Volksmeinung ist beim Stottern oder einer Sprachstörung heute immer noch, dass derjenige dumm oder geistig zurückgeblieben ist.
An diesem Zustand wird sich nie was änderen, weil dahinter ein Geschäftsmodell steckt (= Lachen über Benachteiligte in den Medien [Figuren in Filmen haben oft die gleichen Rollen, ein Stotterer ist aber niemals der Held/Frauenschwarm/Liebling der Masse/etc.]).
(The King's Speech mit einem echten Stotterer gibt einen ganz anderen Film als durch den Schauspieler)
Also geht der einfache "andere" davon aus, dass er dem Stotterer an Intelligenz überlegen ist, ...der Stotterer spricht ....
und dann kommt es entweder zum Abwenden ("ich bin ja was besseres") oder zur Vervollständigung der Sätze.
Dem Stotterer "fehlt ja nichts" (im Vgl. zum Rolli), er ist ja physisch top fit, er ist einfach "bisschen zurückgeblieben".
@Odile,
ähnliche Erfahrungen gemacht durch/mit deinen/m Mann ?