@ Sommerbluete
Was du da über deine Mutter schreibst, klingt für mich sehr einleuchtend.
Wenn du das jetzt erkannt hast, kannst du vielleicht jetzt den unguten Druck, den (an sich gute) Erwartungen anderer bisher auf dich ausgeübt haben, allmählich reduzieren.
Es muss wirklich
sehr verunsichernd sein, wenn man unter vier Augen gelobt und wenn mehr Menschen da sind, getadelt und ins Unrecht gestellt wird.
Zitat von Sommerbluete:Zitat von GastB:Ich habe in ganzen Passagen den Eindruck, du beschreibst mich ...
Ui, wobei genauer? (:
Oh je - bei ziemlich vielem. Nur habe ich es nie so klar formuliert wie du und hätte nicht mal den Mut gehabt, es öffentlich zu äußern. Singen in der Öffentlichkeit, und das auch noch freiwillig?!? Oh Mann, da würde ich lieber sterben!
Bei all deiner Unsicherheit muss ich schon sagen, dass du gleichzeitig ein enormes Selbstbewusstsein und viel Mut hast. Das solltest du auch nicht übersehen und solltest es auf deiner Haben-Seite verbuchen.
Es tut mir aber merklich gut, deine Texte zu lesen. Ich sitze mit offenem Mund da und kann es kaum glauben, dass so vieles offenbar miteinander zusammenhängt, da es bei dir und bei mir ganz ähnlich ist - ich habe manche dieser Verbindungen der einzelnen Phänomene in meinem Leben, v.a. in der Kindheit, bisher gar nicht gesehen.
Ähnlichkeiten .... Z.B. Schule, dass du dich den Wiederholungen und Hausarbeiten verweigert hast und dann gar nicht mehr mitbekommen hast, dass neue Anforderungen gekommen waren und du gegenüber den anderen Kindern, die eigentlich weniger gescheit waren als du, ins Hintertreffen geraten bist. Ich habe diese Situationen nie vergessen, wo ich irgendwann in der Schule "aufgewacht" bin und feststellte, dass Lehrer und Schüler einen völlig neuen Stoff durchnahmen und schon einige Lernschritte gemacht hatten, und ich hatte überhaupt keine Ahnung, was die da machten und konnte natürlich auch keine Lehrerfragen beantworten. Das Schlimmste war, dass ich einleitende Erklärungen nicht mitbekommen hatte. Meistens habe ich den Rückstand schnell aufgeholt und dann die anderen meist überholt, aber in Chemie habe ich leider nie mehr ein Bein auf die Erde gekriegt und mich nur noch total durchgemogelt, bis ich es abwählen konnte.
Die volle Wohnung ... naja, das ist bei mir kein allzu großes Kunststück, weil die Wohnung klein ist. Aber die Papier- und CD-Stapel wachsen, und manches andere auch.
Was häuslich-mütterliches Feedback angeht, habe ich von ihr selbst niemals etwas anderes als Kritik gehört. Die einzigen wenigen Male, wo ich etwas Positives von ihr gehört habe, war, wenn sie von Elternabenden in der Schule zurückkam. Dann wiederholte sie mir (aber vielleicht auch nur, weil ich gefragt habe), dass die Lehrer mich sehr gelobt haben. Sie war offensichtlich stolz darauf.
Sich mit Persönlichem zeigen: Ist auch für mich ein Albtraum. Am schlimmsten immer, wenn ich in irgendeine neue Runde komme und sich dann jeder "vorstellen" soll, was anscheinend so üblich ist, selbst in Runden, in denen ich das nie erwartet hätte. Allein schon meinen Namen, Beruf u.ä. offen anzugeben, bereitet mir Qualen! Wenn dann noch die Frage nach "Hobbies" kommt, möchte ich am liebsten aufstehen, "l.m.a.A." sagen und gehen.
Genau konnte ich bisher noch nicht lokalisieren, woher das kommt. Teilweise wohl davon, dass meine Mutter mir als Kind alles madig gemacht oder sogar weggenommen hat, was ich gern hatte.
Auch das Unwohlsein bei Besuch in der eigenen Wohnung.
Du hast anfangs noch mehr Dinge geschrieben, die bei mir ähnlich sind, habe ich bloß wieder vergessen.
Jedenfalls: Du bist ein offenbar sehr gescheites UND vielseitig begabtes Mädchen. Es wäre schön, wenn du daraus etwas Schönes für dich und die Gesellschaft machen könntest. Versuch doch, deinesgleichen zu finden.