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Elenie
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Hallo zusammen,

Meine Tochter ist leider Opfer einer sehr belastenden, aus meiner Sicht narzisstisch geprägten Beziehung geworden. Sie hat sich inzwischen von ihrem Partner getrennt und weiß eigentlich auch selbst, dass er nicht der richtige Mensch für sie ist und ihr diese Beziehung nicht guttut. Trotzdem schafft sie es bisher nicht, emotional wirklich von ihm loszukommen.
Das ist für mich als Mutter sehr schwer mit anzusehen. Meine Tochter ist eigentlich ein sehr intelligenter, reflektierter Mensch. Mit ihr kann man über wirklich alles sprechen, und normalerweise kann sie Situationen sehr gut einschätzen. Aber sobald es um diesen Mann geht, scheint ihre ganze sonst so klare Sichtweise wie ausgeschaltet zu sein. Sie weiß rational, dass die Beziehung ihr schadet, und trotzdem zieht es sie immer wieder zu ihm zurück.
Ich versuche, sie nicht zu verurteilen oder unter Druck zu setzen, sondern sie zu verstehen und für sie da zu sein. Gleichzeitig frage ich mich immer wieder, warum es so unglaublich schwer sein kann, sich von einem Menschen zu lösen, von dem man eigentlich weiß, dass er einem nicht guttut.
Deshalb würde mich besonders interessieren, ob es hier Menschen gibt, die etwas Ähnliches erlebt haben – entweder selbst oder als Angehörige. Wie war es bei euch? Habt ihr euch nach einer solchen Beziehung auch immer wieder zu dieser Person hingezogen gefühlt, obwohl ihr wusstet, dass sie euch nicht guttut?
Und vor allem: Wie lange hat es bei euch gedauert, bis ihr euch wirklich emotional lösen konntet? Was hat euch dabei letztendlich geholfen?
Ich würde mich sehr über eure Erfahrungen und einen offenen, respektvollen Austausch freuen. Vielleicht hilft es mir auch, besser zu verstehen, was gerade in meiner Tochter vorgeht und wie ich sie unterstützen kann, ohne zusätzlichen Druck auf sie auszuüben.
Vielen Dank schon einmal an alle, die ihre Erfahrungen mit mir teilen.

• • 12.08.2026 x 1 #1


12 Antworten ↓

thokrifu
@Elenie Hallo Elenie, das klingt tragisch. Tatsächlich ist es aber häufig bei toxischen Beziehungen so, dass Täter ihre Opfer in eine emotionale Abhängigkeit "erziehen". Manchmal sogar auf mehreren Ebenen.

• #2


A


Opfer eines narzistischen missbrauchs

x 3


E
Zitat von thokrifu:
@Elenie Hallo Elenie, das klingt tragisch. Tatsächlich ist es aber häufig bei toxischen Beziehungen so, dass Täter ihre Opfer in eine emotionale Abhängigkeit "erziehen". Manchmal sogar auf mehreren Ebenen.

Danke für deine Antwort. Du schreibst dass das auf mehreren Ebenen geschieht – könntest du etwas genauer erklären, was du damit meinst und welche Erfahrungen du damit gemacht hast?

• #3


Feuerschale
Ich dachte, deine Tochter muss es vermutlich selber wollen, merken....dass es ihr nicht gut tut.
Bei dem xten Schlag innerlich oder äußerlich merken, ich MUSS die Reißleine ziehen.

Von außen kannst du vielleicht nur signalisieren du bist da. Ohne zu belehren.
Ist nicht einfach auszuhalten vermutlich, wenn sich jemand destruktiv verhält.

Vermutlich als hätte man ein suchtkrankes Kind....was in destruktiven Mustern hängt.
Auch da kann man nur mit Abstand da sein, loslassen....aber dasein wenns nötig ist.

Und die Betroffene selbst....entweder will sie weg und kann nicht (da übermächtiger Täter) oder sie will gar nicht weg, da sich eine Abhängigkeit etabliert hat....da muss sie Schritte gehen ähnlich eines Entzugs....dass sie von ihrem "Mittel" was dann der Narzisst ist, wieder unabhängig wird und sich selber fühlen und selber leben lernt.
Zitat von thokrifu:
atsächlich ist es aber häufig bei toxischen Beziehungen so, dass Täter ihre Opfer in eine emotionale Abhängigkeit "erziehen". Manchmal sogar auf mehreren Ebenen.

hmm meinst du bewusst, strategisch, also wirklich Täter....oder dass sich zwei so einspielen..kompatibel im negativen....der eine aktiv, der andere passiv, und die beiden wachsen dann auf destruktive Art iwie?

Wenn das krankhaft ist und nicht frei gewählt, find ich das Sch. Wenn man sowas frei wählt, bewusst, bewusst vereinbart, gibt ja auch da so Spielarten, ok müssen die Leute selber wissen, dann ist es aber nicht das ganze Leben beherrschend, die ganzen Emotionen und es gibt sehr gesunde Teile die das abgrenzen. 🤔 Aber Narzissmus ist ja eher ne Persönlichkeitsstörung....unwahrscheinlich dass da "fairplay" stattfindet mit einem freien Gegenüber....zumindest später...anfangs ja ggf. lovebombing...sich einlassen auf en schöne Verpackung...ja sagen zu was tollem was sich nach und nach als Gift und Mist entpuppt....Es ist aber alles auch nur Möglichkeit....jeder ist anders, jede Konstellation ist eigen..

@Elenie
Sorry ich bin grad viel zu müde und kraftlos um von meinen Sachen zu erzählen. Ich weiß auch nicht inwieweit das deiner Tochter überhaupt helfen sollte. Sie ist nicht hier und das geschriebene nicht verarbeiten von Betroffenen.
Außerdem hat sie ihre ganz eigene Sache, ich weiß nicht inwiefern viele fremde Geschichten da helfen...aus meiner Sicht nicht so.

Sie muss selber auf den Trichter kommen, Antworten zu suchen oder die Hand nach anderen auszustrecken, glaub ich.

Vielleicht gibts auch Angehörigengruppen vor Ort? (für dich, weil du mitleidest?)
Co Abhängigkeit ist z B ein Thema bei 12 Schritte Gruppen, wobei es vor Ort meistens auf Angehörige von Alk. bezogen ist (Al Anon).

Kann sein, dass es in Großstädten auch differenziertere Angebote gibt oder die Gemeinde vor Ort da was etabliert hat. Die Gesundheitsämter haben oft psychosoziale Beratungsführer der Stadt oder Ort/Ortsteile.

• #4


E
@Feuerschale Danke dir für deine Antwort.
Dein Hinweis, dass Betroffene selbst irgendwann den Impuls entwickeln müssen, nach Antworten zu suchen oder die Hand auszustrecken, beschäftigt mich sehr. Ich glaube, genau da liegt bei meiner Tochter momentan die Schwierigkeit.
Auch der Hinweis auf Angehörigengruppen und psychosoziale Beratungsstellen ist für mich sehr hilfreich. Danach werde ich mich auf jeden Fall einmal umschauen. Danke, dass du trotz deiner eigenen Erschöpfung noch so ausführlich geantwortet hast. Ich wünsche dir einen schönen Abend!

• x 1 #5


thokrifu
@Elenie Das können viele Kleinigkeiten sein, wie Wohnung mieten, wer steht im Mietvertrag. Wer geht arbeiten, wer verdient Geld, wem gehört das Bankkonto und so weiter.

• x 1 #6


E
Zitat von thokrifu:
@Elenie Das können viele Kleinigkeiten sein, wie Wohnung mieten, wer steht im Mietvertrag. Wer geht arbeiten, wer verdient Geld, wem gehört das Bankkonto und so weiter.

Danke dir, dass du das noch einmal konkreter erklärt hast. Jetzt verstehe ich besser, was du mit der Abhängigkeit auf mehreren Ebenen gemeint hast. Ich hatte dabei zunächst vor allem an die emotionale Abhängigkeit gedacht und gar nicht so sehr daran, wie viele ganz praktische und finanzielle Abhängigkeiten sich im Laufe einer Beziehung entwickeln können.

Gerade diese vielen kleinen Dinge können wahrscheinlich dazu führen, dass man sich irgendwann unglaublich schwer daraus lösen kann. Danke dir nochmal!

• #7


I
Das ist auch der Grund, warum viele schwer aus toxischen Beziehungen kommen, weil dieses Auf und Ab zwischen Nettigkeit und Grausamkeit im Gehirn wie eine Dro ge wirkt. Derjenige, der Opfer eines Narzissten ist, wartet förmlich auf die guten Zeiten um die schlechten auszublenden. In der Psychologie nennt man das auch intermittierendes Verhältnis oder Traumabonding. Deswegen ist es auch so schwer, Frauen zu helfen, die in gewalttätigen Partnerschaften sind. Die meisten wissen das vom Verstand her, dass sie flüchten müssen, kehren aber immer wieder zurück.
Das kann jahrelang so gehen, bis man das Muster durchbricht.

• #8


E
Zitat von Islandfan:
Das ist auch der Grund, warum viele schwer aus toxischen Beziehungen kommen, weil dieses Auf und Ab zwischen Nettigkeit und Grausamkeit im Gehirn wie eine Dro ge wirkt. Derjenige, der Opfer eines Narzissten ist, wartet förmlich auf die guten Zeiten um die schlechten auszublenden. In der Psychologie nennt man das auch ...

Danke dir für deine ausführliche Erklärung. Das macht für mich noch einmal verständlicher, warum es für Betroffene so unglaublich schwer sein kann, sich dauerhaft zu lösen, obwohl sie eigentlich wissen, dass ihnen die Beziehung nicht guttut. Gerade dieses ständige Wechselspiel zwischen Nähe, Hoffnung und Verletzung muss einen enormen Einfluss haben.
Ich glaube, was dabei leider oft übersehen wird, ist, dass viele Menschen dieses Muster gar nicht kennen. Außenstehende können deshalb nur schwer nachvollziehen, warum jemand immer wieder zu einem Menschen zurückkehrt, der ihm offensichtlich schadet. Ich habe den Eindruck, dass Betroffene dadurch manchmal zusätzlich allein gelassen werden – Freunde oder Angehörige wenden sich irgendwann sogar ab, weil sie nicht verstehen können, warum die Person „immer wieder zurückgeht“. (Eine Freundin erzählte mir einmal, dass sie sich von einer solchen Freundin getrennt hat)
Wenn man nicht weiß, was hinter einer solchen Dynamik steckt, wirkt dieses Verhalten wahrscheinlich widersprüchlich oder unverständlich. Mit dem Wissen darüber sieht man es vielleicht eher als Teil der Abhängigkeit und nicht als bewusste Entscheidung gegen die Hilfe anderer. Das finde ich einen sehr wichtigen Gedanken.

• x 1 #9


thokrifu
Emotionale Abhängikeiten ergeben sich ja oft quasi durch das Füllen von Defiziten. Also, ein sensibler Mensch mit quasi bösen absichten erkennt oder erfährt von emotionalen Schräglagen und je nach Situation und Spielraum, hat er dann ja die Möglichkeit zu testen, wie "das Opfer" reagiert im Einzelfall. Ist bekannt in der Regel mittlerweile. Deswegen kann ich Islandfan nicht unbedingt in jedem Punkt zustimmen. Kinder von Narzzisten wissen oft jahrzehntelang gar nicht was los ist und erst wenn dann der Todesfall eintritt bricht das (konstruierte) System zusammen.

Bei deiner Tochter, wie bei jedem einigermaßen "normalen" Mensch springt das Frühwarnsystem an, auf das man in der Regel ja hört. Dann - wenn Liebe im Spiel ist - gibt man meist noch ein paar Chancen aus und versucht den Partner zu verstehen. Un dda gibt es nun einmal nichts zu verstehen.

• #10


E
Zitat von thokrifu:
Emotionale Abhängikeiten ergeben sich ja oft quasi durch das Füllen von Defiziten. Also, ein sensibler Mensch mit quasi bösen absichten erkennt oder erfährt von emotionalen Schräglagen und je nach Situation und Spielraum, hat er dann ja die Möglichkeit zu testen, wie "das Opfer" reagiert im Einzelfall. ...

Danke dir, dass du das noch einmal so ausführlich erklärst. Besonders der Gedanke mit dem „Füllen von Defiziten“ und dass bestimmte emotionale Bedürfnisse zunächst sehr gezielt angesprochen werden, hilft mir, die Dynamik besser zu verstehen. In manchen Fällen ist das vielleicht auch so. Aber ich denke dass narzissten auch menschen manipulieren, die keine emotionalen Defizite haben und dass gerade durch diesen Wechsel von Liebe geben und wieder Liebe entziehen diese Abhängigkeit entsteht weil das Opfer sich diese gewohnte Liebe wünscht. Ist zumindest mein Gefühl; kann natürlich auch sein dass ich falsch liege!
Auch dein Gedanke, dass man als Angehöriger oder Außenstehender schnell versucht, das Verhalten des Partners zu verstehen und zu erklären, beschäftigt mich. Vielleicht ist genau das ein Teil des Problems: Man sucht immer wieder nach einem „Warum“ und denkt, wenn man den anderen nur richtig verstehen würde, könnte sich die Situation vielleicht verändern.
Bei meiner Tochter habe ich tatsächlich den Eindruck, dass ihr Frühwarnsystem zwischendurch immer wieder angeschlagen hat. Sie hat vieles wahrgenommen und auch ausgesprochen, aber gleichzeitig immer wieder versucht, sein Verhalten zu erklären, ihm neue Chancen zu geben und an die guten Seiten zu glauben. Gerade deshalb fällt es mir so schwer zu verstehen, warum die emotionale Bindung selbst nach der Trennung noch so stark ist.
Dein letzter Satz gibt mir dabei zu denken: Vielleicht muss man irgendwann aufhören, nach einer Erklärung für sein Verhalten zu suchen, und stattdessen einfach anerkennen, was dieses Verhalten mit einem macht. Danke für deinen Denkanstoß – ich finde es wirklich hilfreich, hier verschiedene Perspektiven zu bekommen...

• #11


C
Hallo Elenie,
das hört und sieht man oft. Es ist wie eine Sucht, der Partner/-in verliert in Laufe der Zeit seine Selbständigkeit, traut sich nichts mehr zu sagen, machen oder handeln ohne die Zustimmung des Partners, der Begriff fiel bereits - sie wurde "erzogen". Es ist eine Bindung, die schwer zu lösen ist. Und das Traurige ist, man kann von außen nichts machen, nicht auf sie einreden oder sie in irgendeiner Weise davon überzeugen. Der Moment ist noch nicht da- und wünsche ihr, daß der Moment kommen wird. Hoffe wirklich. Dann braucht sie Freunde, dich, ein gutes soziales Umfeld.
Ich drücke die Daumen, dass sie einen neuen Partner kennenlernt und den Unterschied zum ehemaligen Partner erkennt. Daß sie sieht und fühlt wie sich Liebe anfühlt, ohne Narzismus und ohne Abhängigkeit.

Vor Allem kann ich so gut nachvollziehen wie du dich fühlst. Wenn man von außen die Situation so gut erkennt aber eben nicht viel machen kann.

Menschen sind so.

• #12


E
Zitat von Christian_81_:
Hallo Elenie, das hört und sieht man oft. Es ist wie eine Sucht, der Partner/-in verliert in Laufe der Zeit seine Selbständigkeit, traut sich nichts mehr zu sagen, machen oder handeln ohne die Zustimmung des Partners, der Begriff fiel bereits - sie wurde "erzogen". Es ist eine Bindung, die schwer zu lösen ...

Hallo Christian, danke dir für deine einfühlsamen Worte. Du hast vieles genauso beschrieben wie ich es auch empfinde. Ich hoffe auch dass meine Tochter bald einen anderen Mann kennenlernt. Bis dahin versuche ich einfach für sie da zu sein...

• x 1 #13


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Prof. Dr. med. Ulrich Hegerl
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