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Gobi76
Ich weiss nicht so genau, wie ich anfangen soll, also schreib ich einfach mal runter.
Ich war im Januar 3 Wochen stationär in einer Offenen Psychatrie. Das hat mir sehr viel gebracht, und mich auch wieder sehr aufgerichtet. Ich war danach noch ca. 2 Monate krank geschrieben zu Hause und habe seit Mitte April einen neuen Job. Eine ambulante Gesprächstherapie mache ich zusätzlich.
Und genau da liegt wohl mein Problem. In dem Job, nicht in der Therapie .
Es ist, als ob ich alles vergessen hätte, was ich während meines Aufenthaltes gelernt hab. Ich fahre um halb 7 morgens los, und bin abends um die gleiche Zeit zu Hause. Da sind dann allerdings 2h Stunden Fahrzeit eingeschlossen. Abends bin ich dann natürlich total kaputt und mies gelaunt. Hinzu kommt, dass bei mir auf der Arbeit (Sozialamt) die totale Personalknappheit herrscht, und ich zusätzlich zu dem Stress der Einarbeitung auch noch einen A**** voll Arbeit habe, der irgendwie gar nicht weniger wird. Ich bin den ganzen Tag nur damit beschäftigt, die gröbsten Feuer zu löschen.
Und irgendwie such ich den Fehler immer noch bei mir. Ich komme mir wie der totale Versager vor.
In lichten Momenten weiss ich, dass es nicht meine Schuld ist, dass alleine in meinem Bereich 3 Leute fehlen. Und dass auch keiner von mir erwartet, dass es alles perfekt läuft. Trotzdem habe ich eine Wahnsinnsangst davor, Fehler zu machen. Ich möchte manchmal einfach nur heulen.
Kennt ihr das auch, dass ihr euch selber total fertig macht, und viel höhere Ansprüche an euch habt, als alle anderen?
Ich bin meist auch zu faul für meine Entspannungsübungen und irgendwas in mir weigert sich, die Selbsthilfebücher zu lesen, die seit Monaten auf meinem Nachttisch liegen.
Ich möchte doch nur wieder ein normales Leben führen. Warum sabotiere ich mich dann die ganze Zeit selbst? Ich bin so durch den Wind mittlerweile, dass ich letzte Woche sogar meine Therapie vergessen hab.
Wie war euer Einstieg zurück in die Normalität? Wie lange habt ihr "gewartet"? Manchmal frage ich mich, ob es vielleicht zu früh war. Ich frage mich so wie so immer ganz viele Dinge, und über das nachdenken verstreicht ganz viel Zeit, nur ändern tu ich nichts.

LG Gobi

Danke für´s "zuhören".

07.07.2008 21:37 • 08.07.2008 #1


3 Antworten ↓


hallo gobi

das, was du beschreibst, sind auch sehr schwierige umstände für einen neueinstieg. das wäre schon schwierig, wenn man nicht deine geschichte hinter sich hätte. jeden, der seine arbeit halbwegs ernst nimmt, würde der zustand belasten. halt dir einfach vor augen, dass nicht mehr tun kannst, als du kannst.

Zitat:
Kennt ihr das auch, dass ihr euch selber total fertig macht, und viel höhere Ansprüche an euch habt, als alle anderen?


ja, das kenne ich. wenn ich etwas mache, muss es absolut perfekt sein, obwohl eigentlich kein hahn mehr nach perfektion kräht. das motto heute ist ja eher quantität als qualität. ich mach mich zu oft selber völlig fertig mit dieser einstellung.

Zitat:
Ich bin meist auch zu faul für meine Entspannungsübungen und irgendwas in mir weigert sich, die Selbsthilfebücher zu lesen, die seit Monaten auf meinem Nachttisch liegen.


auf die cd mit der übung drau, warte ich leider noch. aber ich bin auch null entspannungskünstler. bei mir liegt es nicht am faul, aber irgendwie packt mich die angst, mir vorzustellen abzuschalten. mal sehen, wie sich das mit der cd angeht.
zu den büchern: irgendwann ist man gesättigt. lies etwas, was dir freude macht. gerade wenn du so einen stress beim job hast, ist es doch verständlich, dass du etwas relaxen möchtest. diese bücher sind da nicht hilfreich.

Zitat:
Ich möchte doch nur wieder ein normales Leben führen. Warum sabotiere ich mich dann die ganze Zeit selbst?


du sabotierst dich nicht - du hast nur zu hohe ansprüche an dich. du willst zu viel auf einmal. lass "unwichtiges" zeug ruhen, bis du dich wieder in einem eingermassen stressfreien rhythmus eingefunden hast. nimm dir zeit für dich.

Zitat:
Wie war euer Einstieg zurück in die Normalität? Wie lange habt ihr "gewartet"? Manchmal frage ich mich, ob es vielleicht zu früh war.


da kann ich leider nicht mitreden. bin aus dem arbeitsprozess schon zu lange draussen und k.a., ob ich den einstieg jemals wieder schaffen werde.

darf ich fragen, ob man an deinem arbeitsplatz von deine früheren problemen weiss? oder bist du dort zusätzlich gezwunden so zu tun, als wäre das alles ein zuckerschlecken für dich?

ich wünsch dir viel kraft, dass du packst!

einen lieben gruss

leaina

07.07.2008 22:21 • #2



Selbstsabotage

x 3


das habe ich gerade in einem anderen thread von dir gelesen

Zitat:
Meine Kollegen / Vorgesetzte wissen nichts von meiner Krankheit. Ich bin auch erst seit 3 Monaten in diesem Job. Vorher hab bei einer Krakenkasse und als Bürokauffrau gearbeitet. Ich hab es bislang immer verheimlicht, und werde es auch weiterhin tun.


damit hat sich meine letzte frage erübrigt.

07.07.2008 22:24 • #3


Gobi76
Vielen Dank für deine nette Antwort.
Ich werde mal versuchen, heute das wichtige von unwichtigem zu trennen. Nur leider könnte ich jetzt schon kotz****, wenn ich daran denke, gleich los zu fahren .
Mit jedem Kilometer mehr in die Richtung denke ich, dass ich das nicht will. Aber leider geht´s ja im Leben nicht immer danach, was man will. Finanziell gesehen brauche ich diesen Job.
Ich wünsch dir einen schönen Tag. Davon können wir alle mehr gebrauchen.
LG Gobi

08.07.2008 06:14 • #4




Dr. Hans Morschitzky