App im Playstore
Pfeil rechts
×

Lieber Forenbesucher,

dieses Forum dient dazu, Menschen zu unterstützen und Austausch zu ermöglichen. Wer Hilfe braucht, findet sie hier, und wer helfen möchte, ist willkommen. Moderatoren achten darauf, dass der Umgang respektvoll bleibt. Für eine angenehme Atmosphäre sind verständnisvolle, ermutigende und einfühlsame Beiträge explizit erwünscht. Verletzende oder verurteilende Beiträge sind nicht erlaubt.

4

K

Kara69
Mitglied

Beiträge:
2
Themen:
1
Danke erhalten:
1
Mitglied seit:
Hallo liebe Leser,

ich hoffe sehr, dass ihr mir ein wenig helfen könnt.
Es wird ein längerer Text, und ich hoffe von Herzen, dass ihr euch die Zeit nehmt, ihn durchzulesen und mir vielleicht ein paar Ratschläge geben könnt, wie ich aus diesem Teufelskreis wieder herauskomme. Ich kann einfach nicht mehr und habe mittlerweile wirklich die Freude am Leben verloren.

Kurz zu mir: Ich bin 34 Jahre alt und vor einem Jahr von meinen Eltern in eine neue Stadt gezogen. Seitdem wohne ich zum ersten Mal allein. Ich arbeite im Einzelhandel, habe aber vor zwei Monaten gekündigt, weil ich total unglücklich bin und mich von meinem Arbeitgeber verarscht fühle. Ich bin damals beruflich hierhergezogen, aber viele Versprechungen wurden nicht eingehalten.

Nebenbei habe ich inzwischen eine GmbH gegründet und werde damit anfangen, sobald mein Arbeitsvertrag endet. Krankgeschrieben habe ich mich bis zum Arbeitsende nicht, weil ich sauber aus dem Unternehmen rausgehen möchte.
Bis vor zwei Monaten hatte ich so etwas noch nie. Ich war eigentlich immer gesund und hatte nie Depressionen oder ähnliche Probleme. Das Einzige, was ich habe, ist Asthma. Ich kannte solche Zustände vorher überhaupt nicht und wusste ehrlich gesagt auch nicht, wie sich so etwas anfühlen kann. Deshalb frage ich mich, ob das alles vielleicht irgendwie mit meiner Arbeit oder meiner aktuellen Situation zusammenhängen könnte.

Jetzt zu meiner Geschichte:

Vor etwa zwei Monaten fing alles zum ersten Mal an. Ich hatte mit meiner Partnerin Geschlechtsverkehr, alles war völlig normal, und etwa 15 Minuten später wollten wir schlafen und lagen im Bett. Als ich die Augen geschlossen habe – mir ging es in dem Moment eigentlich super – hatte ich plötzlich das Gefühl, als würde mein Herz aus der Brust springen. Ich bin sofort aufgestanden, dazu kamen Atemnot, kalter Schweiß und Schwindel. Nach etwa 5 bis 10 Minuten ließ es nach und ich wurde wieder ruhiger. Trotzdem konnte ich die ganze Nacht nicht mehr schlafen und bin bei jeder kleinsten Bewegung hochgeschreckt, weil ich dachte, ich bekomme einen Herzinfarkt.

Seit diesem Tag hat dieser Teufelskreis angefangen. Plötzlich ging es mir auf der Arbeit und im Alltag dauerhaft schlecht. Ich musste ständig daran denken, dass ich irgendetwas Ernstes habe und bald an einem Herzinfarkt sterben werde.
Es passieren mir Dinge, die mir in meinen ganzen 34 Jahren noch nie passiert sind.

Etwa eine Woche nach dem ersten Vorfall hatte ich nach der Arbeit plötzlich extremen Schwindel, Übelkeit, Brustschmerzen und starke Schmerzen im linken Arm. Ich bin sofort in die Notaufnahme gefahren. Und das Verrückte war: In dem Moment, in dem ich das Krankenhaus betreten habe, waren alle Symptome plötzlich verschwunden. Ich wurde direkt drangenommen, es wurde ein EKG gemacht, der Blutzucker gemessen und weitere Werte kontrolliert – laut Arzt war alles perfekt.
Am nächsten Tag hatte ich dann auch keine Symptome mehr. Doch kurz darauf fing wieder alles von vorne an.

Etwa zwei Wochen später hatte ich gegen Feierabend plötzlich Flackern vor den Augen. Bis dahin ging es mir eigentlich gut. Doch dann fing es urplötzlich wieder an: starke Schmerzen in der Brust und extreme Schmerzen im linken Arm. Mein Kollege hat mich sofort in die Notaufnahme gefahren. Und wieder war es so, dass alle Symptome verschwanden, sobald ich das Krankenhaus betreten hatte. Ich wurde erneut untersucht, alles wurde gemessen – und wieder war alles in Ordnung.

Am nächsten Tag bin ich zu meinem Hausarzt gegangen. Dort wurden ebenfalls viele Dinge kontrolliert, und auch da war alles unauffällig. Trotzdem wollte ich unbedingt Überweisungen zu einem Lungenarzt und einem Kardiologen haben.
Beim Lungenarzt war bis auf mein Asthma nichts Auffälliges.

Etwa drei Wochen später hatte ich dann meinen bisher schlimmsten Anfall. In diesem Moment dachte ich wirklich, dass es vorbei ist und ich es diesmal nicht schaffe. Ich war mit meiner Partnerin auf einem Feld spazieren. Mir war schon vorher schwindelig, ich war extrem müde und meine Augen sind fast von allein zugefallen. Ich musste jede Sekunde daran denken, dass das nicht normal sein kann. Dann ging es plötzlich wieder los – aber diesmal war es noch viel schlimmer.
Ich bekam extreme Atemnot, mir wurde noch schwindeliger, meine Beine haben mich kaum noch getragen und ich hatte das Gefühl, jeden Moment umzukippen. Mein Herz fühlte sich an, als würde es gleich explodieren. Ich habe es im Rücken, im Bauch und eigentlich überall gespürt.
Meine Partnerin hat mich sofort ins Krankenhaus gefahren. Diesmal wurde es nicht direkt besser, als ich dort angekommen bin. Ich konnte kaum reden und meinen linken Arm fast gar nicht mehr hochheben. Sofort kamen mehrere Mitarbeiter, ich wurde im Rollstuhl in den Behandlungsraum gebracht und direkt untersucht. Diesmal wurde wirklich alles kontrolliert: Blut aus dem Ohrläppchen, Blut aus der Vene, sämtliche Werte – ich war etwa vier Stunden an verschiedene Geräte angeschlossen. Nach ungefähr 30 Minuten ging es mir langsam wieder besser. Nach etwa vier Stunden kamen dann alle Blutwerte zurück, inklusive Troponin – und wieder war alles perfekt.

Am nächsten Tag hatte ich frei und mir ging es auch wirklich gut. Keine Symptome.
Doch schon am übernächsten Tag nach Feierabend fing alles wieder von vorne an.

Mittlerweile war ich auch beim Kardiologen. Dort wurde mein Herz per Ultraschall untersucht, und laut Arzt sind sowohl mein Herz als auch meine Gefäße in sehr gutem Zustand.
Inzwischen habe ich riesige Angst zu sterben. Ich messe gefühlt jede Minute meinen Puls und google jedes einzelne Symptom, das ich habe. Mir ist jeden Tag zeitweise schwindelig und unwohl. Meine linke Seite fühlt sich oft wie gelähmt an und tut weh – obwohl ich ganz normal Kraft im linken Arm habe, genauso wie im rechten. Diese Beschwerden kommen und gehen, und abends sind sie am schlimmsten, besonders wenn ich allein bin.
Wenn ich ehrlich bin, werden die Symptome auch besonders stark, sobald ich daran denke, dass ich vielleicht doch etwas Ernstes habe. Dann steigert sich alles komplett hinein. Ich habe eine extreme Todesangst entwickelt, und so etwas hatte ich vorher noch nie.
Ich war früher nie ängstlich. Ich hatte nie Angst vor Horrorfilmen oder generell vor irgendwelchen Situationen. Aber mittlerweile ist es bei mir so, dass ich bei plötzlichen Situationen sofort zusammenzucke und das Gefühl habe, mein Herz bleibt stehen.
Ich kann ganz normal rausgehen, auch unter Menschen, und habe damit überhaupt kein Problem. Aber ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll.
Was passiert mit mir? Was habe ich? Laut den Ärzten bin ich gesund, aber ich erkenne mich selbst überhaupt nicht wieder. Mir macht nichts mehr Spaß, weil ich jeden Tag nur noch an meine Gesundheit denken muss.

06.07.2026 x 1 #1


6 Antworten ↓

Flousen
Herzlich Willkommen in der Welt voller Angst und Panikattacken. So äußern Sie sich teilweise. Den Rest erschaffen Deine Katastrophen Gedanken. Jetzt solltest Du Dir einen Psychiater Termin holen, einen Therapeuten aufsuchen, und aufarbeiten was dir vielleicht nicht ganz bewusst ist.

Falls es gar nicht geht, gibt es etliche Medikamente die dich runterfahren. Sei es Antidepressiva, Neuroleptika, Benzos, das muss aber jeder für sich entscheiden. Sie können zwar unterstützen aber ändern nichts an der Ursache. Die musst du erkennen und Bezwingen.

Alles Gute!

x 1 #2


A


Panikattacke? Krank ? Todesangst ! Bitte um Hilfe

x 3


Schlaflose
Wenn so viel untersucht wurde und nichts dabei rauskam, kann man mit Sicherheit von Panikattacken ausgehen. Dein " Asthmaanfall" war wahrscheinlich auch keiner, sondern eine sehr heftige PA mit Hyperventilation.

x 1 #3


bory
@Kara69 Du bist gut diagnostiziert, daher liegt die Angststörung nahe. Eine Panikattacke kann nach der schönsten Situation auftauchen, auch an deinem Safeplace. Ja, herzlich Willkommen im Club. Die gute Nachricht ist, es ist gut therapierbar und so vernichtend die Situation ist, es gibt einen Weg raus.

Mehr noch...

Ich habe den Spruch "Die Angst ist eine Chance" zu anfang für eine Farce gehalten. Aber es stimmt. Setz Dich damit auseinander und Du kannst dadurch Dinge über Dich lernen, die dich resilienter als vorher machen. Schönes Wort, habe ich auch erst in dem Zusammenhang gelernt. Souveräner und besser im Umgang mit deinem Job, in deinem Job.

Ich drücke Dir die Daumen.

#4


D
Herzlichen Willkommen erstmal😊

Leider bist du gerade dabei, eine Panikstörung mit Herzneurose bzw. somatoformen Störung zu entwickeln, so ist jedenfalls meine Interpretation, genauer wird dir das ein Psychologe sagen.
Das erste Mal eine Panikattacke durchzumachen ist für mich ein einschneidendes Ereignis im Leben, denn du hast für dich reale Todesängste erlebt, auch wenn alles ungefährlich war.
Die Todesängste bei einer PA fühlen sich genauso echt an, wie bei einem wirklichen Herzinfarkt. Danach entwickelt sich oft ein "Angst vor der Angst" Phänomen. Das heißt, du hast Angst, das noch einmal zu erleben, einerseits, weil es extrem unangenehm ist, andererseits wirst du es noch nicht ganz als Panikattacke akzeptiert haben und hast Angst, wirklich zu sterben.
Wichtig ist, dass du nun versucht, sehr schnell was gegen diesen beginnenden Teufelskreis zu tun, denn alleine oder durch dieses Forum kommt man da selten raus, es braucht da schon Fachleute, denn irgendwie und irgendwo gibt es Gründe, dass sich sowas entwickelt.
Erster Schritt wäre Vorstellung beim Hausarzt, dem die Problematik schildern und dann bekommt man eine Überweisung für eine Psychotherapie. Dann ca. 57 Therapeuten anrufen und auf Wartelisten schreiben lassen, Wartezeit ist oft 6-9 Monate.

Für die Übergangszeit kannst du dir hier oder bei YouTube Tipps holen, wie du mit der Situation umgehst und schon mal Strategien erlernen, das grob in den Griff zu bekommen.
Wichtigster Gedanke: Du bist gesund und du stirbst nicht! Egal, wie krass sich das anfühlt, versuche ruhig zu atmen und diese Gedanken zu fassen!

Paar Fragen habe ich noch, gerade weil du Panik vor Herzproblemen hast: Gibt es Risikofaktoren? Rauchst du? Hast du Übergewicht? Treibst du Sport? Hast du sonstige Sorgen, die dir gar nicht so bewusst sind?

x 1 #5


K
Vielen Dank für die Antworten.
Ich war heute bei meiner Hausärztin und habe ihr die Situation erneut geschildert. Ich habe auch gesagt, dass sich mein Zustand nicht verbessert hat, sondern eher verschlechtert. Die einzige Rückmeldung, die ich bekommen habe, war, dass sie mir Opipramol-neuraxpharm 50 mg verschreibt und darüber hinaus leider nichts weiter tun könne. Eine Überweisung zu einem Psychiater oder eine andere weiterführende Unterstützung habe ich nicht bekommen. Ich fühle mich damit ehrlich gesagt ziemlich alleingelassen.

Ich habe inzwischen auch gelesen, dass es sich dabei um ein Antidepressivum handelt. Meine Frage ist daher, ob ich da nicht auch ohne Medikamente wieder herauskommen kann. Ich möchte wirklich ungern mit Antidepressiva anfangen, weil ich Angst habe, davon abhängig zu werden oder an Lebensqualität zu verlieren – vor allem, weil ich gelesen habe, dass sie dauerhaft müde machen können.

@Daniel0306
Soweit ich weiß, gab es bisher keine Herzprobleme in der Familie. Ich rauche seit etwa 20 Jahren, bin 1,88 m groß und wiege 108 kg, also leicht übergewichtig. Sport mache ich aktuell gar nicht.
Konkrete Sorgen habe ich eigentlich nicht, aber ich habe momentan sehr viel Stress auf der Arbeit. Ich mache praktisch die Arbeit von drei Personen, Zusagen wurden nicht eingehalten, und ich bin beruflich bedingt 150 km weit weggezogen. Zusätzlich belastet mich aktuell auch die Selbstständigkeit bzw. die Gründung etwas.

Grundsätzlich war ich beruflich aber eigentlich immer sehr belastbar.

#6


D
Zitat von Kara69:
Eine Überweisung zu einem Psychiater oder eine andere weiterführende Unterstützung habe ich nicht bekommen.

Dann mal bei der Krankenkasse anrufen, die können einen da auch beraten und Stellen nennen, an die man sich wenden kann.


Zitat von Kara69:
Meine Frage ist daher, ob ich da nicht auch ohne Medikamente wieder herauskommen kann. Ich möchte wirklich ungern mit Antidepressiva anfangen, weil ich Angst habe, davon abhängig zu werden oder an Lebensqualität zu verlieren

Klar, geht auch ohne Medikamente, die unterstützen aber sehr gut und Lebensqualität gewinnt man eher, als dass man welche verliert! Ich hab damals auch als erstes Sertralin bekommen, ein gut verträgliches Antidepressivum, nehme ich bis heute und lebe normal damit. Klar, manche vertragen gewisse Antidepressiva nicht, aber meistens hat das keine Probleme.

Zitat von Kara69:
Ich rauche seit etwa 20 Jahren, bin 1,88 m groß und wiege 108 kg, also leicht übergewichtig. Sport mache ich aktuell gar nicht.

Und du bist dir sicher, dass in dir nicht irgendwas schlummert, Ängste oder Sorgen durch die Kombi Lebensstil und Stress? Bei mir war Lebensstil auch der Auslöser und meiner war blöd gesagt besser. Hab das aber erst später realisiert, dass das dazu führte.

Zitat von Kara69:
Konkrete Sorgen habe ich eigentlich nicht,

Oft hat man auch keine konkrete Sorgen a la "vor xyz hab ich Angst", sondern es beginnt mit einem immer krasser werdenden Stresslevel, bis es explodiert, wie bei dir. Merkt man ganz lange gar nicht.
Panikattacken sind oft auch Hilferufe vom Körper und Verstand, dass er nicht mehr kann

#7





Youtube Video

Dr. Christina Wiesemann
App im Playstore