Danke für eure Antworten.
Online-Tests hab ich natürlich schon gemacht. Hier kommt es natürlich darauf an, welche Fragen wie gestellt werden. Laut den Tests bin ich gerade so im Spektrum drin.
Ich hab zur Diagnostik erstmal die Uniklinik Köln näher ins Auge gefasst, bin aber auch für andere Diagnostiker offen.
Ich habe weniger Probleme im zwischenmenschlichen Kontakt (auch manchmal schwierig, aber einigermaßen zu händeln), sondern eher in der Reizverarbeitung. Ich bin suuuperschnell von und mit allem überfordert, vor allem, wenn viele externe Reize (vor allem akustische) dann noch auf problematische Gedanken und Bewertungen stossen. Sowas knockt mich sehr oft aus, von einem an sich harmlosen Ereignis bin ich tagelang erschöpft und zu nicht viel in der Lage. Es dauert dann unverhältnismäßig lange, bis ich endlich wieder 'Ruhe im Kopf' bekomme.
Soziale Kontakte und Situationen finde ich meist sehr anstrengend. Umso mehr, wenn ich mit 'Dauerquatschern' zu tun habe oder Leuten mit einer lauten, schnellen, extrovertierten, affektierten Sprechweise. Ich komme da nicht hinterher, aus diesem schier unendlichen Wust an Informationen die wenigen Fitzelchen herauszupicken, die in dem Moment für mich relevant oder interessant sind.
Ein anderes Problem ist exekutive Dysfunktion. Eine bestimmte Tätigkeit steht an, ich
will sie ja machen, aber ich
kann einfach nicht. Als hätte man mich auf dem Stuhl festgeklebt und dabei noch die Hände auf dem Rücken verbunden. Ich kann endlos lang über diese Tätigkeit nachgrübeln, wie ich es am Besten mache, in welcher Reihenfolge welcher Arbeitsschritt am sinnvollsten wäre, was alles zu beachten ist. Aber ich komme einfach nicht vom Denken ins Tun.
Entscheidungen fallen mir umso schwerer, je mehr Möglichkeiten es gibt, bis hin zum Abbruch des Themas, weil es mich einfach völlig auspowert und ich irgendwann nur noch Nebel im Kopf habe.
'Chaotische Zustände' wie ein wild wachsendes Blumenbeet oder ein unaufgeräumter Kellerraum lassen mich fast auf Knopfdruck wahnsinnig werden. Ich bin total überfordert mit diesem 'Chaos', es sind viel zu viele 'optische Informationen' gleichzeitig. Ich bekomme das kopfseitig einfach nicht verarbeitet.
Ich könnte noch Dutzende solcher Beispiele bringen. Wenn ich mit solchen Sachen zu viel/zu lange/zu oft hintereinander zu tun habe oder es nicht zeitnah in den Griff bekomme, komme ich in den Angstbereich oder werde depressiv. Angst und Depri sind m. E. bei mir also die Folge von all diesen Dingen und nicht die Ursache meiner Beschwerden und Einschränkungen.
Für mich sind das alles typische autistische Overload-Situationen, die meinen Alltag prägen. Meltdowns (in Form von kurz andauernden heftigen Wutausbrüchen) und Shutdowns kenne ich ebenfalls. Shutdowns finde ich extrem bedrohlich. Mein Doc nannte das 'dissoziativer Zustand' -> Gehirn drückt quasi auf 'reset', weil ihm grad alles zu viel ist. Unter 'dissoziativer Zustand' finde ich bei Dr. Google allerdings nichts ähnliches, und eine Dissoziation klingt in den Beschreibungen auch anders.
Wo nach klingt das für euch? (Nein, ich möchte keine belastbare Diagnose von euch, sondern eine Einschätzung, ob ich mit 'Autismus' halbwegs auf dem richtigen Weg bin!)
P. S. Ein ausschweifender, monologisierender und um Präzision bemühter Schreibstil gehört doch auch dazu, nicht?
