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Flame
@joe899

Jetzt hast Du ja erstmal einen Haufen "Input".

Ich kann nur sagen,es gibt kein Grundrezept für alle,probiere Dich aus und dann wirst Du für Dich selbst eine Weg finden im Laufe der Zeit.

Ich bin sicher,Du wirst herausfinden,was Dir gut tut.

Gestern 14:31 • #21


Bernie1970
@joe899

Eine Grundanspannung ist in der Tat sehr kräftezehrend. Es ist wie ein Trafo, der ständig arbeitet, unabhängig davon, ob an der Sekundärseite Last verbraucht wird. Gesund ist das auf Dauer nicht.

Aber:

Mit Deinen Gedanken bzgl. Deiner früheren übersteigerten Körperwahrnehmung liegst Du m. E. schon richtig. Vielleicht musst Du deshalb den "Weg zurück" ebenfalls über den Körper gehen, wie z. B. Autogenes Training oder auch Yoga.

Und:

Der Begriff "Loslassen" ist sowieso Unsinn. Kein ernstzunehmender Meditationslehrer benutzt ihn, da er ein Widerspruch in sich ist: Wer (!) lässt denn los? Und was (!) wird losgelassen?

So wie die vielen Wellness-Räucherstäbchen-Aufsprecher ihn verwenden, könnte man einer Ameise, die an der Zimmerdecke krabbelt, befehlen: "Lass los"!

Es geht nicht darum loszulassen, sondern zu verstehen. Es geht um das Hinterfragen der allgemein akzeptierten Annahme, dass dieser erlebende Geist (also Erleben an sich) und dieser Körper "ich" bin oder gar "mir" gehört.

Wenn Du magst, können wir das anhand eines von Dir gewählten Beispieles mal gemeinsam aufdröseln? Aber nur, wenn Du da eine Möglichkeit der Hilfe für Dich witterst, ansonsten macht es wenig Sinn, da es dann zu abstrakt ist.

Gestern 15:05 • x 1 #22


Hoffnungsblick
Zitat von Bernie1970:
Es geht nicht darum loszulassen, sondern zu verstehen. Es geht um das Hinterfragen der allgemein akzeptierten Annahme, dass dieser erlebende Geist (also Erleben an sich) und dieser Körper "ich" bin oder gar "mir" gehört.


Das ist sehr interessant, was du da schreibst. Da muss ich noch darüber nachdenken. Aber das kann man wahrscheinlich nicht. Man muss es wohl erfahren.

Gestern 20:26 • x 1 #23


Danke für eure Antworten und Tipps. Die sind sehr lieb. Wisst ihr, es geht bei mir einfach darum, dass ich ständig in diesem Modus bin, sobald ich morgens aufwache. Nur Medikamente haben bei mir bisher geholfen mich runterzufahren... Man kann sich das wirklich so vorstellen, dass ein Programm gestartet wird (wie bei einem Computer) , sobald dieser angeschaltet wird (morgens). Das Programm geht dann den ganzen Tag, wird mal besser mal schlimmer. Und ich weiß gar nicht genau was es ist... sind es Depressionen, generalisierte Angststörung, Zwangsstörung? Irgendwie ist es eine Mischung von allem, ein Klumpen der miteinander verstrickt ist. Irgendwie eine Erwartungsangst vor der Angst selber, ein Mangel an Grundvertrauen ins Leben, an Mangel and Selbstbewusstsein, immer mit eingezogenen Schultern durchs Leben zu gehen und zu horchen was kann als nächstes passieren - und vor allem, die ständige Überwachung, was gerade da ist. "Wie angespannt bist du", "Welche Symptome sind gerade da?", "Ist es besser/schlechter geworden", "Wie kriegst du es weg" ... Aber wie auch immer man es bezeichnet, es wird beim Wachsein gestartet, hält mich in einer physischen und psychischen Spannung, nimmt mir massive Lebensqualität und erschöpft mich.


Zum Thema Meditation: ja ich habe selber schonmal meditiert, hatte aber Schwierigkeiten damit.. Also ich habe es schon hinbekommen, mich auf meinem Atmen zu konzentrieren aber ich hatte auch unzählige viele Gedanken dabei und manchmal eine zu starke Unruhe. Ich glaube vor allem, dass ich mental falsch ans meditieren gegangen bin... ich denke mir beim Meditieren, ich muss es LOSWERDEN, wegkriegen, deshalb meditiere ich. Aber ich habe dann gemerkt (Kontrollzwang), dass ich nach dem meditieren nicht entspannter war, wodurch ich das Gefühl hatte, dass es nix bringt. Bei der Meditation gehts ja auch viel ums akzeptieren und zulassen, ich denke, dass gerade das mir mega schwer fällt und ich nicht loslassen kann um die Dinge geschehen lassen zu können.


Danke fürs lange Lesen.

Gestern 20:52 • x 3 #24


Robinson
Ich finde, die Anspannung ist wie ein Schutz, denn wenn ich mal, wie mit Benzos runterkomme, werde ich stark Depressiv.
Auch beim Meditieren.
Da kommen Gefühle, die nicht gut sind. Vorallem viel Trauer und Wut.
Tolle nennt das den Schmerzkörper.


Etwa wie geschrieben:

...Er sagt in einem Vortrag, dass, wenn man auf dem Entwicklungsweg zu größeren Gefühlstiefen vorstößt, dorthin wo Liebe ist, dass dort mit der Liebe erst mal auch der Schmerz aktiviert wird. Das ist deswegen der Fall, weil unsere Erfahrungen mit Liebe, auch frühkindliche, oft mit Zurückweisung oder Ablehnung gekoppelt sind. Das kann dann vielleicht mal eine Horrorerfahrung sein....

Aber auch Gefühle von tiefer Einsamkeit und Verlassenheit.
Kann mich zwar als "Unendliches Bewusstsein" hinter dem Ego emfinden, als Leer machen von allem, nur ist diese Leere ohne tragende Liebe, wie ein auseinanderfallen, in die Tiefe.

Entschuldige, wenn ich dein Thread okkupiere, aber das fällt mir gerade dazu ein.

Meditieren fühlt sich manchmal an, als sollte ich mich auf eine Strasse legen und die Angst als Illusion vom Ego sehen, in der Hoffnung dass in der Zeit kein Auto kommt!

Auch kenne ich das, selbst ohne Angstgedanken, also bewusst, Angst zu haben.
Wie du schon schriebst, ohne direkten Anlass, ohne Angstgedanken.
Morgens fährt das System hoch...

Was für Medis nimmst du denn?

Vor 11 Stunden • x 1 #25


Hoffnungsblick
Zitat von joe899:
Irgendwie ist es eine Mischung von allem, ein Klumpen der miteinander verstrickt ist. Irgendwie eine Erwartungsangst vor der Angst selber, ein Mangel an Grundvertrauen ins Leben, an Mangel and Selbstbewusstsein, immer mit eingezogenen Schultern durchs Leben zu gehen und zu horchen was kann als nächstes passieren - und vor allem, die ständige Überwachung, was gerade da ist. "Wie angespannt bist du", "Welche Symptome sind gerade da?", "Ist es besser/schlechter geworden", "Wie kriegst du es weg" ... Aber wie auch immer man es bezeichnet, es wird beim Wachsein gestartet, hält mich in einer physischen und psychischen Spannung, nimmt mir massive Lebensqualität und erschöpft mich.


Danke für deine ausführliche Antwort.
Dass dich diese ständige Habachtstellung erschöpft, kann ich verstehen. Wahrscheinlch gab es, vielleicht in deiner frühen Kindheit (?) mal reale Anlässe, die dir wie Trigger weiterhin suggerieren, dass das Leben gefährlich sei. Entschuldige diese ungefragte Amateurdiagnose. Kann auch völlig anders sein. Bin kein Psychologe. Einerseits ist deine ständige Selbstbeobachtung auch anstrengend. Aber wenn man sich selbst beobachten kann, dann ist das auch ein Vorteil. Du bist deinen Symptomen nicht völlig ausgeliefert durch diese Kontrollinstanz. Meditation arbeitet auch mit Selbstbeobachtung oder Kontrollinstanz. Du weißt es ja selbst: Gedanken kommen und gehen lassen, wertfrei akzeptieren. Bei mir habe ich beobachtet, dass das wertfreie Akzeptieren nicht immer einfach ist. Kommen Gedanken oder Wünsche hoch, die ich ablehne, weil sie zu einem "guten Kind/guten Menschen" nicht passen, dann verurteile ich mich oft. Aber es kommt halt auf das wertfreie Beobachten und Akzeptieren an. Diese "schlechten" Gedanken, Symptome oder Wünsche sind wie "böse" und unartige Kinder, die trotzdem geliebt und akzeptiert werden wollen. Vielleicht sollten wir sie innerlich erst mal in die Arme nehmen, ihnen über den Kopf streicheln und sagen: Alles gut. Es hat seinen Grund, warum du so fühlst, reagierst, wünschst.
Das Meditieren fördert die Selbstkontrolle, ja. Bis ich es zuließ, auch mal in größere Tiefen zu kommen, hat es viele Jahre gedauert.
Vielleicht sind für dich Entspannungsmethoden aller Arten sinnvoll?

Zitat von Robinson:
Aber auch Gefühle von tiefer Einsamkeit und Verlassenheit.
Kann mich zwar als "Unendliches Bewusstsein" hinter dem Ego emfinden, als Leer machen von allem, nur ist diese Leere ohne tragende Liebe, wie ein auseinanderfallen, in die Tiefe.


Ja, diese Gefühle von tiefer Einsamkeit und Verlassenheit, die sind es, die wirklich Angst machen. Hier kann es sein, dass sie auch auf frühkindlichen Erfahrungen beruhen. Meine Mutter, der ich mein Leben und Vieles andere Gute verdanke, hat mir, recht vorwurfsvoll gesagt, dass ich als Baby nachts oft geschrieen habe. Persönlich denke ich, dass meine Verlassenheitsängste auch daher kommen. Denn wenn ein Baby weint und die Mutter kommt nicht, denkt es, dass es sterben werde, weil es sich ja nicht selber helfen kann. Trotzdem großen Dank an meine Mutter! Sie hat das ihr Mögliche für mich getan.
Verlassenheitsängste und Einsamkeit sind vielleicht auch neben den persönlichen Erfahrungen existenzielle Menschheitserfahrungen, mit der sich jeder auch noch so geliebte Mensch auseinandersetzen muss. Diese Einsamkeit und Verlassenheit im Universum als unsicherem Ort müssen wir vielleicht aushalten lernen. Vielleicht können wir dann in uns selbst einen sicheren, liebevollen, verzeihenden(vor allem uns selbst...) Ort einrichten.

Vor 7 Stunden • #26


Flame
Mir fällt gerade noch dazu ein,dass die Kursleiterin vom Autogenen Training gesagt hatte,dass bei massiver Anspannung dasEntspannungsverfahren soger eher kontraproduktiv sei.
Ist vielleicht eher gut bei leichter bis mittlerer Anspannung und um etwas Übung zu erlangen am besten erst mal mit null bis wenig Anspannung ausprobieren(falls Du solche Phasen überhaupt noch hast).

Ds ist so ähnlich wie Therapie,für die hat man auch erst wieder Ressourcen,wenn man halbwegs wieder bei sich ist und nicht permanent in der Angstschleife steckt.

Bei mir war es vor 2 Jahren genauso wie bei Dir:
Sobald ich aufgewacht bin,ging es los mit Angst und Panik ,ich konnte echt die Uhr danach stellen und ja,es ist extrem erschöpfend.
Und es macht depressiv auf die Dauer.

Bei mir hat halt ein Medikament den Durchbruch gebracht und heute lebe ich zu 95 Prozent angstfrei also fast wieder wie früher (habe nur leider sehr zugenommen).
Ich nutze aber dennoch Entspannungsverfahren und versuche so zu leben,dass es gut ist für mich und meine Mitmenschen.
Vor allem habe ich akzeptiert,dass ich nicht alles verstehen muss dann auch das kann inneren Druck aufbauen,wenn man auf Teufel komm raus nach einer Ursache sucht.
Meistens sind es eh mehrere Ursachen,ein Urwald,in dem man sich dann schnell mal verlaufen kann.

Wichtig ist ,dass man medikamentös gut eingestellt wird um erstmal aus der Akutphase rauszukommen.
Dann Verhaltenstherapie und darauf achten,dass man einen einfühlsamen Therapeuten hat.
Und dann:das Leben wieder geniessen!

Vor 5 Stunden • #27


Hoffnungsblick
Zitat von joe899:
aber ich hatte auch unzählige viele Gedanken dabei


Es gibt Meditationsschulen, die sagen, dass die Gedanken in der Anfangsphase zunehmen und dass das ein Zeichen für Fortschritt sei. Man braucht auf diesem Weg sehr viel Geduld mit sich selber.

Vor 6 Minuten • #28




Mira Weyer