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Aurecha
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Kennt das jemand? Mich überfordert der Gedanke, dass noch so viel Leben vor mir liegt.
Ich stecke gerade in einer der schwersten Phasen meines Lebens und wollte fragen, ob jemand etwas Ähnliches erlebt hat.
Ich leide schon seit Jahren immer mal wieder unter Angst und Panikattacken. Normalerweise bekomme ich solche Phasen irgendwann wieder in den Griff, aber dieses Mal fühlt es sich viel intensiver an. Vor Kurzem habe ich mit Pregabalin begonnen und hoffe, dass es mit der Zeit hilft, aber im Moment ist jeder Tag noch ein ziemlicher Kampf.
Das Schlimmste ist mittlerweile gar nicht mehr die Panik selbst.
Es ist das Gefühl, dass noch so unglaublich viel Zeit vor mir liegt.
Während viele Menschen sich auf ihre Zukunft freuen, macht sie mir Angst. Ich wache morgens auf und denke: Wie soll ich diesen Tag überstehen? Und sofort geht mein Kopf weiter: Wie soll ich Wochen, Monate, Jahre oder sogar ein ganzes Leben schaffen?
Ich habe das Gefühl, dass mich die Leere überrollt. Ich weiß oft nicht, womit ich meine Zeit füllen soll, und sobald nichts los ist, fangen meine Gedanken an zu kreisen. Dann kommen Ängste, Hoffnungslosigkeit und existenzielle Fragen hoch. Es fühlt sich an, als würde mich das Leben selbst gerade überfordern. Aber auch in Phasen wo es mir mal besser ging war der Gedanke daran das ich noch 50+ Jahre zu leben habe sehr beängstigend und überrollend.
Das Verrückte daran ist, dass ich die Mechanismen dahinter eigentlich kenne. Ich bin Psychotherapeutin in Ausbildung und beschäftige mich beruflich mit genau solchen Themen. Rational verstehe ich vieles – aber mein Körper reagiert trotzdem mit massiver Angst. Dieses Wissen schützt einen leider nicht davor.
Außerdem habe ich einen sehr hohen Leistungsanspruch an mich selbst. In den letzten Wochen ist mir bewusst geworden, dass tief in mir wohl der Satz steckt: „Nur wenn ich funktioniere, bin ich sicher.“ Jetzt, wo ich mich gerade eben nicht leistungsfähig fühle, bricht für mich gefühlt alles weg. Ich versuche wirklich, alles Schritt für Schritt zu schaffen.
Mir ist wichtig zu sagen: Ich habe keine Suizidgedanken und möchte nicht sterben. Eigentlich ist es sogar das Gegenteil. Mich macht der Gedanke fertig, dass noch ein langes Leben vor mir liegt und ich gerade nicht weiß, wie ich damit umgehen soll.
Hat jemand von euch so etwas schon einmal erlebt? Ist dieses Gefühl irgendwann wieder verschwunden? Was hat euch geholfen, wieder Vertrauen ins Leben zu bekommen?
Ich würde mich sehr über Erfahrungen freuen – gerade von Menschen, die irgendwann wieder aus so einer Phase herausgefunden haben. Im Moment fällt es mir schwer zu glauben, dass es wieder besser werden kann.

26.07.2026 x 1 #1


7 Antworten ↓

Nour
Liebe @Aurecha ich kenne das Gefühl nur zu gut und ich glaube, dass ganz viele hier in dem Forum Ähnliches kennen!

Du hast recht, dass Wissen leider nur begrenzt hilft, habe selbst Psychologie studiert und bin nicht vor der Angst vor dem Leben gefeit.

Und es klingt ja auch so, als würde sich für dich alles schlimm anfühlen und wenn man dann denkt, das ginge den Rest des Lebens so weiter, macht das natürlich Angst und wenig Lust darauf.

Ich bin vor kurzem auch wieder in solch eine Phase gefallen und was mir gerade hilft, ist zu wissen, dass es immer irgendetwas schönes im Leben gibt, auch wenn man es erst (wieder) entdecken muss.

Vielleicht hilft es dir, danach zu schauen, was für dich schön ist und sich gut anfühlt. Das ist natürlich nicht so leicht, da keinen Druck reinzulegen aber ich bin mir sicher du findest etwas. Und ich bin mir auch sicher, dass du da wieder rauskommst und mit Zuversicht auf die kommende Zeit schauen kannst 🌻

x 1 #2


A


Angst vor dem Leben

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Nour
Ah und bezüglich deines Glaubenssatzes: Den kannte ich noch gar nicht, er resoniert aber auch sehr stark mit mir.

Ich hatte eine sehr extreme Situation auf der Arbeit, die mich auch in die aktuellen Schwierigkeiten gebracht hat. Daher bin ich nicht zu 100% leistungsfähig und das hat mir auch sehr viel Angst gemacht. Ich habe dann mit einer Vertrauensperson darüber gesprochen und due hat mir geraten, einfach offen zu sein, dass die Dinge momentan nicht so leicht sind. Ihr Wortlaut war: "In Verletzlichkeit kann auch eine Stärke liegen"

Und sie hatte total recht, ich habe das vorsichtig bei meiner Chefin angesprochen und diese hat sehr verständnisvoll reagiert und zu wissen, dass das bekannt ist, hilft mir mich gerade nicht noch mit der Arbeit zu überlasten.

Also vielleicht gibt es eine Möglichkeit in deiner Ausbildung, für die aktuelle Phase etwas kürzer zu treten 😊

x 1 #3


A
Danke dir für deine liebe und ehrliche Antwort. Tatsächlich triffst du mit vielem genau einen Punkt, der für mich gerade unglaublich schwer ist.
Das Schwierigste für mich ist gar nicht nur die Angst an sich, sondern mir einzugestehen, dass ich im Moment eben nicht so leistungsfähig bin, wie ich es von mir selbst erwarte. Das ist wahrscheinlich eine meiner größten Ängste überhaupt. Ich habe das Gefühl, wenn ich nicht mehr funktioniere, dann bricht alles zusammen. Das macht mir fast noch mehr Angst als die Angst selbst.
Dazu kommt natürlich die Sorge, dass dieser Zustand vielleicht gar nicht mehr aufhört. Rational weiß ich, dass Angststörungen in Phasen verlaufen können und dass es wieder besser werden kann. Aber emotional fühlt es sich gerade oft so an, als wäre das jetzt mein Leben und als müsste ich mich die nächsten 40 oder 50 Jahre so fühlen. Dieser Gedanke überrollt mich manchmal total.
Die Ausbildung ist dabei leider ein riesiger Faktor. Ich liebe sie eigentlich und möchte unbedingt Psychotherapeutin werden. Gleichzeitig setzt sie mich momentan unter so einen enormen Leistungsdruck, dass sie wahrscheinlich auch mit zu meinem aktuellen Zustand beiträgt. Das Verrückte ist: Die Katze beißt sich in den *beep*.
Rein theoretisch hätte ich die Möglichkeit, die Ausbildung vorübergehend zu pausieren, und zeitlich würde das sogar noch passen. Aber ich wünsche mir wirklich von Herzen, dass es gar nicht erst so weit kommen muss. Allein der Gedanke daran fühlt sich für mich unglaublich schlimm an. Ich müsste meine Patienten abgeben, bereits gesammelte Stunden würden teilweise nicht anerkannt werden und vieles würde sich nach hinten verschieben. Das fühlt sich für mich wie ein riesiges Scheitern an, auch wenn ich weiß, dass es objektiv wahrscheinlich keines wäre.
Was es zusätzlich schwierig macht, ist, dass ich nicht das Gefühl habe, mit meinem Ausbildungsinstitut wirklich offen über meine Situation sprechen zu können. Ich habe große Angst, dass jemand denken könnte, ich sei nicht belastbar oder vielleicht sogar nicht für den Beruf geeignet. Wahrscheinlich spricht da zu einem großen Teil meine Angst, aber sie fühlt sich trotzdem sehr real an. Deshalb habe ich manchmal sogar den Gedanken, dass ich mir eher irgendeinen anderen Grund überlegen müsste, warum ich pausieren möchte, anstatt ehrlich zu sagen, dass ich gerade psychisch in einer Krise stecke.
Zum Glück bin ich selbst in Lehranalyse und habe dort viel Unterstützung. Auch mein Umfeld fängt mich gerade sehr auf. Ich hoffe einfach sehr, dass ich in den nächsten Wochen wieder etwas Stabilität finde und diese Pause am Ende gar nicht nötig wird.

x 1 #4


Nour
Das ist alles total gut nachvollziehbar und ich kann sagen, dass ich diese Gedanken wirklich 1:1 kenne...

Ich würde dir gerne ein bisschen die Angst nehmen, dass man normalerweise immer stärker ist, als man denkt. Also kann es vielleicht auch gut sein, dass du gar keine Pause brauchst und es in der Ausbildung auch niemand erfahren muss, wenn sich ansprechen nicht so sicher anfühlt. Es kann ja auch sogar sehr positiv sein, dass du eine Struktur hast. Tatsächlich hat die Arbeit in meiner ersten Krise total gut geholfen und war eine Art Anker auch wenn alles doppelt und dreifach anstrengend war 😄

Du kannst ja mal versuchen, dir morgens und abends und vielleicht auch während der Arbeit kleine Pausen zu nehmen, die nur für dich sind, in denen du zu dir kommst oder irgendetwas schönes machst. Das kann schon ganz gut helfen, dann braucht es keine große Veränderung

x 1 #5


A
Ja mir hat die Arbeit bisher auch immer etwas Stabilität zurück gegeben. Ich muss nur darüber hinaus schauen wie ich mit dem allgemeinen Druck und Leistungsdruck den ich habe etc. dauerhaft umgehen kann und auch schauen muss wie ich in Zukunft mit den Zukunftsängsten umgehen kann. Ich kann allerdings auch nur arbeiten wenn ich nicht mehr so akut durcheinander bin wie die letzten Tage wo ich mir zur Beruhigung tavor geben musste (auch das erste Mal und hat mich extrem Überwindung gekostet) weil Tabletten nehmen ja in meinem Hirn auch bedeutet nicht leistungsfähig zu sein……

#6


M
Tja, als Helfer ist man nicht vor sowas gefeit. Es tut mir sehr leid, dass es dich da erwischt hat.
Ich kenne nur das Suchen nach einem Sinn, die Frage warum ich das mache. Aktuell arbeite ich auch mit Angst, mir hilft es immer mein Glas mit Federn anzusehen, ist ein kleines Ritual von mir, erkläre ich gerne mal bei Gelegenheit.
Ich denke einen Anker zu haben kann Helfen.
Es tut mir leid das du zu Tavor greifen musstest, ich hoffe du weist als Psychotherapeut da ausreichend drüber Bescheid.

Warum lernst du diesen Beruf? Sicher doch weil du anderen helfen möchtest. Dein Beruf ist eigentlich die Antwort auf deine Unsicherheit und Angst.

Wenn du magst darfst du mir gerne eine Nachricht schreiben, ich bin zwar keine Therapeutin, aber ein wenig weiß ich doch Bescheid, und kann mich auch Insider Situation versetzen. Ich verstehe dich…und ich sehe dich, du bist nicht alleine

#7


S
Hallo 🙂

Hmm klingt vielleicht auch irgendwie nach Depression oder Burnout? Wenn man so gar nicht weiß, was man mit seiner Zeit anfangen soll oder sehr lustlos und emotionslos ist.
Hast Du denn neben Deiner Arbeit noch Hobbys oder Dinge, die Dir Spaß bereiten? Ich würde im Moment gern so viele Dinge machen und finde gar nicht die Zeit dafür. Eher so das Gegenteil, wie ich das zeitlich alles unter einen Hut kriegen soll.
Schreib Dir am besten mal Dinge auf, die Dir Spaß machen oder die Dich interessieren 🙂

#8






Mira Weyer
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