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einfachich93

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Hallo zusammen,

ich möchte hier die Geschichte eines jungen Mannes erzählen, der über viele Jahre eine unglaubliche psychische Achterbahnfahrt durchgemacht hat. Mich würde interessieren, wie ihr das Ganze einschätzt, insbesondere im Hinblick auf die damalige Diagnose einer Canna. Psychose.

Die Vorgeschichte – Angst, Gewalt und eine heimliche Beziehung

Alles begann, als dieser junge Mann gerade einmal 18 Jahre alt war. Er befand sich damals in einer Beziehung, die von Anfang an mit enormem Stress verbunden war. Die Cousins seiner damaligen Freundin waren gegen diese Beziehung und haben ihn deswegen sogar körperlich angegriffen und geschlagen. Er und seine Freundin mussten sich ständig verstecken, um ihre Beziehung überhaupt weiterführen zu können.

Durch diese Erfahrungen entwickelten sich starke Ängste. Er lebte praktisch ständig mit dem Gefühl, aufpassen zu müssen, nicht entdeckt oder angegriffen zu werden. Rückblickend betrachtet könnte sich dieses Gefühl der permanenten Bedrohung tief in seiner Psyche verankert haben.

Canna. als möglicher Verstärker bereits vorhandener Ängste

Irgendwann beschloss er, Canna. auszuprobieren. Anfangs empfand er den Konsum als angenehm und entspannend. Er fühlte sich damit zunächst sogar besser.

Allerdings entwickelte sich mit der Zeit eine neue Angst. Damals war Canna. illegal und nur über den Schwarzmarkt erhältlich. Er bekam zunehmend Angst davor, von der Polizei erwischt zu werden.

Hinzu kam die Angst vor seinen Eltern und insbesondere vor seinem großen Bruder. Er wollte nicht, dass seine Familie von seinem Konsum erfuhr. Die roten Augen nach dem Konsum verstärkten seine Angst, entdeckt zu werden.

Irgendwann entwickelten sich daraus ausgeprägte Verfolgungsängste und ein Durcheinander verschiedener Gedanken.
Was dabei meiner Meinung nach häufig übersehen wird: Dieser junge Mann hatte bereits vor seinem ersten Canna. erhebliche Ängste und belastende Erfahrungen durchlebt.

Deshalb stellt sich für mich die Frage, ob Canna. damals tatsächlich die alleinige Ursache seiner psychischen Krise war oder vielmehr als Katalysator bereits vorhandener Ängste und Denkmuster wirkte.

Religiöse Inhalte, Spiritualität und apokalyptische Vorstellungen

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist seine damalige intensive Beschäftigung mit religiösen und spirituellen Themen.

Schon vor dem Canna. beschäftigte er sich auf YouTube mit der Dokumentationsreihe „The Arrivals“ (Die Ankünfte). Außerdem hörte er zahlreiche Vorträge des damals salafistisch geprägten Berliner Predigers Abdul Adhim Kamouss, insbesondere über die islamischen Endzeitvorstellungen rund um Mahdi und Dajjal.

Diese Inhalte beschäftigten ihn intensiv und prägten seine Gedankenwelt.

Irgendwann entstand bei ihm die Vorstellung, dass es gewissermaßen eine gute und eine böse Welt gebe. Er begann, unterschiedliche Ereignisse und Gedanken miteinander zu verknüpfen, und steigerte sich zunehmend in diese Vorstellungen hinein.

Schließlich wurde bei ihm eine Canna. Psychose diagnostiziert.

Was mich daran beschäftigt, ist, dass möglicherweise viele unterschiedliche Faktoren zusammenkamen: die erlebte Gewalt, die chronische Angst, der Beziehungsstress, die religiösen Inhalte und schließlich der Canna..

Canna. abgesetzt – Verfolgungsängste wurden besser

Er hörte schließlich vollständig auf, Canna. zu konsumieren. Mit der Zeit gingen auch die Verfolgungsängste zurück.
Allerdings war er weiterhin auf der Suche nach Orientierung, Halt und einem Weltbild, mit dem er seine Erfahrungen einordnen konnte.

Er war schon immer ein sehr spiritueller Mensch.

In dieser Lebensphase geriet er in Kontakt mit Personen aus dem salafistischen Umfeld und wurde schließlich selbst Salafist.

Später distanzierte er sich wieder vom Islam beziehungsweise von diesem religiösen Umfeld. Doch irgendwann kehrte er zum Salafismus zurück, diesmal mit noch strengeren Überzeugungen.

Irgendwann erkannte er, dass er diesen Weg nicht weitergehen wollte, und suchte sich Unterstützung bei Violence Prevention Network, um aus dem Salafismus auszusteigen.

Er wollte endlich seine Gedanken sortieren, seine Vergangenheit verstehen und wieder eine klare Orientierung im Leben finden.

Schwere Depressionen und Elektrokonvulsionstherapie

Nach all diesen Erfahrungen entwickelte er schwere Depressionen.
Er konnte vieles, was er erlebt, gedacht und geglaubt hatte, nicht mehr richtig einordnen. Die jahrelangen inneren Konflikte und psychischen Belastungen hatten offenbar deutliche Spuren hinterlassen.

Sein Vater finanzierte schließlich eine psychiatrische Behandlung in der Türkei, die ungefähr 13.000 Euro kostete.
Dort erhielt er eine Elektrokonvulsionstherapie (EKT) und wurde auf Medikamente eingestellt, die er nach ärztlicher Anweisung zwei Jahre lang einnehmen sollte.

Rückblickend stellt sich für mich die Frage, ob während dieser ganzen psychiatrischen Behandlung die ursprünglichen Gewalterfahrungen, seine Ängste und seine Schwierigkeiten bei der emotionalen Verarbeitung ausreichend berücksichtigt wurden.

Ich möchte die medizinischen Behandlungen nicht pauschal als falsch darstellen. Allerdings frage ich mich, ob sein Leben möglicherweise einen anderen Verlauf genommen hätte, wenn man früher stärker auf seine persönliche Geschichte eingegangen wäre.

Heute geht es ihm blendend – aber das Gefühl, im Stich gelassen worden zu sein, bleibt

Das vielleicht Wichtigste an der ganzen Geschichte:
Heute geht es diesem Menschen sehr gut. Er konsumiert kein Canna. mehr, hat keinen Verfolgungswahn und leidet nicht mehr unter den damaligen psychischen Beschwerden.

Er hat allerdings das Gefühl, dass seine Familie, seine Freunde und teilweise auch das medizinische Umfeld ihn damals nicht wirklich verstanden und emotional im Stich gelassen haben.

Ein junger Mensch, der Gewalt erlebt hatte und voller Ängste war, wurde irgendwann vor allem über psychiatrische Diagnosen betrachtet.

Er hat sich über Jahre mit der Vorstellung identifiziert, eine Canna. Psychose gehabt zu haben.
Heute hinterfragt er diese Einordnung zunehmend.

Nicht unbedingt, weil er abstreiten möchte, dass es ihm damals psychisch sehr schlecht ging, sondern weil er verstehen möchte, was tatsächlich hinter diesen Erfahrungen steckte.

Er glaubt inzwischen, dass Canna. möglicherweise ein Verstärker seiner damaligen psychischen Verfassung war und nicht die alleinige Ursache.

Vor allem beschäftigt ihn die Frage, ob seine Probleme ursprünglich aus unverarbeiteten Gewalterfahrungen, chronischer Angst und Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation entstanden sind.

Meine Fragen an euch

- Kann es sein, dass traumatische Erfahrungen und dauerhafte Angst zu Verfolgungsgedanken führen, die zunächst als Canna. Psychose eingeordnet werden?
- Ist es möglich, dass Canna. vor allem bereits vorhandene Ängste und Denkmuster verstärkt hat, auch wenn tatsächlich psychotische Symptome aufgetreten sein sollten?
- Welche Rolle können intensive religiöse und apokalyptische Vorstellungen bei einem psychisch belasteten jungen Menschen spielen?
- Kann eine psychiatrische Diagnose aus jungen Jahren später noch einmal differenziert überprüft werden?
- Wie verarbeitet man rückblickend das Gefühl, von Angehörigen, Freunden und möglicherweise auch Behandelnden nicht ausreichend verstanden worden zu sein?
- Und wie schafft man es, sich nach vielen Jahren von einem Selbstbild zu lösen, das stark durch psychiatrische Diagnosen und negative Erfahrungen geprägt wurde?
- Mir geht es nicht darum, psychische Erkrankungen oder die Psychiatrie grundsätzlich infrage zu stellen.
- Mir geht es darum, dass hinter jeder Diagnose ein Mensch mit einer individuellen Lebensgeschichte steht.

Ein 18-Jähriger, der Gewalt erlebt, in ständiger Angst lebt, emotional überfordert ist und nach Orientierung sucht, braucht meiner Meinung nach vor allem eines: Menschen, die ihm zuhören und versuchen, seine gesamte Geschichte zu verstehen.

Vielleicht war die damalige Diagnose richtig, vielleicht war sie unvollständig oder vielleicht müssten die damaligen Ereignisse aus heutiger Sicht anders eingeordnet werden.

Genau das würde ich gerne diskutieren.

Ich freue mich auf einen respektvollen Austausch, besonders mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen mit Traumatisierungen, Canna., Verfolgungsängsten oder psychiatrischen Diagnosen gemacht haben.

Vielen Dank fürs Lesen.

• • 20.10.2026 #1




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