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Carsten1974
Hallo, ich leide schon seit meiner Kindheit an Depressionen und Ängsten und habe schon diverse Antidepressiva ausprobiert, die mal mehr, mal weniger gut geholfen haben. Jetzt nehme ich wieder seit längerem Elontril / Bupropion, was aber nach meinem Eindruck nicht wirklich was bringt.

Jatrosom wird immer wieder als Reservemedikament bei therapieresistenter bzw. chronifizierter Depression genannt. Daher überlege ich, es mal damit zu versuchen.

Meine Frage ist aus diesem Grund: "Wer kennt Jatrosom und wie waren die Erfahrungen damit?"

Vielen Dank vorab für Eure Antworten!

08.01.2020 16:51 • 18.03.2020 #1


pianoman61
Hallo Carsten Ich nehme Jatrosom seit 8 Wochen, habe mit 2 Wochen á 5 mg/Tag begonnen und bin jetzt bei 10 mg/Tag. Die nächste Steigerung auf 15 mg/Tag und dann weiter auf 20 mg/Tag habe ich mir für Anfang Februar vorgenommen.
Ich nehme Jatrosom auf Vorschlag meines Psychiaters, weil mehrere andere ADs bei mir nicht anschlugen. Insgesamt habe ich mind. 12 andere ADS durchprobiert, seien es SSRIs, seien es Trizyklika o.a.
Die Entscheidung, Jatrosom zu nehmen, will wohlüberlegt sein!
Denn zum einen müssen vor der Einnahme von Jatrosom alle bisherigen ADs (ausschleichend) abgesetzt werden und es muss nach der Reduzierung der ADs auf 0 eine zusätzliche "Auswaschphase" von mehreren Wochen eingehalten werden. Hierbei kann es zu einem Rückfall in der Symptomatik kommen. Bei mir dauerte die gesamte Vorbereitungszeit 2 Monate, da ich Fluoxetin einnahm, welches eine lange Halbwertzeit hat.
Bei der Einnahme von Jatrosom sind Ernährungsvorschriften einzuhalten: Tyraminreiche Kost ist absolut tabu, da diese zu einer Bluthochdruckkrise führen kann. Grund: Jatrosom hemmt auch den Abbau des Tyramins, welches auf den Blutdruck wirkt. Tabu auf der Speiseliste sind somit hauptsächlich z.B.: gereifte Hartkäse (Bergkäse z.B. u.a.), Hartwürste (Salami u.a.), Trockenfrüchte, bestimmte Fischsorten in eingelegter Form, Wein, B. (auch B. ohne Alk.!), dunkle Schokolade, Walnüsse, Tee, Kaffee etc. Auf der Homepage des Herstellers von Jatrosom, der Fa. Aristo, findet sich hierzu ein Leitfaden der erlaubten, in geringen Mengen erlaubten und der strikt verbotenen Lebensmittel.
Jatrosom hat wohl ein hohes Interaktionspotential mit anderen ADs, besonders den SSRIs, die Einnahme von SSRIs ist während der Einnahme von Jatrosom absolutes tabu! Ich nehme neben Jatrosom noch Tavor bei Belastungsspitzen, Dosierung 0,5 mg, das gab bislang keine Probleme. Amitryptilin soll wohl auch mit Jatrosom einigermaßen harmonieren.
Auf Youtube gibt Dr. Ken Gillman in mehreren Videos einen Überblick zu Jatrosom/Tranylcypromin, die Videos sind sehr informativ.
Jatrosom wirkt bei mir in der Dosierung von derzeit 10 mg/Tag ausgleichend, allerdings auch müde machend, die Einnahme wird morgens empfohlen, weil sich eine aktivierende Wirkung einstellt (auch bei mir), die bis in die Nacht anhalten kann (Einschlafprobleme können auftreten, diese habe ich derzeit auch). Weitergehende Wirkbeschreibungen kann ich derzeit noch nicht abgeben, dafür nehme ich Jatrosom noch seit zu kurzer Zeit und in zu geringer Dosierung.
Wenn man Jatrosom in Erwägung zieht, sollte man auch Moclobemid nicht unberücksichtigt lassen: Moclobemid ist auch ein MAO-Hemmer, der jedoch nicht an die strengen Ernährungsvorgaben wie bei Jatrosom gebunden ist. Moclobemid ist mithin sicherlich "alltagstauglicher".
Ich habe mir vorgenommen, nunmehr bei Jatrosom für eine längere Zeit zu bleiben. Ich bin nämlich das "ssri-Karussell" leid, ewig dieses Aus- und Einschleichen der Präparate mit all den unterschiedlichen Nebenwirkungen. Die Ernährungsvorgaben nehme ich in Kauf, zum Glück mag ich viele der bei Jatrosom "verbotenen" Lebensmittel ohnehin nicht.
Ich hoffe, Dir einen ersten Eindruck von Jatrosom verschafft zu haben. Hoffentlich schreiben auch noch viele andere, die Jatrosom einnehmen, denn auch mich würden die Erfahrungen anderer sehr interessieren.

08.01.2020 18:34 • x 1 #2



Hallo Carsten1974,

Erfahrung mit Jatrosom / Tranylcypromin

x 3#3


Carsten1974
Vielen @pianoman61 für die ausführliche Beschreibung Deiner Erfahrungen!

Dass eine Umstellung und auch die Einnahme selbst mit einigen Bedingungen verbunden ist, wusste ich schon.

Deswegen würde ich mir die Umstellung auch nur stationär zutrauen.

Ich werde demnächst zur Reha fahren. Vielleicht kann ich es dort versuchen.

Ich freue mich, dass Dir Jatrosom anscheinend hilft. Das motiviert mich, es auch mal damit zu versuchen.

Moclobemid hatte ich schon mal. Das hat circa 6 Monate auch geholfen. Dann ließ aber die Wirkung drastisch nach.

09.01.2020 09:46 • x 1 #3


Zitat von Carsten1974:
Vielen @pianoman61 für die ausführliche Beschreibung Deiner Erfahrungen! Dass eine Umstellung und auch die Einnahme selbst mit einigen Bedingungen verbunden ist, wusste ich schon. Deswegen würde ich mir die Umstellung auch nur stationär zutrauen.Ich werde demnächst zur Reha fahren. Vielleicht kann ich es dort versuchen.Ich freue mich, dass Dir Jatrosom anscheinend hilft. Das motiviert mich, es auch mal damit zu versuchen.Moclobemid hatte ich schon mal. Das hat circa 6 Monate auch geholfen. Dann ließ aber die Wirkung drastisch nach.


Hallo, ich bin auch am Überlegen das Medikament zu probieren. Verstehe auch nicht warum das noch nicht gemacht wurde. Hast du jetzt das Medikament mal ausprobiert?

18.03.2020 22:03 • #4




Dr. med. Andreas Schöpf