Zitat von isis-z:Das ist deine persönliche Meinung.
Ja, die ich allerdings mit einigen Betroffenen und Psychologen teile.
Zitat von isis-z:Ein unbewußtes Lernen? Außer Triebverhalten fällt mir dazu nichts ein.
Daß man ausgerechnet Triebe erlernt wäre mir neu.
Kannst Du Dich noch daran erinnern, wie Du gehen gelernt hast ? (ich meine, wie Du es bewußt gelernt hast ?) Und könntest Du es wieder bewußt verlernen ?
Zitat von isis-z:Von realen Autofahrern war hier nicht die Rede. Das Autofahren wurde nur als Allegorie benutzt. Phobien sind eine Reaktion auf ungelöste Probleme im Unterbewußtsein, d. h. dass eine Behauptung, die Phobiker könnten beim Antreffen des Bewußtseins alles vergessen, nicht wirklich nachvollziehbar ist.
Wenn eine Phobie eine Reaktion auf ungelöste Probleme ist, dann ist es aber ebensowenig nachvollziehbar, daß man sie z.B. verlernen könnte.
Und unter der Annahme, daß es funktioniert: Bei einfachen Phobien mag das ja noch funktionieren - bei komplexen Angststörungen wird es schwierig.
Am allerschwierigsten wird es dann, wenn man auch schon die Angst selbst kontrolliert. Denn man kann sich mit nichts konfrontieren, was man nicht einmal zuläßt.
Es gibt keine wissenschaftliche Literatur, die belegt, daß alle Ängste konditioniert sind. Dagegen gibt es einige Untersuchungen dazu, die nahelegen, daß dies nicht der Fall ist.
Zitat von isis-z:Gefühle sind keine Chameleone, die sich unkontrolliert durch das Bewußtsein hin un her bewegen und verschiedene Gestalten annehmen um uns zu schaden. Gefühle entstehen aus den Gedanken und wenn man z. B. eine negative Einstellung hat, kann man nur schlechte Gefühle haben, alles verneinen, alles hinkend sehen, die Gastgeber dieses Forums abwerten und ein Klischee-Buch hervorheben um laut zu rufen:
Daß Gefühle aus Gedanken entstehen stimmt schon. Nur geht es nicht nur um die Frage, daß man Gedanken abstellt oder ändert, sondern auch darum, wie man das tut. Die Antwort auf das wie gibt es oft nicht.
Tja, leider ist es so, daß sich Gefühle bei vielen Menschen nicht mehr unkontrolliert entfalten und bewegen können. Das schafft in uns ein Ungleichgewicht.
Gestalten können sie auch einige annehmen - wenn ich nur denke, wieviel Gestalten meine Angst über viele Jahre angenommen hat. Die Gestalt kann sogar so verändert sein, daß sie von Betroffenen nicht einmal mehr als solche wahrgenommen wird.
Das Buch ist kein Klischee-Buch, sondern es räumt mit Klischees auf. Und zwar auf Basis von wissenschaftlichen Untersuchungen, die es für die angegriffenen Klischees nun mal bis heute nicht gibt.
Es muß also auch die Frage erlaubt sein, ob man mit ungeprüften Theoriegebäuden Menschen helfen kann oder ob man ihnen vielfach nicht sogar schadet.
Mit wissenschaftlichen Untersuchungen lasse ich mich gerne überzeugen, mit Polemik gegen Menschen muß allerdings schon zwangsläufig der Eindruck entstehen, daß etwas nicht stimmt.
Schließlich würde auch kaum ein Arzt einem Patienten vorwerfen, daß er selbst daran schuld ist, daß seine Schmerztablette nicht wirkt. Und kaum jemand würde sich einer OP unterziehen, wenn es nicht nachgewiesen wäre, daß sie in so und sovielen Fällen eine Besserung gebracht hätte.
Die Überzeugung der Menschen in die PT ist unweit größer als deren Wirkung. Fragt man Menschen, ob man Schizophrenie psychotherapeutisch heilen kann, so wird man auf sehr viel Zustimmung stoßen. Unter den Therapeuten dagegen würden das freilich selbst die optimistischsten sehr kritisch sehen.
Fragt sich also nur, woher diese Überzeugung kommt, wenn es mehrheitlich gar keine wissenschaftliche Belege gibt.
Mir und vielen anderen hat es nachweislich geschadet - gerade deshalb finde ich Deine angeschlossene Polemik ziemlich entbehrlich.
Ich denke, hier geht es nicht darum, daß man Recht hat, sondern für sich selbst herauszufinden, was einem helfen könnte oder nicht. Oder einem anderen aufzuzeigen, welche Wege es geben könnte.
Und da ist gerade für jene, die sich oft schon Jahre im Kreis herumbewegen nicht schädlich, sondern vielmehr nützlich, wenn sie kritisch sind. Ich kenne Leute, die Jahrzehnte in PTs waren - ohne jede Wirkung - und die es dann trotzdem geschafft haben. Und daß sie es geschafft haben, hängt auch damit zusammen, daß sie begonnen haben zu hinterfragen.
Durch stures Beharren und mangelnde Kritikfähigkeit hat sich nämlich noch keine Wissenschaft weiterentwickelt. Oftmals ist es allerdings einfacher, sich einer Hoffnung hinzugeben, als zu akzeptieren, daß diese unbegründet ist. Was auch logisch ist, weil dies eine schmerzliche Erfahrung ist, der man lieber ausweicht als sich ihr stellt.
Und hätte ich damals auf die Verbohrtheit meiner Therapeuten vertraut, dann würde ich jetzt nicht mal mehr um die Ecke zum Einkaufen gehen können. Ich mußte also die Reißleine ziehen - die Therapeuten hätten dies in diesem Fall von sich aus nicht gemacht.
Zitat von isis-z:Versuche es doch mit ein bisschen mehr Verstand! Gleich wird es dir besser gehen... das wünsche ich dir auch.
Ich habe genau das Gegenteil gemacht. Ich habe nicht mehr kontrolliert und unterdrückt. Ich war ja ein wahrer Kontrollfanatiker, der sämtliche Fragen des Lebens verstandsorientiert beantwortet hat. Gefühle hatte ich zwar Unmengen in mir, aber die durften nie an die Oberfläche.
Zuletzt Kontrolle sogar der Angst selbst gegenüber. Als ich aufgehört habe, sie kontrollieren zu wollen, wurde sie deutlich geringer und seither ging es mir auch deutlich besser.
Daß man etwas unlogischem wie z.B. Angst mit Logik begegnen soll, ist seither für mich eine ähnlich bizarre Vorstellung wie jene, daß man Angst durch Beschäftigung mit der Angst auflösen könnte. Und für die Beschäftigung sorgen ja insbesondere ausufernde Therapien selbst schon.
Insofern kann ich also nur unterstreichen, was MissErfolg schon sagte: Jeder muß für sich seinen Weg finden. Und ich denke, ich habe für mich meinen Weg gefunden.