Zitat von yoshi:Deine Worte bewegen mich in gewisser weise, Divio. Ich stelle viele Parallelen fest, die mir sozusagen den Spiegel vor das eigene innere Befinden halten. Bisher habe ich immer versucht, durch die eigene verzerrte und verschwommene Selbstwahrnehmung die einzelnen Fragmente zusammenzufügen, um ein einigermaßen authentisches Bild meiner Selbst zu formulieren. Wenn ich deine Worte jetzt lese, wird mir einiges sehr viel bewusster. Meine ganzen vergeblichen Versuche mich von meiner beschädigten Persönlichkeit zu lösen, um eine ansatzweise funktioniernde Person zu imitieren, war immer mein größtes Bestreben und mein größtes Zerwürfnis zugleich. Leider haben mich meine Selbstzweifel immer wieder eingeholt und umschlungen und letztlich verschlungen.
Es ist sehr schwer gegen die Depression, Selbstzweifel und die zahlreichen inneren Zerwürfnisse anzukommen. Das Problem war und ist bei mir, dass ich durchaus den Wunsch und die Vision eines anderen Lebens hatte. Beruflich sattelfest, eine Beziehung und einfach ein ganz normalen Alltag. Nichts großes, sondern nur das was gefühlt 99% der Menschen hier auch haben. Doch hier beginnt schon das Problem: das scheinbar Selbstverständliche ist keinesfalls selbstverständlich. Beruflicher Erfolg ist nicht selbstverständlich. Liebe ist nicht selbstverständlich. Psychische Gesundheit ist nicht selbstverständlich. Viele die dieses für selbstverständlich halten und ihr Leben gedankenlos als Norm voraussetzen, wissen gar nicht von ihrem großen Glück. Aber wehe man kommt mal aus dem Tritt: Scheidung, Todesfall, Depression, Jobverlust, usw. und viele merken wie zerbrechlich der normale Alltag doch ist und wie leicht man doch aus den Reihen der "offenen und toleranten" Gesellschaft fliegen kann. Der Weg in die Gesellschaft zurück ist schwer, für mich persönlich gab es bislang keinen. Persönlich wünsche ich dir alles Gute und die Kraft die dir es ermöglicht ein "normales" Leben zu führen.
Zitat von yoshi:Der Zustand der Kapitulation ist in diesem Zusammenhang keine Niederlage. Deine treffende Metapher beschreibt eine komplett verdorrte Welt, die keinerlei Leben und Liebe mehr enthält. Aber selbst aus diesem desolaten Zustand, kann wieder etwas Gutes entstehen. Du sagst, dass auf das Streben nach positiver Veränderung eher eine negative Konsequenz folgte. Dein Problem ist bzw war, dass du dir konkrete Ziele gesetzt hast. Du solltest dir die gegenwärtigen, glücklich-stimmenden Momente einfangen und diese irgendwo in deiner niedergebrannten Landschaft vergraben, sodass daraus irgendwann etwas großes Neues wachsen kann.
Meine Probleme liegen sehr tief, so tief das ich es ohne Hilfe nicht schaffen kann: Sexualität, Kindheit, soziale Phobie, Probleme mit dem Sprechen, Konzentrationsstörungen, Minderwertigkeitskomplexe, mangelnde Lebenserfahrung und finanzielle Schwierigkeiten. Da kommen die psychischen Probleme wie Antriebslosigkeit usw. noch oben drauf. In diesem desolatem Zustand kann nichts Gutes entstehen. Niemand wird mich in diesem Zustand lieben, niemand wird mich in diesem Zustand als Arbeitnehmer einstellen wollen, kein Studium der Welt könnte ich in diesem Zustand bewältigen usw. Es heißt halt wie immer "Verändere dich, oder gehe unter", bloß eine Veränderung braucht aus meiner Sicht eine dauerhafte Quelle aus der ich Kraft schöpfen kann oder alternativ einen so großen Leidensdruck, dass ich mich "aus Leid" in einem neuen Zustand hieve. Letzteres war mein Weg über viele Jahre mit dem Ergebnis, was ich heute vorfinde. Wenn ich eine funktionierende Familie hätte oder gute Freunde oder zumindest ein paar Kumpels zur Ablenkung, dann könnte dies meine Quelle der Kraft sein. Vielleicht würde schon ein Hobby ausrechen. Aber all das habe ich nicht (mehr).
Zitat von yoshi:Ich denke, dass du dafür Hilfe von Außen brauchen wirst. Menschen, die dir zuhören und sich die Zeit nehmen, die du brauchst, um wieder etwas Licht in deine dunkle Innenwelt zu lassen. Falls du mal irgendwann das Bedürfnis hast, mit jemandem zu Schreiben, dann kannst du dich gerne bei mir melden. Ich weiß, dass man selbst dafür oft keinerlei Motivation aufbringen kann. Aber ich weiß andererseits ebenso gut, dass wir über diese Dinge reden müssen, damit sich ein Wandel einstellen kann.
Ich bin zwar erst 27 Jahre, aber ich denke mein Leben ist vorbei. Wenn ich mich und mein Leben analysiere, wenn ich diese Dynamiken sehe die in mir vorherrschen, dann mache ich mir keine großen Hoffnungen auf Veränderungen. Die üblichen Tipps wie Verein, alte Freunde anschrieben usw. helfen nicht, sie sind auch zahnlos gegenüber einen Härtefall wie mir. Ich habe schon so vieles versucht, habe mich sogar mit Leuten aus dem Forum hier getroffen usw. Das Leben ist aus meiner Sicht ein großartiges Geschenk und daher tut es mir umso mehr weh, in welchen schlimmen Zustand mein Leben ist. Ich weiß nicht wie ich die restlichen 2/3 meines Lebens vernünftig zu Ende bringen kann, aber vielleicht erfahre ich große Gnade und mein Leben ist nicht so lange, wie befürchte... bis dahin verweile ich vor den Computer und huldige der Langeweile.