Perlmutt

Hallo ihr Lieben,

ich weiß echt nicht mehr weiter. Ich leide seit 3 Jahren an einer HIV-Phobie wegen der ich auch seit 1 Jahr in psych. Behandlung bin. Ich hab das Problem ansich recht gut im Griff und konnte nach 1,5 Jahren völliger Sex-Abstinenz endlich wieder Sex haben. Aber trotzdem habe ich nach jedem Sex wieder Angst. Ich rede mir ein, dass dabei was passiert sein kann obwohl das realistisch gesehen Quatsch ist. Ich gerate förmlich in Panik, bereu es und weine in einer Tour. Ich kann nicht mehr. Irgendwann (nachdem ich mir stichpunktartig die Realität aufgeschrieben habe, also das nix passiert sein kann) komm ich endlich zur Ruhe bis mich ein paar Tage oder Wochen später wieder die Angst einholt. Ich weiß einfach nicht weiter. Ich hatte früher imm Spaß am Sex und jetzt? Jetzt bin ich so ein Angsthase und völlig verkrampft. Hab jedesmal vor dem Moment Angst wenn ich sehe ob das Kond. hoffentlich ganz geblieben ist.

Gibt es von euch jemanden der auch unter einer HIV-Phobie leidet und mir evtl. helfen kann? Das ist doch kein Zustand mehr

LG

20.05.2009 18:15 • 02.06.2009 #1


11 Antworten ↓


wild


Hallo Perlmutt!ich denke,das ist bei allen Phobien gleich,man kreiselt sich da rein und das immer tiefer.
Vielleicht versuchst einfach immer wieder mal STOP zu sagen,wenn die Gedanken los gehen.Liebe Grüße

21.05.2009 12:13 • #2


GastB


Hallo Perlmutt,

du schreibst das so ganz ohne Bezug zu dem Mann, mit dem du Sex hast oder haben willst.

Sprichst du von One-Night-Stands?

Oder von einem festen Partner?

21.05.2009 15:30 • #3


Pilongo


Hallo!

Ich hatte mal lange Zeit schreckliche Angst beim Sex, und zwar davor, schwanger zu werden.
Das mag absurd klingen, aber durch die Chemo entstehen bei einer Schwangerschaft echt heftige Risiken für Mutter als auch das Kind, und seit ich davon wusste war das für mich der Horror, schwanger zu werden, weil ich Angst hatte, dass ich dann ein Kind abtreiben lassen muss oder ein behindertes Kind zur Welt kommt.
Mal ganz davon abgesehen, dass ich eh noch nicht bereit war und bin, ein Kind zu haben.
Ich konnte den Sex dadurch lange Zeit, wie du, nicht genießen, hatte ständig Angst dabei.
Irgendwann hab ich mir gesagt: Es reicht!
Immer, wenn die Angst hoch kam, hab ich begonnen, ganz wilde Sachen zu machen. Das hat dann sowohl meinem Freund als auch mir so gut gefallen, dass ich kurze Zeit darauf gar nicht mehr dazu kam, an die Angst zu denken, weil er sich so ins Zeug gelegt hat.
Das war also so eine Art "Jetzt-erst-Recht!" gepaart mit Ablenkung und Konfrontation. Und das hat mir prima geholfen.
Hab schon seit langem keine Angst mehr beim Sex, ich kann es richtig genießen.
Vielleicht solltest du es so auch probieren.
Oder du beginnst eine Therapie und redest mit jemandem über deine Ängste.
Weiß dein Partner eigentlich davon, dass du solche Angst hast?
Denn das sollte kein Geheimnis sein, das belastet meist auch noch zusätzlich, wenn man es geheim hält.
Ihr könntet beide einen HIV-Test machen. Dann hast du Gewissheit und vielleicht hilft dir das.
Mit ständig wechselnden Partnern gestaltet sich das freilich etwas schwer. Gerade, wenn man überlegt, dass die wohl öfter mit Anderen Sex haben und die Gefahr doch größer ist, als man denken mag.

Alles Gute,
Pilongo

21.05.2009 16:10 • #4


Perlmutt


Hallo,

danke für eure Anworten.

Also ich suche um Gottes Willen keine ONS. Dafür bin ich nicht der Typ und auch als HIV-Ängstliche würde das nicht wirklich zusammenpassen denke ich. Ich habe seit meiner langen Sex-Pause erst mit einem Mann wieder Sex. Ich hab ihn letztes Jahr kennengelernt und mich sehr in ihn verliebt. Aber leider kann aus uns keine Beziehung werden weil er selber psychische Probleme hat und momentan nicht bindungsfähig ist. Ich hab lange gebraucht um mich damit abzufinden weil er eben mein Traummann ist (bis dahin wusste ich nicht das es sowas wirklich gibt). Ja am Anfang hatten wir halt nie Sex. Er hat auch nie gefragt warum nicht. Irgenwann hab ich ihm dann von meiner Therapie erzählt. Also ich bin schon seit 1 Jahr in psych. Behandlung. Aber den genauen Grund, also die HIV-Angst, hab ihm nicht gesagt. Und das soll auch so bleiben. Ich weiß eben nicht wie er reagieren würde und er fragt auch nicht weiter nach. Ja und mittlerweile hab ich halt Sex mit ihm weil irgendwann in meinem Kopf jemand gesagt hat "Jetzt kannst du es" Also er ist der einzige Mann mit dem ich Sex habe. Aber natürlich sehne ich mich nach einer festen Partnerschaft. Leider wohl nicht mit ihm aber im alllgemeinen wünsch ich mir das.

@ Pilongo
Ich hab auch schon daran gedacht, einfach mir innerlich zu sagen "Tu es und denk nicht drüber nach. Hab einfach Spaß" aber die Angst ist halt einfach zu groß, mich frei entfalten zu können. Ich weiß das es im Leben keine 100 % Sicherheit gibt aber ich kann mich damit einfach nicht abfinden. Ich möchte einfach 100 pro sicher sein, dass ich nach dem Sex mich nicht angesteckt habe. Jeder sagt mir, dass man sowas nicht garantieren kann aber genau das löst Panik in mir aus.

Hinzu kommt noch das ich perfektionistisch veranlagt bin und meine Therapeutin meinte, dass besonders solche Menschen empfänglich sind für 100 % Sicherheit.

LG

21.05.2009 20:08 • #5


Perlmutt


Ich hatte gestern wieder mit ihm Sex und seitdem hab ich wieder die Angst. Ich weiß genau, dass nix passiert ist. Und trotzdem fühl ich mich so, als wenn was passiert wäre. Ich versteh das nicht.

21.05.2009 20:33 • #6


wild


Hallo Perlmutt!Mir scheint,Du steigerst Dich da zwanghaft in was rein.Geh doch bitte mal zu einem Psychologen,ich denke alleine schaffst das im Moment nicht.Liebe Grüße

22.05.2009 08:36 • #7


Pilongo


Ich glaube, du solltest ihm wirklich davon erzählen.
Ich weiß, wie das ist, wenn man perfektionistisch veranlagt ist -denn ich bin Perfektionist und Worcaholic. Als mein Papa letzte Weihnachten gestorben ist und ich plötzlich gesehen hab, dass es keine 100%ige Sicherheit gibt für das Morgen, haben bei mir auch die psychischen Probleme angefangen. Ich kann also sehr gut nachempfinden, dass du ihm nicht davon erzählen willst. Denn als Perfektionist versucht man oft, den Schein nach Außen aufrecht zu erhalten -was auf Dauer aber krank macht.
Irgendwann hab ich begonnen, darüber zu reden, was mit mir los ist, was in mir vorgeht, wovor ich Angst hab. Ich hab zuerst meiner Familie Alles erklärt, und dann meinen Lehrern, am Ende sogar meinen Freunden und den Klassenkameraden. Keiner hat mit Zurückweisung reagiert, Alle haben mich verstanden. Viele haben mir sogar geraten, eine Therapie zu machen, oder gesagt "Na, das wundert mich nicht bei dem, was du durchgemacht hast."
Seitdem meine Angst offen da liegt vor Allen, geht es mir besser.
Denn durch Verheimlichen oder Halbwahrheiten (wie bei dir) versteift man sich innerlich.. man will den Schein zumindest teilweise aufrecht erhalten, die Angst geheim halten. Aber das erzeugt Druck und tut der Seele nicht gut.
Ich denke, dass es dir viel helfen würde, wenn du mit ihm ganz offen drüber redest. Vielleicht erklärt er sich ja bereit, einen HIV-Test machen zu lassen -vielleicht reicht dir diese Gewissheit ja schon, damit die Angst weg geht!
Ich hatte nach Papas Tod auch Angst, dass ich jetzt sterben muss, hab mich darauf so versteift, dass ich dann die Symptome hatte, von denen ich dachte, dass er die auch hatte -aber immer, wenn ein Arzt mich für gesund erklärt hat, hab ich mich blendend gefühlt. Die Gewissheit hat bei mir ausgereicht, um die Anspannung zu lösen.
Vielleicht hilft sie auch dir!
Sag ihm, dass dir diese sicherheit wichtig ist und das für dich ein großer Schritt in der Therapie wäre, wenn er sich testen ließe.

Zu seiner Bindungsangst:
Ihr seht euch regelmäßig, habt Sex, redet miteinander über eure Gefühle, Ängste, Probleme.. über eure Therapie.
Für mich klingt das ziemlich arg nach einer festen Beziehung.
Ihr nennt es wohl nur nicht so
Vielleicht sagst du ihm das mal. Vielleicht lebt er schon in einer Beziehung, und realisiert das nur nicht.

22.05.2009 09:01 • #8


GastB


@ Pilongo
Zitat von Pilongo:
Zu seiner Bindungsangst:
Ihr seht euch regelmäßig, habt Sex, redet miteinander über eure Gefühle, Ängste, Probleme.. über eure Therapie.
Für mich klingt das ziemlich arg nach einer festen Beziehung.
Ihr nennt es wohl nur nicht so
Vielleicht sagst du ihm das mal. Vielleicht lebt er schon in einer Beziehung, und realisiert das nur nicht.

Genau, Pilongo. Dasselbe habe ich auch gedacht.


@ Perlmutt

Ich bin auch der Meinung, dass du auf jeden Fall und ohne große Hemmungen mit deinem Freund darüber sprechen solltest, dass du diese Angst hast. Diese Angst ist weder abartig noch unpassend, wenn du sein sexuelles Vorleben nicht bombenfest kennst - und das dürfte in den allermeisten Fällen praktisch unmöglich sein! Genau wegen der Ansteckungsgefahr mit allen möglichen Krankheiten, insbes. HIV, sehen wir doch täglich die Riesenplakate mit der Kond."Werbung" für sicheren Sex. (Nicht, damit die Frauen nicht schwanger werden. Sondern erst, seit auch die Männer betroffen sind. )

Du kannst ihm freundlich, aber ganz ehrlich sagen, dass du ja nicht sicher wissen kannst, mit wem er vorher sexuellen Kontakt hatte, und durch diese Sorge seelisch und sexuell sehr gehemmt wirst, und ihn bitten, sich testen zu lassen. Dagegen kann m.E. kein vernünftiger Mensch etwas haben. Wobei, soweit ich weiß, der Test nicht für die letzten 6 Monate aussagefähig ist, so dass frau in Monaten nach dem Test weiterhin Vorsicht walten lassen sollte und nach den 6 Monaten der Test wiederholt werden sollte, wenn man wirklich sicher sein will.

Und wenn er dir seine "Bindungsangst" zumutet, kannst du ihm ohne weiteres deine erhöhte Vorsicht/Sorge zumuten. Darin sehe ich wirklich nichts Übertriebenes.

Natürlich könntest du evtl. auch nach erfolgreichem Testen weiterhin Angst produzieren, ob er dir denn wirklich treu ist. Wäre er es nicht, könnte er sich natürlich jedes Mal neu infizieren. Das ist eine separate Frage, die du dir stellen musst. Man kann seinen Partner nicht anschließend auch noch alle 4 Wochen zum Testen schicken, ohne sein Vertrauen zu verlieren.

22.05.2009 09:25 • #9


Perlmutt


@ wild

Ich bin doch in Therapie schon seit einem Jahr.

@ Pilongo und GastB

Nein, bitte nicht falsch verstehen. Wir haben keine Beziehung. Wir sehen uns auch nur alle paar Wochen mal für einen Abend oder so. Wir haben uns auch schon unterhalten und das Thema Beziehung an- und ausgesprochen und er hat mir seinen Standpunkt erklärt, dass er momentan nicht bereit ist, eine Beziehung zu führen.

Aber um zum eigentlichen Thema zurück zu kommen. Ich verstehe einfach nicht, warum ich immer so eine Angst habe nach dem Sex obwohl ich doch genau sehe, dass alles ok ist. Ich hab einen richtigen Kontrollzwang entwickelt und gucke jedesmal nach, ob das Kond. nicht gerissen ist o. ä. Meistens bin ich dann beruhigt auch wenn es oft ein bisschen dauert. Aber seit unserem letzten Sex (vor 2 Tagen) isses anders. Ich weiß auch wieder, dass nix passiert ist aber habe trotzdem Angst. Ich gehe sogar gedanklich nochmal alles durch. Das spielt sich dann wie ein Film vor mir ab. Und ich sehe genau "Da kann nix passiert sein" Und dadurch das ich das Kond. immer selber "entsorgt" habe, hatte ich ja die Gewissheit, das wirklich alles im Kond. geblieben ist (sorry, falls ich zu direkt schreibe).. Ja, und beim letzten Mal war es so, dass er das Gummi auf den Fußboden gelegt hat und alles rausgelaufen ist. Das heißt, mir fehlt die Gewissheit die ich sonst immer hatte. Versteht ihr was ich meine?

Man das kotzt mich so an.

Auch wenns rausgelaufen ist, weiß ich doch trotzdem das es vorher im Kond. war und nicht in mir. Haltet mich nicht für bekloppt. Obwohl ich mich ja selber für beklpppt halte.

Ich hab dann Momente wo ich mir das halt wieder realistisch vor Augen halte und mir innerlich sage "Siehst du, da IST nix passiert" Das hält dann ein paar Stunden an bis ich wieder ins zweifeln komme.

22.05.2009 09:57 • #10


GastB


Warum willst du dich an dieser Angst festhalten, Perlmutt?

Es wäre eigentlich eine andere Lösung möglich, eben durch den Test. Den ziehst du aber nciht in Erwägung.

Oder bist du eigentlich ziemlich sicher, dass er zwischendurch auch mit anderen schläft? Dann wäre der Test natürlich keine Lösung. Aber dann solltest du dich vielleicht doch besser fragen, ob du wirklich mit ihm schlafen willst ... Mit dieser bohrenden Angst könntest du dein eigentliches Problem mit ihm verdecken.

22.05.2009 10:32 • #11


emmapeelgoescra.


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Wenn ich Du wäre, würde ich im alles sagen und ihn bitten, einen Test zu machen. Und wenn dafür das Vertrauen nicht reicht, und er eh keine Beziehung will: Schlaf doch einfach nicht mit ihm. Dann sparst Du Dir schlaflose Nächte. Sicher ist Vermeidungsstrategie oft nicht sinnvoll. Aber manchmal vielleicht schon. Nämlich in Deinem Fall: Wenn so wenig Vertrauen zwischen Euch ist, dass Du nicht über Deine Angst sprechen kannst, ist er vielleicht nicht der Richtige für Dich. Dann ist die Angst vielleicht ein Signal, dass Du Dich überforderst. Oder was sagt Dir dein Gefühl dazu?

EMMA

03.06.2009 00:07 • #12



Prof. Dr. Heuser-Collier