Hallo zusammen,
Ich bin schon viele Jahre aktiver Mitleser und habe mich entschlossen, mir auch mal einen Account anzulegen. Ich bin eigentlich nur auf der Suche nach gleichgesinnten, weil ich mich schon wirklich sehr alleine fühle mit meinem sein.
Zu mir: Ich bin seit meiner Kindheit sehr ängstlich, habe schon seit ich 5 und jünger bin mit Angstattacken, Trennungsängsten, Schlafstörungen und Geräuschempfindlichkeit zu kämpfen. Meine Mutter meinte, ich war schon immer etwas sonderbar und gleichzeitig sehr intelligent. (Erst mit 19 wurde herausgefunden, dass ich einen IQ von 140 habe). Das ich hochsensibel bin ist keine Frage; ich nehme wirklich alles wahr, jede Emotion von meinen Mitmenschen, jedes Geräusch, jedes Detail. Ich nehme einfach sehr intensiv wahr.
Ich habe aber auch sehr früh gelernt, dass so wie ich bin nicht "normal" ist, und sehr früh angefangen, meine Ängste und Gefühle für mich zu behalten und so hat sich jahrelang ein riesen Berg aufgestapelt. Meine Mutter hat mich als Kleinkind zu einem Mann gebracht (da wusste ich nicht, was ein Therapeut ist), der mich immer komische Sachen gefragt hat und mich Bilder malen lassen hat. Weil ich nicht in den Kindergarten wollte, nicht geschlafen habe und nicht mit anderen Kindern spielen wollte. Erst vor einigen Jahren habe ich verstanden, wer das war und warum ich dort war. Es war bis dahin immer nur eine seltsame Erinnerung.
Da ich sonst aber immer sehr gute Leistungen erbracht habe, bin ich immer irgendwie weiter gekommen.
Dann irgendwann mit 11 ist plötzlich alles zusammengebrochen. Ich habe eine ausgeprägte Angststörung entwickelt und konnte ein Jahr nicht zur Schule oder das Haus wirklich verlassen. Es folgten viele Konflikte mit meinen Eltern, die nicht verstanden, was mein Problem ist. Und ich habe es auch nicht verstanden. Alles was ich wusste war, dass ich morgens mit Herzrasen aufgewacht bin, mich übergeben habe und dann den ganzen Tag in irgendeiner Ecke gekauert habe und versucht habe, den Tag zu überleben. Langsam habe ich mich aber wieder heuausgekämpft, doch an vielen Tagen haben die Angstattacken die Schule zur Hölle gemacht. Ich saß nur schwitzend auf meinem Stuhl und habe vor Schwindel und Herzrasen versucht, nicht umzukippen. Und ich habe nie mit jemandem darüber geredet. Keiner aus meiner Klasse wusste, warum ich so lange weg war. Denn ich habe gelernt, nicht zu reden. Seit dem Alter bin ich in Therapie.
Es folgte eine erneute Krise während Corona, noch schlimmer als die erste. Ich wäre freiwillig in eine Klinik gegangen, doch wegen der Pandemie war das nicht möglich. Ich dachte, ich überlebe das nicht. Doch das habe ich. Ich habe das erste Mal Antidepressiva bekommen, und hatte ganze 3 Jahre ein normales Leben. Keine schlaflose Nacht, keine Angst mehr. Die beste Zeit meines Lebens. Ich habe ein sehr gutes Abitur hingelegt, meine Abschlussfahrt gemacht und einfach alles nachgeholt, was mir in der Kindheit genommen wurde. (Okay, ich habe noch einige Zwänge gehabt, vor allem was meine Abendroutine anging, doch ich konnte meinen Alltag darauf anpassen.)
Dann, ein Jahr an der Uni, und ich erlebe Krisen im Halbjahresabstand. Es wäre zu viel um es hier hereinzuschieben. Ich habe einen mehrwöchigen Klinikaufenthalt hinter mir, und bin wieder in Therapie. Ich habe mehrmals versucht, mein Antidepressivum auszuschleichen doch ich nehme schon kleinste Veränderungen an der Dosis wahr und es klappt einfach nicht. Ich habe mittlerweile eine ganze Reihe an Diagnosen angesammelt, natürlich g. Angststörung, Panikstörung, Depressionen, PTBS (von den alten Krisen), Zwangsstörung, Essstörung (auch eher Zwangsstörung), ADHS wurde mir auch schonmal gesagt, ich glaube aber nicht dass ich das habe.
Ich bin immer wieder ausgeknockt und es gibt immer wieder Tage (oder einzelne Wochen) wo ich denke, ich kann das alles nicht mehr. Mein Nervensystem ist immer auf 1000, ih habe wirklich alle Methoden der Welt ausprobiert, doch ich kann nicht filtern. Ich fühle mich wie ein Staubsauger wo der Beutel immer kurz vorm Platzen ist.
Ich weiß einfach nicht, wie ich so wie ich bin in der Welt klarkommen soll. Ich bin noch nicht fertig mit der Uni und kenne das "echte" Leben noch garnicht, doch wenn es bis jetzt so schwer ist, wie soll ich das dann hinbekommen? (bin 21). Alles kann mich aus der Fassung bringen. Ein Streit kann mich zum erbrechen oder in eine Panikattacke triggern. Ich komme irgendwie so durch, wahrscheinlich weil ich klug bin und einfach nicht viel machen muss, aber das kann es doch auch nicht sein? Meine Therapeutin meinte zu mr, ich bin austherapiert und irgendwie weiß ich das auch. Ich könnte mittlerweile selber jemanden Therapieren. Doch ich glaube ich werde mich nie ändern können. Mein Körper macht, was er will. Die Angst kommt, wenn sie will. Manchmal denke ich dabei garnichts mehr, weil ich weiß dass nichts passieren kann, und mein Körper geht trotzdem in full-panic-mode. Ich bin das Ergebnis von 4 angstgestörten Großeltern, ich glaube bei mir ist es einfach genetisch.
Wow, ich merke ich habe echt viel geschrieben. Naja, vielleicht gibt es ja jemanden, der etwas älter ist und eine ähnliche Lebensgeschichte hat wie ich. Zu wissen, dass ich nicht alleine bin wäre schon toll!
Danke fürs durchlesen
