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hallo!

ich habe eine schwere depression bekommen und war nun beim arzt, der mir doxepin-neuraxpharm 25 (anti-depressiva) verordnete, um zunächst einmal die akuten auswirkungen zu beheben und um mich wieder alltags- und überhaupt therapiefähig zu machen.

nun habe ich aber ein riesen problem. ich reagiere auf medikamente die im zentralen nervensystem wirken paradox. d.h. beruhigungsmittel z.b. vor operationen oder zyban (damit habe ich mal versucht das rauchen aufzugeben) lösen bei mir akute panikanfälle bis hin zur todesangst aus. mein arzt sagte, es könne sein, dass mir irgendein enzym fehlt. ich habe nun eine riesen-angst, dieses doxepin zu nehmen. auf der einen seite ist mein leben unerträglich, aber die tabletten, die helfen können, trau ich mich nicht zu nehmen. mein arzt hat mir sozusagen auch gleichzeitig ein gegenmittel (tavor) verschrieben, aber dennoch bleibt die angst.

hat jemand von euch ähnliche erfahrungen gemacht oder kennt diese paradoxe reaktion auf solche medikamente?

claudi

11.06.2003 11:41 • 15.03.2004 #1


hi claudi,
soweit mir bekannt, ist das präparat zyban an sich schon problematisch. nicht von ungefähr ist(war?) die verschreibung recht umstritten, es hat sogar einige todesfälle im zusammenhang mit z. gegeben. soweit ich das sehe, solltest du deine negativerfahrungen mit z. beim neuen medikament nicht zu sehr in die waagschale schmeissen. skepsis ist nie verkehrt.
ich selber habe probleme mit moclobemid gehabt. es sollte den antrieb steigern, ich wurde aber nur noch schlaffer. also habe ich es abgesetzt. soviel zu paradox-erfahrungen.
ich verstehe in deinem fall sowieso nicht, dass der arzt nicht anregt, die einnahme/einstellung stationär vornehmen zu lassen. so wie du deine situation schilderst, halte ich das für angebracht. ein vorteil liegt auf der hand - falls es zu unerwünschten reaktionen kommt, kann dir unmittelbar vor ort geholfen werden. falls sich schnell herausstellt, dass du das präparat verträgst, setzt du die einnahme dann zu hause fort.

so sehe ich das
alles gute!
rudi

12.06.2003 17:28 • #2



Doxepin-neuraxpharm

x 3


Zyban ist bekannt dafür, dass es Angst, Panikanfälle und Krampfanfälle auslösen kann. Das Präp. nie nehmen!!
Manche vertragen auch keine SSRI's (=SelektiveSerotoninWiederaufnahmeHemmer) wie Fluctin oder Paroxetin und bekommen Angstzustände. Das kann bei den altbewährten tryzyklischen AD's normalerweise nicht geschehen. Die wirken ganz anders und vor allem meist sedierend, so auch bei Doxepin-neuraxpharm. Von allen AD'S die es gibt auch am besten verträglich.
Bei Benzodiazepinen ist es möglich, dass manche paradox darauf reagieren, aber meist nicht mit Angst, allenfalls etwas Unruhe.
Nimm ruhig mal ne 25er Doxepin. Du wirst den Effekt deutlich merken, aber eher "beruhigend". Bis dieser Wirkstoff richtig im Gehirnstoffwechsel integriert ist, dauert es eh bis zu 2 Wochen. Dann merkst Du nach einer Einnahme sowieso nix mehr.Und wenn's Dich trotzdem ängstigt (glaube ich aber nicht), dann nimm ne GERINGE Dosis Tavor zum Ausgleich. Meist ist die paradoxe Reaktion bei Benzos auch nur, weil die Leute ne zu hohe Dosis nehmen. Wenig reicht da oft schon und ist besser.
Doxepin hat ne Halbwertszeit von 11 bis 19 Std.
Ich würd den Versuch wagen!

15.06.2003 21:55 • #3


Hallo Claudi,
soweit mir bekannt ist Tavor (also Lorazepam) ebenso ein Antidepressiva und ich bin mir sicher dass es nicht bei Doxepin nicht als Gegenmittel eingesetzt werden kann. Das mit der paradoxen Reaktion kann auch durch "zuviel" an Benzodiazepinen (wie Tavor auch eins ist) ausgelöst werden. Ich weiss ja nicht in welchen Mengen du zuvor "Beruhigungsmittel" eingenommen hast. Noch eine Frage: Da ich ebenso Tavor einnehmen muss, mir aber in der Vergangenheit Lorazepam neuraxpharm aus Kostengründen vom Apotheker geben liess würde mich interessieren was die Original Tavor von Wyeth derzeit kosten. Das 2003 noch so günstige (im Vergleich zu Tavor) Lorazepam neuraxpharm ist nämlich seit der "tollen" Gesundheitsreform deutlich teurer geworden. Wäre nett von Dir zu hören.
Gruesse aus Frankfurt/Main
Thorsten

22.01.2004 12:06 • #4


Wyeth
Tavor 0.5

--------------------------------------------------------------------------------



Packungen PV FB AVP
20 Tbl. zu 0,5mg 11,41 11,40
50 Tbl. zu 0,5mg 13,70 13,70
500 Tbl. zu 0,5mg A 38,50

24.01.2004 22:57 • #5


Hallo Claudi,

ist zwar jetzt schon eine Weile her, daß Du Deine Frage gestellt hast, aber ich hoffe meine Erfahrungen helfen Dir vielleicht doch noch weiter. Habe selbst über längeren Zeitraum Bromas genommen, nicht sehr viel, aber doch recht regelmäßig. Das ganze letzte Jahr habe ich mich schrecklich gefühlt und dies leider nicht in Zusammenhang mit der Einnahme von B. gebracht, da die Dosis für meine Begriffe ja nicht hoch war. Denn noch ein Jahr früher habe ich überhaupt keine Nebenwirkungen gespürt. Letztes Jahr habe ich dann unter einer ständigen chronischen Anspannung gelitten und war irgendwie ständig krank, was aber dann eher dazu geführt hat, daß ich noch mehr B. genommen habe, da dies ja kurzfristig eine Verbesserung herbeigeführt hat. Ende letzten Jahres hat sich die ganze Sache dann so hochgeschaukelt, das ich wohl die schlimmsten Angstzustände und Panikattacken gekriegt habe die man sich vorstellen kann, und mir langsam auch mal gedämmert hat woher dieser ganze schei.
Zustand kommt. Habe die Bs. dann aprupt abgesetzt u. parallel dazu Doxepin genommen (ohne die wäre das Absetzen gar nicht möglich gewesen). Die erste Zeit war die Hölle. Habe es aber jetzt in den Griff gekriegt. Das Doxepin löst absolut keine paradoxe Reaktion aus im Gegenteil es ist aus meiner Erfahrung zum Entzug von Bromas sehr gut.
Einziger Nachteil: Gewichtszunahme,

Gine

25.01.2004 17:44 • #6


Hallo,
ich hätte 2 Fragen zum Mittel Doxepin:

1. Besteht ein körperliches Abhängigkeitspotenzial auf die Substanz Doxepin? Wie lange kann man das Präparat in welcher Dosis gefahrlos einnehmen?

2. Hat schon jemand das Präparat verschrieben bekommen zur Unterstützung von Alk.?
Welche Erfahrungen wurden gemacht?

Für Antworten wäre ich sehr dankbar.
Gruß
Moni

26.01.2004 21:22 • #7


Hallo,
was soll die Nachricht?
kann mann so etwas von ihnen bekommen?
Ohne Rezept?
Das währe ein Segen!!
Grüße
Franziska

27.01.2004 07:26 • #8


Hallo,
Guter Rat,
Nimm Tavor an,
und wenn du sehr starke Angst davor hast, muss jemand bei Dir sein.
Ein großes Glas Wasser und Dir die Hand halten,
Du wirst sehen wie gut es dir danach (1/2 Stunde) geht.
Ich kenn das, echt.
Kannst mich zur Not auch anrufen
GRüße
Franziska

27.01.2004 07:43 • #9


1.) kein körperliches Abhängikeitspotential entsteht
ambulant bis 150mg tgl.
in Ausnahmefällen sogar bis 200mg tgl.
stationär noch höher möglich.

2.) keine Erfahrung mit Alk..
Nur bei Benzo-Entzug begleitend sehr gut!

27.01.2004 13:50 • #10


Das war die Antwort auf die Frage von Thorsten, was heut Tavor in der Apo kostet.

27.01.2004 13:52 • #11


Hallo!
Tipp: Steige auf ein anderes Benzo-Präperat um.
Tavor ist suchtspezifisch nicht ohne. Liegt am kurzen Wirkungsspekturm.
Und andere Benzos sind leichter ohne Rezept zu erhalten.
Gruss

27.01.2004 14:05 • #12


Nachtrag: Doxepin kannst Du viele Jahre nehmen, wenn Du es gut verträgst. Statistisch spricht da nix dagegen. Ist eines der am besten verträglichen AD's. Die neueren AD's (SSRI/NARI/etc.) haben viel mehr Nebenwirkungen und stehen auch im Verdacht eine körperliche Abhängigkeit zu erzeugen.
Doxepin gibt's seit 1962-trizyklisches AD-wissenschaftlich gut dokumentiert.
Markenname auch Aponal oder Sinquan:
Trizyklisches Antidepressivum mit anxiolytischen
Eigenschaften

Zusammensetzung


10 mg bzw. 25 mg bzw. 50 mg Doxepinum (ut D. hydrochloridum), Maydis amylum, Lactosum, Magnesii stearas, Natrii laurilsulfas, Gelatina, Color.: E 172. Excip. pro caps. gelat.

Eigenschaften/Wirkungen


Sinquan ist ein Psychopharmakon zur Behandlung zahlreicher psychoneurotischer Stoerungen, bei welchen Angst und/oder Depression im Vordergrund der Symptomatologie stehen.

Der Wirkungsmechanismus von Sinquan ist nicht vollkommen aufgeklaert. Bei Tierversuchen wurden anticholinerge, Antiserotonin- und Antihistamin-Wirkungen auf die glatte Muskulatur beobachtet. Doxepin ist weder ein zentrales Stimulans noch ein MAO-Hemmer. Es wird zurzeit angenommen, dass die klinischen Wirkungen - wenigstens teilweise - auf Veraenderungen der adrenergen Aktivitaet an den Synapsen beruhen. Hiermit wird eine Inaktivierung von Noradrenalin durch Wiederaufnahme in die Nervenendigungen verhindert.

Wie bei anderen Psychotherapeutika koennen Eintritt und Ausmass der Wirkung von Patient zu Patient erheblich variieren.

Sinquan kann als Initialtherapeutikum verabreicht werden, eignet sich aber auch für Patienten mit schon laenger bestehender Krankheit. Das Therapiespektrum von Sinquan reicht von leichteren bis zu schweren Affektionen.

Die anxiolytische Wirkung tritt vor der antidepressiven Wirkung ein, die sich erst nach 2-3 Wochen optimal einstellt.

Pharmakokinetik


Absorption

2-4 Stunden nach einmaliger Einnahme von 75 mg Doxepin werden Serum-Spitzenwerte von 26,1 (8,8-47,4) ng/ml erreicht.

Distribution

Das Verteilungsvolumen betraegt 20,2 (9,1-33,3) l/kg. Die Proteinbindung liegt für Doxepin wie auch für dessen Metaboliten Desmethyldoxepin um 76%.

Metabolismus

Die Metabolisierung von Doxepin umfasst Demethylierung, N-Oxidation Hydroxylierung und Glukuronid-Bindung.

Doxepin wird in der Leber in erheblichem Ausmass (First-pass-Effekt: 55-87%) zum ebenfalls wirksamen Desmethyldoxepin metabolisiert; dessen durchschnittliche Serum-Spitzenwerte beliefen sich nach 2-10 Stunden auf 9,7 (4,8-14,5) ng/ml.

Elimination

Die durchschnittliche Halbwertszeit des unveraenderten Doxepins betraegt 17 (8-24) Stunden, die durchschnittliche Plasma-Clearance 0,84 l/kg/Stunden.

Die Halbwertszeit von Desmethyldoxepin betraegt 51 (33-80) Stunden.

Bei Einnahme von 75 mg taeglich werden Steady-state-Spiegel am neunten Tag erreicht.

Indikationen/Anwendungsmoeglichkeiten


Angst- und Depressionszustaende bei

Angstneurosen (mit oder ohne somatische Symptome), reaktiven Depressionen, depressiven Angstzustaenden, Alk.;

psychotischen Depressionen einschliesslich endogenen Depressionen;

depressiven Phasen der manisch-depressiven Reaktionen;

Depressionen post partum und Altersdepression;

Involutionsdepression.

Patienten mit folgenden Symptomen sprechen üblicherweise auf die Behandlung mit Doxepin an: Innere Spannung, Überaengstlichkeit, Unruhe, Schlaflosigkeit, funktionelle somatische Beschwerden, Interesselosigkeit, Schuldgefühle, psychomotorische Retardierung, Hypochondrie.

Dosierung/Anwendung


Übliche Dosierung

Bei leichten Faellen wird eine Initialdosis von 10-20 mg/Tag empfohlen. Entsprechend dem individuellen Ansprechen sollte diese Dosis dann in angemessenen Intervallen erhoeht bzw. erniedrigt werden. Die optimale Erhaltungsdosis liegt gewoehnlich zwischen 30-50 mg/Tag.

In schweren Faellen werden 75-100 mg/Tag als Initialdosis empfohlen; entsprechend dem individuellen Ansprechen koennen bis zu 300 mg/Tag noetig werden. Bei Dosierungen über 300 mg/Tag wird nur selten eine zusaetzliche therapeutische Wirkung erreicht. Nach Erreichen einer zufriedenstellenden Wirkung kann man die Dosis normalerweise reduzieren und die Behandlung bis zur vollstaendigen Remission der Symptome mit einer niedrigeren Erhaltungsdosis weiterführen.

Bei Patienten mit geringen Symptomen oder psychiatrischen Begleitsymptomen einer organischen Erkrankung koennen Dosen zwischen 25 und 50 mg/Tag ausreichen.

Die Tagesdosis von Sinquan kann einmal taeglich oder in mehrere Dosen aufgeteilt verabreicht werden. Eine Einzeldosis sollte 150 mg nicht überschreiten und vor dem Schlafengehen genommen werden.

Wenn Schlaflosigkeit ein vorherrschendes Symptom ist oder wenn unter Sinquan Schlaefrigkeit auftritt, sollte die Tagesdosis so aufgeteilt werden, dass die Hauptdosis vor dem Schlafengehen verabreicht wird.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Bei aelteren Patienten und bei Patienten mit Leberfunktionsstoerungen kann eine Reduktion der Dosis notwendig sein.

Bei Kindern unter 12 Jahren wird Sinquan nicht empfohlen, da keine sicheren Angaben über die Verabreichung vorliegen.

Bei Patienten mit periodischer Depression oder bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente - insbesondere solcher mit anticholinerger Wirkung - sollte die einmalige Verabreichung pro Tag sorgfaeltig angepasst werden.

Falls vermehrt Symptome einer Psychose auftreten oder falls sich eine Verlagerung zu manischer Symptomatologie abzeichnet, sollte eine Reduktion der Dosis oder die zusaetzliche Gabe eines Neuroleptikums in Erwaegung gezogen werden.

Anwendungseinschraenkungen


Kontraindikationen

Sinquan ist bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Doxepin, bei Glaukom und Tendenz zur Harnverhaltung kontraindiziert. Diese Affektionen sollten - besonders bei aelteren Patienten - ausgeschlossen werden.

Vorsichtsmassnahmen

Suizid ist ein Risiko bei jeder Depression. Deshalb sollten die Patienten, besonders in der Initialphase der Behandlung, sorgfaeltig überwacht werden.

Sinquan kann das Reaktionsvermoegen beeinflussen und so die Faehigkeit zur Führung eines Fahrzeuges oder zur Bedienung von gefaehrlichen Maschinen herabsetzen.

Die Patienten sollen gewarnt werden, dass Doxepin die Wirkung von Alk. potenzieren kann.

Vorsicht ist geboten bei Patienten mit schweren kardiovaskulaeren Erkrankungen sowie bei Leber- odere Niereninsuffizienz.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschafts-Kategorie C. In Tierversuchen wurden keine Schaedigungen des Foetus festgestellt, aber es ist noch unbekannt, inwieweit diese Befunde auf den Menschen übertragbar sind. Bei Verabreichung von verschiedenen anderen trizyklischen Antidepressiva waehrend der Schwangerschaft traten Entzugssyndrome, Lethargie oder Urinretention beim Neugeborenen auf. Sinquan soll deshalb wie die anderen trizyklischen Antidepressiva in der Schwangerschaft nur bei absoluter Notwendigkeit angewendet werden. Geburtshelfer und das Fachpersonal, das das Neugeborene betreut, sind entsprechend zu informieren.

Solange keine Erfahrungen mit schwangeren Frauen, die Sinquan erhalten haben, vorliegen, besteht keine Sicherheit über die Unschaedlichkeit für den menschlichen Foetus.

Stillzeit: Doxepin und sein aktiver Metabolit gehen in die Muttermilch über. Es liegt ein Bericht vor über Apnoe und Schlaefrigkeit bei einem Saeugling, dessen Mutter Dopexin eingenommen hatte. Wegen seines Potentials an Nebenwirkungen beim Saeugling wird vom Stillen waehrend einer Doxepin-Therapie abgeraten.

Unerwünschte Wirkungen


Bei der nachfolgenden Aufzaehlung handelt es sich um Nebenwirkungen von Doxepin.

Zentralnervensystem: Am haeufigsten kommt es zu Schlaefrigkeit (17,4%), die sich bei Fortsetzung der Therapie meistens verbessert. Andere Nebenwirkungen sind extrapyramidale Symptome (6,3%), Schwindel (5,9%), Schlaflosigkeit (2,1%), Agitiertheit (1,1%), Unruhe (1,0%), Verwirrtheit (0,6%), Desorientierung, Halluzinationen (0,8%), Paraesthesien, Ataxie, Kraempfe, Aufregung (0,7%) und Depression (0,1%). Andere selten beobachtete ZNS-Nebenwirkungen sind Taubheitsgefühl, tardive Dyskinesie und Tremor.

Anticholinerge Wirkungen: Mundtrockenheit (14,5%), Obstipation (4,4%), verschwommenes Sehen (3%) und Harnverhaltung (0,8%); falls diese Symptome laenger anhalten oder sich verstaerken, kann eine Dosisreduktion noetig werden.

Herz-Kreislauf-Wirkungen: Hypotonie (2,8%), Tachykardie (2,6%) und Hypertonie wurden neben anderen kardiovaskulaeren Wirkungen wie Synkopen (0,4%), Palpitationen (0,1%) und Bradycardie (0,1%) gelegentlich beobachtet.

Allergien: Rash (0,4%), Gesichtsoedem, Photosensibilisierung und Juckreiz (0,2%) kamen selten vor.

Blut: In seltenen Faellen wiesen Patienten eine Eosinophilie auf. Es liegen einige Berichte über Knochenmarksdepression vor, die sich als Agranulozytose, Leukopenie, Thrombozytopenie und Purpura manifestiert.

Magen-Darm-Trakt: Gastrointestinale Nebenwirkungen traten in 3,7% der Faelle auf: Übelkeit, Erbrechen, Verdauungs- und Geschmacksstoerungen, Diarrhoe, aphtoese Stomatitis und Appetitlosigkeit wurden gemeldet (siehe unter «Anticholinerge Wirkungen»).

Endokrines System: Über erhoehte oder verminderte Libido, Hodenschwellung, Gynaekomastie, Vergroesserung der Brüste und Galaktorrhoe bei Frauen, ferner Anstieg oder Senkung der Blutzuckerwerte und pathologische Sekretion des antidiuretischen Hormons wurde unter trizyklischen Antidepressiva berichtet.

Diverse: Gelegentlich traten Benommenheit, Ohrensausen, Gewichtszunahme, Schwitzen, Froesteln, Müdigkeit, Schwaechezustaende, Erroeten, Gelbsucht, Haarausfall und Kopfschmerzen (0,7%), Exazerbation von Asthma und Hyperpyrexie (in Kombination mit Chlorpromazin) auf.

Entzugssymptome: Ploetzliches Absetzen der Behandlung nach langdauernder Verabreichung kann zu Übelkeit, Kopfschmerzen und Malaise führen.

Diese Symptome weisen jedoch nicht auf eine Sucht hin.

Interaktionen


Mit anderen Antidepressiva und Anxiolytika soll Sinquan nur nach genauer Abklaerung der Potenzierungsmoeglichkeiten kombiniert werden.

MAO-Hemmer

Bei gleichzeitiger Gabe gewisser Produkte zusammen mit MAO-Hemmern wurden schwere Nebenwirkungen und vereinzelt sogar Todesfaelle beschrieben. Aus Sicherheitsgründen ist deshalb vor Behandlungsbeginn mit Doxepin ein MAO-Hemmer-freies Intervall von mindestens 2 Wochen einzuhalten. Die Dauer dieses Intervalls kann je nach verwendetem MAO-Hemmer, der Dauer seiner Anwendung und seiner Dosierung schwanken. Die Doxepin-Behandlung ist mit der gebotenen Vorsicht aufzunehmen.

Guanethidin

Beim Menschen beeintraechtigen Tagesdosen bis zu 150 mg Doxepin die hypotensive Wirkung von Guanethidin und verwandten Verbindungen nicht; bei hoeheren Tagesdosen wurde jedoch ein gewisser Verlust der blutdrucksenkenden Wirkungen beobachtet.

Cimetidin

Bei verschiedenen trizyklischen Antidepressiva wurden bei gleichzeitiger Gabe von Cimetidin klinisch bedeutsame Schwankungen beobachtet. Schwerwiegende anticholinerge Symptome (z.B. ausgepraegte Mundtrockenheit, Urinretention und verschwommenes Sehen) bei Einleitung der Cimetidin-Therapie wurden mit Erhoehung der Serumspiegel von trizyklischen Antidepressiva in Zusammenhang gebracht. Zudem traten bei Patienten unter Cimetidin-Begleittherapie hoehere Blutspiegel von trizyklischen Antidepressiva auf als erwartet. Nach Absetzen von Cimetidin kam es zu einer Abnahme der bisherigen Steady-state-Konzentrationen der trizyklischen Antidepressiva im Plasma und zu einer Beeintraechtigung ihrer therapeutischen Wirkung.

Alk.

Bei Patienten mit hohem Alk. muss daran gedacht werden, dass die Gefahr einer beabsichtigten oder unbeabsichtigten Überdosierung von Doxepin besteht.

Tolazamid

Über einen schweren Fall von Hypoglykaemie wurde bei einem nichtinsulinabhaengigen Diabetiker unter Erhaltungstherapie mit Tolazamid (1 g pro Tag) 11 Tage nach zusaetzlicher Gabe von 75 mg Doxepin pro Tag berichtet.

Überdosierung


Klinische Erscheinungen

Leichte Form: Schlaefrigkeit, Stupor, verschwommenes Sehen, ausgepraegte Mundtrockenheit.

Schwere Form: Atemdepression, Hypotonie, Koma, Kraempfe, Arrhythmie und Tachykardie; zusaetzlich Harnverhaltung (Atonie der Blase), herabgesetzte Magen- und Darmmotilitaet (paralytischer Ileus), Hyperthermie (oder Hypothermie), Hypertonie, Pupillenerweiterung sowie gesteigerte Reflexe.

Therapie

Leichte Form: Überwachung, einschliesslich EKG, und einfache unterstützende Massnahmen.

Schwere Form: Intensivtherapie! Magenspülung (Cave: Aspiration!), obwohl Doxepin in therapeutischen Dosen schnell resorbiert wird.

Sowohl Aktivkohle als auch eine kontinuierliche Lavage mit Kochsalzloesung waehrend mindestens 24 Std. wird empfohlen. Komatoese Patienten sollen intubiert und allenfalls beatmet werden. Die EKG-Überwachung sollte mehrere Tage dauern, da Rückfaelle nach scheinbarer Erholung moeglich sind. Antiarrhythmika sind bei Bedarf angezeigt.

Erfahrungen lassen vermuten, dass viele kardiovaskulaere und zentralnervoese Vergiftungssymptome nach Überdosierung trizyklischer Antidepressiva bei Erwachsenen mit 1-3 mg Physostigmin-Salicylat langsam i.v. behoben werden; da Physostigmin schnell abgebaut wird, sollte die Injektion je nach Bedarf wiederholt werden. Kraempfe sprechen in der Regel auf eine normale antikonvulsive Therapie an, doch koennen Barbiturate die Atemdepression potenzieren.

Dialyse oder eine forcierte Diurese bieten keinen therapeutischen Nutzen, da Doxepin eine starke Gewebe- und Plasma-Proteinbindung aufweist.

Sonstige Hinweise


Haltbarkeit

Sinquan ist bis zu dem auf der Packung mit «Exp.» bezeichneten Datum voll wirksam.

IKS-Nummern


34132.


Stand der Information

27.01.2004 14:12 • #13


Anhang:

Halbwertszeiten und Metabolite

I. Lange Halbwertszeit und lang wirksame aktive Metabolite

Diazepam (20-40 h) Nordiazepam (36-200 h)
Oxazepam (4-15 h)

Chlordiazepoxid (5-30 h) Demoxepam (ca. 45 h)
Nordiazepam (36-200 h)

Oxazepam (4-15 h)

Dikaliumchlorazepat (1-2 h) Nordiazepam (36-200 h)
Oxazepam (4-15 h)

Metaclazepam (ca. 7-23 h) Desmethylmetaclazepam (ca. 10-35 h)
Prazepam (ca. 1,5 h) Nordiazepam (36-200 h)
Oxazepam (4-15 h)

Clobazam (12-60 h) Desmethylclobazam (50-100 h)
II. Mittlere bis kurze Halbwertszeit und aktive Metabolite

Alprazolam (10-15 h) Hydroxyalprazolam (12-15 h)
Bromazepam (10-20 h) Hydroxybromazepam (kurz)
Clotiazepam (3-15 h) Desmethylclotiazepam
Hydroxyclotiazepam (ca. 18 h)

III. Mittlere bis kurze Halbwertszeit ohne aktive Metabolite

Lorazepam (8-24 h)
Oxazepam (4-15 h)
Triazolam (1,5-5 h)


Mod. nach Benkert, Hippius, 1995



Anmerkung: Benzos mit kuzer Halbwertszeit und ohne aktive Metabolite sind besonders suchterzeugend. (Tavor=Lorazepam).
Je länger die Halbwertszeit desto besser.
Beim runterdosieren ist daher Diazepam(=Valium) sehr gut geeignet.
Kliniken arbeiten danach. Erst Umstellung auf Diazepam.
Lorazepam macht beim Entzug besonders verrückt...

27.01.2004 14:17 • #14


Hallo Egon,
vielen Dank für die Information.
Ist Dir bekannt, wieviel mg Doxepin toxisch ist? Bei wieviel mg tritt eine lebensbedrohliche Wirkung ein?

Danke für Antwort.
Moni

29.01.2004 01:04 • #15


Hallo Moni!

Ja, ist mir bekannt.
Bei Doxepin ist eine letale Dosis gegeben.
Warum willst'e denn das wissen...?
Liebe Grüße

29.01.2004 22:22 • #16


Warum?
Ich möchte wissen, ob ich mir Sorgen machen muß.
Ein lieber Freund hat sie erstmalig verschrieben bekommen. Zudem ist er auch noch Alk..

30.01.2004 01:31 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Hi Moni!

Doxepin
N-[3-(6H-Dibenz[b,e]oxepin-11-yliden)-3,3-diphenylpyrollidin-2-on Strukturformel
1962 erstmals synthetisiertes Tricylisches Antidepressivum, Halbwertszeit 11-19 h, Metaboliten 40 h. Anwendung insbesondere bei Depressions- und Angstsyndromen. Handelsmarken: Aponal®, Desidox®, Doneurin®, Doxepin AZU®, Doxepin beta®, Doxepin dura®, Doxepin neurapharm®, Doxepin ratiopharm®, Doxepin STADA®, Doxepin TEVA®, Mareen®, Sinquan®.
Dosierung Erw. schleichend von 75-150 mg/d, stationär bis 300 mg/d. Bei Überdosierung Erregung, Halluzinationen, Tachycardie und Bluthochdruck, Todesfälle bekannt. Antidot: Physostigmin


Bleibt die Dosierung bis 150mg/tgl kann nichts passieren!

Gruß

30.01.2004 09:34 • #18


Lieber Egon,
erstmal vielen Dank für Deine schnellen und ausführlichen Antworten. Meine letzte Frage bleibt aber unbeantwortet. Mir ist klar, dass die Beantwortung nicht unbedingt in ein solches Forum gehört. Dies würde evtl. einige Leser auf falsche Gedanken kommen lassen. Eine Beantwortung wäre aber auch über E-Mail möglich gewesen. Ich habe meine Addi extra eingetragen.

Zu meiner Person: Ich bin seit 24 Jahren im medizinischen Beruf tätig und verfüge mit Sicherheit über viel Fachwissen. Bzgl. Dopexin habe ich aber im Laufe meiner Berufsausübung keine Erfahrungen machen können. Aus der Literatur und im Internet habe ich einiges Erfahren können, leider aber keine Angabe über tox. Dosierungen. Aus diesem Grunde habe ich mich an dieses Forum gewendet.
Um aber nun eine Angabe über Toxizität von Dopexin zu bekommen, werde ich mich an die entsprechende Pharmafirma wenden.

Ich wünsche für Euch alle hier im Forum alles Gute und ich hoffe, dass ich nochmals an Euch herantreten kann, falls ich Erfahrungsfragen habe.

Liebe Grüße
Moni

30.01.2004 12:16 • #19


Hai Moni!

Deine gewünschten Info's habe ich Dir an Deine Addi gemailt!

Gruß

30.01.2004 21:27 • #20



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Dr. Hans Morschitzky