Huhu,
Ich denke mal, du siehst dich im Moment selber als totaler Versager.
Keine Ehe, kein Kind, keinen Job, Uni abgebrochen -Alles schei., in deinen Augen.
Aber überleg mal, ob es überhaupt Sinn macht, so zu denken.
In unserer heutigen Gesellschaft werden wir hart auf Erfolg und äußere Werte gedrillt. Aber ist es sinnvoll, sich daran zu messen?
Ist es sinnvoll, sich alleine über den Erfolg und äußere Dinge zu definieren?
Ich finde: Nein.
Ich bin jetzt schon fast 22 und hab gerade mal mein Abi in der Tasche.
Weil ich sehr lange sehr krank war und eben zweimal wiederholen musste, wenn ich operiert wurde und den Stoff nicht nachholen konnte.
Das hat mich auch lange fertig gemacht, hab mich, wie du, wie ein Versager gefühlt. Abi mit 22, hab ich gedacht -lächerlich!
Aber dann hat mal ein sehr kluger Mann, der auch erst mit 34 sein Studium beenden konnte, weil er vorher Geld verdienen musste für seine ungeplanten Kinder, gesagt: Was zählt schon die Zeit? Wieso sollten wir uns an Anderen messen? Einige schaffen es halt sofort, steil nach Vorne, legen direkt los, haben mit 22 schon nen Job, Kinder, ne Ehe -Andere, die brauchen halt länger, bei denen geht nicht Alles schnurgerade durch, die müssen Umwege gehen und schaffen es halt auch, aber eben verspätet.
Ist doch egal!
Wichtig ist nur, dass man sich bei dem, was man tut, auch wohl fühlt.
Wenn du jetzt die Uni schmeißt und ne ausbildung machst, die dir gefällt: Ist doch super!
Du hast den Mut dazu, diesen Schritt zu gehen, und kannst stolz auf dich sein. Viele verharren ihr Leben lang aus Angst in einem Beruf, der sie nicht glücklich macht. Du hast den Absprung geschafft!
Und nicht nur das: Deine Eltern stehen auch noch total hinter dir!
Unterstützen dich und glauben an dich.
Das ist weiß Gott eher die Ausnahme.
Viele Eltern lassen ihre Kinder in solchen Momenten leider allein.
Zum Thema Arbeitslosigkeit: Das kann man nicht verallgemeinern, wie gefragt ein Beruf ist unterliegt starken regionalen Schwankungen. Und mit Arbeitslosigkeit und Problemen bei der Jobsuche hat man derzeit in fast jeder Branche zu kämpfen. Der Wirtschaft geht es halt nicht gut. Aber wer weiß, wie das aussieht, wenn du die Ausbildung fertig hast.
Die derzeitige Joblage ist nur eine Momentaufnahme der jetzigen Situation. Wie es in 3 oder 5 Jahren aussieht, kann dir keiner sagen.
Und über dies hinaus gilt: Wer nur gut genug ist und sich genügend anstrengt, der findet auch einen Job.
Also, ich als positiv dnekender Mensch sehe dein Leben so:
Du hast dich für eine berufliche Umorientierung entschieden und wagst den Schritt, den Beruf zu ergreifen, der dir Spaß macht -das erfordert Mut, und ist toll, wenn man bedenkt, wie lange man in seinem Leben arbeiten muss. Gut, dass du dann was machst, was dir Spaß macht.
Deine Eltern stehen völlig hinter dir.
Du hast einen Freund, der dich liebt. Der sich für dich entschieden hat. Denn immerhin lebt er seit drei Jahren mit dir zusammen. Das ist ein großer Liebesbeweis. Er möchte sich eben noch nicht binden und möchte auch noch keine Kinder. Im Moment. Das kann in 4 Wochen schon wieder ganz anders sein. Menschen verändern sich, die ganze Zeit. Wenn er jetzt denkt, dass er das nicht will, muss das nicht heißen, dass er auch die nächsten 10 Jahren och so denkt
Du hast ein Dach über dem Kopf, finanziell scheint es auch ganz gut zu gehen, du bist gesund -was willst du denn noch mehr?
Ist es wirklich wichtig, dass du jetzt heiratest und eine Familie gründest, nur, weil es die Anderen auch gerade alle machen?
Möchtest du dich an allgemeingültigen Maßstäben der Gesellschaft messen?
Gibt es überhaupt allgemeingültige Maßstäbe dafür, wie man sein Leben leben sollte?
Ich finde: Nein.
Jeder muss so leben, wie er es möchte, wie er sich wohl damit fühlt.
Die einzigen Maßstäbe, die du anlegen darfst, sind deine eigenen.
Nicht die Anderer. Nicht die der Gesellschaft.
Und anbei: Wenn du jetzt die Ausbildung durchziehen willst: Lässt sich das mit nem Kinderwunsch eigentlich vereinbaren?
Mach doch erst mal eines nach dem anderen.
Mach erst mal die Ausbildung.
Dann die Jobsuche.
Dann, wenn ihr zumindest einen finanziellen Rahmen für eine Familie geschaffen habt, könnt ihr ja nochmal drüber reden
Versuch nicht direkt Alles auf einmal haben zu wollen.
Das klappt eh meistens nicht.
Mach schön Schritt für Schritt das, was du willst.
Und immer eins nach dem anderen.
Und sieh dein Leben so, wie es ist: Nämlich gut so, wie es ist.
Alles Gute,
Pilongo