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Hallo,

ich wende mich mal an das Forum mit einem Problem, dass vielleicht noch einige andere haben.

Ich habe keine Ahnung, wie man es nennen kann. Ich nenne das ganze mal "Nichts-tuer-Syndrom".

Ich erkläre das so: ich führe ein Minimal-Leben. Ich bin eingeschriebener Student, studiere aber nicht wirklich. Ich besuche zwar die Vorlesungen, schliesse sie aber nicht mit einem Schein ab. Ich fange vieles an und bringe nichts zu Ende. Stehe ich unter Druck, neige ich dazu, "Realitätsflucht" zu begehen. Ich lauere um eine Aufgabe, bis es zu spät ist, sie zu erledigen, suche immer wieder fast zwanghaft Ablenkung, um sie zu verdrängen.

Auch sonst im Alltag geschieht nichts. Mein Leben bewegt sich nicht weiter. typisch für mich ist, dass ich nichtmals meine Post öffne. Dadurch stauen sich Rechnungen und Mahnungen. Es liegt nicht an der Unfähigkeit des Bezahlens. Post wird nicht geöffnet, alltägliche Pflichten vergessen, verdrängt oder ewig hinausgeschoben. Sogar Arzttermine sind ein Problem. Ich bin deswegen auch noch nicht in einer Psychotherapie. Wie gesagt, ich fange vieles an, bringe es aber meistens nicht zuende.

Ich fliehe vor Pflichten und vor Problemen. Das ist zwanghaft. Mir ist bewusst, dass das falsch ist und ich damit mein Leben verhaue. Dadurch entsteht wiederrum Druck und Zukunftsangst, die dann in Panikattacken münden.

Die Frage ist jetzt natürlich, ob das jemand kennt oder ob jemand da Rat weiss. Was kann ich tun, wie komme ich hier raus?

28.03.2008 20:13 • 06.08.2008 #1


Hallo Püschopat,

erstmal: Deinen Nick finde ich cool.

Ich muss leider gestehen, dass ich das von dir beschriebene Verhalten mit zunehmendem Alter entwickle. Früher habe ich alles von A-Z gemacht. Heute, ein paar Jahrzehnte später, drücke ich mich vor fast allem, was nach "Pflicht" riecht, und flüchte in vergnügliche Dinge.

Zum Glück ist es mir bisher immer noch gelungen, die Dinge auf den letzten Drücker zu erledigen. Aber vorher lebe ich immer mit der Angst, dass ich es nicht mehr rechtzeitig schaffen werde. Ich glaube, ich muss noch lernen, mir da zu vertrauen.

Kann es sein, dass du dir zu wenig vergnügliche Dinge ganz bewusst gönnst und deswegen dein "Kind-Ich" dich dazu zwingt? Der Mensch braucht Vergnügen und Lust mindestens so sehr wie Essen, Trinken und Kleidung.

Bist du früher von jemandem stark unter Verpflichtung genommen worden? Unter Druck gesetzt worden?

Oder wurde von dir im Gegenteil sehr wenig Disziplin gefordert?

28.03.2008 21:57 • #2



Nichts-tuer-Syndrom. Was tun?

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Na ja, mein Vater war Berufssoldat, da kannst du dir vorstellen, dass ich schon Disziplin in meiner Erziehung mitbekommen habe. Ich weiss aber nicht, ob man wirklich einen fehler in der erziehung suchen kann. Die war nicht perfekt, aber ich habe das erst in den letzten 10 Jahren entwickelt.

Es geht eigentlich auch nicht darum, Sachen auf den letzten Drücker zu erledigen oder einfach nur faul zu sein. Es ist schwer, das zu beschreiben. Es ist bei mir eher eine absolute Blockade, die vielleicht auch daher kommt, dass ich verlernt habe, meinen Alltag zu strukturieren. Ich leide ja richtig darunter. Dinge, die ich früher geschafft habe, schaffe ich jetzt nicht mehr. Auch leichteste Aufgaben. Ich habe eine höllische Angst vor allem, was mich aus der Ruhe bringen könnte. Mein Leben bewegt sich kein bisschen, jede Woche ist gleich und es scheint so zu sein, als würde irgendetwas in mir das auch wollen. Irgendwann fand ein totaler Burn Out statt und die Reaktion war, mir eine Art Schutzwelt aufzubauen.

Na, wahrscheinlich hat's doch kein anderer hier. Zumindest nicht in dem Maß.

Mir wäre ja schon geholfen, wenn jemand wüsste, wo man schnelle Hilfe oder Beratung zur Überbrückung dieser Wartezeit herkriegen könnte. Auf einen Psychotherapieplatz müsste ich noch 6 Monate warten.

28.03.2008 23:37 • #3


Feary
Hallo Püschopat!

Dein Problem kommt mir an manchen Stellen ziemlich bekannt vor, deshalb vermute ich, dass es sich bei dir vielleicht um eine extreme Form von Prokrastination also um zwanghaftes Aufschieben handelt. Ich kann dir aber leider keine Garantie geben, dass es das wirklich ist.

Liebe Grüße
Feary

29.03.2008 00:34 • #4


Zitat von Feary:
Hallo Püschopat!

Dein Problem kommt mir an manchen Stellen ziemlich bekannt vor, deshalb vermute ich, dass es sich bei dir vielleicht um eine extreme Form von Prokrastination also um zwanghaftes Aufschieben handelt. Ich kann dir aber leider keine Garantie geben, dass es das wirklich ist.

Liebe Grüße
Feary



Vielen Dank! Vieles darin erkenne ich wieder. Es wird wohl noch an andere "psycho-Wehwehchen" gekoppelt sein, aber das hilft mir schon sehr weiter.

30.03.2008 20:45 • #5


Feary
Zitat von Püschopat:
Zitat von Feary:
Hallo Püschopat!

Dein Problem kommt mir an manchen Stellen ziemlich bekannt vor, deshalb vermute ich, dass es sich bei dir vielleicht um eine extreme Form von Prokrastination also um zwanghaftes Aufschieben handelt. Ich kann dir aber leider keine Garantie geben, dass es das wirklich ist.

Liebe Grüße
Feary



Vielen Dank! Vieles darin erkenne ich wieder. Es wird wohl noch an andere "psycho-Wehwehchen" gekoppelt sein, aber das hilft mir schon sehr weiter.


Freut mich, dass dir mein Tip weiter geholfen hat.

31.03.2008 20:54 • #6


Hallo Püschopat,

"Prokrastination" = zwanghaftes Aufschieben" ist nur das Etikett für das Verhalten. Es sagt ja nichts über die Ursache aus.
Solange du die Ursache nicht siehst, wirst du es wohl kaum ändern können. Auch in der Therapie wird mit Sicherheit nach den Ursachen geforscht werden - d.h., du wirst danach suchen müssen.

Zitat von Püschopat:
Na ja, mein Vater war Berufssoldat, da kannst du dir vorstellen, dass ich schon Disziplin in meiner Erziehung mitbekommen habe. Ich weiss aber nicht, ob man wirklich einen fehler in der erziehung suchen kann. Die war nicht perfekt, aber ich habe das erst in den letzten 10 Jahren entwickelt.

Was meinst du denn damit?
Das legt ja nun wirklich eine direkte Reaktion auf die Erziehung nahe.

Du schreibst sogar, dass dein Vater Berufssoldat war. Welcher Beruf hat denn so viel mit Pflichterfüllung, Disziplin und Gehorsam zu tun wie der Soldatenberuf?

Dass ein Kind darauf so reagieren kann "Ich fliehe vor Pflichten und vor Problemen." liegt auf der Hand.


Wäre es ein Problem für dich, wenn es an der zu strengen Pflichtauffassung und den zu strengen Disziplinanforderungen an dich durch deinen Vater läge?
Würdest du dich schuldig fühlen?

04.04.2008 11:54 • #7


Sönnchen
@ Gast B:

mit 20 fängst man normalerweise ja erst das studieren an!
Und für mich klang das schon so, als würde Püschopat eher schon ein Langzeitstudent sein der schon länger nicht mehr erzogen wird.... kann mich aber auch irren.

@Püschopat:

Geh doch mal zur psychologischen Beratung an der Uni! Die können dir anonym "erste Hilfen" in deiner Nähe anbieten.

Vielleicht gibt es auch in deiner Gegend eine Selbsthilfegruppe. Das mache ich wegen meiner Angststörung parallel zur Therapie und habe gute Erfahrungen gemacht. ich denke, wenn du weißt, dass dieses Problem andere haben, ist`s schon ein wenig besser und das Loch ist vielleicht nicht mehr ganz so tief.

Meine Ex-Uni hat auch psychologische Kurse (z. B. zu Prüfungsangst, Redeangst, Schreibblockaden, zur besseren Strukturierung des Arbeitens usw.) angeboten. Wenn du sagst, dass du keine Struktur hast, kannst du da vielleicht was lernen.

Eine Idee der "Herkunft":
Das, was du studierst, willst du das wirklich machen?
Also vielleicht liegt es ja auch daran, dass dein Unterbewusstsein eigentlich viel lieber etwas anderes machen würde, dass vielleicht rational nicht so sinnvoll ist. Eine Freundin von mit hat nach abgeschlossenem Studium (durch das sie sich geqält hat) trotz guter Berufsaussichten und höherem Verdienst noch eine Ausbildung angefangen. Und ist jetzt endlich glücklich und hochmotiviert. Ihre Eltern haben allerdings die Vollkrise bekommen... mittlerweile stehen sie aber wieder hinter ihr.

6 Monate warten:
Habe hier auch schon oft gehört, dass sich Hartnäckigkeit auszahlt. Anscheinend vergeben Therapeuten manchmal lieber Plätze an Leute, die es WIRKLICH wollen. So kann ein wiederholtes Nachfragen auch mal zu einem schnelleren Erfolg führen. (Das ist in meiner Selbsthilfegruppe schon 3 Leuten so passiert.) Ansonsten kannst du dich natürlich auch bei mehreren Therapeuten auf die Warteliste setzen lassen.

Sonst denke ich, dass es zu dem Thema auch viel Selbsthilfeliteratur gibt.

LG

04.04.2008 14:01 • #8


Zitat von Sönnchen:
@ Gast B:

mit 20 fängst man normalerweise ja erst das studieren an!
Und für mich klang das schon so, als würde Püschopat eher schon ein Langzeitstudent sein der schon länger nicht mehr erzogen wird.... kann mich aber auch irren.

Selbst wenn er "schon" 25 wäre: Dann hätte sein Problem schon mit 15 angefangen!

Und selbst wenn das Problem "erst" mit 20 angefangen hätte: Das ist für ein Problem, das die Folge der "Erziehung" ist, ja immer noch völlig normal.

Wenn er geschrieben hätte: "Ich bin 60, und das habe ich erst 10 Jahre lang", dann könnte es evtl. anders gesehen werden ... aber selbst dann nicht wirklich, denn viele Dinge können in der vitalsten Zeit des Lebens noch unterdrückt werden, aber ca. ab der Lebensmitte oder darüber schwinden sowohl Kraft als auch Motivation zur Unterdrückung des Unterdrückten.

-------------------

Aber die Frage, ob das Studienfach bzw. diese Ausbildung überhaupt das Richtige sind, ist natürlich ebenfalls wichtig.

04.04.2008 16:52 • #9


@Püschopat

Also ich erkenne mich in deinen Aussagen auch wieder! Viellt nicht sooo krass, denn ich bin viel zu neugierig, um die Post ungeöffnet liegen zu lassen

Aber auch ich bringe kaum etwas zuende, was ich anfange...Die Studienaufgaben erledige ich noch mit Mühe, Not und unter Zeitdruck, aber grade vor alltäglichen Aufgaben laufe ich davon, auch wenn die viel einfacher wären als der Uni-Kram

Bei mir ist es so, dass ich wohl einfach nciht erwachsen werden will, und deshalb keine Verantwortung will...Außerdem hab ich Versagensängste, und wenn ich mich Problemen stelle, könnte ich ja evtl versagen...

Mein Vater hat mich früher vor allem in schulischer Sicht unbewusst sehr unter Druck gesetzt, was meine Angst zu versagen vergrößert hat...

Ich arbeite mit meinem Therapeut im Moment auch an meinem Selbstvertrauen und muss lernen, mir selbst mehr zuzutrauen...Und zu sehen, dass ich auch Sachen schaffen kann! Schon kleine Erfolgserlebnisse können da helfen!

Wie wäre es, wenn du dir pro Tag ein oder zwei Sachen vornimmst, die du dann erledigst? Muss ja nichts weltbewegendes sein, zB an einem Tag eben eine Rechnung zu öffnen und sie am selben Tag noch zu bezahlen!

Mir hilft das meist in diesen kleinen Schritten, denn dann sehe ich, dass ich durchaus zu etwas im Stande bin und habe ein besseres Gefühl...

07.04.2008 22:13 • #10


@Püschopat

bei mir ists fast das selbe... ich studiere seit 4 semestern (bin jetzt 22), habe aber erst eine einzige prüfung gemacht. seit jahren mache ich immer genau das selbe, spiele manchmal am computer, gehe abends fort, das wars.
genauso fliehe ich vor pflichten und problemen, hebe das telefon oft einfach nicht ab oder mach nicht auf. ich würde viele dinge gerne tun, tue es aber einfach nicht, irgendeine blockade hält mich davon ab.
ich spreche kaum frauen an, selbst wenn ich weiss die mag mich, und im nachhinein denke ich dann immer wie dämlich ich doch bin.. mein rücken ist auch total im eimer weil ich groß bin und als kind keinen sport gemacht habe. sollte da dringend eine physiotherapie machen, tue es aber seit 4 jahren einfach nicht. bald habe ich arge kreuzschmerzen..

ich hab auch selten lust mit leuten zu sprechen, vor allem nicht mit leuten die ich nicht kenne, auch wenn ich mir eigentlich denke der/die ist nett, sympathisch, interessant, etc.. meistens will ich allein sein, zumindest in gedanken, was dazu führt dass ich in einer gesprächsrunde oft kein wort sage sondern an andere dinge denke. das wirkt auf die meisten sehr komisch und ständig höre ich die frage "warum sprichst du nichts?".

vielleicht würde es helfen mal ein erfolgserlebnis zu haben, das einen motivert..

grüße, siegfried

30.06.2008 01:15 • #11


Mensch, da wollte ich nur mal vorbeischauen, weil ich heute mal wieder nicht viel hinkriege...

ich kenne dieses Gefühl NUR ZU GUT, ich habe auch fast alles in meinem Leben bisher abgebrochen, 2x Studium, und jetzt schaffe ich vielleicht meine Ausbildung auch nicht, weil ich eine Therapie machen musste, stationär, und jetzt operiert werden musste und jetzt macht die IHK Streß .
Zitat:
Kann es sein, dass du dir zu wenig vergnügliche Dinge ganz bewusst gönnst und deswegen dein "Kind-Ich" dich dazu zwingt?

Oh ja, das kann gut sein. Ich musste mich früher um meine pflegebedürftige Oma kümmern und meiner Mutter alles recht machen. Keine Zeit für "mich" .
Aber was soll ich jetzt tun??
Schnüff.
Ich hoffe auf nette Worte
tuktuk

09.07.2008 17:48 • #12


Hallo
Bin heut zum erstenmal in diesem Forum.
Habe gerade herausgefunden dass es eine generalisierte Angst gibt. Darunter leiden tue ich eigentlich schon immer.
Momentan sollte ich eine Hausarbeit schreiben (Bin Studentin) schaffe aber den ganzen Tag nichts. Sitze vorm Computer spiele Backgammon und stöbere im Youtube. Ich hasse mich dafür.
Kann mich nicht aufraffen.
Gibt es auch nur einen Tipp, wie ich mich da rausbekomme.

PS: Vor einem Jahr hatte ich eine Teraphie aber die ist abgeschloßen.

06.08.2008 15:20 • #13



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Mira Weyer