Hallo Tini, Raphaela (ich sag mal kurz Raph) und Linus.
Ich lese schon eine Weile bei Euch mit und möchte mich auch gern an Eurer Diskussion beteiligen.
Kurz zu mir: bin weiblich, Anfang Vierzig und ein alter Hase in Sachen Krankheitsängste. Habe die von Euch geschilderten Ängste auch schon alle erlebt und möchte Euch ein bischen Mut machen.
Linus, das Kloßgefühl hat mich fast 3 Monate meines Lebens verückt gemacht. Ich hatte sogar den Eindruck, keine Luft mehr zu bekommen. Ein HNO-Arzt, dem ich nach der Untersuchung (die ohne Befund war)gesagt habe, dass ich Angstpatient bin, hat sich die Mühe gemacht, mir zu erklären, was bei Angst in puncto Hals passiert. Eben das Globusgefühl. Es äußert sich unterschiedlich, man verspürt einen Fremdkörper, oder Schleim oder nur ein Engegefühl.
Als ich das hörte, ließ dieses Gefühl auch bald nach.
Heute kommt es immer mal wieder, je nach dem wie groß meine aktuellen Ängste sind. Aber es erschreckt mich nicht mehr. Ich weiß jetzt, dass es durch die Angst kommt.
Dir Raph kann ich folgendes raten. Mach nach 6 Jahren ruhieg wieder eine Spiegelung. Ich hatte das gleiche Problem Anfang September. Und auch schon eine Spiegelung vor 5 Jahren. Hatte dieses Mal irre Angst vor der Untersuchung und hab auf Propofol als Betäubungsmittel bestanden. Kein Dormicum. Und was soll ich Dir sagen? Ich Riesensuperangsthase habe überhaupt nichts gemerkt !!! Der Befund war auch prima.
Die Moral von der Geschicht? So schnell werde ich keine Angst mehr vor Darmkrebs haben. Denn beide Male war ich aufgrund der Symptome und dank Dr. Google 100%ig überzeugt, dass ich Darmkrebs habe.
Und ich lag beide Male (zum Glück) falsch.
Ich möchte Dir damit sagen, laß es ein 2. Mal machen und dann leg es ad acta.
Liebe Tini, ich hab jetzt keinen krokreten Rat für Dich, aber wir alle vier (und auch die anderen mitlesenden Hypochonder) haben eines Gemeinsam. Wir haben nur Angst vor todbringenden Krankheiten.
An andere pille-palle-Sachen verschwenden wir keine Aufmerksamkeit.
Wir haben alle panische Angst, jetzt aus dem Leben gehen zu müssen.
Und warum? Wir sind vermutlich alle mit unserem bisherigen Leben nicht zufrieden. Wir möchten endlich die Chance glücklich zu sein. Aber wir befürchten, der Tod durch eine Krankheit verwehrt uns diese Chance.
Seht Ihr das auch so? Seid ehrlich zu Euch. Warum fürchtet Ihr jetzt den Tod? Ein Mensch mir erfülltem Leben würde sich sicherlich nicht so fürchten. Er würde sagen, ok, ich hatte ein schönes Leben, wenn es jetzt sein muß, dann ist es eben so.
Liebe Leidensgefährten. Bitte habt nicht den Eindruck, ich will hier den großen Prediger geben. Nein, ich sitze im gleichen Boot wie Ihr und rudere auch wie wild gegen meine derzeitige Krankheitsangst.
Welche? HIV bzw. Aids.
Hatte in meiner langjährigen Beziehung mal das Gefühl, nicht mehr zu genügen, vernachlässigt zu werden, nicht mehr gut genug zu sein.
Das hat mich in eine Nebenbeziehung (die erste und einzigste bisher) getrieben, was mir anfänglich auch gut getan hat. Aber es war nur eine kurze Sache, weil ich erkannt habe, dass es nichts bringt. Liegt jetzt ein paar Jahre zurück.
Und seither quält mich mal mehr mal weniger die Angst vor Aids.
Klar gibt es auch bei Kond. fehlerhafte Ware. Wer sagt denn, dass die Dinger immer dicht halten? Erfolgt denn jeder Liebkosung nur mit Verhüterli ? Schließlich gibt's ja auch Handarbeit u.a.
Naja, jedenfalls traue ich mich nicht, einen Test zu machen aus Angst vor dem vernichtenden Ergebnis. Denn diese Krankheit ist unheilbar. Bei Krebs und dergleichen ist immer noch irgendwo eine Chance, bzw. gibt's Behandlungsmöglichkeiten. Habe bewußt vermieder Aids zu googlen, aber im Hinterkopf haben wir Geplagten trotzdem immer einen Wissensvorrat....
Ihr seht schon, wohin die Reise meiner Gedanken geht.
Ja, ich habe panische Angst, daran erkrankt zu sein und wahnsinnige Schuldgefühle, unwissend meine familie damit infiziert zu haben.
Sozusagen Schuldgefühle als Bestrafung für ein falsches Verhalten das man nicht tut. Ich bin zwar nicht gläubig, aber ich fühle mich wegen meines Fehltrittes trotzdem schuldig und büße das jetzt wohl mit meiner Angst.
Puh, nun ist es ja doch fast ein Roman geworden.
Sorry, wollte Euch nicht langweilen, aber wenn man einmal anfängt über die Angst zu reden, dann kann man schlecht aufhören.
Vielleicht könnt Ihr mir ja mal einen Rat geben.
Ich wäre Euch sehr dankbar.