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Liebe Forumsmitglieder,

Zurzeit mache ich meine Expositionsübungen in Bezug auf meine Ängste und Zwänge, anderen Menschen Schaden zufügen zu können oder dies bereits getan zu haben.

Ich schreibe hierzu meine dunkelsten Gedanken auf. Es geht dann vorwiegend um die Gedanken, ein skrupellose, schlechter Mensch zu sein, der nur das Schlechteste für seine Liebsten im Sinn hat. Einer, der wissentlich Leute verletzt hat und ausschließlich aus bösen Motiven heraus agiert.

Ehmmm..Wie soll ich sagen..
Ich sollte jetzt auf einer Angstskala eintragen, wie hoch meine Angst bei den Audioaufnahmen schnellt. Nur leider spüre ich gar keine Angst, sondern sehr wenig...eher nur eine Art Erleichterung, dass die Dinge endlich mal ausgesprochen wurden. Das sollte doch irgendwie anders wirken...

Jetzt befürchte ich, dass ich doch tatsächlich skrupellos und schlecht sein könnte. Was soll ich denn da nun in meine tolle Skala eintragen?

Manno mann.. das hatte ich mir aber anders vorgestellt...

Hat jemand von euch Erfahrung mit den Expositionsübungen?
Etwas Austausch wäre für mich hilfreich ;p

Blume

23.09.2016 18:30 • 24.09.2016 #1


Flusen
Hmmmm nicht direkt,aber kann es sein das eine Skala alleine vllt nicht das Richtige ist ?
Zumindest hab ich die Erfahrung macht,das wenn ich vorher etwas abgesprochen habe mit Skala,Zahlen,Leveln o.ä machen,es häufig nicht gereicht hat. Es ebenso wichtig war,meine Gedanken in der Situation dabei zu schreiben. Also wurd sich auf eine andere Notizform geeinigt und das hat dann super geklappt.
Versuch macht klug bzw. man merkt's ja nun erst wenn man es ausprobiert
Würde ich vllt einmal ansprechen bzw. für dich so machen,das du das Angstlevel bei schreibst und was dir in den Situationen durch den Kopf gegangen ist,was/wie du dich gefühlt hast etc.

Manches lässt sich eben nicht nur in einer Zahl ausdrücken und manches funktioniert/wirkt auch nicht auf einem geraden Weg sondern ggf um Ecken.

23.09.2016 22:30 • #2


A


Oho ! Expositions-Dilemma Erfahrungen?

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Hotin
Hallo blume1989,

Zitat:
Es geht dann vorwiegend um die Gedanken, ein skrupellose, schlechter Mensch zu sein, der nur das
Schlechteste für seine Liebsten im Sinn hat.


Wie kommst Du auf dieses Thema? Ein schlechter Mensch würde nie darüber nachdenken, ob er ein
schlechter Mensch ist.
Zitat:
Jetzt befürchte ich, dass ich doch tatsächlich skrupellos und schlecht sein könnte.


Warum befürchtest Du das? Was hat Dich so übermäßig sensibel werden lassen?
Wer hat Dir im Leben so weh getan?

Viele Grüße

Bernhard

24.09.2016 01:39 • #3


B
Zitat von Hotin:
Hallo blume1989,

Zitat:
Es geht dann vorwiegend um die Gedanken, ein skrupellose, schlechter Mensch zu sein, der nur das
Schlechteste für seine Liebsten im Sinn hat.


Wie kommst Du auf dieses Thema? Ein schlechter Mensch würde nie darüber nachdenken, ob er ein
schlechter Mensch ist.
Zitat:
Jetzt befürchte ich, dass ich doch tatsächlich skrupellos und schlecht sein könnte.


Warum befürchtest Du das? Was hat Dich so übermäßig sensibel werden lassen?
Wer hat Dir im Leben so weh getan?

Viele Grüße

Bernhard


Hallo Bernhard,

Danke für die Nachfrage.

Warum das Ganze?
Naja.. ich erkläre mal so kurz wie möglich

Ich habe in der Vergangenheit einige Vertrauensbrüche durch Freunde erfahren.

Besonders beim letzten Freundeskreis tat dies weh da ich allen so vertraut und sie so gern mochte.

Ich war zu der Zeit in einer schlechten Beziehung. Mein damaliger Freund war Dro.abhängig und bekam nichts so wirklich auf die Reihe. Ich musste ihm bei vielen Dingen helfen: Rechnungen begleichen, Schule, dann Studium, Arbeit, rechtzeitig aufstehen etc. Er war wie ein Kind für mich und diese Verantwortung ließ mich 5 Jahre bei ihm bleiben. Dazu ließ ich mich trotzdem betrügen und belügen. Da kamen ganz kuriose Geschichten zusammen.

Immer wenn ich ausbrechen wollte um glücklich zu werden, flehte er mich an, da zu bleiben, er sei verloren ohne mich..und so weiter. Ich war jung und wusste mir nicht zu helfen in dieser Situation.

Also blieb ich. Irgendwann sprach er selbst die Trennung aus. Zum ersten Mal. Das fühlte sich für mich an als fielen 100 Steine von meinem Herzen.
Nach 3 Tagen wollte er die Trennung wieder zurücknehmen doch dieses mal konnte ich hart bleiben weil die Trennung ja seine Entscheidung gewesen war.

Die Zeit war relativ nervenaufreibend. Ich wurde plötzlich nicht mehr zu Geburtstagen im Freundeskreis eingeladen. Ich spürte plötzlich so eine Art Negativität in der Gruppe.

Als dann mein jetziger Mann in mein Leben kam, der auch ein Bekannter von uns allen war, stellte sich mein Freundeskreis auf die Seite meines verletzten, zurückgewiesenen Exfreundes und unterstellte mir, ich würde sowohl den neuen Partner als auch den Ex verar***en. Ich sei Gift und hätte böse Absichten. Das könne nicht gutgehen mit uns und ich würde richtig Ärger kriegen wenn ich schlechte Absichten mit dem Neuen hätte.

Ich verstand das alles nicht weil ich wirklich seit Jahren das erste mal glücklich war, gewertschätzt wurde und die Freunde wussten, wie ich mich durch die letzte Beziehung gekämpft hatte.
Das war ein schlimmes Erlebnis für mich bei dem mir noch heute die Tränen kommen.

Naja. Lange Rede kurzer Sinn, das Thema ist über 5 Jahre her und hat sich in meiner Psyche festgesetzt. Seit zwei Jahren (nach Ausbruch der Ängste und Zwänge) muss ich ständig überprüfen, ob meine Absichten gut sind - oder ob ich wenn ich dies und jenes denke ein schlechter Mensch bin usw

Auch meinem Mann gegenüber äußert sich dies unter anderem. Ich denke dann, dass ich ihn nur verletzten werde wenn ich bei ihm bin, dass ich ihn nur hintergehen würde und er mir eigentlich nichts bedeutet. Dass ich sein Leben zerstören werde.

Ich weiß dass das alles nicht stimmt, aber die Zweifel fühlen sich echt an. Sie verändern meine Wahrnehmung der Vergangenheit, das macht es besonders schwer. Man weiß gar nicht mehr, wer man ist und wer man wirklich war.

Naja, und dagegen mache ich halt jetzt diese Expositionsübungen.

Aber wie gesagt: Angst kommt dabei keine auf :/ vielleicht erwarte ich sie auch zu sehr als Beweis dafür, dass ich kein schlechter Mensch bin.

24.09.2016 09:35 • #4


B
Zitat von Flusen:
Hmmmm nicht direkt,aber kann es sein das eine Skala alleine vllt nicht das Richtige ist ?
Zumindest hab ich die Erfahrung macht,das wenn ich vorher etwas abgesprochen habe mit Skala,Zahlen,Leveln o.ä machen,es häufig nicht gereicht hat. Es ebenso wichtig war,meine Gedanken in der Situation dabei zu schreiben. Also wurd sich auf eine andere Notizform geeinigt und das hat dann super geklappt.
Versuch macht klug bzw. man merkt's ja nun erst wenn man es ausprobiert
Würde ich vllt einmal ansprechen bzw. für dich so machen,das du das Angstlevel bei schreibst und was dir in den Situationen durch den Kopf gegangen ist,was/wie du dich gefühlt hast etc.

Manches lässt sich eben nicht nur in einer Zahl ausdrücken und manches funktioniert/wirkt auch nicht auf einem geraden Weg sondern ggf um Ecken.


Huhu!
Danke für den Tipp!

Ich werde mal schauen, ob ich da was einbringen kann!

24.09.2016 09:39 • #5


Hotin
Hallo blume1989,

eine sehr schöne Beschreibung, die Du hier eingestellt hast.

Zitat:
Besonders beim letzten Freundeskreis tat dies weh da ich allen so vertraut und sie so gern mochte.


Schön, wenn Du sie alle gern gemocht hast. Nur wie kannst Du allen so vertraut haben? Ich finde, das darf
man nicht so pauschal machen. Du siehst, was jetzt mit Deinen Gefühlen passiert.
Jeder Mensch verfolgt unterschiedliche Ziele und ist unterschiedlich ehrlich.
Ich finde dies völlig normal.
Das bedeutet aber auch, Du solltest immer überprüfen, wie viel Vertrauen auch ein
Freund verdient und jeweils entscheiden, was man ihm erzählen darf.
Eigentlich solltest Du auch überlegen, wen Du überhaupt als Freund bezeichnest.
Zitat:
Dazu ließ ich mich trotzdem betrügen und belügen.


Eine schlimme Zeit, die Du da durchgemacht hast. Diese Erfahrung wird Dir in
der Zukunft hoffentlich noch viel helfen.

Zitat:
Immer wenn ich ausbrechen wollte um glücklich zu werden, flehte er mich an, da zu bleiben, er sei verloren
ohne mich..und so weiter. Ich war jung und wusste mir nicht zu helfen in dieser Situation.


Ein sehr beliebtes Spiel in Ehen und Partnerschaften. Viele Menschen wissen sich da nicht zu helfen
und entwickeln dadurch Angststörungen und sonstiges.

Zitat:
Also blieb ich. Irgendwann sprach er selbst die Trennung aus. Zum ersten Mal. Das fühlte sich für mich
an als fielen 100 Steine von meinem Herzen.

Nach meinem Empfinden ist dies allgemein die beste Art, sich von einem Partner, mit dem es viele
gefühlsmäßige Bindungen gibt zu trennen.

Zitat:
Nach 3 Tagen wollte er die Trennung wieder zurücknehmen doch dieses mal konnte ich hart
bleiben weil die Trennung ja seine Entscheidung gewesen war.


Das hast Du sehr gut gemacht.

Zitat:
Als dann mein jetziger Mann in mein Leben kam, der auch ein Bekannter von uns allen war, stellte sich mein Freundeskreis auf die Seite meines verletzten, zurückgewiesenen Exfreundes und unterstellte mir, ich würde sowohl den neuen Partner als auch den Ex verar***en. Ich sei Gift und hätte böse Absichten. Das könne nicht gutgehen mit uns und ich würde richtig Ärger kriegen wenn ich schlechte Absichten mit dem Neuen hätte.


Dieses Verhalten ist nicht außergewöhnlich. Sie hatten vermutlich keine Informationen, wie eure
Beziehung wirklich war. Dann passiert so etwas.

Zitat:
Ich verstand das alles nicht weil ich wirklich seit Jahren das erste mal glücklich war, gewertschätzt wurde
und die Freunde wussten, wie ich mich durch die letzte Beziehung gekämpft hatte.

Da gibt es auch nichts zu verstehen. Verstehen sollte Deine angeblichen Freunde mal etwas.
Zitat:
Naja. Lange Rede kurzer Sinn, das Thema ist über 5 Jahre her und hat sich in meiner Psyche festgesetzt.


Verstehen kann ich das. Dann sieh zu, das Du das Thema wieder loslässt.
Zitat:
Ich weiß dass das alles nicht stimmt, aber die Zweifel fühlen sich echt an.


Da stimmt Deine Aussage nicht. Noch hast Du für Dich noch keine eindeutige Entscheidung getroffen.
Also weißt Du noch nicht, dass das alles nicht stimmt.
Sobald Du das aber selbst weißt und Dich von der Meinung Deiner angeblichen Freunde getrennt hast,
bist Du für Deine neue Partnerschaft frei.

Zitat:
Man weiß gar nicht mehr, wer man ist und wer man wirklich war.


Wer ist der man. Du?
Es ist vorbei, wenn Du sagen kannst.

Ich weiß, wer ich wirklich bin und wer ich wirklich war.
Dann bist Du frei.

Für Deine Zukunft wünsche ich Dir alles Gute.
Glaube an Dich

Viele Grüße

Bernhard

24.09.2016 17:12 • #6





Prof. Dr. Borwin Bandelow