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Sonor
Mitglied

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Hallo,

in ca. 2 Monaten steht ein Workshop an und betrifft meine Abteilung in der Firma.
Ich als sozialphobiker habe da gelinde gesagt keine Lust drauf (mir dreht sich der Magen jetzt schon um wenn ich dran denke). Ich finde es einfach eine ziemlich heftige Zumutung den Leuten gegenüber die eben Probleme haben zu präsentieren, alberne Spiele spielen die bestenfalls in den Kindergarten gehören usw. Ich habe mir keinen Beruf ausgesucht bei dem es Extroversion braucht (steht zumindest nichts von in meiner Stellenbeschreibung) und trotzdem wird man so einem Sch. ausgesetzt. Ich finde das nicht fair und komm nicht darauf klar, zumal das immer wieder mal stattfinden wird.

Meine Frage ist jetzt: Kann man da was machen wie z.B. ärztlich Bescheinigen lassen dass das einfach nicht geht, oder besteht vielleicht schon aus rechtlicher Sicht gar keine richtige Teilnahmepflicht? Kann man sich anderweitig irgendwie davor drücken bzw. rausreden. usw.

16.12.2025 #1


Elly79
@Sonor Um was für eine Art Workshop handelt es sich denn? Teambuilding? Weiterbildung im Sinne deiner Arbeit?

Prinzipiell ist es so, dass der Arbeitgeber (AG) erstmal das Recht dazu hat, Maßnahmen die dem Arbeitsbereich zuträglich sind anzuordnen, auch am WE. Wichtig ist, gilt als Arbeitszeit.

Ein guter AG wird aber verstehen, dass du durch deine psychischen Einschränkungen an soetwas nicht teilnehmen kannst, dazu muss er das natürlich wissen. Hier hilft nur Kommunikation.

Du kannst natürlich den ganz einfachen Weg gehen und dich krankschreiben lassen, ob dass dann so gut kommt ist allerdings fraglich.

x 1 #2


A


Workshop - muss das sein?

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MrsNight
Wie mein Vorredner sagt, ja er hat das Recht dazu.

Was ich nicht finde ist, dass der Arbeitgeber und Co solche Dinge aufhebt und lässt, damit es den Personen die psychische Probleme haben kurzfristig besser geht, weil sie nicht dahin müssen, weil es keine Workshops mehr gibt. Klingt doof, aber dann würde es nie enden.

Der respektvolle Umgang sollte aber immer da sein insbesondere in Bezug auf psychische Erkrankungen. Ich würde auch mit deinem Arbeitgeber erstmal reden, ob du dich dem entziehen kannst, wenn es dir aktuell so schlecht damit geht, dass es gar nicht geht. Andere würden sagen, hin da, egal wie unangenehm es wird und das ganze durchhalten.
Dass du das als schei** bezeichnest, ist da leider ganz individuell, andere freuen sich eventuell auch darauf.

Ich kann dich aber verstehen wie du dich gerade fühlst, da ich eine so ausgeprägte Sozial Phobie hatte, dass ich damals nicht aus der Wohnung kam ohne mich schlecht zu fühlen.

Und dann ganz wichtig, ich hoffe du machst für dich schon etwas gegen deine Sozial Phobie, damit es in Zukunft angenehmer und entspannter wird sicher Termine wahrnehmen zu können und dass du dich dort nicht ganz so quälst und es dir damit nicht so schlecht geht wie es aktuell noch der Fall scheinbar ist. Spiele und co wirst du vielleicht nie toll finden, aber zumindest so dass du keine Panik 2 Monate vorher hast und den Tag einfach hinter dich bringen kannst😊

x 1 #3


G
Hallo Sonor

Ich kann diese Angstgefühle sehr gut nachempfinden und kenne dieses "Auswegsuchen" vor mich in Angst versetzenden Terminen ebenfalls sehr gut. Deinem Beitrag entnehme ich jedoch "nur" das grosse Angstgefühl davor. Mir hilft es jeweils sehr, mich mit dem Anlass intensiv zu beschäftigen und ihn Punkt für Punkt aufzuschreiben und ebenfalls die konkreten Ängste und Sorgen, die dabei auftauchen, aufzuschreiben. Gleichzeitig suche ich für diese Ängste jeweils eine Lösung oder einen Plan, z.B. "wie komm ich zum Anlass" - passende Verbindung und Zeit raussuchen, "was mache ich, wenn ich den Smalltalk in der Pause nicht hinkriege" - ich schliesse mich den Rauchern an und geh zusammen mit denen raus, da sind weniger Leute, etc. Wenn der Anlass mich dann zwar immer noch Überwindung kostet, aber machbar erscheint, versuche ich mich der Situation zu stellen. Sollte er für dich nicht machbar erscheinen, würde ich das Gespräch mit deinem Vorgesetzten suchen. Er kann nicht wissen, was für eine Zumutung es für dich darstellt, wenn er nicht von deiner Krankheit weiss. Zumal er es sowieso erfahren würde, wenn du dir ein Attest holst. Allenfalls kann er dir auch weitere Informationen geben, wie z.B. das Programm, damit du weisst, was auf dich zukommt.

In der Annahme, dass du nicht möchtest, dass alle von der Sozialphobie erfahren oder du krankheitshalber nicht teilnehmen kannst, stellt sich mir die Frage, wie du längerfristig mit diesen Workshops umgehen möchtest. Du erwähnst ja, dass das immer mal wieder vorkommt. Für ein einmaliges Urlaubststag beziehen und nicht dabei sein müssen, kann man gut eine Ausrede finden (anderer Termin, den du nicht verschieben kannst oder so). Aber wenn du nie an diesen Terminen teilnehmen möchtest, wirft es allenfalls im Team Fragen auf, warum alle ausser du dahin müssen. Vielleicht ist es dann besser, wenn nicht für diesen, dann zumindest für die zukünftigen Anlässe eine Lösung zu suchen, die dir die Teilnahme ermöglicht. Mir würden zumindest diese Gedanken kommen, vielleicht bist du da aber auch mutiger als ich, was die Kommunikation der Sozialphobie anbelangt.

Ich hoffe sehr, dass du eine Lösung findest und du dich nicht für die nächsten zwei Monaten mit diesen Ängsten rumschlagen muss - alles Gute 🍀

x 3 #4


Moelli80
Kann dich da verstehen, würde bzw. Habe sowas auch nie mitgemacht.

Man kann vom Therapeuten besser Psychiater eine Bescheinigung holen, dass man das nicht kann.
Kostet glaube ich, mittlerweile 10 Euro.
Geht aber natürlich nur, wenn du momentan in Behandlung bist.

Ich habe so was aber auch 2 mal schon in meinem Leben mitgemacht.
Bzw. Sass da und hab mich geweigert.

Haben da echt Rollenspiele gemacht und eine Murmelbahn als Team gebaut. Wo die Murmel am längsten läuft, das Team hat gewonnen usw.

Wie gesagt, ich hab mir das aus der Ecke nur angeschaut, weil es einfach nichts für mich war.
Rollenspiele erstrecht nicht.

Ob man aber das wirklich wie ich gemacht habe, machen möchte.
Ist auch so eine Sache.
Deine Arbeitskollegen, werden es bestimmt nicht gut finden.

Mir war es da nur egal, hatte eh kein Kontakt zu den.

#5


Islandfan
Ich würde hingehen. Manchmal gibt es Situationen im Arbeitsleben, durch die man durch muss. Man kann aber trotzdem Grenzen setzen, muss nicht alles auf einem Seminar mitmachen. Ich war auch schon auf Seminaren, bei denen man Rollenspiele machen musste. Manches war nervig, das habe ich dann auch gesagt.
Dem Arbeitgeber gegenüber sieht es halt nicht gut aus, wenn man es nicht wenigstens probiert. Seminare sind ja in erster Linie Fortbildungen. Und es ist ein Schritt dahin, dass du dich selbst therapierst. Sieh es als Exposition an und setzte Grenzen, wenn dir etwas nicht passt.

x 2 #6

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Schlaflose
Rollenspiele und Teamaufgaben habe ich auch immer verweigert mitzumachen, wenn es dazu kam. Aber hingegangen bin ich trotzdem überall.

#7


N
Ich finde sowas auch schlimm. Was spricht eine Krankmeldung? Wäre der einfachste Weg.

#8


Lina60
Ich bin in diesen Auftritten auch eher ein zurückhaltender Mensch. Und als ich meine Ausbildung als Psychotherapeutin begann, hatte ich keine Ahnung was da alles auf mich zukommt. Jedenfalls waren Rollenspiele dabei. Hätte ich meine Teilnahme verweigert, hätte ich ev. mein Diplom nicht gekriegt...habe die Erfahrung gemacht, dass man sich daran gewöhnt...und es hilft, wenn es die anderen auch machen.

In meiner Arbeit habe ich später den Klienten z.B. Gestaltübungen nach Fritz Pearls angeboten. Da gibt es zwei Stühle ( die für Personen stehen). Mit denen spricht der Klient dann abwechslungsweise. Die meisten machten es und fanden dabei viel über sich selbst und ihre Beziehungen heraus. Manche machten die Übung aber auch nicht, was ich immer respektierte.

Damit will ich sagen, dass wenn das Rollenspiel jemandem zu viel Ängste bereitet, dann sollte er überall davon befreit werden.

#9


S
" Ein guter AG wird aber verstehen, dass du durch deine psychischen Einschränkungen an soetwas nicht teilnehmen kannst, dazu muss er das natürlich wissen. Hier hilft nur Kommunikation."

Er ist kein guter Arbeitgeber das ist das Problem. Und er würde es wahrscheinlich nicht für sich behalten. So gut kenn ich ihn leider.

Ja schon, jedesmal wenn so was ist mit einer Krankmeldung kommen geht halt nicht. Er wird mich irgendwann drauf ansprechen.

Also aus rein rechtlicher Sicht geht da wohl nix. Schade.

Gibt es so eine Art Pflichtlektüre für Menschen mit sozialer Phobie? Ein Buch das man wirklich empfehlen kann um das richtig an zu gehen?

#10


B
Das Geld von deinem Arbeitgeber nimmst du aber ganz gerne, oder?`

Man kann halt nicht einerseits einen Job haben und sich für diesen ganz gut bezahlen lassen, und andererseits wichtige Teile dieses Jobs nicht machen wollen. Und was wichtig ist, das entscheidet in einem Angestelltenverhältnis halt nicht der Angestellte.

Ich wäre da vorsichtig an deiner Stelle. Bei uns im Unternehmen hat man bisher immer Wege gefunden, Drückeberger zu erkennen und dann loszuwerden.

#11


Feuerschale
Zitat von Sonor:

Gibt es so eine Art Pflichtlektüre für Menschen mit sozialer Phobie? Ein Buch das man wirklich empfehlen kann um das richtig an zu gehen?

Ich wüsste nicht.
Mir wars anfangs auch unangenehm.
Hab dann beobachtet und mir von anderen was abgeschaut, was ungefähr dran ist und wie.

Und wenn ich dran war, wars wie Sprung ins kalte Wasser und dann wieder vorbei.
Ich denke auch in Etappen dann, bis zur Pause, 1. Tag rum, iwann geschafft...

Und: es gibt kein richtig oder falsch, kein perfekt, das holt bisschen Druck raus.
Ist ja auch interessant, von den anderen mal was zu erfahren, den Fokus fand ich auch hilfreich.

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Schlaflose
Zitat von Borkenkäfer:
Man kann halt nicht einerseits einen Job haben und sich für diesen ganz gut bezahlen lassen, und andererseits wichtige Teile dieses Jobs nicht machen wollen.

Seit wann sind Rollenspiele u.ä. Teil des Jobs? Fortbildungen, wo es um die inhaltlichen Bereiche des Jobs geht, ja. Die kann man nicht ablehnen, aber Workshops, in denen es nicht um den Job selbst geht, sondern um irgendwelche sozialen Spielchen fürs Teambuilding, dazu kann man nicht genötigt werden. Abwesend sein ist vielleicht Pflicht, aber mitmachen nicht. Das hat nichts mit dem Geld zu tun, das man für seine Arbeit verdient.

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A


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Dr. Reinhard Pichler
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