Hallo Woelfin!

Auch ich leide schon länger unter Angstzuständen und kann seit 6 Wochen nun überhaupt nicht mehr arbeiten, nachdem ich in letzter Zeit zusammengeklappt bin.

Ich fühlte mich an meinem Arbeitsplatz sehr wohl; habe liebe Kollegen und -Gott sei Dank- einen (fair)ständnisvollen Arbeitgeber.
Ausserdem habe ich liebe Freunde und lebe gerne in meiner Stadt.

Es liegt also keine "Grund" vor (wie sich in diesem Forum eine Person einzureden versucht), dass ich zu faul bin zum Arbeiten od. mir alles nur einrede.

Es ist immer dasgleiche:
Ich nehme mir vor: Heute gehe ich raus (ob zum Einkaufen; zur Bank o.ä.).
Kurz bevor ich dann die Wohnung verlassen will beginnt mein Herz zu rasen; es wird mir schwindelig. Die Hände zittern; Atemnot; Unsicherheit.

Ich schaffe es aber -noch- nach draussen zu gehen.

Sobald ich mich so ca. 10 Minuten ausserhalb meiner Wohnung aufhalte; wird der Schwindel stärker; die Ängste werden grösser und ich MUSS nach Hause.

Aber auch ich "teile" Dein Schicksal -Woelfin-: Von Ärzten nicht rechzeitig erkannt (denn ich leide schon jahrelang an div. Beschwerden (Herzrasen; Zittern, Kopfschmerzen; Schwindel; Durchfall; nervöser Magen), die keine organischen Ursachen haben) werde ich auch "nur" mit Antidepressiva und Schlafmitteln behandelt.
Mein Neurologe/Psychiater lehnt eine Psychosomatische Klinik und eine Psychotherapie ab, da dies "in meinem Fall" nix bringen würde.

So ist es wohl mein Schicksal, dauerhaft krankgeschrieben zu werden und meine Birne mit Psychopharmaka zuzuknallen; was mir ausserordentlich missfällt, da ich immer ein aktiver Mensch war.

Grüße

seneca

17.02.2002 16:20 • 15.03.2002 #1


liebe seneca:
hab dir grad ausführlich auf audiophobie geantwortet:
es hängt wohl viel mit deiner wohnsituation zusammen.
gut ist es dass du gute freunde und v.a. einen verständnisvollen chef hast!
ich strebe telearbeit an . da du recht qualifiziert bist wär das auch was für dich zumal ja diese arbeitsform in deutsdchland schon anerkannter ist als in öst.!
freut mich dich wieder zu lesen

17.02.2002 21:45 • #2


Hallo woelfin!

Das mit der Telearbeit ist eine klasse Idee. Gerade bei meinem Arbeitgeber ist das super-gross in Mode gekommen und wird ordentlich gefördert.
Jedoch nur für verheiratet Mütter (od. alleinerziehende Mütter).
Für Singles ohne Kinder ist dort kein Platz.

Ich habe schonmal angefragt, da es mir sehr helfen würde. Aber nix zu machen.
Sogar Verkürzung meiner Arbeitszeit ist bei mir nicht möglich, obwohl ich mir das nicht leisten kann.
Die Teilzeitlösung ist ebenfalls nur für Mütter vorgesehen und für verheiratete.

Obwohl mein Arbeitgeber um meiner Krankheit weiss und ansonsten verständnisvoll ist, kommt er mir hier (leider) nicht entgegen.

Vermutlich werde ich kündigen müssen!

Herzliche Grüsse

seneca

PS Habe Dir auch an Deine Privatmail geantwortet!

18.02.2002 12:08 • #3


hallo seneca,

wie kann das sein, daß dein psychiater dir antidepressiva verschreibt, dir aber eine therapie verweigert?
du brauchst ihn nicht, um zu einer therapie zu gehen. du kannst dir einen therapeuten suchen. ruf bei deiner krankenkasse an, die geben dir eine liste mit therapeuten oder hör dichin deinem bekanntenkreis um...heutezutage gehen soviel menschen zum therapeuten.
ich war wg. meines extremen reizmagen-problems nie in psychatrischer behandlung,aber in therapeutischer. ich hab mir meine therapeutin einfach selbst gesucht. tu es!
ich wünsch dir von ganzen herzen viel glück!
L.

18.02.2002 13:41 • #4


L - da sieht man den unterschied zw euch in D und uns in ÖST
ich bin n schwerer fall mit der audiophobie - dass die meisten ärzte mich einfach weiterverweisen
die kassenverträge kriseln und
es gibt keine kassenplätze
das heisst : 1000e menschen mit problemen, die sie nicht unmittelbar am alltagsleben hindern kriegen thera auf kasse -
ich kann wegen der lärmangst kaum das haus verlassen, werd aber mit notstandshilfe niemals je einen kassenplatz kriegen
das nur zur gerechtigkeit des sozialversich-sys in diesem lande österreich
woelfin

18.02.2002 16:54 • #5


hallo woelfin,

kassenplatz? heißt daß das du gar nicht krankenversichert bist? das hört sich nicht gut an, da kann man dann wirklich verzweifeln..aber du gehst doch zur therapie?! oder nicht? das kann doch nicht sein?
es ist so unglaublich schwer, sich vorzustellen, daß jemand quasi vor geräuschen "angst" hat. man möchte denjenigen schütteln und sagen, das sind doch nur geräusche. aber ich weiß, wie unkontrollierbar solche ängste sind. man kann sich 1000 mal selbst sagen, daß man davor keine angst haben muß, der körper macht es trotzdem mit einem.
ich drück dir die daumen, daß du irgendwie die hilfe findest, die du brauchst!
einen ganz lieben gruß
L.

18.02.2002 17:31 • #6


ich bin versichert, aber die kasse zahlt keine therapie drum mach ich keine. ich bezieh notstandshilfe - gestern erfuhr ich vom arbeitsamt ich gelt als voll einsatzfähig und müsse jetzt jeden job annehmen.
wie weit ich mit ärztl attesten kommen kann versuch ich noch zu klären. im grenzfall kriegt mein neuer zwangschef halt ne authentische panikattacke zu sehn: denn die passiert recht bald und i hab ka würde mehr.
ich hab mich so weit aufgegeben.

es handelt sich um ein zermürbendes trauma das mir passiert ist, dazu gibts aber nähere info am audiophobie thread wo ich das eingehend beschrieb.
ich dank dir jedenfalls sehr für deine gedanken und dein mitgefühl!
mittlerweile sinds auch kleinkinder u motoren, die mir angst machen und ich wohn mitten in der stadt......
lg, woelfin

19.02.2002 10:48 • #7


bist du denn schon lange arbeitsunfähig? die müssen doch verstehen, daß du durch eine therapie vielleicht tatsächlich wieder voll einsatzfähig bist und so nicht arbeiten kannst. das ist wirklich immer furchtbar mit diesen krankenkassen. wobei ich merke, daß wir es in deutschland schon etwas besser haben. mannomann....vielleicht sollte man damit an die presse gehen, aber das wäre deiner angst ja nicht gerade zuträglich....verdammt!
ich wünsch dir viel mut und durchhaltevermögen. ich weiß, wie schwer das ist. ich bin zwar anders krank, aber auch bei mir fordert das eine menge durchhaltevermögen...
alles liebe nochmal
L.

19.02.2002 13:34 • #8


L es ist mit therapie nicht zu repariern!
angst ist angst und sie hat ne ursache
ich kenn weltweit hyperakustiker sie müssen damit leben!
wie migräne
das ist es was menschen nicht verstehn
wir leben damit und richten uns ddrauf ein oder wir bringen uns um
so einfach ist das
dennoch danke für die anteilnahme
hoffe dein problem ist im alltag etwas weniger belastend als die lärmangst.
ws.

19.02.2002 18:37 • #9


Hallo L.

danke Dir für Deine Anteilnahme!
Ich möchte mir gerne eine Therapeutin suchen nur habe ich momentan das Problem, gar nicht mehr auf die Strasse gehen zu können.
Ich habe derartige Panikattacken, dass mir jeglicher Lebensmut genommen wird.

Hat Dir denn Deine Therapie bei Deiner Problematik geholfen?

Lieben Gruss

seneca

20.02.2002 13:52 • #10


Liebe L! darf ich dich laurence nennen?
du musst bedenken dass es mich wie auch die mir mittlerweile gutbekannte seneca großer überwindung bedarf überhaupt HINAUS zu gehn!
bei seneca ist es krasser - bei mir ist es speziell die lärmangst. manchmal treibt mich die gier nach sonne und grün wirklich raus: freiwillig. ich begeb mich 1 stunde durch kriegsgebiet: stadt, straße, öffentl. verkehr, autos motoren, kreischende kinder, hunde, proleten auf der straße , schreiende ausländer (nix gegen ausländer, aber die sind hier nun mal besonders unkontrolliert laut)
nun: hätt ich jetzt wöch. 2 termine bei ner analyse vielleicht auch noch am andren ende der stadt - würd ich hierdurch unheimlich viel energie verschießen.
DIE STADT ZERSTÖRT UNS!
wenn ich vom land komm, kann ich einen halben tag lang hier ein normaler mensch sein und dann gehts wieder los. genügt schon wenn mir einer hinter mir ins ohr hustet.
es fängt alles wieder an.
woelfin

20.02.2002 14:07 • #11


hallo seneca,

ich kann das ja versuchen zu verstehen. aber fakt ist, daß etwas passieren muß und das wünschst du dir sicherlich auch...
sprich: es bleibt dir nichts anderes übrig, als raus zu gehen, um zu einem therapeuten zu gehen. ich weiß, daß das hart ist und dir so gut wie unmöglich scheint, aber was ist die alternative? zu hause bleiben und warten, daß es von alleine weg geht?
also....
ich habe ein reizmagenproblem, das war so schlimm, daß ich vor drei jahren ein komplettes jahr krankgeschrieben war und ich auch gar nicht mehr raus wollte, weil mir immer schlecht war und ich immer angst hatte, daß ich mich ständig übergeben muß. auch ich hatte oft probleme, zu meiner therapeutin zu kommen, weil mir so schlecht war. aber ich habe nicht eine sitzung verpaßt. manchmal war der weg eine qual. aber ich war immer da....was mir letztlich aus diesem wirklich tiefen loch geholfen hat, weiß ich nicht...ich habe damals ein antidepressivum bekommen und bin zur therapie gegangen...fakt ist, daß ich seit zwei jahren wieder arbeite und in vieles wieder machen kann. ich bin nicht gesund und gerade habe ich auch wieder eine schlechtere phase. aber ich weiß, daß es geht. selbstdisziplin...auch wenn es noch so schwer fällt. wenn es irgendwie geht...es gibt auch tage an denen geht es eben nicht...das weiß ich.
aber du mußt raus, du mußt zu einem therapeuten! du mußt dir hilfe suchen! ich bin mir sicher, daß es dir weiterhelfen wird!
also, los nimm deine kraft und deinen mut zusammen und geh zu einem therapeuten!
lieben gruß
L.

20.02.2002 17:18 • #12


Hallo L.

danke für Deinen Zuspruch!
Neben deinem Beitrag und woelfin´s Unterstützung habe ich mir Mut gefasst und eine Therapeutin angerufen.
Für next week Freitag hab´ich einen Termin und muss den Weg dorthin schaffen.
Ausserdem steht für Montag ein Termin in einer Psychosomatischen Klinik an und hoff´, dass man mir dort helfen kann.
Die Behandlung "nur" mit Antidepressiva kann die Lösung nicht sein um meine Ängste abzubauen.

Viele Grüsse..

seneca

22.02.2002 11:18 • #13


hallo, ich bin total stolz auf dich das du dich überwinden konntest und eine therapie aufsuchst. leider hatte ich noch nicht den mut mit meinen angstzuständen eine hilfe in anspruch zu nehmen. es ist verdammt schwer ohne großartig viel geld auszugeben eine therapie zu machen. aber letztendlich ist das das einzig richtige. ich wünsche dir viel mut und kraft und viel geduld das du wieder ein wunderschönes leben führen kannst. wo man auch endlich wieder mal einen lebensmut hat und jeden tag genissen kann.

gegen schmerzen der seele gibt es nur zwei Heilmittel: hoffnung und geduld. lg pez

24.02.2002 17:30 • #14


PEZ! das ist eben dieser gap!
die deutschen haben das geld für thera, wir aber nicht.
ich bin arbeitslos und werd mit meinem wenigen geld sicher keine thera zahlen! wie ich seh bist du auch ein .at - mensch.

und weisst du: ich glaub nicht dass mir bei der lärmempfindlichkeit ne thera hilft und es ist frappierend wieviele leute ohne wirkliche probleme in öst. aus reiner langeweile thera machen und bei hyperacusis und audiophobie schei. sich a jeder arzt in die hosn und schickt mich weiter.

und wenn sie dann lesen dass ich dafür eh kein geld hab, ist es überhaupt aus. PEZ der thera. kann uns nur den weg zeigen und gehen müssen wir ihn selber. das ist das schwierige dran.
würd mich freun dich wieder zu lesen, woelfin

02.03.2002 14:58 • #15


"und es ist frappierend wieviele leute ohne wirkliche probleme in öst. aus reiner langeweile thera machen "

...möchte nur wissen, wie du beurteilen kannst, warum die leut ihre therapien machen??
ist das nicht arg oberflächlich von dir eine derartige behauptung aufzustellen?
i glaub, a mensch wie du, der selbst hilfe bitter nötig hätt, sollte sich mit aussagen dieser art sehr zurückhalten.

03.03.2002 07:26 • #16


ich möchte hier in ehren diesen thread hoch halten den jemand anglegt hat, der/die mich letztendlich beziehungsterror spüren ließ - aber gehen wir nicht weiter drauf ein.
so, mir gehts soweit gut. natürlich hat mir auch meine amtspsychologin gsagt es issn starkes stück wenn ich sag andre ließen sich aus langeweile therapieren.
nun: es manifestiert sich halt nicht jede krankheit oder angst so wie meine. ich mein: wenn ich jetzt anfinge und meine kindheit durchleuchten ließe und alles was folgte, müsste ich noch vom grab aus therapie machen.
ehrlichgsagt iss mir das zu blöd.
klar werd ich wen aufsuchen, aber nur wenn ich das nicht von der notstandshilfe bezahlen muss, denn sowas ist einfach nicht zum derzahlen. in österreich ist das halt so.
denn österreich ist anders.
so, gute nacht leute und bis zum nächsten mal
woelfin

15.03.2002 23:12 • #17




Dr. Reinhard Pichler