Na hallo ihr lieben!

Das ist ja eine ganz nette Seite hier muß ich sagen - gut zu wissen, daß man mit seinem Leiden nicht allein...

Ich beschäftige mich seit Jahren mit diesem komischen Gefühl, das mir mein Leben zur Last macht und hab schon etliches versucht. War sogar 3 Jahre lang in Therapie, hab zig Bücher gelesen und konnte das blöde Ding auch lange nicht als das identifizieren, was es eigentlich ist, nämlich eine saftige und womöglich angeborene? soziale Phobie. Und da sind wir auch schon beim Punkt, der das ganze auch wieder so absurd macht. Sobald man dieses Ding endlich beim Namen nennen kann, passiert nämlich folgendes: Man denkt den ganzen Tag an dieses komische Wort, sozialphobie. Und kommt sich dabei wie behindert vor. Man gesteht sich ein, krank zu sein. Nicht normal, irgendwie anders und entschuldigt sich auch permanent bei sich selber mit eben dieser Begründung, krank zu sein. Na gut, dann läßt man alle Einladungen sausen und sagt sich dann, naja, bin ja sozialphobiker - da ist für die normal...
Nur was hab ich davon. Und je mehr ich mich mit dem Ding auseinandersetze, desto mehr bin ich ein sozialphobiker. Und die Geschichte endet in einer sogenannten selbsterfüllenden Prophezeihung. Man weiß doch schon im Vorhinein, wie man sich in den "heissen" Situationen verhalten wird, weil man die erfahrung ja schon oft gemacht hat und gerade die angst vor der angst läßt die angst dann wirklichkeit werden. Eine Henne-Ei-Konstellation tut sich da auf und mein Gott, dann wird sowieso alles nur noch kopflastig. Ende.
Ich hab echt keinen Bock mehr auf diese ganze Kacke, was jetzt nicht heißen soll, daß ich etwa lebensmüde bin oder sowas, aber diese Sache hat mir schon so viel Tage beschert, die für mich nicht richtig lebenswert waren und ich will verdammtnochmal da raus. und fress monatelang johanniskraut. und das alles, weil womöglich irgendwelche drüsen ein bißchen zu viel von irgeneinem zeug in meinem körper ausspucken.

manchmal find ich das alles ja fast lächerlich. und muß auch über mich selber lachen, wie sehr man sich in scheinbare kleinigkeiten verbohren kann. dann ist das auch alles wieder halb so wild. aber es gibt tage, an denen ich das alles gar nicht so komisch finde, und ich bin mir ganz sicher, daß ihr wisst, was ich meine.

lange rede, kurzer sinn - ich wünsch euch alles gute, und ich weiß, dass es auch nichts hilft, zu sagen, man sollte das nicht so eng sehen, aber ich möchte nur noch sagen, daß wir alle nur kleine menschlein sind, nämlich wirklich alle, auch die, vor denen man so große angst hat.


bis bald
chris

15.12.2002 23:47 • 18.12.2002 #1


hallo

ich kann das nicht ganz nachvollziehen

mit dem wissen unter welcher "krankheit" du leidest
kannst du natuerlich klar die bereiche oder situationen abgrenzen die
dir probleme bereiten, in denen du angst verspuerst

dann diese krankheit Sozialphobie als vorwand nehmen warum man
die angstbesetzten situationen meidet ist doch der total falsche weg
du aenderst nichts an deiner situation

frueher als du nicht wusstest worunter du leidest
bist du solchen situationen auch aus dem weg gegangen
wahrscheinlch einfach aus dem grund angst zu haben

dieses wissen allein wie man dein problem bezeichnet, was es alles umfasst bringt dich natuerlich kein bisschen weiter
da kannst du noch 100 buecher lesen ueber das problem und kommst nicht voran

VIELMEHR musst du dein wissen nutzen genau diese situationen die dir
probleme bereiten aufzusuchen, durchzustehen und damit aengste abzubauen
aber das weisst du sicher selbst nach 3 jahren therapie

so wie du es beschreibst hemmt dich das wissen ueber die krankheit
aber ich finde dass du dieses wissen einfach nur anwenden musst
all dein wissen musst du fuer dich und nicht gegen dich arbeiten lassen

tschau


wuerde mich freuen wenn du nochmal darauf antwortest

16.12.2002 18:07 • #2


hi,

danke für die nette antwort.

natürlich treten diese situationen auch auf, ohne daß ich daran denke, eine sozialphobie zu haben, und es verschlimmert sich auch nicht wirklich, wenn ich das ding beim namen nenne - wahrscheinlich macht es auch keinen großen unterschied. das, was ich meinte, ist der weg, der sich ergibt, wenn man jede "extreme" situation auf die sozialphobie zurückführt. man bringt dann auch schon jede kleinigkeit mit diesem ding in verbindung, die einem normalerweise vielleicht gar nicht so aufgefallen wäre...

ich glaube, es war auch der anfängliche Schmerz, sich eingestehen zu müssen, daß man eine Krankheit hat, die einen Namen hat, was ich leider während meiner Therapie noch nicht wußte. dort war ich wegen depressionen und mangelndem selbstwertgefühl, was ja sozusagen mal vorkommen kann. aber ich mußte dem ding keinen medizinischen Namen geben, der irgendwie auch so gräßlich klingt. Mich hat das jedenfalls erschreckt, mir das einzugestehen.

Ich bin dir sehr dankbar, weil du mir auch den positiven Aspekt um dieses Wissen aufgezeigt hast, das man nutzen sollte, und ich weiß es noch nicht, aber vielleicht wird es mir ja einen Schritt weiterhelfen. Es läuft ja oft so, wenn sich was bewegt, daß jemand einem zu einer anderen Sichtweise in einer Sache verhilft.

jedenfalls hab ich mich sehr gefreut darüber.

bis bald
chris

16.12.2002 21:34 • #3


sicherlich erschreckt es einen die Probleme in ihrer vollen Härte, die einen vieleicht schon seit Jahren begleiten, sich dann mal einzugestehen, aber diese Erkenntnis, das man es bewußt wahrnimmt, und nicht alle paar wochen nur mal der Gedanke auftaucht, "also ganz normal bin ich aber nicht" , die mußt du nutzen, weil dir ein Problem verdrängendes Leben ab da eh nicht mehr möglich ist, entweder du gehst gegen an, oder hängst nur noch in Depressionen rum, die wer weiß wie weit führen können, mit diesem Wissen wie schlimm es um dich steht.
Und zum Wort Sozialphobie, gut du hast nun schon Theras hinter dir, die nichts gebracht haben, aber nun zumindest mal den Begriff zu kennen, was es sein könnte was man hat, söllte es dir erleichtern noch mal einer Therapie eine Chance zu geben. Therapeuten mögen zwar keine Selbstdiagnosen
aber wenn es dir hilft den Einstieg zu finden, und halt den Therapeuthen in die Richtung zumindest aufmerksam zu machen, dann beginn das Gespräch doch ruhig gleich mit "ich glaube ich leide an Sozialphobie"

17.12.2002 16:11 • #4


Hallo,
ich finde nicht, dass das Wissen um die Krankheit negativ ist. Bevor man wußte, was los ist, war man doch eher verunsichert, weil man nie wußte, wann man wieder in eine Situation kommt, die Probleme bereitet, man war stets unsicher, wußte einfach nicht was einem Angst macht und was überhaupt das Problem ist. Wenn man erst mal raus hat, woran es liegt, kann man dagegen ankämpfen. Nutze die Erkenntnis um möglichst viel Wissen über das Problem zu sammeln, denn je mehr Du über den "Feind" weißt, desto besser kannst Du ihn bekämpfen. Wenn Du Dir klar bist, was Dir Probleme bereitet, kannst Du genau diese Situationen bewußt trainieren und so die Angst verlieren. Zum Beispiel diese Seite gefunden zu haben ist doch schon klasse. Wenn ich die Beiträge der anderen lese, fällt mir immer wieder etwas auf, was mir vorher bei mir gar nicht so recht bewußt war und ich habe wieder einen Fortschritt gemacht.
Also ran an den Feind und nicht aufgeben wenn es nicht auf Anhieb klappt, steter Tropfen hölt den Stein.
Thomas

17.12.2002 17:20 • #5


Hallo! Ich muß gestehen, daß ich mit eurer Krankheit nichts am Hut habe. Schaue nur manchmal vom Reizdarm bei euch vorbei, weil ich bis zum Finden dieser Seite von "Sozialphobie" nichts gewußt habe. Aber, was chrissss zum Ausdruck bringt, kann ich supergut nachvollziehen. Denn bei mir war es ähnlich. Mit meinem Bauchbeschwerden und Durchfall jahrelang von Arzt zu Arzt. Immer mit der Angst, daß bei der nächsten Untersuchung was "Schlimmes" diagnostiziert wird.(Sah mich schon mit künstlichen Darmausgang, usw.) Dabei hörte ich immer nur: alles in Ordnung, nichts Krankhaftes, nichts Auffälliges! Puh, nochmal Glück gehabt! Erleichterung! Aber immerhin mußte ich morgens bis zu 7mal meinen wässrigen Durchfall loswerden und mußte mit meiner Angst umgehen, aushausig keine Toilette zu finden. Einerseits Erleichterung, andrerseits dachte ich mir, ich kann doch nicht spinnen und mir das alles einbilden?? Ich wollte, daß mein Zustand einen Namen bekommt. Eine Krankheit, wo ich jedem sagen kann, ich hab dies-und-das, nehm dagegen die-und-die Medikamente ein. Doch leider kam dann irgendwann die Diagnose Reizdarm. Soll ich den Leuten sagen, ich kann wegen Reizdarm abends nicht ins Kino, weil ich keine Ahnung habe, wielang an diesem Tag der "Durchlauf" der Nahrung dauern wird. Ob ich die ganze Filmlänge über am Klo sitze oder ob ich wunderbar entspannt den Film sehen kann! Wer würde das verstehen? Und vor allem weiß man über Reizdarm nur, daß die ganzen Nerven im Bauchraum (das neu erkannte "Bauchhirm") ein bißerl durcheinander geraten sind, und chaotische Impulse geben, auf die dann der Darm bei mir mit Durchfall reagiert. Also, ich hab jetzt einen Namen zu meinen Beschwerden, doch was bringts!?!?!? Reizdarm oder Sozialphobie - hört sich doch beides blöd an. Kein Mensch kennt`s und irgendwie heißt es doch nur, naja, die Nerven. Also werden wir ein bißchen gaga eingestuft. Das wollte ich eigentlich nicht, als mein größter Wunsch war, dem Ganzen endlich einen Namen zu geben. Also, mir müssen einfach das Beste draus machen. Und wie einer von euch schon geschrieben hat, auf dieser Seite zu sein, ist schon super. Mir bringt es gaaaaaaaanz viel, mich hier mit Leidensgenossen auszutauschen. Zum Glück habe ich auch Eltern, Mann und Kinder, die mich unterstützen. Und doch ist es anders, wenn ich mich hier mit Menschen austauschen kann, die alle schon mal in der gleichen Situation waren und genau wissen, von was ich spreche. Also, Kopf hoch, und immer das Beste draus machen. In kleinen Schritten (die ein Außenstehender nicht sehen kann) verbessere ich mein Leben. Das allerdings kann man nur in die richtige Richtung machen, wenn man einen Namen zu seinen Beschwerden hat. Liebe Grüße an euch alle, Romi

18.12.2002 14:44 • #6




Dr. Reinhard Pichler