yvi

Hallo,

daß ich unter der Sozialphobie leide, weiß ich erst seit ein paar Wochen (über Internet rausgefunden). Leiden tue ich bestimmt schon seit ca. 9 Jahren darunter! Heute bin ich 25.

Habe ein sehr großes Problem mit mehreren Menschen in einem Raum zu sein oder auch in einer Menschenschlange zu stehen. Und wenn ich noch etwas sagen sollte, oh Hilfe, mein Herz rast, bekomme Hitze, zittere, es ist nicht zum Aushalten. Ich habe so eine Angst vor dieser Angst.

Dieses Problem hat mein ganzes Leben so beeinflußt, daß ich vielleicht bald auf der Straße sitze. Ich kann nicht selbstständig sein.

Meine Lehre nicht geschafft, keinen Führerschein, keine Arbeit und bald auch kein Arbeitslosengeld mehr! Habe eine Sperre bekommen, weil ich eine Trainingsmaßnahme nicht mitgemacht habe, ich weiß, daß dies ein Fehler war aber die Angst ist stärker, ich schaffe es einfach nicht dagegen anzukommen.

Dann stecke ich noch in einer nicht geraden tollen Beziehung! Verheiratet usw.! Wir sind zwar gerade zusammengezogen, aber er ist mehr bei seiner Frau als bei mir! Er ist übrigens der einzige der davon weiß, ich denke er glaubt mir nicht!

Ich möchte jetzt auf jeden Fall diese Krankheit in Griff bekommen und würde mich sehr über Kontakt freuen, bzw. über Tipps freuen!

Eure Yvi

23.07.2002 18:39 • 29.07.2002 #1


Gast


Hallo Yvi,

ich verstehe dich sehr gut!!
Seit ca. 11 Jahren leide ich unter Sozialphobie und habe es auch erst durch das Internet herausgefunden. Ich bin 23 Jahre alt, aber ich versuche, mich NIE von dieser Angst unterkriegen zu lassen!

Die Symptome kenne ich ganz genau!! Sie sind so schrecklich, dass man anfängt, sich zu hassen...weil man nicht diese Angstsignale des Körpers akzeptieren will!!
Jeden Tag werde ich damit konfrontiert und eigentlich könnte man sich fragen, warum man sich in einer so langen Zeit nicht daran gewöhnen kann?! Tja...weil man auch normal leben möchte, wie jeder Andere, ohne ständig Angst vor der Angst zu haben!!?

Es ist schwer, dir Tipps zu geben....weil ich selbst immernoch auf der Suche nach dem richtigen Weg bin!

Hast du dich schon bei einem Arzt vorgestellt? Hast du die Chance, eine Therapie wahrzunehmen?
Weisst du - du kannst eigentlich die Zeit, die du arbeitslos bist, komplett für deine Heilung nutzen!! Versuch doch eine stationäre Behandlung in Anspruch zu nehmen! Allein kann man es kaum richtig schaffen!!
Glaub mir ... es ist hart, immer gegen den eignen Körper anzukämpfen!!

Wenn du jetzt schon das Gefühl hast, dein Freund glaubt dir nicht - dann lass ihn bei seiner Frau!! Der ist es dann nicht wert! Und die Kraft, um ihn wirklich von dieser Krankheit "Sozialphobie" zu überzeugen - hast du die?! Ich glaube eher, dass du all deine Kraft & Energie in deine gesunde Zukunft stecken solltest!

Das ist ein Kreislauf, den man durchbrechen muss - ganz allein, denn Niemand kann uns diese verflixte Angst nehmen!!

Hattest du die Trainingsmaßnahme abgelehnt, weil dich die Sozialphobie an der Teilnahme hinderte? Hast du daher diese Sperre vom Arbeitsamt!?
Das ist nicht möglich, wenn dir dein Arzt eine Bestätigung für deine Krankheit gibt!! Du bist KRANK!! Nich faul oder naiv!!
Versuche unbedingt, das zu regeln ... und sag ehrlich, was deine Probleme sind! Sonst verstrickst du dich immer mehr in Probleme, obwohl du für viele Situationen nichts kannst!!

Als ich damals meine Schule abbrechen musste (!), erklärte mir mein Arzt, dass ich psychisch zu 90 % behindert bin!! Er scherzte noch & meinte, man könnte einen Behindertenausweis ausstellen! - Damals war ich total erschrocken über diese Aussage, aber in den Jahren merkte ich, was er mir damit sagen wollte!!
Auch wenn wir manche Dinge unbedingt tun & erleben wollen, erhebt sich unsere Angst wie eine riesen Mauer und versperrt uns die Wege!!
Aber wir müssen das erkennen und im Notfall ehrlich zugeben ... z.B. würde ich im Notfall zu meinem Chef gehen, wenn ich etwas tun müsste, was mein Körper nicht zulässt! Verstehst du? Und du musst zum Arzt und zum Arbeitsamt und dich für deine Krankheit einsetzen!!

Woher kommst du denn?

Falls du Hilfe brauchst, dann melde dich einfach wieder!

Ich wünsche dir alles Gute und denk immer daran:
DU bist nicht allein...es gibt tausende von Menschen, denen es so geht wie uns!

Also Kopf hoch und liebe Grüsse,
butterfly

23.07.2002 20:20 • #2


isa1


Hallo butterfly

freue mich das du auch eine kämpfernatur bist und nicht wie viele sophobiker resignirst ich(m25) leide seit meiner kindheit unter dieser schei. krankheit und ich habe dieselben gefühle wie du sie beschrieben hast was ist es das uns aufhält so zusein wie wir es möchten?? diese frage stelle ich mir jedn tag und werde immer wütend wenn ich manchmal vermeidungstechniken anwende z.b keine referate halte. ich studiere und bald muss ich welche halten der gedanke macht mich fertig als ob die welt untergehen wird!! schei. gedanken!! ich denke wir behindern uns selbst die gedanken machen wir uns doch selber! ich kämpfe auch aber manchmal macht es einen müde eine rolle zu spielen nämlich die einr selbstsicheren person spielst du auch rollen? freue mich auf deine antwort liebe grüsse isa

24.07.2002 14:56 • #3


Gast


Hallo Isa,

ich spiele auch solche Rollen:
selbstsicher & hart!!
Das Schlimme ist, dass es dann wirklich alle von Einem denken! Nur wir wissen, wie es ist, wenn uns diese Angst in den verschiedensten Situationen überkommt...und plötzlich fühlen wir uns "ausgeliefert"!! Stimmts?

Ich bewundere deinen Mut, dass du ein Studium begonnen hast! Ich wollte immer Kunst oder Psychologie studieren, aber leider waren meine Symptome schon in der Schule (ab 10. Klasse) so ausgeprägt, dass ich alles abbrechen musste!
Ein Studium...Referate halten...bei diesen Vorlesungen zu sitzen, all das stelle ich mir fürchterlich vor! Meinst du, dass du es schaffst, dieses Referat richtig hinzukriegen? Das wäre ja echt super!! Was studierst du eigentlich?

Welche Symptome begleiten dich denn so?

Lebst du in einer festen Beziehung?

Viele hier im Forum beschreiben, dass sie Angst vor/in einer Beziehung haben. Mir geht es überhaupt nicht so - ganz im Gegenteil! Vor meinem Partner gibt es nichts, was mich verunsichert...Angst macht...oder wo ich mich unwohl fühle!
Ich denke, eine feste Beziehung gibt mir eher Kraft!

Mir fällt es nur schwer, meine Vergangenheit zu akzeptieren...meine Symptome...eigentlich all das, was mich am "normalen" Leben hindert!!
Na du kennst das ja!!

Vertraust du Jemanden deine Krankheit an? Ich meine ausserhalb der Familie?

Freue mich auf deine Antworten und wünsche dir alles Gute!!

liebe Grüsse,
butterfly

24.07.2002 16:30 • #4


isa1


Hallo butterfly

als ich deine antwort las war ich wirklich erstaunt! ich denke ich kommunizire mit meinem ebenbild! ich fühle wirklich dasselbe wie du ich studiere sport in köln und in der vorlesung zu sitzen ist nicht so schlimm aber an einem seminar teilzunehmen ist schon eine grosse herausforderung denn man muss ja referate halten und das ist für jeden sophobiker ein todesurteil(echt blöd ne?). In der 10.klasse bin ich auch 2mal hängen geblieben weil meine mündlichen noten mangelhaft waren ist ja klar wenn man den mund nicht auf macht. ich führe eine wochenend beziehung und dann spiele ich diese rolle des starken aber kann ein wirklich schwacher eine starke rolle spielen? ich denke eine starke rolle zu spielen zeugtja auch von stärke? was denkst du? wir müssen rollen spielen denn wir können und dürfen unser innerstes nicht ständig nach aussen zeigen. meine krankheit möchte ich keinem gesunden erzählen denn so mach ich mich lächerlich und mich umso schwächer kein gesunder kann uns verstehen! wir müssen dagegen ankämpfen oder resignieren ich möchte nicht das das leben an mir vorbeizieht es war zu lange der fall gewesen das kann nicht so weiter gehen!! bis bald isa

24.07.2002 16:58 • #5


Gast


Hy Isa,

ich habe es auch satt, dass das Leben an mir vorbeizieht!
Irgendwie gibt es immer mal Tage, an denen nichts klappen will - so'ne innere Traurigkeit macht sich breit und man denkt über sein bisheriges Leben nach! ... dann verzweifelt man wieder, rafft sich auf und sagt sich "Es kann ja nur besser werden!".

Bei mir weiss meine Familie und mein Freund Bescheid ... und ein Kollege! - alles "normale" - gesunde Menschen! Sie nehmen mich so an, wie ich halt bin, aber trotzdem versucht man eine Rolle zu spielen, denn man möchte Niemanden wirklich belasten...ausserdem steht man eh allein da, wenn diese Situationen auftreten!

Deine Freundin weiss nichts davon?
Was denkst du, wie sie reagieren würde, wenn sie es von dir erfährt? Bleibt sie bei dir und versteht...oder macht sie sich lieber auf und davon?

Ich finde es schade, dass wir uns auf einer gewissen Art & Weise verstecken müssen!! In unserer Gesellschaft schwimmen halt die perfekten Leute oben ... und die kleinen "Schwachen" wuseln sich durch's Leben!

Vielleicht sollten wir stolz sein - wir sind eine Seltenheit!! Etwas Besonderes!! Wir fühlen manche Dinge viel intensiver, und Leute ohne Gefühl sind doch armselig!

Naja hab trotzdem keine Lust, mich hängen zu lassen (das wäre viel zu einfach) und ich werde eeeewig weiterkämpfen!
"Sozialphobie" ist doch echt eine Herausforderung - oder, was meinst du?

Bis bald,
butterfly

24.07.2002 19:46 • #6


Gast


Hi butterfly

hoffe das es dir soweit gut geht. Manchmal denke ich das diese krankheit ein fluch ist und man immer wieder rückfällig wird heute ist es mir wieder passiert!! ich habe bekannte unserer familie gesehen, und bin geflüchtet schei.!! im nachhinein hab ich immer einen hass auf mich!! warum kann man aus diesem käfig nicht einfach ausbrechen?? es ist wirklich eine sehr grosse herausforderung diese phobie und ich glaube nicht das wir etwas besonders sind im gegenteil, was ist der punkt was den menschen ausmacht? kommunikation mit anderen! und genau in diesem punkt haben wir blockaden wir sind gehemmt!! also sind wir in diesem punkt minderwertig so hart es auch klingen mag und daran müssen wir eben arbeiten warum sind wir so? zu hohe anforderungen an uns selber?weil wir uns immer vergleichen? oder angeboren? oder anerzogen? oder eine illusion das ganze? was fehlt uns denn? wir haben doch auch eine seele wie jeder andere auch,ein gehirn, aber irgendetwas hält uns irgendwie auf(wir selber). ich würde es meiner freundin nicht antun jemand muss ja stärke zeigen! warum soll ich vor ihr jammern? ich muss selber damit klarkommen schwäche zu verbergen ist auch eine stärke ich hab es wirklich satt! ich denke immer wieder nach was ich durch diese verfluchte krankheit alles verpasst habe und was ich noch verpassem werde wenn ich damit nicht aufhöre vieles zu vermeiden butterfly wir müssen es schaffen vielleicht nehmen wir alles viel zu ernst und interpretiern,analysieren zu viel(ist leicht gesagt).

bis bald isa

25.07.2002 13:12 • #7


Gast


Hey,

du klingst heute echt wütend!!

Also ich denke trotzdem, wir sind etwas Besonderes!! Bist du denn minderwertig?! Bin ich minderwertig?! Nein...wir dürfen den Gedanken gar nicht erst zulassen! ...weil uns dieses Denken erst recht runterzieht!!

Heute habe ich versucht, meinem Kollegen klarzumachen, dass unsere Probleme wirklich das Leben behindern! Und du hast es super ausgedrückt: Das Wichtigste ist die Kommunikation...und die fällt uns in vielen Hinsichten schwer!

Ich hasse mich auch jedesmal, wenn ich eine Situation nicht durchgestanden habe, sondern "einfach" die Flucht ergriffen hab!! Aber glaub mir, Stück für Stück schaffen wir das auch!!

Also ich wäre offen meinem Partner gegenüber! Mein Freund weiss auch über Alles Bescheid, aber: JAMMERN tu ich nicht!!
Es ist ein großer Unterschied, ob man dem Anderen diese Krankheit anvertraut und sich dann nicht immer davor verstecken oder vorspielen muss...oder....ob man seinem Gegenüber die Ohren volljammert!!
Ich weiss ja nicht, wielange ihr schon zusammen seid, aber wenn sie dich liebt, dann wird sie dich deswegen nicht verlassen!! Ach du wirst schon die richtige Entscheidung treffen!

Mir tut es nur gut, wenn ich manchmal mit meinem Schatz unterwegs bin...und irgendeine Begebenheit mich wieder aus der Bahn wirft!! Dann kann ich ihm das offen sagen....und er hält dann meine Hand und lächelt...und dann quasselt er manchmal soviel verwirrendes Zeug, dass ich einfach nur noch lachen muss...ich kann mich nicht mehr auf meinen Körper konzentrieren...und schon klingen die Symptome ab!!
Manchmal zwingt er mich auch, unbewusst in solche Situationen hineinzusteuern und dann meint er nur, dass ich das schon schaffe! Tja und irgendwie hat er auch öfters Recht! Es klappt dann oftmals! Wäre ich allein gewesen, hätte ich vielleicht gleich wieder eine tolle Vermeidungsstrategie hervorgezaubert!!?

Vermeidungsstrategien - ist das nicht klasse?! Überleg mal, wie erfinderisch wir manchmal sind, um einer Situation aus dem Weg zu gehen, ohne dass uns Jemand etwas anmerkt?!
Ist das bei dir auch so?!
Klar ist es bedrückend und nicht erfreulich, aber positiv gesehen, sind wir doch absolut fantasiereiche & kreative Leutchen!

Kopf hoch!
Weisst du, mir gehts manchmal auch so schrecklich mies, aber irgendwie müssen wir das doch einmal schaffen!
Jammern, bedauern...all das ist doch Blödsinn!! Das hilft uns nicht!!
Einfach manchmal die Dinge mit anderen Augen betrachten...dann gehts auch immer weiter!

Übrigens für mich ist die Weihnachtszeit immer die Schlimmste!
Überall Verwandtschaft, dann noch unzählige Geburtstage..die ganzen festlichen Tafelrunden mit den ganzen Leuten!! Puh...das ist zum Verzweifeln!! Obwohl ich Weihnachten eigentlich sehr schön finde!! Aber am Liebsten nur in meiner Familie, denn da geht's meinem Körper echt gut!

Hast du dich schonmal gefragt, wie es wäre, mit einem Sozialphobiker etwas zu unternehmen? Ich wäre echt gespannt darauf...vielleicht würden wir dann sogar miteinander..über uns lachen, wenn die blöden Symptome auftreten würden! "wir" dürfen ja lachen, denn uns betrifft es ja eh!!
Mann...da muss ich schon jetzt schmunzeln, wenn ich mir das vorstelle!!

Was machst du denn gegen die Krankheit?
Therapie, Selbsthilfegruppe, Medikamente ....?

Na gut, also dann bis später!!

Denk an die schönen Dinge im Leben und vergiss deine Bekannten - ob du sie nun heute herzlich begrüsst hast oder nicht?! Was spielt das schon für eine Rolle?! Beim nächsten Mal stürzt du dich auf sie!!

Und denk dran...für mich als ebenfalls kleinen Phobiker bist du etwas Besonderes!! Ich bewundere dich - schon allein dafür, dass du ein Studium begonnen hast!! Du hast doch die gewisse Stärke!!

Viele Grüsse,
butterfly

25.07.2002 13:40 • #8


Gast


Hi butterfly

ich schreibe schmunzelnt diesen text weil ich deine idee im kopf habe nämlich sich mit phobikern zu treffen das würde super komisch sein(ich bin am lachen)Danke das du mich zum lachen gebracht hast. jetzt sehe ich wie lächerlich diese krankheit ist!! menschen haben vor menschen angst weil sie vermeintlich denken nicht kompetent genug zu sein! mit meiner freundin ist es so eine sache denn sie ist auch nicht so selbstsicher und da muss ich selber stark sein und ihr mut machen.was würdest du machen wenn dein freund sophobiker ist! ich denke ich kann und darf ihr es nicht anvertrauen denn ein kämpfer darf niemals seine schwachstelle zeigen und die kunst ist diese stelle perfekt zu verbergen.viele menschen sind doch unsicher! ein chef einer firma muss doch auch manchmal entscheidungen treffen obwohl er nicht 100% sicher ist er kann ja nicht ständig sagen wie unsicher er eigentlich ist er würde belächelt werden mann muss halt die angst überspielen bzw überwinden. Wenn wir diese rolle des selbstsicheren menschen sehr oft spielen kann es doch sein das wir später wirklich so werden!! was denkst du? (butterfly ich denke immer wieder das ich mit meinem ebenbild kommuniziere! ) Ich bin seit 1jahr in behandlung und nehme gelegentlich beruhigungstabletten wenn ich zb zu meiner freundin fahre die eine grosse familie hat,denn da werd ich immer abgefragt wie es so läuft mit meiner uni denn das ist ein schwarzer fleck in meiner vergangenheit ich hab das abi erst mit 23 gemacht also 4jahre zu spät. und manchmal denke ich ich verdiene es gar nicht auf die uni zu gehen(da sind wieder diese verfluchten gedanken!) ich kämpfe täglich gegen diese krankheit z.b war ich in der disco und habe getanzt(was für ein akt lach) oder arbeite als imbissverkäufer oder in einem kiosk nebenbei was arbeitest du eigentlich? du schreibst du bewunderst mich das ich alltägliche dinge tue danke( siehst du wir bewundern uns weil wir dinge tun die eigentlich selbstverständlich sind! ist das nicht traurig?)

liebe grüsse isa

25.07.2002 14:49 • #9


Gast


Hallo Isa,

ich tue auch alltägliche Dinge, nur den Mut, das Abi nachzumachen oder zu studieren, hätte ich halt nicht! Lass dich ruhig mal bewundern - gibt doch ein gutes Gefühl - Oder?!

Mit einem Sozialphobiker zusammen zusein?! Hhm...hätte Vor- und Nachteile! Vorteile wären die ganzen Situationen, die man gemeinsam durchstehen könnte...dass man zusammen lacht und offen über die Krankheit plaudert! Dass man viel intensiver füreinander da wäre...mit mehr Gefühl im alltäglichen Leben aufeinander zugeht...und sich sicher und geborgen fühlen kann! Nachteile sehe ich im Umgang mit der Krankheit! Man würde sich vielleicht hängen lassen und nicht mehr so zum Kämpfen bereit sein, weil ja Jemand an der Seite ist, dem es genauso geht! Man würde vielleicht das gemeinsame Leben nach der Sozialphobie ausrichten?!
...und sich nicht der Konfrontation mit der Angst aussetzen!
Obwohl...eigentlich wären ja dann Beide gezwungen, sich mit allen Dingen auseinaderzusetzen, weil ja dann der gewisse "stärkere" Partner fehlt...der viele Dinge erledigen könnte! Man könnte quasi seine Vermeidungsstrategien nicht mehr anwenden!
Hhm...eigentlich nicht schlecht!!
Naja...alles momentane Illusionen!

Könntest du dir vorstellen, irgendwann diese Krankheit zu akzeptieren? Wenn du merkst, dass es vielleicht keine Hoffnung gibt, dass man wirklich sein Leben lang damit auskommen muss?
--- Merke plötzlich wie innerlich eine Wut aufkommt, denn ich möchte gar nicht diesen Gedanken zu Ende bringen ... ich will nicht mein Leben damit "leben" müssen! ---

Hast du das Gefühl, dass dir andere Leute etwas anmerken?
Also ich denke, ich kann es ganz gut verbergen! Wenn ich merke, dass es absolut nicht geht, dann schleiche ich mich meist aus diesen Situationen...

Ich staune immerwieder, wenn mir Jemand sagt, dass ich ein toller Mensch bin! Kann ich immer nicht glauben, aber da es mehrere Leute über mich denken...darf ich es mir vielleicht auch annehmen?! Schon komisch - andere Mädels würden gleich ihr hübsches Näschen höher tragen...und ICH?! Ich zweifle an solchen Worten...meist tu ich es als Schmeichelei ab und vergesse es schnell wieder...so als wäre es nie gesagt wurden!!

Weisst du, wir sind eigentlich unsere schärfsten Kritiker!! Wir achten so sehr auf unser korrektes Handeln, dass wir schon fast vergessen, unser Leben frei zu geniessen?!
Wir denken auch noch im Nachhinein so viel über die Vergangenheit nach...über Dinge, die manchmal schon Jahre zurückliegen...und wir können es einfach nicht abstellen?!
Du hast ein Problem mit deiner Vergangenheit und ich bekomme auch immer eine Krise, wenn ich über Alles nachdenke!

Ich nehme seit paar Wochen das erste Mal Antidepressiva "Seroxat" und habe wahrscheinlich auf ein Wunder gehofft!! Es ist alles noch ziemlich normal - halt wie immer! Der Unterschied zu vorher ist nur, dass ich intensiver träume und oft müde bzw. unkonzentriert bin! ...und dass ich etwas gefühlskälter geworden bin!!
Vorteil an den Medikamenten ist nur, dass man tiefer schlafen kann und nicht immer grübelt und zuviel nachdenkt! Man sieht alles etwas leichter!!

Man "wurschtelt" sich halt durch's liebe Leben!! *g*

Wünsch dir noch einen schönen Abend!!

Liebe Grüsse,
butterfly

25.07.2002 19:55 • #10


Gast


Hallo butterfly

ist gut gemeint mit diesen bewunderungen aber wie du weist reagieren wir auf lob meistens negativ weil wir uns ja nicht lobenswert finden! es ist zum verzweifeln! ich möchte auch nicht mit dieser verdammten krankheit leben,(manchmal denke ich das es eine charaktereigenschaft ist mit der wir halt auskommen müssen ich weiss auch nicht!) diese schei. ist wie mein schatten! wir sind wirklich sehr sehr selbstkritisch ich denke auch immer wieder nach was ich vermeintlich falsch gemacht habe und was jetzt die anderen von mir denken! wir richten unser verhalten vollkommen an andere und somit verkrampfen wir. Butterfly wir sind noch so jung und haben solche selbstzweifel anstatt ausgelassen zu leben kümmern wir uns wie wir uns verhalten sollen schei.! bald wird das leben so wieso vorbei sein! Medikamente sind manchmal ok aber sie werden uns nicht zu anderen menschen machen ich habe gewissensbisse wenn ich welche nehme dann denke ich wie armselig ich bin muss chemie nehmen um etwas durzustehen! ich denke oft nach woher diese krankheit kommt und ich denke zu 30% karakter, 50% erziehung und 20% weiss ich nicht. was denkst du? meine wut auf mich ist wirklich sehr gross ich hasse mich oft! was ist es das uns hindert so zu sein wie wir wollen! was fehlt uns?(immer wieder die selben fragen).

butterfly trotzdem bin ich der meinung das wir diese krankheit auf ein minimum verdrängen können also der kampf wird immer weiter gehn(mit gottes hilfe!)
bis bald
liebe grüsse isa

26.07.2002 12:49 • #11


yvi


Hallo Butterfly,

ersteinmal vielen Dank für Deine Mail, Du hast mir sehr weitergeholfen! Ich bin heute beim Arbeitsamt gewesen und habe mich sozusagen geoutet! Die Trainingsmaßnahme habe ich wegen dieser Angst nicht mitgemacht. Tja, das war alles voll unangenehm.

Habe mir extra noch aus dem Internet was über die Sozialphobie ausgedruckt und meinem Arbeitsvermittler überreicht! Dann mußte ich nur noch heulen, ich konnte nichts mehr sagen! Echt voll peinlich gewesen. Mein Freund war auch mit, er mußte für mich reden. Ich konnte noch nicht einmal mehr unterschreiben, so habe ich gezittert!

Mein Arbeitsvermittler hatte erst Verständnis dafür! Später wollte er es nicht so recht glauben, weil ich mich am Telefon sehr selbstbewußt anhöre! (Bin ich auch, aber nur am Telefon) So bald ich der Person gegenübersitze ist es wieder anders! Jetzt will das Arbeitsamt ein psychologisches Gutachten erstellten! Hast Du Erfahrung damit? Oder soll ich lieber zu meinem Hausarzt gehen?

Wie war das denn bei Dir? Bist Du als erstes zu Deinem Hausarzt gegangen oder hast Du Dich Deiner Familie anvertraut?

Für mich war das heute ein sehr großer Schritt, den ich Dir zu verdanken habe! Du hast mich sehr ermutigt. -DANKE! Ich werde genau wie Du auch gegen die Krankheit ankämpfen und nicht aufgeben. Ich bin erleichtert, daß ich nicht alleine bin. Ich wohne übrigens in der Nähe von Itzehoe! Und Du?

Bis bald

Yvi

26.07.2002 17:11 • #12


Gast


Hallo Yvi,

ich bin verdammt stolz auf dich!
Ich habe schon befürchtet, dass du dich nicht mehr melden würdest!!
Super! Glaub mir, durch das Gutachten bekommst du weiterhin dein Geld und vielleicht hast du auch Chancen auf eine stationäre Behandlung!

Wenn dein Freund dir beigestanden hat, dann nehme ich mein Vorurteil zurück!! Finde ich klasse von deinem Mann!!

Ich hatte mit 12 Jahren große Probleme in der Schule...mir wurde schlecht, ich kippte ohne Gründe bewusstlos um...hatte Fieber über 40!!
Jedesmal war ich beim Arzt und jedesmal ging es mir am Abend meist wieder besser! Nur Kopfschmerzen verfolgten mich schon immer! Nach einem gründlichen Check der Ärzte wurde festgestellt, dass ich absolut gesund bin! In den darauffolgenden Jahren spürte ich, dass es eine Art "Angst" war - ich vertraute mich meinen Eltern an!
Sie konnten nichts richtig glauben - also lief ich allein durch die Welt!
Irgendwann machte ich einen Suizidversuch und ging freiwillig in eine Klinik! (für einige Monate) ... die Ärzte konnten keine richtige Diagnose stellen! Ich lief von einem Psychologen zum Nächsten und erst vor kurzer Zeit erfuhr ich von dieser Sozialphobie! Seitdem glaubt mir meine Familie VOLLSTÄNDIG! Und auch die Suche nach Ärzten scheint nun erfolgreicher zusein!

Man darf nur nicht aufgeben!
Man muss zu dieser Krankheit stehen und sich gegenüber ehrlich sein - ob man nun mal schwach oder stark ist - hauptsache sich und den liebsten Menschen gegenüber einen ehrlichen Umgang wahren!

Ich finde es übrigens echt gut, dass du gleich einen Ausdruck darüber zum Arbeitsamt mitgenommen hast!!

Also du kannst mir jederzeit schreiben...ich habe zwar jetzt Urlaub, aber ich werde immermal reinschauen! (ins Forum)

Also mach weiter so und vertrau dich ruhig deiner Familie an - es ist schließlich normal!

Dieses Zittern kenne ich nur zuuuu gut! Aber was soll's ... es sind halt auch eine Art Gefühle, die der Körper ausdrückt!!

Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und diese Kraft, die du gerade hast!

Liebe Grüsse,
butterfly

(Ich komme aus der Nähe von Nürnberg)

26.07.2002 18:13 • #13


Gast


Hallo Isa,

du klingst andauernd verzweifelt!
Sieh dich um - ist das Leben nicht trotzdem SCHÖN?!
Fährst du nicht dieses Wochenende wieder zu deiner Freundin?! Dann hast du wieder deinen geliebten Menschen an deiner Seite ... kannst sie umarmen und für sie da sein!! Das ist doch super!
Weisst du eigentlich, wieviele Menschen allein sind - das muss erst traurig sein!!

"Gottes Hilfe" - sorry, aber daran glaube ich nicht!! Wenn es einen Gott gäbe, warum tut er uns dann soviel Schlechtes an?! Warum wreden dann soviele Menschen krank - sterben - Kriege - Hungersnot ...
WARUM?!

Ich glaube an Niemanden - nur an mich und meine eigene Kraft!!
Ich glaube an den Willen des Menschens und an die Kraft von uns selbst!!

Du studierst - ich hatte den Mut nicht! Aber du zeigst mir, dass es geht!!

Irgendwie bekommen wir das schon hin! Nur Mut!! Wir sind jung und haben das ganze Leben noch vor uns! Vielleicht sitzen wir im Alter im Kreise unserer Familie und können über unsere jetzigen Sorgen lachen...weil wir es dann geschafft haben und diese Sozialphobie zur Vergangenheit & wertvollen Lebenserfahrung zählt?!
Was denkst du darüber?!

Wir werden mal ein riesiges Treffen ausmachen und dann können wir uns alle mal kennenlernen - alle kleinen Angsthasen aus diesem Forum!! Wäre doch wirklich mal super!! Irgendwo in einer Stadt inmitten von Deutschland?!
Und dann lachen wir mal richtig kräftig, denn ich glaube, wenn wir uns dann sehen würden, hätte Niemand vom Anderen vermutet, dass ihn diese Krankheit plagt?!

So, ich wünsche dir ein interessantes Wochenende! Genieße jede Minute und immer positiv denken!!

Liebe Grüsse,
butterfly

26.07.2002 18:23 • #14


Gast


Hi butterfly,

wie geht es dir? (abgesehen von der krankheit natürlich) das wochenende war schön , war auf einer veranstaltung gewesen habe dort an einem verkaufsstand verkauft!! diese krankheit ist umso stärker je passiver man sich verhält! ich musste mich wirklich überwinden kennste ja aber dann hat es geklappt. Die frage nach gott ist ein heikles thema aber ich denke man verliert nichts wenn man an ihn glaubt es tut manchmal gut glaube ich. und warum menschen krank werden oder sterben ist biologisch wie du weisst erklärbar alles hat seine gründe wie auch unsere krankheit! naja lassen wir die religion beiseite, ich finde einen vorschlag mit dem treffen super wäre bestimmt ein ereigniss soviele phobiker auf einem haufen! butterfly aus deinen texten vermute ich das du dich in den letzten stadien dieser krankheit dich befindest weiter so!

liebe grüsse isa(gehe bisschen das wetter geniessen)

29.07.2002 16:28 • #15


arielle


hallo butterfly,

ich möchte dich gerne mal fett loben:
du bist wirklich sehr einfühlsam ,
und mir gefallen deine beiträge sehr gut.
darin steckt immer soviel hoffnung ...einfach schön.
mach bitte weiter so,
denn ein so positives auftreten können wir paniker hier sehr gut gebrauchen.

so, das musste mal gesagt werden,
viele liebe grüße und beschwerdefreie,sonnige tage,
schielaa

29.07.2002 23:27 • #16



Dr. Reinhard Pichler