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NX2000

NX2000
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Ich schreibe schon seit vielen Jahren immer wieder. Besonders intensiv wird das Schreiben allerdings dann, wenn es mir schlecht geht.

Es ist für mich eine Möglichkeit, zu verarbeiten und festzuhalten, was mich in den dunkelsten Stunden meines Lebens aufsucht. Vielleicht auch der Versuch, mit Worten zu beschreiben, was sich eigentlich nur fühlen lässt.
Wofür ich das tue, weiß ich selbst nicht so genau.

Vielleicht, damit ich selbst oder irgendwann ein anderer Mensch einen solchen Moment ein Stück weit nacherleben kann. Damit etwas, das sonst nur in mir existiert, für einen Augenblick auch für jemand anderen erfahrbar wird.

Und vielleicht bin ich dadurch in diesem Moment und mit diesem Erleben ein kleines bisschen weniger allein.

Ich möchte hier einige dieser Texte teilen. Sie sind sehr persönlich und im Moment mitunter ziemlich dunkel. Ich weiß nicht genau, was ich mir davon erhoffe. Vielleicht einfach ein wenig Resonanz, einen Gedanken oder ein Gespräch, das sich daraus ergibt…

Hier mal ein erster Text:

Camera Obscura
Ich sitze im Zug, die Welt zieht am Fenster vorbei und ich frage mich, wie wirklich die Wirklichkeit tatsächlich ist – und was sie ist.
Ich glaube, ich sehe sie gerade sehr eingetrübt und sehr eng – sowohl räumlich als auch zeitlich – wahrscheinlich ist sie viel größer, als das, was ich wahrnehmen kann – und wahrscheinlich auch ganz anders, als meine aktuelle Situation es mir erlaubt, sie zu sehen.
Aber wie relevant ist das schon – wenn eine objektive Realität für mich so wenig Bedeutung hat, ist sie dann wirklich wichtig?
Die Welt ist so groß – und doch ist mein Zugang zu ihr gerade so beschränkt – und ich bin gefangen in mir selbst, in einem Unvermögen, aus der Schwärze meiner Gedanken herauszutreten, mehr zu sehen als einen Strudel von Verlust und Schmerz.

• • 14.10.2026 x 4 #1


7 Antworten ↓

Hermit
Danke für den Einblick in dein Seelenleben!

Es ist leider immer schwierig dazu etwas Passendes zu sagen, selbst wenn man selbst unter Depressionen leidet. Ich kann dir jedenfalls sagen, dass ich mich in deinen Gedanken teilweise wiederfinde. Sie zeugen außerdem von einer hohen Selbstreflektion, da du dir ja bewußt darüber bist, wie stark dein aktueller Zustand deinen Blick auf die Welt verzerrt. Das alleine kann schon etwas Wert sein, um nicht in die Falle zu tappen, depressive Gedanken für objektive Wahrheiten zu halten.

Ich wünsche dir, dass du das Tal möglichst schnell wieder verlassen kannst

• x 3 #2


A


Was sich schwer in Worte fassen lässt

x 3


NX2000
Vielen Dank für deine aufmerksamen Worte.

Du hast tatsächlich einen wichtigen Punkt angesprochen.
Ich bin nicht immer depressiv gewesen und kenne die Welt durchaus auch anders. Mir ist bewusst, dass sie viel größer, vielfältiger und wahrscheinlich auch schöner ist, als ich sie momentan wahrnehmen kann.

Was ich mit dem Text auszudrücken versuche, ist aber gerade diese Diskrepanz: Ich weiß das alles – nur erreicht es mich emotional nicht mehr. Die Welt ist noch da, aber vieles von dem, was sie einmal für mich bedeutet hat, fühlt sich inzwischen bedeutungslos an.

Dieses Wissen um eine andere Wirklichkeit macht sie leider nicht automatisch wieder zugänglich. Und das an sich fühlt sich schon fast wie ein Versagen oder manchmal auch wie ein Spott an - weil einfach Wissen und Fühlen so weit auseinander liegen.

• x 1 #3


NX2000
Auch dieser Text ist unter dem Eindruck einer Depression entstanden:

Sleeper
Einem Schlafwandler gleich schleiche ich durch mein Leben – nur nirgendwo anstoßen, nur nirgendwo hinblicken. Die Augen ganz fest geschlossen halten – mit aller Kraft!
Nur nicht die Erinnerung wecken, die in den kleinsten Dingen auf mich lauert – einem Bild, einem Geruch, einem Lied, dem Klingelschild oder auch nur an der Straßenecke.
Ich schleiche auf leisen Sohlen vorsichtig einen Fuß vor den anderen, gewahr dem Abgrund rechts und links, ohne Ziel und ohne Start ins Ungewiss – nur noch einen Schritt – und dann noch einen.
Bis ich wieder lebe – oder falle.

• #4


Hermit
Ich habe seit Jahrzehnten chronische Depressionen, daher ist die Erinnerung an wirkliches Glück und unbeschwertes im Moment sein etwas verblasst. So etwas erlebe ich leider sehr selten. Öfters mal in meinen Träumen, aber im Wachleben eher selten.

Darf ich dir eine persönliche Frage stellen?

Welche Erinnerungen möchtest du vermeiden? Sind es die Erinnerungen an dein Leben ohne Depressionen, die dich traurig machen würden. Oder sind es Erinnerungen an vergangene Schicksalsschläge, die Mitauslöser für deine Depressionen waren?

• x 1 #5


NX2000
Danke auch für deine Offenheit. Dass du schon so viele Jahre mit Depressionen lebst, hat mich nachdenklich gemacht. Ich stelle mir das sehr schwer vor. Besonders deine Bemerkung, dass die Erinnerung an unbeschwertes Glück langsam verblasst, hat mich berührt.

Ich habe etwas über deine Frage nachdenken müssen - und ich glaube, dass es Erinnerungen an mein Leben vor den Schicksalsschlägen und damit vor der Depression sind die ich versuche zu vermeiden. Diese Zeit scheint mir sehr fern und für mich so unerreichbar geworden zu sein, dass allein die Erinnerung daran einmal glücklich gewesen zu sein so schmerzhaft ist, dass mein heutiges Ich mit aller Kraft versucht sie zu vermeiden - einfach nicht mehr daran zu denken - so als würde gar keine Vergangenheit existieren - und eben auch keine Zukunft; weil es auch hiervon keine attraktive Vorstellung gibt. Einfach nur ein diffuses „jetzt“ irgendwo zwischen den Welten. Ohne Plan und ohne Ziel…

• #6


NX2000
Dieser Text ist in einer meiner dunkelsten Phasen entstanden. Er beschreibt Gedanken an Verzweiflung, Erschöpfung und das Aufgeben.

Persistence
Manchmal frage ich mich, warum ich noch da bin, warum ich nicht einfach verblasst und verschwunden bin. So wenig hält mich hier noch und mich zusammen. All das was mich ausmachte, all die Freunde, das Lachen, Optimismus, Hoffnung und das Licht sind verweht, wie Funken im Sturm - und geblieben ist nur Dunkelheit und Stille. So tief und schwarz, dass sie mich in einen Strudel und immer tiefer zieht. Doch ich schlage nicht auf… verwundert und beinahe enttäuscht stelle ich fest, dass eine Kraft ganz tief in mir existiert, die verzweifelt die letzten Fasern meiner selbst zusammenhält, das letzte Loslassen verhindert und mich tapfer und immer zurück in Richtung der Helligkeit zieht - zurück in ein Leben, das ich so nicht gewollt habe und von dem ich nicht weiß, wie ich es ertragen soll. Und so bin ich mir plötzlich selbst nicht sicher, ob ich wagen sollte zu schauen, wo es mich hinbringt - oder darauf hoffen, dass es bald einfach verschwindet und ich mich endlich fallen lassen und verschwinden kann.

• x 2 #7


Hermit
@NX2000

Es ist schwer, aber es gibt auch "gute" Tage. Ich habe das Glück, dass die Medikamente bei mir ziemlich gut wirken und die schlimmen Tiefphasen dadurch eher kurz ausfallen. Leider helfen sie nicht gegen die immer latent vorhandene chronische Depression, deren Symptome aber wenigstens wesentlich schwächer sind, als in akuten Episoden.

Danke für deinen neuen Text. Ich musste selbst in den letzten 5 Jahren zwei Schicksalsschläge ertragen, die nicht wirklich zu verarbeiten sind. Sie waren bei mir nicht der Auslöser für meine Depressionen - dieser liegt viel weiter zurück - aber sie haben alles schlimmer gemacht. Insbesondere in Hinblick auf Schuldgefühle und die Frage, was ich hätte besser machen können. Ob ich es hätte verhindern können, wenn ich mich anders verhalten hätte.

Darf ich dich fragen, ob du Unterstützung im Verarbeiten der Schicksalsschläge und deren Folgen hast? Du musst natürlich nichts dazu sagen. Die Frage, ob sowas möglich/sinnvoll ist, ist immer ganz individuell. Ich bin ein Mensch, der immer versucht alles mit sich selbst auszumachen und sich schwer damit tut Hilfe anzunehmen. Trotzdem bin ich froh, dass ich wenigstens etwas Hilfe in Form von Medikamenten habe.

• #8





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