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U

4uhr
Mitglied

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Hallo zusammen, mir geht es gerade nicht sehr gut und ich muss mir ein paar Sachen von der Seele schreiben.

Seit etwa einem Jahr bin ich wieder in einem ziemlichen Tief drinne. Mache jetzt fast 6 Jahre Therapie, nehme auch genauso lange Antidepressiva (mit einer kleinen Unterbrechung). Ich merke, dass manche Dinge in meinem Leben sich bessern (mein Umgang mit Problemen und meiner Erkrankung zum Beispiel) und dafür andere deutlich schlechter werden (Beziehungen, finanzielle Lage unter anderem).

Ich frage mich eigentlich schon mein ganzes Erwachsenenleben, aber besonders die letzten Wochen, wie ich noch weitermachen soll. Für mich kommt S*izid (darf man das hier ausschreiben/ansprechen?) aktuell nicht in Frage, aber ich habe auch keinen Grund am Leben zu bleiben. Das ist eine super frustrierende Situation.

Meine Freunde und Angehörigen sind da keine große Hilfe. Es gibt die, die großes Glück hatten und mir eher aus Hilflosigkeit einreden, dass das Leben für mich irgendwann wahrscheinlich bestimmt hoffentlich leichter wird. Und die, die schon seit mehreren Jahrzehnten mit der gleichen Thematik wie ich jetzt zu tun haben und mir sehr detailliert erzählen können, dass mit der Zeit eher noch mehr Schwierigkeiten dazu kommen.

Zum Glück bin ich nicht 100% meiner Lebenszeit unglücklich. Aber es für die 5%, die gut sind, auszuhalten ist so verdammt schwer. Und ich weiß einfach nicht, wie ich das alles noch länger aushalten soll. Mit meinem Therapeuten bin ich an sich zufrieden, aber als ich das alles angesprochen habe, sagte er, es werde nie leichter, nur anders. Nur ist es letztendlich doch egal, weswegen ich mich genau um 4 Uhr morgens in den Schlaf weine, alles was ich höre ist, dass ich das für den Rest meines Lebens immer wieder durchmachen muss, egal was ich tue. Was mache ich denn jetzt nur?

22.01.2026 #1


sandracookie
Huhu, erstmal tut mir leid zu hören, dass es dir zur Zeit nicht gut geht.
Ich kenne solche Phasen auch, aber es gibt wirklich ganz viele Stellschrauben/Ansätze, die etwas bewirken können.
Ich liste mal etwas auf. Vieles kennst du vielleicht schon, aber oft gibt es auch Dinge, auf die man nicht automatisch hingewiesen wird, trotz langjähriger Erkrankung und vielleicht ist dadurch was Neues dabei...

-Blutwerte/Nährstoffe abklären lassen (Eisen, Vitamin D, Folsäure, Schilddrüse mit TSH, T3 und T4)
Ein Mangel hier kann negativ beeinflussen und sogar auch Ursache der Symptome sein

-Weitere intensivere Behandlungen als ambulante Therapie und Medikation:
Stationär/Klinik; teilstationär Tagesklinik

-Den Tag strukturieren/planen

-Entspannungsverfahren (hier muss man ganz klein anfangen, wenn man sowas nicht gewohnt ist)

-Den Fokus bewusst auf die positiven Dinge legen mit Hilfe von Achtsamkeit, Journaling und Dankbarkeit
Bei diesem Punkt gehe ich jetzt etwas näher ein, auch auf das, was dein Therapeut gesagt hat:

Zitat von 4uhr:
es werde nie leichter, nur anders.

Diesen Spruch höre ich zur Zeit oft von meinem Umfeld und zwar im Kontext auf das Großziehen von Kindern😅
Irgendwie ist etwas dran, aber irgendwie hat es auch etwas demotivierendes, wie in deinem Beispiel, wenn man sowieso schon in einem Tief ist und dazu neigt alles negativ zu sehen.
Letztendlich geht es aber bei dem Spruch nicht darum, dass wir allem hilflos ausgeliefert wären und es nie besser würde, sondern darum sich bewusst zu machen, dass es ein rein glückliches Leben mit immer passenden Umständen nicht gibt - bei niemanden.
Es wird immer Probleme/Hürden geben, weshalb es einem oft schwer vorkommt, aber an dieser Stelle kommt das Thema Achtsamkeit/Dankbarkeit ins Spiel.
Du kannst dich (am besten täglich schriftlich) fragen:
1) "Wofür bin ich heute dankbar?" bist 2) "Was ist mir heute gut gelungen?"
Hab ich übrigens aus der Tagesklinik übernommen diese Fragen und so nervig es manchmal auch war, das 6 Wochen täglich in der Abschlussrunde durchziehen, hat es im Nachhinein tatsächlich mehr bewirkt, als mir zunächst bewusst war.
Zwei andere wichtige, aus meiner Sicht hilfreiche Fragen, sind:
1) "Was brauche ich gerade?"
2) "Was tut mir gut?"
Damit wirst du dir deiner eigenen Bedürfnisse besser bewusst, die wir Menschen oft unterdrücken, weil wir uns zu sehr anpassen wollen oder es schon als Kinder verlernt haben dem Nachzugehen, weil es mit negativen Erfahrungen in Verbindung stand.

Diese Ansätze klingen total banal, aber mir geben sie sehr viel, wenn ich das regelmäßig mache. Das Gehirn gewöhnt sich daran und je öfter man solche Kleinigkeiten übt, desto schneller und besser kommen auch positive Antworten mit denen der Blickwinkel wieder erweitert wird. Man sieht dann plötzlich wieder Möglichkeiten, die vorher nicht da waren.

x 5 #2


A


Ich weiß nicht, wie/warum ich weiter machen soll

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Greta__
Guten Morgen.

Da spricht leider die Depression. Denk bitte daran, dass ist die Krankheit, nicht du.

Evtl. ist das Antidepressiva nicht das richtige? Da würde ich Rücksprache halten, evtl. Dosis verändern oder ein Wechsel.

Tagesklinik / stationäre Therapie / Reha / Selbsthilfegruppe.

Ich wünsche dir gute Besserung 🌼

x 4 #3


Darkshadow
Hallo 4uhr,

mir tut es auch sehr leid für dich, dass es dir gerade so geht.

Ich kann mich dem voll und ganz anschließen, was hie schon von @greta_ und @sandracookie geschrieben wurde:
Da spricht gerade ganz heftig die Depression aus dir. In schweren depressiven Phasen sind auch lebensmüde Gedanken leider ganz oft mit dabei, man mag einfach nicht mehr und sieht keinen Sinn mehr. Das ist aber die Erkrankung, die dir da eine schwarze Brille aufsetzt, und du siehst fast alles nur noch durch diesem schwarzen
Schleier. Aber dieser Schleier ist nicht die Realität, das ist die Erkrankung.

Für mich war und ist es in diesen Phasen wichtig, mir vor Augen zu halten, dass ich vor allem meinen Umgang mit den Dingen, die mir im Leben so passieren, ändern kann. Ich kann durch Therapie lernen, resilienter zu werden. Ich kann lernen, was mich innerlich so stärkt, dass ich dann mit dem, was mit im Leben so passiert, besser umgehen kann.
Und ja: Manchmal dauert das frustrierend lange, das habe ich auch schon so erlebt.
Ich bin selber auch schon sehr lange in Therapie, und selbst nach all der Zeit habe ich immer noch viele „Baustellen“ und Probleme.
Und ganz oft habe ich mir auch gesagt: „Das muss doch irgendwann mal besser werden.“ Aber irgendwann hat sich bei mir der Schalter umgelegt, und ich konnte klarer sehen, an welchen Stellen ich tatsächlich schon Fortschritte gemacht habe.

Ja, da gibt es auch noch viele „Baustellen“, aber ich stehe nicht mehr dort, wo ich am Anfang stand.
Ich habe mit der Zeit besser gelernt, unterscheiden zu können zwischen dem, was ich verändern kann und dem, was ich akzeptieren lernen muss.
Und ich habe gelernt, besser erkennen zu können, an welchen Stellen ich Einfluss darauf habe, für mich etwas zum Positiven verändern zu können.

Es gibt Tage, da gelingt mir das besser, und es gibt Tage, an denen gelingt mir das weniger gut. Aber auch mit diesen schlechten Tagen habe ich mit der Zeit gelernt, einen besseren Umgang zu finden (und sei es nur, einfach in die Akzeptanz zu kommen, dass es eben solche Tage gibt, an denen es einfach nur darum geht, irgendwie durchzuhalten und sich auf die Basics zu konzentrieren).

All das hat sehr viel länger gedauert, als ich zu Beginn meiner „therapeutischen Reise“ jemals gedacht hätte.
Ich bin auch heute noch immer wieder erstaunt, wie viele Baustellen ich noch habe, trotz all der Therapie, und ich weiß, dass mein Weg noch lang sein wird.
Aber irgendwann haben sich im Kopf ein paar Dinge sortiert, verknüpft und neu strukturiert. Irgendwann haben sich ein paar Erkenntnisse tiefer verankert.

Anfangs dachte ich auch, dass man doch irgendwann mal „fertig“ sein müsste mit den Problemen und den Symptomen, aber inzwischen sehe ich das anders und weiß, dass es ein solches „fertig“ eigentlich nicht wirklich gibt, man entwickelt sich einfach kontinuierlich weiter.
Und : Es ist jetzt ok für mich, dass das so ist.

Wichtig ist meiner Meinung nach, dass man auf dem Weg bleibt, dass man immer weiter an sich arbeitet, gerade auch (und vor allem) an den Tagen, an denen es irgendwie aussichtslos erscheint. Therapie ist ein echter Marathon, der sich über Jahre und Jahrzehnte erstrecken kann, mit besseren und schlechteren Abschnitten.

Das Ziel ist nicht, keine Baustellen mehr zu haben, sondern einen besseren Umgang mit dem zu finden, was einem im Leben so begegnet.

Ich würde dir auch raten, über einen Klinikaufenthalt oder andere zusätzliche ambulante Angebote nachzudenken. Ich glaube, dass dir zusätzlicher therapeutischer Input helfen könnte, andere Perspektiven, andere Meinungen, andere Methoden kennenzulernen, um deine Resilienz weiter ausbauen zu können.
Eine Klinik bietet den Vorteil, dass du dich dort intensiv mit vielen Mitpatienten austauschen kannst, die in einer ähnlichen Situation sind wie du.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft für deinen weiteren Weg 🍀! LG

x 6 #4


A
@4uhr

Ich kann dich sehr gut verstehen!


Und ich hatte die letzten Wochen auch öfter an S.... gedacht. Aber dann kamen wieder Tage wo ich denke. Das Leben selbst (dass du atmest und existierst)ist ein Geschenk dass du nur einmal bekommst....und es dann wegwerfen.

Dann denke ich wieder an Menschen die arg um ihr Leben kämpfen und alles für deins geben würden. Aber trotzdem wegen Unfall oder Krankheit sterben müssen und keine Wahl haben



Vielleicht können dir solche Gedanken auch helfen, trotzdem am Leben dran zu bleiben. Auch wenn es oft sch.... ist.

Käme es für dich vielleicht in Frage ein Ehrenamt zu übernehmen?

x 1 #5


U
Danke euch für eure Antworten. Für mich hört sich das trotzdem so frustrierend an. Ich würde schon sagen, dass mein Leben jetzt besser ist als zB. vor 10 Jahren, aber gut ist es immer noch nicht. Und ich habe keine Garantie, dass es irgendwann gut wird. Wisst ihr was ich meine? Ich denke jetzt seit über 2 Jahrzehnten fast täglich daran, wie sinnlos das alles ist. Woher weiß ich überhaupt, dass das noch meine Krankheit ist und nicht einfach eine Tatsache?

#6


User_0815_4711
Zitat von 4uhr:
Ich denke jetzt seit über 2 Jahrzehnten fast täglich daran, wie sinnlos das alles ist.

Existenzdepression? Ich habe auch eine kleine davon, aber nur eine kleine, nicht vergleichbar mit deiner Lage.
Ich kann und will dir nichts anraten, denn alle Ratschläge sind tatsächlich Schläge, wenn man tief drinnen steckt (Wovon ich nur gelesen, es aber nicht selber erlebt habe).

Na, doch eine Idee: Einfach eine Stunde nach der nächsten, ein Tag nach dem nächsten.

x 2 #7


T
Zitat von 4uhr:
Woher weiß ich überhaupt, dass das noch meine Krankheit ist und nicht einfach eine Tatsache?


Anhand deines Gefühls zu deinen Gedanken.

Fühlst du dich glücklich mit dem Gedanken, dass alles sinnlos wäre,
bist du nicht unterdrückt (depressed) von deinem Gefühl, dass dort ein Sinn sein sollte.

#8


sandracookie
@4uhr
Zitat von 4uhr:
Und ich habe keine Garantie, dass es irgendwann gut wird.

Du hast aber auch keine Garantie, dass der Fall eintritt, dass es alles so negativ und sinnlos bleibt 😉
Also nicht falsch verstehen, ich nehme deine Aussagen schon ernst und kenne solche Phasen auch von mir selbst, aber man kann den Spieß auch umdrehen und die Gedanken bewusst in beide Richtungen überspitzen, die guten, wie auch die schlechten.
Sich den positiven Dingen wieder mehr bewusst werden, kann auch eine Idee sein (Stichwort Dankbarkeitstagebuch). Manchmal ist man so im Tunnel, dass man nicht alles wahrnimmt, was bereichernd ist.
Besteht vielleicht ein Interesse an Philosophie, Religionen, Spiritualität, Glauben?
Für viele Menschen ist sowas Sinn-gebend, wenn sie sich damit befassen/danach leben.

#9


A
@4uhr

Wieso sinnlos?

Ist nicht der Sinn des Lebens auch einfach zu leben?

#10


A


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Prof. Dr. med. Ulrich Hegerl
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