Zitat von Schmetterling85: ☺ vielen Dank
Ich frage mich, wie das mit den Gruppentherapien abläuft. Die Klinik hat ja ein tiefenpsychologisches Verfahren. Darf/Soll man sich da auch vor den Mitpatienten komplett öffnen/seine Geschichte erzählen? Oder triggert es die anderen zu sehr? Wird man von anderen Geschichten getriggert? Gibt es „Regeln“ dazu?
Sehr gerne
🙂 !
Ja, es gibt Regeln, wie streng diese Regeln jeweils sind, hängt oftmals von der Station und den Krankheitsbildern ab.
Ganz generell haben viele Kliniken die Regel: Jeder ist für sich selbst verantwortlich.
Das bedeutet, dass jeder Patient für sich selber entscheidet, ob er an einer Gruppensitzung teilnimmt oder nicht. Jeder darf zu jeder Zeit gehen. Wenn also ein Patient das Gefühl hat, dass das Thema eines anderen Patienten ihn zu sehr triggert, kann/soll sie/er den Raum verlassen.
Das wirkt vielleicht gerade auf noch unerfahrene Patienten erstmal verstörend, wenn jemand während ihres/seines Themas aufsteht und geht, ist aber total normal.
Verschiedene Stationen haben verschiedene Regeln für die Themen, die in einer Gruppe angesprochen werden dürfen. Manche Stationen (Depression/ Burnout z.B.) haben weniger strenge Regeln, andere Stationen (z.B. Trauma/PTBS, Persönlichkeitsstörungen, etc.) haben strengere Regeln.
Ganz allgemein gilt oft, dass traumatische Erfahrungen nicht thematisiert werden dürfen, zumindest nicht detailliert.
Auch über selbstverletzendes Verhalten und Sui** darf oft in Gruppen nicht gesprochen werden.
Solche Themen (traumatische Erfahrungen, selbstverletzendes Verhalten, Sui**) dürfen oftmals auch nicht außerhalb von Gruppen zwischen Patienten besprochen werden, nur in der Einzeltherapie.
Ansonsten ist es so, dass es ja sehr individuell ist, was ein triggerndes Thema ist und was nicht. Darum gilt, dass jeder Patient auf sich selber achten soll.
Man kann (und soll) den Raum verlassen, wenn es einen zu sehr triggert. Oftmals soll man sich erstmal emotional regulieren und dann entscheiden, ob man zurückkommt oder nicht.
Man kann auch den Raum verlassen und sich einen therapeutischen Kontakt holen.
Oft werden Themen, die man in einer Gruppe machen möchte, vorher mit dem Therapeuten besprochen. Wenn der Therapeut das ok für ein Thema gibt, dann darf es gemacht werden.
Wer nicht teilnehmen möchte, nimmt nicht teil.
Da braucht man sich selber keine Sorgen drüber zu machen. Ob du andere Patienten vielleicht mit deinem Thema triggerst, liegt nicht in deiner Verantwortung.
Ebenso ist es deine Verantwortung, nicht an Themen teilzunehmen, die dich selber zu sehr triggern.
Jeder ist für sich selber verantwortlich.
Und wenn es doch mal passiert, dass man während eines Themas getriggert wird, dann geht man halt aus dem Raum, reguliert sich und sucht sich ggf. Unterstützung.
Um auf deine Frage zu antworten: Ja, das kann passieren. Aber das ist in einer Klinik relativ normal und nicht weiter problematisch. Man nutzt es therapeutisch im nächsten Einzelgespräch, wenn so etwas passiert.
Wie sehr du dich vor einer Gruppe "öffnest", entscheidest du. Ich würde das individuell von der Gruppe abhängig machen, da gibt es keine allgemein gültigen Regeln.
Manchmal passt es in Gruppen sehr gut mit den Mitpatienten, man vertraut sich, das Klima ist gut, dann öffnet man sich vielleicht mehr als erwartet.
Wenn allerdings Patienten in der Gruppe sind, denen man nicht traut, ist es auch völlig ok, sich weniger mitzuteilen.
Was ich dir raten würde: Wenn eine Gruppe gerade gut zusammengesetzt ist, dann nutze die Gelegenheit und warte nicht zu lange. Manchmal langt es schon, dass ein Patient abreist und ein neuer Patient in die Gruppe kommt, und schon ist das vorher vertraute Klima vielleicht dahin.
Wenn eine Gruppe gut ist, spring' über deinen Schatten, nutze die Gelegenheit, ein Thema zu machen.