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201806.02




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Hallo,

ich bin männlich, mittlerweile 40 Jahre alt und hatte in meinem bisherigen Leben bereits zwei Phasen in denen ich mit Depressionen zu kämpfen hatte. Und aktuell nun die Dritte.

Einmal mit ca. 20 Jahren. Da bin ich eines Morgens mit einem heftigen Drehschwindel aufgewacht.
Auch die Zeit vom Kindesalter an bis in die Jugend war mit Negativität geprägt wie ständiger Streit der Eltern zu Hause, Mobbing in der Schule, keine echten Freundschaften usw. In dem Umfeld, in dem ich aufgewachsen bin war das auch sehr schwierig. Es gab nicht viele Optionen, weil alles sehr ländlich war und alles sehr weit weg, wie Sportverein usw.

Hier ging auch ungefähr das Reizdarmsyndrom los in Verbindung mit Fruktoseintoleranz.

Dann mit 27 Jahren. Da hatte ich "nur" depressive Symptome. Komischerweise ohne Weinen. Bzw. ich war immer nur kurz davor beim Arztbesuch zum Beispiel. Es konnte sich aber nie richtig was "lösen".

Als ich dann meine heutige Frau kennen lernte, waren die Symptome für gut 10 Jahre vollständig weg (ausser Reizdarm).

Mit 40 Jahren, also vor rund einem Jahr kamen sie von heute auf morgen wieder. Und zwar ein paar Tage, nachdem meine Frau ins Ausland versendet wurde durch ihren Arbeitgeber. Ich blieb in Deutschland, weil ich gerade einen neuen Job anfing.

Diesmal waren Angstzustände und Heulattacken dabei sowie die Angst vor dem Alleinsein. In der Form hatte ich die beiden vorherigen Episoden nicht erlebt. Zumindest nicht bewusst.

Die Attacken kamen Anfangs nur so alle vier Wochen durch.

Nach ca. 3 Monaten war es dann so heftig, dass ich mich hab krank schreiben lassen und ich habe eine Hypnotherapie angefangen. Zum Glück war da schnell ein Termin frei und die Praxis war äußerst kompetent.

Mir geht es mittlerweile wesentlich besser. Die Angstzustände sind nahezu weg. Was ich jetzt noch habe, sind Anflüge von Traurigkeit und negative Denkspiralen. Daher denke ich, wäre es sinnvoll noch eine klassische Therapie zu machen.

Noch ein Aspekt ist, dass ich es bisher geschafft habe ohne Psychopharmaka auszukommen. Hab zwar eine Packung Tavor / Lorazepam liegen, musste die aber nie anfassen.

Ich habe zwei gute heilpflanzliche Mittel, die auch ziemlich gut wirken ohne Nebenwirkung. Aber die meisten Phasen habe ich so ohne was zu nehmen durchgehalten.

Ich suche hier nach erfahrenen Patienten, die ähnliche Verläufe hatten, wie ich und ich frage mich, welche Art von Therapie ich einschlagen sollte. Hier im Ausland gibt es zum Glück auch deutschsprachige Therapieangebote. Hypnose ist hier aber unbezahlbar. 240 EUR pro Stunde...

Ich lebe seit ein paar Monaten auch im Ausland. Bin also meiner Frau gefolgt. Leider hat es die Probleme nicht aufgelöst, dass wir jetzt wieder zusammen sind. Die räumliche Trennung war also nur der Auslöser. Ich weiss aber bereits das eine emotionale Abhängigkeit zu meiner Frau entstanden ist. Ich nehme an, weil ich vor ihr keine intensiven Beziehungen und Freundschaften hatte. So ist die unbewusste Sorge, sie zu verlieren natürlich sehr groß. Wir waren fast ein Jahr räumlich getrennt und haben uns in dieser Zeit im Schnitt nur alle 8-10 Wochen gesehen. Diese Zeit war verdammt hart für mich.

Es gibt sicher viele Dinge in meinem Leben, die nie aufgearbeitet worden sind. Aber dennoch ist alles leichter, wenn man nicht allein ist und die Ehepartnerin mit eingebunden ist.

Das Problem ist, was ich festgestellt habe: Jeder Therapeut hat scheinbar eine gewisse Spezialisierung und hält Variante XY für die beste Methode. Darum will ich lieber im Vorfeld etwas über Therapiemethoden erfahren, die für solche Problemstellungen relevant sind und dann gezielt Therapeuten ansprechen, die auf dem Feld spezialisiert sind.

Meine Angstzustände kamen im übrigen "einfach so". Also aus dem Unterbewussten. Ich habe keine konkreten Ängste vor irgendwelchen Dingen, wie Fahrstuhl fahren, Fliegen oder dergleichen. Auch kann ich ganz normal Arbeiten, raus gehen, Einkaufen usw.

Kernproblem sind Traurigkeitsschübe, in denen ich aber nicht weiss, wieso eigentlich. In einer Downphase kommen dann negative Gedanken auf, wie z.B.: ich könnte meine Frau verlieren, könnte eine ernsthafte Erkrankung mir einfangen usw.

Wenn sich nichts verändert in meinem Umfeld, so tritt so ein Schub ca. alle 14 Tage auf.

Bei heftigen Änderungen, wie einer Flugreise mit hohem Zeitunterschied und dem daraus resultierenden Jetlag und Schlafstörungen, kommen Symptome verstärkt vor. Oder aber, als wir die vertraute Wohnung aufgegeben haben. Da ging es mir auch sehr schlecht. Das war aber sofort wieder weg, als die neue Wohnung eingerichtet war. Möglicherweise war das auch zeitlicher Zufall...Ist schwierig zu beurteilen.

In den letzten Tagen hatte ich dann ein altes / neues Symptom dazu bekommen: Ich bin erneut mit Drehschwindel aufgewacht. So wie vor 20 Jahren schonmal. Damals war ich im CT und es wurde nichts körperliches festgestellt. Ich gehe auch heute davon aus, dass es was psychisches ist.

Ein weiteres (neues) Symptom ist, dass ich manchmal eine Art Taubheitsgefühl am rechten Hals habe, was teils bis ins Gesicht geht. Ähnlich, wenn ein Fuss einschläft. Teils variiert das in leichtes kitzeln im Gesicht/ Bereich des Jochbeins. Mit Dehnübungen des Nackens/Halses bekomme ich das meistens weg. Auch mache ich seit ein paar Monaten Yoga.

Oder aber das hat nix mit der Psyche zu tun und ich hab mir schlichtweg einen Nerv eingeklemmt? Auch wenn die Psyche viele Symptome auslöst. Man muss ja nicht alles auf die Psyche schieben.

Findet sich hier irgendjemand wieder in der Symptomatik und kann Tipps geben?

Viele Grüße & Danke

Auf das Thema antworten


  06.02.2018 15:44  
Hallo!

Viele Deiner Sätze könnten auch meine sein. Für mich kann ich nur die Verlustängste in Bezug auf die Partnerschaft ausklammern, da ich mich oft alleine stabiler fühle. Aber ich kenne den Schwindel, ich kenne die Darmproblematik und auch ich funktioniere im Alltag wie eine eins ohne Tabletten. Natürlich läuft parallel zum Funktionieren ein anderer Film. Mir geht es meist bis Mittag schlecht. Ich wache schon auf und erschrecke, weil der Tag beginnt. In der Arbeit brauche ich lange Zeit, um anzukommen, meine Übelkeit, die Benommenheit und manchmal auch den Reizdarm im Griff zu haben. Es zehrt natürlich, wenn man den gleichen Kampf jeden Tag wieder kämpft. Wenn ich viel zu tun habe, komme ich nicht zum Denken. Kommt das Wochenende, bin ich oft so niedergeschlagen und traurig, dass ich nicht mal mehr zum einkaufen gehen kann und keinen Sinn mehr sehe. Gründe dafür weiß ich nicht. Es ist einfach da und verschlingt mich.
Nun wolltest Du ja gerne Erfahrungsberichte. Ich selbst kann sagen, dass ich für 8 Wochen in einer Klinik war und ich dort, nur beschäftigt mit mir, endlich einmal Ruhe fand und die Symptome abnahmen. Zu Hause hatte ich dann vier Jahre lang Psychotherapie. Über mich zu sprechen, auch mein Hadern mit allem und die Verzweiflung, weil es einfach alles da war und nicht weg ging, hat mir sehr geholfen. Ich war dann immer euphorisch und motiviert. Dieser Aufwind hielt sich aber nicht die ganze Zeit bis zum nächsten Termin und irgendwann fand ich auch, dass ich mich im Kreis drehte und nichts verändert habe. Da gab ich die Verhaltenstherapie auf. Damit bin ich natürlich erst recht keinen Schritt weiter.
Also ich kann für mich sagen, dass Klinik und Therapie mir viel Erleichterung verschafft haben und ich konnte mich auch weniger kritisch sehen, mehr annehmen. Wieder im Alltag und Leben gefangen, wurschtl ich mich halt so durch. Mit all den Symptomen und hoffe, nicht mehr wie 2012 mit massivem Schwindel, der ca. 4 Wochen anhielt, auszufallen. Im Nachhinein betrachtet war das damals der einzige Weg, Hilfe zu suchen. Vielleicht hilft es ja auch, sich jeden Tag eine kleine Aufgabe zu stellen, die einen fordert. Damit man wirklich stolz sein kann auf sich und sich nicht mehr vormachen kann, nichts zu können und gefangen zu sein. Ich bin nach einer OP jetzt schon eine Weile krank geschrieben und fühle mich erstmals seit Monaten wieder entspannt. Kaum Symptome, weniger Angst und mehr Freude vor allen Dingen. Aber dieser Zustand ist ja nicht von Dauer. Schick Dir Grüße

Danke1xDanke




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  06.02.2018 15:53  
Hallo, vielen Dank für dein Feedback.

Wie hieß die Therapieform in der Klinik, die du gemacht hast?



  07.02.2018 15:47  
Hallo! Ich war dort wegen psychosomatischen Schmerzen. Die Einzeltherapiesitzungen waren vermutlich aus der Verhaltenstherapie. Und es gab noch Gruppensitzungen, bei denen Probleme je nach persönlicher Problemstellung oder auch akute Veränderungen besprochen wurden. Aber auch da profitiert man dann oft von der Mitarbeit, auch wenns gar nichts mit der eigenen Baustelle zu tun hat. Mir gings halt so und ich denke, intensiver in so kurzer Zeit kommt man an die eigenen Punkte gar nicht ohne Klinik. Ich hatte ja den Wunsch schnell was zu verbessern. Da war das dann ideal.
Grüsse

Danke1xDanke

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