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201508.05




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Schweiz
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1, 2  »
Ich habe mich entschlossen ein Tagebuch zu führen. Ich hoffe dadurch mehr Reflektion über mein Wesen zu erlangen und auch um später darauf zurückgreifen zu können.

Die letzten Tage waren hart, mein Troll hat mich sehr stark eingenommen. Wiedereinmal. Ich kämpfte mich durch die Tage auf der Arbeit und habe mich irgendwie rar gemacht. Wir hatten ein schönes Wochenende, sehr sogar. Ich konnte das erste mal nach fast 3 Jahren JA zu der Beziehung sagen. Es fühlte sich richtig an und ich spürte die Verbindung zwischen uns. Warum kann Sie nicht so sein auch wenn ich Angst habe? Sie schenkte mir Aufmerksamkeit die ich nicht einforderte. Ja ich habe die Logik dahinter durchschaut und ich hoffe in Zukunft mich daran zu erinnern. Ich neige in Angstphasen zum Klammern, Einfordern und Abhängig machen. Himmel Herrgott ich weiss es. Ich fühlte mich GUT!

Der Montag darauf war immer noch herrlich. In diesen Phasen kann ich den Frühling riechen, das Wetter geniessen und mich auf kommende Dinge freuen! Ich fühlte mich stark. Die Kopfkobold meldete sich ab und an und wie ein Tennisass konnte ich die Gedanken abschmettern und ziehen lassen. Was für ein Tag! Am Abend holte ich meine Freundin ab, sie war zickig. Kein wunder bei den ganzen SS Hormonen. Ich nahm das ganze nicht persönlich und wir hatten einen schönen Abend. Ich freute mich auf meinen kleinen der im November kommen soll.

Für einen Moment dachte ich am Dienstag ich bin geheilt von meinen Problemen. Wiedereinmal. Tja, falsch gedacht. Ich wurde nervös. Irgendetwas brodelt in mir und wurde stärker. Auf wiedersehen Ratio es hat mich gefreut. Ich weiss nicht genau was der Trigger war aber es fühlte sich schei. an. Wie es so ist wenn ich in die Angst rutsche, meine Freundin fragt gleich ob ich Angst habe. Ich war so genervt weil ich es nicht mehr hören konnte und fuhr sie von der Seite an sie solle doch nicht ständig fragen. Das Problem ist ja eig. gar nicht die Frage sondern die Erkrankung bei mir, ich will mich nicht immer erklären. Wir hatten eine schöne Diskussion und ich machte ganz zu. Tja schöne Tage vorbei. Au revoir.

Der Troll sucht sich jetzt schöne Angriffsflächen aus mit denen ich zu kämpfen habe. All diese Stärke, welche ich vor ein paar Tage hatte ist jetzt verschwunden. Ich bin kein Tennisass mehr, nicht mal ein Pingpong Ball kann ich abwehren. "na? Sind die Gefühle weg? Die kommen bestimmt nicht wieder, trenn dich, sofort". Ich will das gar nicht. "doch doch, die Liebe ist gegangen". Nein Nein Nein. Na toll, so zu arbeiten ist ätzend. Telefone klingeln und ich muss mein Kopf beieinander haben. Zu meinem "Glück" setzt sich noch die Depersonalisation ein, sehr gut nun fällt mir das Sprechen noch schwerer. Am Abend versuchte ich durch die Yogastunde etwas Linderung zu erhalten, keine Chance.

Der nächste Tag war das gleiche und ich musste bis halb 9 am Abend arbeiten. Irgendwo hatte ich noch ein Alplazoram welches mich ein wenig runterholte von meinem Karussell. Leider hilft das Zeug nicht für die Depersonalisation. Nach der Arbeit nach Hause, B. schlafen. Tolles Leben. Du solltest kein Alk. trinken in den Phasen, ja verstanden.

Nun ist Freitag und die Gedanken sind eigentlich weg, die Dep. leider noch nicht. Ich hoffe und bete dass sich meine Befürchtungen nicht bewahrheiten und ich empfinde noch etwas für meine Freundin. Ich mach mich heute nicht auf die Suche nach Gefühlen, das klappt sowieso nicht. Wie immer, seit 3 Jahren. Heute morgen fühlte ich die Verbundenheit zu meiner Freundin wieder, ganz kurz. Hab ich mir das eingebildet oder wird es langsam wieder besser?

to be continued.

Auf das Thema antworten


6707
NRW
4580
  08.05.2015 18:58  
Hallo Bilbo,
Zitat:
Ich konnte das erste mal nach fast 3 Jahren JA zu der Beziehung sagen. Es fühlte sich richtig an und
ich spürte die Verbindung zwischen uns.


Glückwunsch an Dich. Das hört sich gut an.

Zitat:
Warum kann Sie nicht so sein auch wenn ich Angst habe? Sie schenkte mir Aufmerksamkeit die
ich nicht einforderte.
Ja ich habe die Logik dahinter durchschaut


Das ist doch ein wunderbarer Schritt nach vorn, wenn Du das gespürt hast.

Zitat:
Warum kann Sie nicht so sein auch wenn ich Angst habe?


Wenn Du Deine Angst zu stark anwachsen lässt, passieren 2 Sachen gleichzeitig. Einmal werden Deine
inneren Zweifel (also Deine Unsicherheit) deutlich größer. Und gleichzeitig wird Deine Körpersprache so zurückhaltend, das andere Dich oft nicht mehr so anziehend finden. Dies zeigt Dir Dein gegenüber bewusst oder auch unbewusst. Und darauf reagierst Du dann wieder. Und so geht es ohne Worte immer hin und her. Angst entsteht auch, wenn ein Mensch nicht genug positive Signale der Körpersprache sendet.
Also versuche vieles ehern locker zu sehen. Nicht schlimm, wenn dir dadurch auch mal ein paar Fehler passieren.

Zitat:
Für einen Moment dachte ich am Dienstag ich bin geheilt von meinen Problemen. Wieder einmal.
Tja, falsch gedacht.


Bestimmt nicht falsch gedacht. Was funktioniert hat, wird wenn Du das willst, auch wieder funktionieren.
Du musst nur ständig etwas für Deine guten Gedanken tun.
Denken funktioniert bei vielen wie ein Lagerfeuer. Ständig musst Du etwas suchen, um das Feuer am
brennen zu erhalten. Legst Du nichts nach, verschwinden die angenehm wärmenden Flammen. Das Feuer
geht zwar dann noch lange nicht aus, aber es wärmt nicht mehr.

Zitat:
Hab ich mir das eingebildet oder wird es langsam wieder besser?


So, wie Du Dir Deine Ängste nicht einbildest, bildest Du Dir auch das schöne nicht ein. Vielleicht gelingt es
Dir, die starken Gefühlsausschläge etwas zu verringern. Angst ist ein Gefühl und ein Gefühl kannst
Du nicht abstellen. Du kannst aber, ja Du musst sogar immer wieder neu entscheiden, welches Gefühl in
dem Moment, wenn Du es fühlst für Dich wichtig ist, und welches ehern nicht so wichtig.
Das ist etwa so, wie wenn Du mit jemandem sprichst. Aus dem, was Dir jemand erzählt, ziehst Du doch
auch nicht nur das schlechte raus. Du bewertest doch ein Gespräch auch so, wie Du es willst, nicht
wie Dein Gesprächspartner es will.

Viele Grüße

Hotin





1720
21
Schweiz
513
  10.05.2015 13:22  
Danke Hotin, deine Worte bringen mich oft vorwärts mit den Überlegungen. Bezüglich der Abwehrenden Haltung ist mir jetzt ein Licht aufgegangen und ich kann meine Freundin besser verstehen.

Tag 2 nach dem Supergau!

Es ist Muttertag! Wir waren heute Morgen brunchen, nicht mit meiner Mutter aber mit der Mutter meiner Freundin. Es war super, Seeblick, gutes Essen, was will man mehr. Vorbei die Verkrampfung, die Lähmung und die elendigen Symptome. Wiedereinmal. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich ab jetzt mein Umfeld (nahes) über meine körperliche und geistige Verfassung informiere. Irgendwie habe ich Mühe dazu zu stehen das es wieder soweit ist. Warum? Ich weiss es nicht, vielleicht falscher Stolz? oder das ich das ganze immer noch nicht richtig akzeptieren kann.

Ich mache mir grad Gedanken wegen dieser Depersonalisation. Ich denke ich habe dies täglich, nur nicht immer so stark ausgeprägt. Wenn wir beieinander sind fast nicht, da fühl ich mich teilweise echt normal. Da mein Problem im Grunde Verlustangst ist, quält mich die Angst beim zusammen sein nicht sehr, logisch eigentlich. Sobald ich auf Arbeit gehe fängt es an, auch logisch. Dann kommt auch die Depersonalisation und ich hab meine Zeit bis ich wieder "da" bin, wenn wir uns sehen.

Wichtig zum merken: Sagen was los ist!

All die Probleme die ich mir mache während den schwierigen Phasen sind jetzt keine mehr. Ich fühle mich wohl, angekommen und zufrieden. Das Wetter ist toll, es wird warm und ich habe gerade 2 h Haushalt gemacht. Freundin schläft. Manchmal fühle ich mich wie TwoFace...Mit 2 Leben. Ich kann aber von Glück sprechen das ich Menschen um mich herum habe die meine Krankheit akzeptieren, sollte ich wohl auch endlich einmal. Ich muss einfach aufhören mein Umfeld anzupissen oder Vorwürfe machen während der Angst, grml. Die Ratio ist dann ja weg, wie soll ich mir das merken. Ich denke das Tagebuch ist ein Anfang. Ich lese während den Phasen meine Texte.

Heute ist ein guter Tag! :kichern:

Danke1xDanke


6707
NRW
4580
  10.05.2015 14:33  
Hallo Bilbo,

Kompliment zu Deiner sehr gut nachvollziehbaren Beschreibung.
Und Glückwunsch zu den weiteren Fortschritten.
Habe schon früher viel positives von Dir gelesen. Gehe Deinen Weg weiter.
Dann lässt auch Deine starke Angst etwas nach und es wird Dir immer besser gehen..

Zitat:
Ich muss einfach aufhören mein Umfeld anzupissen oder Vorwürfe machen während der Angst,


Warum während der Angst? Das sollte jeder Mensch immer machen.
Dies ist ein schwerer Verhaltensfehler von uns Menschen. Fast könnte man sagen. Zum Glück spiegeln
die Menschen sich ihr Verhalten gegenseitig.
Deshalb rede ich so oft von "Geben und Nehmen".
In den meisten Fällen reagieren Deine Mitmenschen ungefähr so, wie Du zu
Ihnen sprichst und wie Deine Körpersprache ist.

Zitat:
Die Ratio ist dann ja weg, wie soll ich mir das merken.


Du brauchst Dir da nichts zu merken. Du solltest nur anfangen, die Menschen in Deiner Nähe regelmäßig
zu beobachten. Sie entspannen sich, wenn Du ihnen entspannt begegnest. Sie reagieren ängstlich,
wenn Du hektisch und nervös bist. Sie sind unsicher und aggressiv, wenn Du unausgeglichen und
sehr fordernd auf sie zu gehst.
Und dann gibt es etwas sehr wichtiges und entscheidendes.
Wenn Du dieses Verhaltensschema kennst, lernst Du eventuell auch Deine eigenen Reaktionen
besser kennen.
Du hast fast immer drei Möglichkeiten. Das übliche ist, kommt jemand fordernd und aggressiv auf Dich zu,
wirst Du instinktiv auch aggressiv reagieren. Dies ist oft die Grundlage für Streit.
Du kannst Dich aber auch für eine zweite Möglichkeit entscheiden. Auf aggressives Verhalten kannst Du
auch ruhig und ausgeglichen reagieren.
Dies verhindert meistens, das ein Streit überhaupt erst entsteht. Es ist in der Partnerschaft häufig "Gold wert".
Leider wird diese Verhaltensweise von beiden Menschen gelegentlich als Schwäche angesehen. Das
macht das ganze etwas schwierig. Du solltest also immer bereit und in der Lage sein, wenn es erforderlich ist,
aggressiv zu reagieren, d.h. in den Kampfmodus um zu schalten. Nur so wird Deine Person richtig akzeptiert
und damit pflegst Du Dein Selbstbewusst sein.
Drittens, Du kannst auf Aggression auch gar nicht reagieren. Dies wird jedoch seltener als beruhigend empfunden.

Deshalb empfehle ich Dir probiere mit Deiner Sprache und Deinem Verhalten immer wieder verschiedenes aus.
Es ist, als wenn Du lernst, ein Musikinstrument zu spielen. Je besser Du spielst, umso mehr Zuhörer
bekommst Du.

Eine angenehme und erfolgreiche Woche für Dich

Hotin

Danke1xDanke




1720
21
Schweiz
513
  16.05.2015 09:59  
So es ist Samstag, ich lande gerade wieder auf dem Planeten Erde. Es war wohl wieder soweit, wir hatten Streit am letzten Mittwoch Abend und mein inneres Kind war danach aufgewühlt und lies sich nicht mehr beruhigen. Alle Anstrengungen haben eher das Gegenteil bewirkt, ich habe geschlafen wie schon lange nicht mehr. Dafür waren die Ängste dann im Halbwachzustand noch schlimmer. Manchmal weiss ich echt nicht weiter. Heute Morgen dann die letzten Züge der Verlustangst, wird Sie mich aufgrund der Erkrankung verlassen? Ich weiss und merke auch wie sehr sie sich nervt wenn ich in den "Phasen" bin. Ich habe Sie heute gefragt was ich machen könne das sie sich nicht nervt. Sie weiss es selber nicht. Sie nervt sich das ich das habe und nicht ab mir selber. Vielleicht muss ich mir das verinnerlichen. Ich habe versucht in den 2 Tagen Abwesenheit nicht zu klammern und auch gleich zu sagen was los ist. Für mein Umfeld ist das wohl ganz nützlich, für mich selber nicht. Ich habe auch sehr gespürt, dass ich richtiggehend "abgelehnt" wurde während der Zeit. Ich konnte es aber gut einordnen, danke Hotin. Es hat mir sehr geholfen das nicht persönlich zu nehmen. Heute Morgen als ich entspannt war kam die Kleine auf mich zu und wir waren uns sehr nahe. Eigentlich wunderbar, jedoch zu welchem Preis? Muss ich zuerst das Tal durchschreiten um dahin zu kommen? Manchmal spielt das Leben nicht fair.

Ich mache mir sehr viele Gedanken über das spiegeln von sich selber. Es hilft mir doch mehr als ich gedacht habe. Es ist jedoch noch ein langer Weg all dies umzusetzen.

Wir waren noch beim Frauenarzt für den Ultraschall, leider war ich da so abwesend und konnte mich nicht freuen. Das sind so Dinge wo ich einfach nur Hass auf mich selber verspüre, auch wenn ich das nicht sollte. Dem Kind geht es gut und dafür bin ich dankbar.

to be continued.





1720
21
Schweiz
513
  21.05.2015 08:40  
die letzten Tage waren echt schön, ich fühlte mich mit mir selber gemittet. Das Weekend war ab Samstag Angstlos und wir hatten schöne Momente. Besuch war da und wir führten gute Diskussionen. Was will man mehr.

Ich mache mir viele Gedanken wie es bei mir im Leben auszusehen hat. Wie sich diese Erkrankung weiter entwickelt und ob überhaupt eine Heilung möglich ist. Ich komme immer mehr auf den Weg dass es nicht um die Heilung geht sondern die Akzeptanz und die Integration dieser Störung. Schwierig manchmal, da ich die vielen Probleme die ich hatte gut lösen konnte. Auch wenn es seine Zeit dauerte. Diese Knacknuss ist so hartnäckig, mist.

Gestern hatte ich kurz einen Trigger. Den gleichen Trigger welcher ich schon fast 4 Jahre habe. "Die Gefühle sind weg". "Angst das die Gefühle weg sind". Da man in dem Moment diese Angst natürlich nicht neutralisieren kann häng ich nun immer noch drinnen. Die Suche nach Sicherheit geht hier nicht. Wenn ich Angst vor einer Spinne habe dann kann ich nachschauen ob sie noch da ist. Bei mir geht das nicht. Freundlicherweise hat sich die Derealisation noch dazugesellt. Hier sitz ich nun und warte ab. Ich versuche nicht zu denken, im Hier und Jetzt bleiben. Achtsamkeit sollte das Zauberwort sein, ist es auch. Ich merke ich kann damit die Stärke der Derealisation ein bisschen kontrollieren. Jaha, Hauptsache Kontrolle.

Früher als ich noch verliebt war, war es einfacher Sicherheit über die Gefühle zu haben. Da merkt man etwas, also ist es noch da. Im Laufe der Jahre verfliegt natürlich dieses Starke beständige Gefühl und ist nicht mehr so oft spürbar, ich weiss. Mir selber vertrauen, gut ich versuche es. Ich halt mich am Zipfel dass die Beziehung gut ist und ich mich wohlfühle, meistens.

to be continued..



6707
NRW
4580
  21.05.2015 11:16  
Hallo Bilbo,

schön , dass Du vorwärts kommst. Rückschläge wird es immer mal wieder
geben.
Zitat:
Ich komme immer mehr auf den Weg dass es nicht um die Heilung geht sondern die Akzeptanz
und die Integration dieser Störung.


Das wird Deine Lösung sein.
Zitat:
"Die Gefühle sind weg". "Angst das die Gefühle weg sind".


Was meinst du damit? Die Gefühle für Deine Partnerin? Die verändern sich doch im Laufe der Zeit.
Zitat:
Ich halt mich am Zipfel dass die Beziehung gut ist und ich mich wohlfühle, meistens.


Wie eng Deine Gefühle zu Deiner Partnerin sind, kannst Du doch ganz einfach fühlen. Überlege Dir bitte
mal, wie leicht es Dir fallen würde, von Deiner Partnerin weg zu gehen. Und ob Du in Gedanken dann
zufriedener und glücklicher wärst. Wie eng Deine Bindung zu ihr ist wird Du dann schlagartig merken.
Hoffentlich erschrickst du nicht.

Alles Gute auf dem Weg den Du gehst. Es wird immer besser werden.

Beste Grüße

Hotin

Danke1xDanke




1720
21
Schweiz
513
  21.05.2015 11:25  
Lieber @Hotin

Danke für deine Antwort. So einfach ist das nicht, da sich meine Erkrankung rOCD auf die Beziehung bezieht. Ich habe einen Zwang ständig über die Beziehung nachzudenken, zu Zweifeln und zu Grübeln. Es ist nicht so einfach wie du es schreibst, da die Angst die Ratio oft ausnockt.

Wenn ich eine scheinbare Lösung für meine Frage gefunden habe stellt sich nur kurz eine Beruhigung ein. Danach fängt es wieder von vorne an. Ich bin durch das OCD ständig auf der Suche nach Sicherheit. (Gefühle).

Ich weiss dass sich Gefühle verändern, nur kann ich durch die Erkrankung dies nur schwer annehmen. :-)

Tief unter all dem Zeugs ist eine Verlustangst zu finden. Und natürlich würde ich nicht glücklich sein ohne die Beziehung und es ginge mir alles andere als besser. Ohne Angst habe ich diese Zweifel auch gar nicht.

OCD einfach....



6707
NRW
4580
  21.05.2015 12:31  
Hallo Bilbo,

Zitat:
So einfach ist das nicht,


Das weiß ich doch, wollte Dir nur Mut machen.
Zitat:
Ich bin durch das OCD ständig auf der Suche nach Sicherheit.


Ich nehme das sehr ernst, was Du schreibst.
Mein Leben lang, bin ich auf der Suche nach Sicherheit. Dies scheint meine
Prägung zu sein. Von Krankheit hat mir keiner etwas gesagt.

Wenn Du Dich auch mit Deinen Fehlern so annehmen kannst, wie Du bist wirst Du sehr viel weiter
vorwärts kommen. Niemand ist ohne Schwächen und Fehler. Es gibt aber zu viele, die ihre Schwächen
nicht nur gut verstecken, sondern so tun, als seien sie bessere Menschen.

Deshalb zweifele Dich nicht so oft an sondern registriere einfach, wie Du denkst.
Zitat:
Wenn ich eine scheinbare Lösung für meine Frage gefunden habe stellt sich nur kurz eine Beruhigung
ein. Danach fängt es wieder von vorne an


Wenn Du wirklich davon überzeugt bist, das das so bei Dir abläuft, werden sich Deine Zweifel bestimmt
langsam legen. Du wirst das sehen.
Irgendwann wird es für Deine Gefühle keinen Sinn mehr ergeben, immer wieder
das gleiche zu fragen und immer wieder die gleiche Antwort zu bekommen.

Deine Gefühle sind zwar noch etwas unsicher. Du bist aber dabei ihnen
mehr Sicherheit zu geben. Das wird sich bald ganz langsam zeigen.

Viele Grüße

Hotin





1720
21
Schweiz
513
  21.05.2015 12:39  
Lieber Hotin, danke hierfür..

Ich gebe dir ein Beispiel für mein täglich Brot. Du hast mich getriggert. ;-)

Du hast geschrieben, es wäre doch so einfach zu spüren was man empfindet. Gerade in jetzigen Moment ist das nicht einfach zu spüren und schon treibt das mein Gedankenkarusell an. Sätze wie, ja wenn das so einfach ist und ich das jetzt nicht beantworten kann werden wohl keine Gefühle da sein. Schon wird meine Angst stärker.

Natürlich kannst du für meine Trigger nichts, ich will dir hiermit nur zeigen mit was ich oft zu kämpfen habe. Dieses Sicherheitsgefühl hat jeder Mensch, durch das OCD ist es einfach sehr stark bei mir. OCD nennt man auch Zweifelskrankheit. (Französischen).

Der Weg ist das Ziel und nicht das Ziel selbst. Man kann eine Schwäche des Hirns nicht durch das Hirn selber lösen. ;-)



6707
NRW
4580
  21.05.2015 13:50  
Hallo Bilbo,

Zitat:
Man kann eine Schwäche des Hirns nicht durch das Hirn selber lösen.


Und was ist, wenn Du gar keine Hirnschwäche hast?

Du schreibst immer sehr intelligent und selbstbewusst. Du stehst doch mitten im Leben. Und je
intelligenter jemand ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, das er sich hinterfragt. Also machst
Du doch ehern etwas nützliches und wichtiges.
Was ist falsch daran?

Zitat:
Sätze wie, ja wenn das so einfach ist und ich das jetzt nicht beantworten kann werden wohl
keine Gefühle da sein.


Ist der Kern dieses Satzes nicht etwas ganz anderes, als das, was ich im ersten Moment lese.
Niemand kann auf alles sofort eine Antwort haben. Du bist ein Mensch und keine Maschine.
Du musst nicht alles wissen, sonst wärst Du ja perfekt. Dein Anspruch an Dich selbst
scheint viel zu hoch zu sein. Wäre noch Platz neben Dir für eine Partnerin, wenn Du
alles unter voller Kontrolle hättest?
Ich habe ständig Zweifel, ob meine Handlungen ehern gut oder nicht so gut für mich sind. In meinem
Denken habe ich die Zweifel dadurch weitgehend beseitigt, das ich eine Entscheidung gefällt habe.
Alles was ich zur Zeit denke und sage kommt von der Grundlage meines aktuellen Wissensstandes.
Niemand, auch ich kann nicht alles wissen und erst recht nicht vorhersehen. Morgen weiß ich
schon wieder mehr.

Zitat:
Der Weg ist das Ziel und nicht das Ziel selbst.


Sehe ich genau so.
Und gerade eine Partnerschaft entwickelt sich immer weiter. Beide sollten für den "richtigen Weg"
etwas mit einbringen. Du kannst nicht wissen, wo Deine Partnerschaft nächstes Jahr steht.

Warum soll ich dann heute Zweifel haben, das ich etwas nicht beantworten kann.
Ich warte heute ehern locker auf neue Erkenntnisse die morgen oder übermorgen kommen werden.
Das hält mein Leben interessant. Natürlich macht mir das auch hin und wieder mal etwas Angst.
Nur die Angst ist das Gefühl, was mir hilft und mich vorwärts treibt. Ohne Angst würde ich morgens
im Bett bleiben.

Als Mensch bist Du mit Sicherheit richtig nett und ok.
Wünsche Dir viel Kraft und wenig Zweifel.


Viele Grüße

Hotin





1720
21
Schweiz
513
  10.06.2015 15:21  
So ich komme wieder etwas zum Schreiben.

Viel ist passiert und doch eigentlich gar nichts. Es ist alles beim Alten.

Ich bin seit Montag in einer mal mehr mal weniger akuten Angstphase. Ich merke meine Verlustangst rebellieren und reagiere mich Fluchtinstinkt darauf. Ich merke allgemein, dass alles was ich unternehme und tue eigentlich nur ist, um der wahre Kern meines Problems zu verdrängen, resp. nicht zuzulassen. Das kostet so enorm viel Kraft tagtäglich durch den Sumpf zu gehen. Ich frage mich manchmal wie ich das überhaupt mit dem Job hinkriege, naja irgendwie geht es.

Heute hatte ich schon Angst als ich aufgewacht bin, die Angst lässt mich nicht schlafen. Bin zwar sehr gut eingeschlafen, war aber ab 5 Uhr morgens wach. Ein ziehen in der Brust und Beinen hat mich dann überhaupt nicht mehr schlafen lassen, sodass ich dann aufgestanden bin. Komischerweise ging es mir dann besser, jedoch nicht wirklich lange. Meine Freundin rief mich dann Mittags an, es ging um ihre Mutter und die Krebsdiagnose. Die Ärztin meinte Pankreas kann man nur einmal operieren, wenn es dann noch einmal kommen würde, müsse man es einfach hinnehmen. Sie weinte nur. Ich fühlte mich berührt und merkte wie viel sie mir bedeutet. Wenigstens kurz. Ich blockierte dann gleich wieder innerlich. Verdammte Ängste, aber ja DAS BIN ICH. Es ist kein Wunder schütze ich mich vor emotionalen Bindungen. Aber Himmel Herrgott, nach 3 Jahren Beziehung könnte es doch einfacher werden. Heute begleitet mich auch eine seltsame Melancholie…es ist, als ob etwas mich runterziehen will und tausend Tonnen auf mir liegen. Ich kenne das Gefühl! Ja auch von der Depression 2012 aber das Gefühl war schon früher da! Auch in den letzten beiden Beziehungen ja, aber noch früher….Kindheit, als der Terror zu Hause seinen Lauf nahm. Gut toll, Wahnsinn. Ein altes Gefühl und nu? Ich versuchte dem Gefühl Platz einzuräumen und liess es zu. schei., als ob mich tausend Tode ereilen. Das Fenster ist offen im Büro und mich überkam ein Geruch welcher mich schnurstracks aus diesem Zustand geholt hat. Ich hatte den Geruch schon einmal in der Nase, ich erinnerte mich an bessere Zeiten, da war der Geruch präsent. Momentan geht’s mir grad besser….was ist geschehen? Ich weiss es nicht…

Nächsten Dienstag geht es zu einem anderen Therapeut um mir neue Inputs geben zu lassen. Ich bin jetzt 3.5 Jahre beim gleichen TP und brauch eine neue Inspiration. Ich versuche mir auch noch etwas zum Schlafen verschreiben zu lassen, ich warte noch auf die Antwort von meinem aktuellen TP. Wo guter Schlaf ist, fällt der Tag leichter. Nun ja die Schlafstörungen kenne ich ja schon lange, auch lange vor der Angststörung. Hängen die vielleicht mit früher zusammen? Ich weiss es nicht.

Was mir aufgefallen ist, je mehr Harmonie in unserer Beziehung herrscht, desto mehr mache ich zu und hab den Drang zum Fliehen. Angst vor Nähe? Bindungsangst? Zu viel von dieser Angst und der Gegenpart stellt sich ein, die Verlustangst. Ein ewiges hin und her, es herrscht Krieg in meinem Kopf. Manchmal weis sich echt nicht weiter. So lange Therapie und immer noch so beieinander. Ich bemühe mich täglich daran zu arbeiten. Ich muss wohl in längeren
Zeitabständen denken. 3-4 Jahre? Was ist das schon. Wenn es so weitergeht, bin ich mit 50 am Ziel. Und es soll mir jetzt KEINER kommen „Hauptsache du hast es dann geschaft“. Ich BIN ungeduldig.



6707
NRW
4580
  10.06.2015 23:31  
Hallo Bilbo,

Zitat:
Was mir aufgefallen ist, je mehr Harmonie in unserer Beziehung herrscht, desto mehr mache ich zu und hab
den Drang zum Fliehen. Angst vor Nähe? Bindungsangst? Zu viel von dieser Angst und der Gegenpart stellt
sich ein, die Verlustangst.


Vielleicht bist Du hier schon ganz nah an Deiner Angst dran.
Warum sprichst Du immer in "Oberbegriffen, wie Drang zum Fliehen. Angst vor Nähe,
Bindungsangst, Verlustangst.

Schaffst Du das mal, auszudrücken, welches Gefühl bei großer Harmonie
genau in Dir aufkommt?

Könnte die Antwort sein. Ich traue mich kaum, mich meiner Partnerin ganz zu
öffnen.
Weil ich häufig Angst davor habe später mal wieder allein leben zu
müssen, wage ich nicht mich eng an meine Partnerin zu binden. Dann tut es
wenigstens nicht so weh, falls es mit der Partnerschaft nicht dauerhaft gut geht.

Auch wenn ich daneben liege. Versuche mal zu beschreiben, was Du genau empfindest.

Viele Grüße

Hotin





1720
21
Schweiz
513
  11.06.2015 13:43  
Lieber Hotin,

danke für die Antwort. Nun ja, weshalb benütze ich solche Oberbegriffe? Ich will mir selber die Zustände erklären, ich will es einordnen können. Kontrollieren? Bei Harmonie bin ich eins mit allem, ich bin gegen Aussen gerichtet, ich habe Frieden mit allem und jeden, ich fühle mich wohl und gemittet. Ich fühle mich zu Hause, angenommen und akzeptiert. Ich gebe. Ich bin im hier und jetzt.
Ich nenne es angekommen sein. Dieses Ankommen führt mich zwangsläufig zu meiner Kindheit vor der grossen Eskalation.

Heute war ein anstrengender Morgen. Ich war voller Trauer. Am Mittag beschloss ich, wie so oft in Richtung Elternhaus zu fahren. Irgendetwas zog mich dort magisch an, nur verstand ich erst heute warum. Wie oft fuhr ich bei schlechten Gefühlen Richtung Elternhaus. So oft.
Es fiel mir wie Schuppen von den Augen: Ich muss mich lösen von meinen Eltern und der Vergangenheit. Ich bin jetzt erwachsen.
Es ging mir sehr sehr mies auf dem Weg dorthin. Mir liefen die Tränen nur so hinunter weil ich wusste, ich werde das letzte Mal dort sein. Ja ich werde mich verabschieden und es fühlte sich, wie wenn tausend Lastwagen über mich hinwegrollten. Der Schmerz war unbeschreiblich heute Morgen. Ich werde mich lösen, ich werde nun adjö sagen. Das war mitunter eines der härtesten Erlebnisse der letzten Zeit.
Ich fuhr auf einen Parkplatz in der Nähe des Quartiers in welchem ich aufgewachsen bin. Es hat sich viel und doch nichts verändert. Meine Gefühle waren ab dem Aussteigen wie versteinert. Ich lief zum Einfamilienhaus, komische Situation, es fühlte sich surreal an. Ich war wieder da und zwar zu Fuss und nicht am Vorbeifahren. Ich habe mich verabschiedet, lief noch im Quartier umher und erinnerte mich an so vieles.

Mir wird so viel klar, all die Ängste, alle Traurigkeit und Verzweiflung….ich lebte noch immer zu Hause und es tat weh auf Lebewohl zu sagen. Auch wenn die Narben ein Teil von mir bleiben werden. Auch wenn die Ängste mich weiter begleiten, ich denke das ist normal. Es war ein wichtiger Schritt dorthin zugehen und bewusst auf Wiedersehen zu sagen.
Es fühlte sich gut an, irgendwie. Auf der anderen Seite war und bin ich jetzt sehr sehr leer. Ich habe starke Kopfschmerzen und weiss nicht so recht was jetzt kommt. Irgendwie fühle ich mich erwachsener als noch heute Morgen und doch fühl ich mich wie in einem Film.

Danke1xDanke


6707
NRW
4580
  11.06.2015 20:50  
Hallo Bilbo,

was Du beschreibst, ist absolut der "Wahnsinn".
Es kann wirklich genau so sein, wie Du es beschreibst.
Also doch keine Hirnschwäche? Ist das nicht (D)eine irre Gefühlsstärke.

Lass das bitte mal ein paar Tage auf Dich wirken.

Und wenn Du mir dann in einigen Tagen mal was aus Deiner Gefühlswelt erzählen kannst, würde ich
mich ehrlich echt freuen.

Sei stolz auf Dich. Bestimmt wird jetzt vieles besser. Du wirst innerlich ausgeglichener,
zufriedener und glücklich.

Herzliche Grüße

Hotin






1720
21
Schweiz
513
  24.06.2015 13:58  
So da bin ich wieder…es ist jetzt 2 Wochen her als ich mich von meinem Elternhaus lösen konnte. Oder zumindest einen Teil lösen konnte. Komische Sache dieses Loslösen aber es hat durchaus seine Spuren hinterlassen. Ich kann sagen, dass meine psychosomatischen Beschwerden sich stark gebessert haben, ich fühle mich erwachsener und habe mehr Selbstvertrauen. Ich stehe mehr bei mir und bin mehr im 2015. Es gab mir etwas Ruhe und Gelassenheit.

Leider hat sich meine anfängliche Hoffnung nicht bewahrheitet, dass durch dieses Lösen all meine Probleme in Bezug auf die Angst verfliegen. ;-) schade. Die Angst kommt und geht immer noch wie immer, jedoch falle ich nicht in diese Dissoziation oder werde völlig gelähmt. WUNDERBAR….Es ist ein Fortschritt, ich bin stolz auf mich…der Weg ist jedoch noch lange nicht zu Ende.

Ich kann nun auch endlich meine Partner so akzeptieren wie sie ist, ich sehe Ihr Stärken UND Schwächen und es ist ok. Sie ist wie sie ist. Ich habe gesehen das es ein Kampf gegen Windmühlen ist… auch illusorisch zu glauben dass sie wie ich lieben soll. Jeder spricht eine andere Sprache und hat es anders gelernt. Hier kann ich auch sagen WUNDERBAR.

Ich sehe es geht voran, mir wird das wieder klar wenn ich es niederschreibe.

Ich merke aber auch, wie sehr die Angst noch mit Erinnerungen aus alten Beziehungen verknüpft ist. Es sind diese berühmten Trigger welche mich ängstlich werden lassen. Komischerweise sind es keine schlimmen Erinnerungen. Es sind alltägliche Erinnerungen welche wahrscheinlich jeder hat. Nur fliesst die Information direkt ins Angstzentrum. Gestern Mittag habe ich auf FB jemand gesehen der meiner kurzen Beziehung vor ein paar Jahren gleicht. Und schon geht’s los. Das nervende ist wohl dass dann gleich Unsicherheiten, Ängste und vorallem ZWEIFEL zur aktuellen Beziehung aufkommen. Die Zweifel sind am beschissensten. An unserer Beziehung gibt es nichts weltbewegendes was schief läuft, im Gegenteil. Wir stehen uns sogar noch ein wenig näher als auch schon. Noch gestern Morgen habe ich über Hochzeit nachgedacht, weil es die Frau ist die ich will. So, nun ist die Angst da und ich Zweifel nur noch. Zwangsstörung, Zweifelskrankheit, ROCD…es passt so ins Bild. Meistens geht es mir am Morgen nach dem Schlafen sehr gut bis gut, dann wird es im späteren Verlaufe des Tages schwieriger. Auch wenn ich jetzt sagen kann, diese Ambivalenz begleitet mich seit Beginn, es ist jedesmal von neuem mühsam. Und sage es bei Gott niemandem der mein Problem nicht nachvollziehen kann..“was du hast Zweifel? Dann ist es nicht die Richtige“. HA ich habe bei jeder Frau Zweifel die mir näher kommt als mir lieb ist.

Lustigerweise habe ich in Angstfreien Phasen 0 Zweifel. Das einzige was mich dann „stört“ ist, dass es S. eine Flaute gibt, die aber erklärbar ist. Aber wehe ich hab eine schwierige Phase, dann ist das S. noch das kleinste Problem. Don’t feed the troll. Again and again…



6707
NRW
4580
  24.06.2015 16:17  
Hallo Bilbo,
Zitat:
Ich kann sagen, dass meine psychosomatischen Beschwerden sich stark gebessert haben, ich fühle
mich erwachsener und habe mehr Selbstvertrauen.


Herzlichen Glückwunsch für Dich. Einen großen Schritt bist Du offensichtlich
jetzt voran gekommen. Eine Zeit von zwei Wochen bedeutet so gut wie nichts.
Damit will ich sagen. Du wirst sehen, da wird sich noch ganz viel in den nächsten Monaten
und Jahren verbessern.

Weiterhin viel Erfolg

Hotin

Danke1xDanke




1720
21
Schweiz
513
  29.07.2015 13:14  
Heute ist ein durchzogener Tag.

Ich merke das ich ein Bedürfnis zum Tagebuch schreiben habe, wenn ich eine schlechte Phase hatte, oder habe.

Nun denn, was ist passiert? Ich habe sage und schreibe 6 Wochen am Stück eine gute Phase gehabt. Klar es gab immer wieder Anläufe von Angstzuständen, die richtig richtig starken sind aber nicht aufgetreten. An was lag das? Ich behaupte immer noch das Schlüsselerlebnis hat mir neue Tore eröffnet. Ich dachte doch echt, hey 1.5 Monate nix mehr schlimmes…ich bin stolz auf mich! Sehr sogar, das war der grösste Fortschritt seit fast 4 Jahren. Die guten Zeiten bewegten sich immer zwischen 1-2 Wochen, dann ging es wieder los.

Ich wurde dann letzten Montag eines besseren belehrt, das die „Krankheit“ in meinem Unterbewusstsein weiterbrodelt. Es ist auch ok, ich kann damit irgendwie leben. Angefangen hat es als ich eine Erinnerung über Verluste in meiner Vergangenheit hatte. Ich tauchte in die Erinnerung automatisch ein. Wie ein Sog hat sich das angefühlt und ich durchlebte das Gefühl wieder. Wir waren essen und mich überkam eine unendliche Traurigkeit, warum auch immer. Ich wusste trotzdem das es nichts mit der aktuellen Gegenwart zu tun hatte, es war trotzdem unangenehm. Meine Verlustangst wurde dann schön gegeiselt und ich rutschte leicht in eine Depersonalisation ein. Naja was mache ich in solchen Situationen? Nicht viel….und doch immer das gleiche…ich fange an zu Googeln und halte die Angst auf einem hohen Level. Ich kann wie nicht damit aufhören….Auch suche ich ständig nach Gefühlen um mir Sicherheit zu geben ob noch alles in Ordnung ist. Ja das ist doof und ich denke auch es hat nicht so viel damit zu tun ob die Gefühle bei mir weg sind. Dies ist meine Art mit der Angst umzugehen, ziemlich doof. Die Art zu suchen im Internet ist auch immer das gleiche „Was ist Liebe, was ist eine gute Beziehung, Unterschied Liebe und Verliebtheit“. Ich kann es nicht mehr lesen, gewisse Seiten kenne ich in und auswendig. Ich möchte das eigentlich nicht, es beruhigt aber. Ich muss etwas finden, das ich nicht in diese Art damit umzugehen reinrutsche. schei. Google, das ist wohl die dümmste Erfindung die es gibt. Wir denken nicht, wir googeln…. Tja, logisch denken während akuten Angstphasen, soll mir einer erzählen er kann das. 

Ich halte mich jetzt einfach an den 6 Wochen fest, dies heisst wohl das ich es kann. Es hat mir nochmal nen Schub Selbstvertrauen gegeben, dass es doch „heilbar“ ist. Es reicht auch schon aus wenn die Angst nur noch schwach wäre. Möglich ist es allemal und dies benötigt Zeit. Dranbleiben!

Danke1xDanke


6707
NRW
4580
  29.07.2015 23:29  
Hallo Bilbo,

mir scheint, bei Dir ist noch alles im "Grünen Bereich".

Bitte werde jetzt nicht ungeduldig. Du wirst dadurch, das Du weißt,
wie Du Dich besser selbst annehmen und akzeptieren kannst kein
neuer Mensch. Du bleibst der alte, sympathische Bilbo und Du
wirst glücklicherweise nie perfekt werden. Für Deine
Mitmenschen wärst Du sonst ein schwieriger Partner.
Zitat:
Auch suche ich ständig nach Gefühlen um mir Sicherheit zu geben ob noch alles in Ordnung ist.
Ja das ist doof


Bilbo, das ist nicht doof, ich halte das für klug. Diese Sicherheit sollte nur
immer mehr aus Dir selbst kommen. Frage Dich immer wieder mal, ob Du noch auf dem Weg bist,
den Du gehen möchtest. Und wenn Deine Antwort ja ist, ist das Deine Sicherheit. Google brauchst
Du dann nicht mehr. Das war Deine jahrelange Ersatzsicherheit.

Arbeite weiter an Deiner Zufriedenheit. Du wirst Deinem Ziel immer näher
kommen. Erreichen wirst Du es jedoch nie. Keiner wird perfekt sein.

Weiterhin viel Erfolg auf Deinem Weg

Hotin





1720
21
Schweiz
513
  15.09.2015 14:22  
So ich muss hier wieder einmal in meinem Thema schreiben.

Ich bin jemand der auf Kränkungen und Verletzungen sehr sehr schlecht reagiert. Gestern war auch wieder so ein Tag. Die Art und Weise mit welcher meine Freundin mich "angegriffen" hat, war nicht ok nur hat sie sich dabei gar nichts überlegt. Es ging darum, dass sie mich nicht so nett findet in letzter Zeit. Sie gebe sich Mühe und von mir kommt wenig bis gar nichts. Das Gespräch fand im Skype statt, in welchem ich mich über die doofe Mücke in der Nacht beklagt hatte. Auf alle Fälle meinte Sie dann dass ich doch Mückenspray inhalieren sollte, dann trete ich weg. Ich sagte nur sehr nett von dir. Sie meinte dass Sie jetzt auch nicht mehr nett mit mir ist, da ich es nicht bin gerade. Auf die Frage was jetzt wieder ihr Problem ist, sagte Sie das ich das Problem bin.

Ich muss dazu sagen, um das ganze abzuschwächen, wir sprechen manchmal im Witz ein bisschen unter der Gürtellinie, was auch ok ist. Wir sind beide da eher ähnlich.

Wenn ich dann aber (in meinen Augen) abgelehnt werde, mache ich mich enorm empfindlich und ertrage solche Sätze gar nicht mehr. Ich fühle mich gekränkt und es fühlt sich vernichtend an. Ich habe wirklich körperliche Beschwerden und ich rutsche in eine Art Minidepression hinein. Ich habe dann habe dann heute allen Mut zusammengenommen und das Thema angesprochen. Ihr auch den Verlauf des Chats geschickt. Sie hat gesagt das hört sich nicht wirklich nett an und es tut ihr Leid. Das Gespräch verlief ganz gut und ich verstand auch, dass es für sie enorm schwierig ist mich einzuschätzen, weil sich die Stimmung innert Sekunden manchmal umschlagen tut.

Ich habe ein grosses Problem mit dieser Ablehnung, welche mir mein geringes Selbstvertrauen beschert.

Ich kann nach solchen Situationen tagelang in meiner Kränkung verweilen und komme da schwer wieder heraus. Mir ist gerade jetzt aufgefallen, das ich meine Mauern hochfahre und nichts mehr an mich heranlasse. Verletzung - Mauer hoch - keine Gefühle. Ich fühle jetzt echt nichts mehr, nur meine Müdigkeit.

Solche Situationen in welchen ich sehr oft bin, treibt meine Verlassensangst an. Hier kommt wieder die Angst, das meine Gefühle weggehen. @Hotin, hat mir das sehr gut erklärt, was mir jetzt ein wenig hilft.
Manchmal ist es echt zum davonlaufen, ich fühle keine Sympathie und Zuneigung zu meiner Freundin, ich mag auch gar nicht mir ihr sprechen. Das ist diese Ambivalenz wohl, die mir das Leben schwer macht. Mich wundert es einfach, das ich so lange Mauere trotz dem Gespräch und der Entschuldigung. Ich kann mich gerade nicht öffnen. Hm ich denke das ist mit meiner Vergangenheit wohl normal und logisch. Trotz alledem ist die Angst da, keine guten Gefühle mehr für sie zu spüren. Doofes Muster! Auch wenn ich das jetzt kenne, die Unsicherheit bleibt ob es denn nicht wirklich so ist.

Meine Freundin und ich haben eine total andere Erziehung genossen. Ich habe bei meinem Elternhaus nie Diskussionen miterlebt! (Bis zum 14. Lebensjahr). Meine Freundin ist mit ihrer Mutter aufgewachsen und für sie sind Diskussionen normal, man fetzt sich kurz und nach ein paar Minuten ist alles vergessen. Bei mir nicht, es fühlt sich jedesmal richtig vernichtend an. Es fällt mir zwar schon einfacher damit umzugehen als vor 3 Jahren, trotzdem. Früher hatte ich bei jeder Kritik (Verletzung in meinen Augen) eine Panikattacke.

Unsere Streitkultur wird, so habe ich das heute gemerkt, viel besser. Wir müssen beide nicht immer unseren Willen durchsetzen, hören besser zu, bleiben ruhiger. Was in mir drinnen aber abgeht nach diesen Streitereien, bäh. Wie oben schon erwähnt, ähnlich wie eine Depression. Also nur eine leichte, was eine schwere Depression ist, habe ich mit 30 erfahren dürfen, das ist was anderes.

Ich kann mich in Beziehung einfach sehr schlecht wehren und mir fehlt das Selbstvertrauen. Ich habe das nie gelernt, mir wurde auch alles als Kind abgenommen. Probleme löste mein Vater für mich. Ich habe heute mein Anliegen ihr sagen können und gesagt was ich mir wünsche. Das ist ein Fortschritt. Ich verbiege mich nicht mehr so wie am Anfang!

Nun sitze ich hier und verdränge konstant unbewusst meine Freundin. Schon unglaublich was das menschliche Hirn kann. Der innere Beschützer nennt mein Therapeut das. Ich muss gar nicht versuchen mich an gute Zeiten zu erinnern. Ihre Stimme kann ich nicht abrufen, geschweige den ein gutes Gefühl zu ihr in der Vergangenheit. Ich bin taub! Früher hat mir das auch sehr starke Angst gemacht, da diese "Trennung" mir Schmerzen machte. Jetzt bin ich ein bisschen klüger und hoffe, dass ich wieder Zuneigung für Sie verspüre...

die Unsicherheit bleibt trotzdem!

Danke1xDanke

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