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201516.09




6309
NRW
4052
«  1, 2, 3, 4  »
Hallo Bilbo,

Zitat:
wenn ich dann aber (in meinen Augen) abgelehnt werde, mache ich mich enorm empfindlich
und ertrage solche Sätze nicht mehr.


Kann ich gut verstehen. Geht sehr vielen so. Früher hatte ich auch mal so eine Zeit,
in der ich mit so etwas überhaupt nicht umgehen konnte. Dies wird sich bei Dir noch verbessern.

Zitat:
Ich habe dann heute allen Mut zusammen genommen und das Thema angesprochen.


Wunderbar, Du hast über Deine Gefühle gesprochen und sieh mal. Du sagst: "Es verlief ganz gut".

Zitat:
Ich habe ein großes Problem mit dieser Ablehnung, welche mir mein geringes Selbstbewußtsein beschert.
Ich kann in solchen Situationen tagelang in meiner Kränkung verweilen und komme
da schwer wieder heraus.


Das wird auch noch einige Zeit so bleiben, bis Du verinnerlicht hast, dass im Streit selten
eine Ablehnung ausgesprochen wird, sondern mehr das nicht verstehen oder das nicht
akzeptieren Deines momentanen Verhaltens.
Deine Freundin liebt Dich wegen Deiner Persönlichkeit. Aber mit Deinen Aussagen und vor
allem mit Deinem Verhalten hat sie scheinbar häufiger ihre Probleme. Umgekehrt wird das bei Dir auch so sein.

Wenn ich das genau lese, was Du geschrieben hast, hat eigentlich meiner Meinung nach keine ernsthafte
Verletzung vorgelegen. Du hast das aber so empfunden. Gut das ihr euch darüber ausgesprochen habt.

Ich finde, sie hat Dich nicht ernsthaft verletzt. Sie hat aber in dem Gespräch etwas mehr
Distanz zu Dir erzeugt. Der ständige Wechsel, von Distanz herstellen und Nähe schaffen,
das ist das, was eine Partnerschaft so reizvoll macht. Partnerschaft ist keine immer gleich
schmeckende Einheitssuppe.

Zitat:
Solche Situtionen in welchen ich oft bin, treibt meine Verlassensangst an.


Ja klar, Du wirst lernen, besser damit umzugehen.

Zitat:
Ich kann mich in Beziehung einfach sehr schlecht wehren.


Dann wird es Zeit, das Du das etwas besser lernst. Du musst Dich verteidigen. Dies
wird aber nicht so ganz einfach sein, weil Deine Freundin bestimmt noch oft
den Trumpf zieht, das Du ja ein Problem hast. Versuche aus dieser Ecke heraus zu kommen.

Was Du versuchen kannst, ist das Du schon im Streitgespräch sagst. Hey, was Du jetzt sagst, geht
zu weit. Vielleicht reagiert Deine Freundin ja positiv darauf. Meine Freundin hat es leider zu oft
überhört oder ist weiter ausgeflippt. Deshalb kann ich Dich gut verstehen.

Viele Grüße

Hotin

Auf das Thema antworten
Danke1xDanke




1712
21
Schweiz
505
  16.09.2015 08:42  
Lieber Hotin, danke für deine Erklärungen. Diese bringen mich stetig weiter.

Ich hatte gestern zum Glück am Abend Therapie und konnte mich "auskotzen". Er war erstaunt wie stark meine Dissoziation war am Anfang..ich konnte mich kaum an den Vorfall von vorgestern erinnern. Ich haderte und suchte nach Worte um mein Erlebtes zu schildern. Nach einigen Minuten ging es dann und ich konnte frei von der Leber erzählen. Während dem Gespräch lief mir noch eine Träne hinunter weil ich merkte wie gern ich sie habe.

Dieses Nähe und Distanzzeug macht mich manchmal echt wirr. Er meinte noch so wie ich erzähle lasse ich mich langsam auf die Beziehung ein, mache mich im Gegenzug einfach verletzlicher. Eigentlich will ich gar nicht so verletzlich sein da es sich für mich jedes Mal sehr schlimm anfühlt wenn ich "getroffen" werde. Auf der anderen Seite will ich gerne wirkliche Nähe haben, das ist wohl der Preis den ich dafür zahle. Vielleicht schaffe ich den Umgang mit Verletzungen zu verbessern. Das ich gestern mit ihr gesprochen habe war wohl ein guter Schritt in die Richtige Richtung.

Für mich macht Nähe und Distanz in einer Beziehung überhaupt nichts Reizvolles aus. Warum auch. Ich glaube einfach es hängt sehr stark mit meiner Kindheit zusammen, da meine Mutter eine "Glucker" war und mein Vater der dominante und kalte. Nähe, Distanz….Die erste Beziehung war meine Mutter, also Nähe pur….naja nur meine Überlegungen.

In den letzten Wochen hatte ich oft die Empfindung, das ich meine Freundin sehr gerne habe, nach diesen scheinbaren Verletzungen bin ich wieder meilenweit davon entfernt. Ich stelle mir das wie zwei Igel vor, die an einem Gummiband sind. Sobald man sich zu nahe kommt, kommen die Verletzungen und man distanziert sich. Angst vor Verletzung.

Meine inneren Mauern sind durch meine Vergangenheit so gross angewachsen und manchmal kann ich hindurch blicken. Ich will sie auch nicht ganz einreissen, manchmal die Türe öffnen reicht mir. Sonst setz ich mir zu viel Druck auf. Schwierig ist es, das Leben.

Ich bin gespannt wie es sich entwickelt wenn ich Mitte November Vater werde. Diese Bindung zu meiner Tochter wird enger…wohl enger als alles das ich kenne. Ich werde sehen was die Zeit hergibt.

Ich bin sehr müde, bin seit halb 4 wach, nachdem ein Albtraum mich aufschrecken lies. Fragmente aus meiner Kindheit, bä...

Liebe Grüsse

Danke1xDanke


6309
NRW
4052
  18.09.2015 09:03  
Hallo Bilbo,

Zitat:
Dieses Nähe und Distanzzeug macht mich manchmal echt wirr.


Na klar, nicht nur Dich.
Zitat:
Eigentlich will ich gar nicht so verletzlich sein da es sich für mich jedes Mal sehr schlimm anfühlt
wenn ich "getroffen" werde.


Einige Zeit wird es noch dauern, bis Du besser in der Lage bist diese Treffer
nicht als so schlimm zu empfinden.
Zitat:
Meine inneren Mauern sind durch meine Vergangenheit so gross angewachsen und manchmal kann ich
hindurch blicken. Ich will sie auch nicht ganz einreissen, manchmal die Türe öffnen reicht mir.


Deine Mauern solltest Du bis auf weiteres auf jeden Fall stehen lassen. Sie geben
Dir auch noch in Monaten das Gefühl von Sicherheit. Nur Du wirst diesen Schutz immer seltener brauchen.


Zitat:
Für mich macht Nähe und Distanz in einer Beziehung überhaupt nichts Reizvolles aus. Warum auch.


Stimme Dir voll zu. Und doch ist da etwas sehr reizvolles dran. Das schöne im menschlichen Leben sind die
Gegensätze. Für hohe Zufriedenheit brauchen wir häufige Wechsel. Sonst wird es uns sehr schnell
langweilig und uninteressant.

Um Dich, Deine Reaktionen und die Funktion und den Sinn von "Nähe und Distanz"
zu verstehen, brauchst Du meiner Meinung nun noch einen ganz wichtigen Denkansatz.

Leider kommt dieser hier im Forum fast nie zur Sprache. Dabei ist das so enorm wichtig.

Das Verständnis von der Funktion der Angst hat Dich sehr gut weiter gebracht.
Etwas außerordentlich wichtiges hast Du bis jetzt aber kaum oder gar nicht berücksichtigt. In Deiner
Partnerschaft gibt es eine zweite Person, die wie wir alle über Ängste gesteuert wird – das ist Deine Frau.

Mit allem was Du sagst und machst, beeinflusst Du die Ängste Deiner Frau.
Ich versuche es mal mit einem Beispiel aus dem Sport zu erklären.

Stell Dir bitte mal vor, Du spielst Tennis und möchtest Dich verbessern.
Du kannst beliebig viele Trainerstunden nehmen. Richtig gut wirst Du jedoch erst,
wenn Du anfängst Deinen Gegenspieler zu studieren und zu analysieren.

Und so geht das auch mit der Angst. Bei jedem Menschen, mit dem Du Kontakt hast,
erzeugt Deine Sprache und Dein Verhalten mehr oder weniger Angst.
Dies kannst Du fast immer direkt sehen, wenn Du die Menschen, mit denen Du zu tun hast beobachtest.
Und damit kannst Du Menschen beeinflussen und ihre Reaktionen steuern.
Und somit steuerst Du oft auch die Reaktionen Deiner Frau, ohne das Dir das bewusst ist.
Und sie natürlich auch Deine.
Mit ein wenig Übung, kannst Du damit schon oft vorher erahnen, wie sie reagieren wird. Oder Du kannst
mit bestimmten Worten und Sätzen mit bestimmen, ob sie Dir Nähe, oder ehern Distanz vorschlägt.

Ist das nachvollziehbar? Oder beschreibe ich das zu kompliziert?

Viele Grüße

Hotin

Danke1xDanke




1712
21
Schweiz
505
  24.09.2015 15:43  
Es ist wieder eine durchzogene Woche. Anfangs der Woche hatte ich einen grossen Stress im Büro der mich innerlich total angespannt hat. Ich hatte wenig bis gar keine Nerven für gar nichts. Ich habe mir dann für Mittwoch vorgenommen, dass ich einen Gang runterschalte und ein wenig zur Ruhe komme. Dies hatte am Mittwoch gut funktioniert, bis zum Nachmittag.

Ich kriegte Angst. Der Auslöser ist mir noch nicht einmal klar. Ich hatte enorme Fluchtgefühle und meine Gedanken drehten sich ständig. Zu Hause dann sagte ich meiner Freundin das ich ängstlich bin. Ich bin dann auf dem Sofa eingeschlafen und dann nacher gleich ins Bett.

Schlafen ist für mich eine Flucht. Ich schaffe Distanz wenn die Angst gross wird. Mir wurde das erst heute klar. Dies ist mein Muster. Ich werde auch gleich automatisch müde sobald ich Angst habe. Ich könnte Nachmittags um 2 einschlafen ohne weitere Probleme. Und so bin ich unter normalen Umständen NICHT. Ich überlege mir ob es hilfreich wäre, bewusst nicht zu schlafen. Wäre das die Konfrontation mit der Angst? Habe noch nicht so wirklich eine Antwort darauf.

Auch die räumliche Distanz schürt bei mir Angst, also unter der Woche. Ich habe auch gemerkt, der Morgen ist bei mir immer sehr gut, gegen Abend da steigt die Unruhe auf. Sobald ich langsam nach Hause gehe. Dies kenne ich aus meiner Kindheit, ich hatte immer Angst nach Hause zu gehen. Ich suchte mir auf dem Nachhauseweg immer grüne oder rote Zeichen. Grün hiess es ist alles in Ordnung, rot nicht. Jeden Tag, Montag bis Freitag. Vielleicht ist das auch die Erklärung, warum ich mich unter der Woche meist mies fühle. Wird das so stark projeziert? Ich denke ja, so macht es mir gerade Sinn. Meine Eltern haben sich eigentlich nur Abends gestritten, gefetzt und mir die Hölle auf Erden geschenkt. Und immer hab ich alles mitgehört, aus Angst. Auch heute noch wenn ich Angst habe, horche ich in die Ferne. Gestern als ich ängstlich nach Hause ging, konnte ich auch erst einmal nur in der Küche bleiben und einfach horchen.

Ich kann mich einfach nicht (noch nicht?) auf eine Tiefe in der Beziehung einlassen. Unter der Woche weiss ich nicht einmal ob ich meine Freundin überhaupt gerne habe. Ich habe das Gefühl, das alles tief tief unten verschüttet ist. All die Gefühle die ich gerne hätte. Irgendwo in meinem Innern weiss ich, dass ich Sie gerne habe. Ich komme da eigentlich gar nicht ran. Komischerweise wenn es Ihr schlecht geht fallen alle Mauern und ich merke tiefe Zuneigung. Warum geht das nur wenn der andere leidet?
Ich mag diese ständige Angst und Unsicherheit gar nicht. Heute habe ich meiner Freundin gesagt, ich fühle mich ein wenig ausgegrenzt. Es hat sich auch wirklich so angefühlt. Sie hat mir dann gesagt, ich grenze mich selber aus. Ihre Welt tickt ganz normal und es sei meine Angst. Ich wäre wieder unsicher. Und sie hat recht. Dieses ausgestossene Gefühl hatte ich in der schlimmen Zeit bei meinen Eltern. Als mir das klar wurde, ging das unangenehme Gefühl weg. Ich kann dann kurz zu mir kommen und mein Herz öffnen. Ganz kurz.

Ich frage mich einfach ob es mir überhaupt möglich ist, mich irgendwann einmal wirklich einzulassen. Ich wünschte ich könnte diese Zuneigung auch spüren wenn ich alleine bin und mich nicht hinter Symptomen und Ängsten zu verstecken. Diese Ambivalenz der Gefühle ist für mich sehr anstrengend.

Ich habe heute mit ihr über meine Ängste gesprochen und es hat mir geholfen. Ich wünsche mir mehr zu kommunizieren, ich denke das ist wichtig.

Ich war gestern bei einem Freund zu Hause, er hatte Geburtstag. Ich entdeckte, das ich insgeheim neidisch war, wie deren Beziehung funktioniert, so ohne Ängste. Sie leben die Beziehung einfach, es passt. Ich war schon einmal letztens auf jemand neidisch, der locker eine Beziehung führt. ICH WILL DAS AUCH….resp. ich habe das auch nur steht mir meine Psyche im Weg. Manchmal habe ich einfach diese Resignation.

Ich habe auch das Gefühl, das wir nur eine tiefe Beziehung lernen können, wenn ich meine Ängste irgendwann ablegen kann. Öffne ich mich, öffnet sie sich. Letztens hat sie sich geöffnet, ich hab nachgezogen, wenn auch unbewusst. Dann fühlte ich meine scheinbare Ablehnung (siehe vorgängiger Post), und seither ist dicht.

Ich habe nicht das Gefühl, dass meine Mauern mir Sicherheit geben. Ich möchte gerne Sicherheit fühlen und das verhindern Mauern. Komisches Wortspiel

Danke1xDanke


6309
NRW
4052
  25.09.2015 12:49  
Hallo Bilbo,

Zitat:
Schlafen ist für mich eine Flucht. Ich schaffe Distanz wenn die Angst gross wird.


Sei froh, wenn Du das kannst. Da kann sich der Körper neue Kraft holen.

Zitat:
Ich werde auch gleich automatisch müde sobald ich Angst habe.


Kann das eventuell auch anders sein? Steigt vielleicht Deine Angst wenn Du müde wirst, weil der
Körper keine Kraft mehr hat?

Bewusst nicht zu schlafen, ist bestimmt keine Konfrontation mit der Angst.

Zitat:
gegen Abend da steigt die Unruhe auf.
Dies kenne ich aus meiner Kindheit, ich hatte immer Angst nach Hause zu gehen. Ich suchte mir
auf dem Nachhauseweg immer grüne oder rote Zeichen. Grün hiess es ist alles in Ordnung, rot nicht.


Dies könnte eine Deiner Ursachen für Deine starke Ängste sein. Du musst das aber selbst wissen, ob ja
oder nein. Es hört sich aber sehr wahrscheinlich an.

Zitat:
Meine Eltern haben sich eigentlich nur Abends gestritten, gefetzt und mir die Hölle auf Erden geschenkt.
Und immer hab ich alles mitgehört, aus Angst.


Da scheint einiges an Vertrauen zu dem Verhältnis zwischen Ehemann und Ehefrau
bei Dir innerlich zerstört worden sein.
Haben sich Deine Eltern nur gestritten, oder gab es weiter schlimme Erlebnisse?
Gab es auch körperliche Gewalt? Kannst Du das näher beschreiben?

Dies scheint mir sehr wichtig zu sein. Was genau fandest Du besonders schlimm an dieser Situation?
Ist das eine Angst die daraus entstanden ist, weil Du immer befürchtet hast was alles schlimmes
passieren wird? Oder Ist es die Angst, wegen der schlimmen Gewalterlebnisse die Du miterleben musstest?

Zu dem Rest schreibe ich später mal etwas.

Zitat:
Ich habe nicht das Gefühl, dass meine Mauern mir Sicherheit geben. Ich möchte gerne Sicherheit fühlen
und das verhindern Mauern. Komisches Wortspiel


Das kann gut sein.
Was sollte den Deine Frau machen oder sagen, damit Du Dich sicherer in ihrer Nähe fühlst? Oder, was
von dem, was sie sagt, oder was von dem, was sie macht
verunsichert Dich immer wieder neu?

Viele Grüße

Hotin





1712
21
Schweiz
505
  28.09.2015 10:26  
Lieber Hotin

Nein das ist wirklich so, wenn die Angst zu gross wird, setzt die Müdigkeit ein. Das kommt daher, das meine Eltern jeden Abend gestritten haben und ich in den Schlaf geflüchtet bin. Quasi als „Notaus“ der Situation. Der Schlaf war nie tief aber ich wollte nur noch weg. Dies war die einzige Möglichkeit aus der Situation zu gehen. Ich hab sogar manchmal Schlaftabletten geklaut um zu vergessen, wohlgemerkt mit 14! Da ich nun wieder damit konfrontiert wird mit der Angst, ist es nur logisch das ich müde werde. Gestern Nacht wachte ich durch ein lautes Zuschlagen einer Türe auf im Haus. Ich wurde wach und wurde sofort an früher erinnert. Schon lustig.

Tja nur gestritten. Es floss sehr sehr viel Alk. bei beiden und sie führten endlose Diskussionen. Er wurde mehrmals handgreiflich sodass meine Mutter die Polizei holen musste. Die stürmten dann mit einem Einsatzkommando unser Haus. Er fuchtelte oft mit einer Waffe rum, drohte mit Selbstmord und schoss auch in die Wand. Die Ehe war sehr gut, ganze 18 oder 20 Jahre, weiss nicht mehr so genau. Mein gesundes Familienleben kippte dann von einem Tag auf den anderen. Ich glaube es war, das meine Mutter sich fremdverliebt hatte. Mein Vater ist dann durchgedreht. Ich fühlte mich die Zeit 0 beachtet und ausgestossen, mir wird das jetzt klar. Ich fühl mich auch oft heute so, kann jetzt aber den direkten Bezug dazu herstellen woher das ganze kommt.

Es ist heute, das weiss ich jetzt seit ein paar Tagen ganz klar die Angst nicht zu genügen! Ich fuhr letzte Woche nach Hause und studierte an meinen inneren Mauern herum. Bis ich zu dem Punkt gekommen bin, das diese Mauern gut sind und diese mich ausmachen. Ich bin gut wie ich bin! Die Angst ist dann abgefallen und zwar komplett. Also ich genüge so wie ich bin. Meine Vergangenheit hat mich auch oft gelernt, das ich eben nicht genüge, sei es im Job, Beziehungen oder Familie. Das will ich nun ändern.

Es geht also um die Stärkung meines Selbstvertrauens, das ich aufbauen möchte. Ich bin noch nicht ganz schlüssig wie das am besten geht. Sich vor dem Spiegel anzusehen und sich sagen wie gut man ist, das ist meiner Meinung nach Blödsinn. Ich möchte mein Selbstvertrauen auch nicht mehr auf äussere Umstände aufbauen lassen. Ich möchte mich selber mehr annehmen und mögen. Ich denke auch, der Entscheid an und für sich trägt schon dazu bei. Ich möchte mich mehr unabhängig machen von allen externen Einflüssen!

Hotin ich würde dir auch gerne mit Ratschlägen zur Seite stehen! ;-)

Danke1xDanke


6309
NRW
4052
  28.09.2015 13:18  
Hallo Bilbo,

es ist ganz erstaunlich, welche Erkenntnisse Du über Dich selbst
herausfindest. Ich habe das von Anfang an bei Dir geglaubt, das Du das schaffst.
Danke für Dein Hilfeangebot. Zur Zeit komme ich recht gut klar. Es ist aber immer wichtig zu wissen,
wen man ansprechen kann, wenn es mal brennt.

Zitat:
Ich bin gut wie ich bin! Die Angst ist dann abgefallen und zwar komplett. Also ich genüge so wie ich bin.


Großes Kompliment an Dich. Dies darfst Du nie mehr vergessen. Das ist das
Fundament auf dem Du in der Zukunft stehen wirst. Und das reicht erst mal.

Zitat:
Es geht also um die Stärkung meines Selbstvertrauens, das ich aufbauen möchte. Ich bin noch nicht
ganz schlüssig wie das am besten geht. Sich vor dem Spiegel anzusehen und sich sagen wie gut man
ist, das ist meiner Meinung nach Blödsinn.


Du wirst herausfinden, wie das geht. Alle Menschen, denen Du begegnest, sind Deine Spiegel.
Der größte und schönste Spiegel ist Deine Frau.
Leider können menschliche Spiegel lügen und Zerrbilder schaffen. Also pass auf.
Wenn Du glaubst, der Spiegel zeigt ein falsches Bild, dann denke an Dein Fundament.
"Ich bin gut wie ich bin!"


Zitat:
Ich möchte mich mehr unabhängig machen von allen externen Einflüssen!


Du bist dabei. Wir lernen unser komplettes Leben lang.
Wenn Du möchtest, hört das nie auf.

Zitat:
Mein Vater ist dann durchgedreht. Ich fühlte mich die Zeit 0 beachtet und ausgestossen, mir wird das jetzt klar. Ich fühl mich auch oft heute so, kann jetzt aber den direkten Bezug dazu herstellen woher das ganze kommt.


Da hast Du ja wirklich eine furchtbare Zeit erlebt. Freut mich, das Du sie mit
so wenig Schaden überstanden hast.
Ich schätze Dich als Mensch mit Deinen Ansichten sehr hoch ein.
Wünsche Dir vor allem, das Du eine lebenslange glückliche Beziehung aufbauen wirst. Du hast es verdient.

Herzliche Grüße an Dich

Hotin

Danke1xDanke




1712
21
Schweiz
505
  29.07.2016 10:56  
So ich habe hier wohl lange nicht mehr geschrieben! :-)

Es ist viel geschehen die letzten Monate. Meine Tochter ist im November auf die Welt gekommen und nimmt doch mehr Zeit in Anspruch als gedacht. Wer hätte das für möglich gehalten. Ihr geht es aber gut und sie ist ein Sonnenschein, ständig am lachen, sehr wenig am weinen. So haben wir uns das vorgestellt. Unsere Hochzeit ist in Planung, ein eventueller Umzug steht an. Ich bin auch unruhiger als sonst, ich denke das liegt auch an diesen Dingen.

Meine Ängste? Wenn ich jetzt unbefangen und neutral die ganze Sache anschaue sind sie weniger intensiv! Was nicht heisst, dass ich nicht darunter leide, teilweise...Momentan habe ich jede Woche Gedankenkreisel, teilweise 2 x in der Woche. Ich mache eine neue Therapie mit einer Frau, welche mir sehr gut tut. Sie ist so was von Positiv! Übt mich auch in Kommunikation und gibt mir Aufgaben nach Hause. Interessant fand ich auch das richtige hören mit einem Gegenüber. Also es gibt 4 verschiedene Ohren: Beziehungsohr, Appell Ohr, sachliche Ohr und noch eines...Ach, ist mir gerade entfallen. Auf alle Fälle höre ich viel, sehr viel mit Beziehungs -und Appellohr, was mich triggert. Sehr schnell kommt dann Angst auf, weil ich etwas persönlich nehme.

Meine Zwangsgedanken sind nicht mehr täglich da, aber immer noch teilweise akut. Ich kann mich richtig verbeissen im Thema liebe und suche dann verkrampft nach einem Gefühl um mir zu beweisen, ja ich liebe noch, ja die Gefühle sind noch vorhanden. Es wäre richtig schön wenn ich diese Angst durch die Therapeutin ablegen könnte.

Die Tage mache ich mir stark über Glaubenssätze Gedanken. Mein absolut schlimmster Glaubenssatz von mir ist: "gehe vom Schlimmsten aus, dann wirst du nicht enttäuscht". Das sitzt so tief in mir drinnen und ich rätsle, wie ich den ablegen könnte. Ich versuche mit Beweisen mir selber zu widersprechen. Nur mit positivem Denken kann ich den Glaubenssatz nicht auflösen, da er für mich richtig ist. Dieses vom schlimmsten ausgehen kommt von meinem Vater, er hat mir das immer wieder gesagt. Mein Vater war im 2. Weltkrieg (mit 16). Alle Brüder mussten Ihre jüdischen Wurzeln verheimlichen und gaben sich als Deutsche aus, also auch Mobilmachung. Es wundert mich nicht, dass dieser Glaubenssatz den ich habe, eigentlich von meinem Vater kommt. Ich glaube auch, meine Ängste sind stärker durch dieses Katastrophendenken, das treibt meine Verlustangst an. Weil ich ja vom schlimmsten Ausgehe, habe ich Verlustangst. Leicht geschrieben...schwer geändert! :-/

Meine Körperlichen "Beschwerden" haben sich auch ein wenig geändert. Früher hatte ich ein Ziehen/Flattern meiner Nerven bei Attacken auf der rechten Seite...jetzt auf der linken. Meine TP meinte die rechte Hirnhälfte ist für Angst zuständig und ist verbunden mit der linken Körperhälfte. Somit spüre ich die Angst direkt. Macht auch irgendwie Sinn.

Was mir hilft sind gewisse Skills während einer schwierigen Zeit. Am besten hilft mir eiskaltes Wasser über meine Hände... mit scharfer Sauce, Hand drücken oder malen kann ich mich nicht so anfreunden, irgendwie blockier ich da....

Ich bleibe am Ball, lebe jeden Tag neu und versuche nicht zu viel nachzudenken. Vorsicht Ironie ;-)

Gruss und bis zum nächsten Mal..

Danke1xDanke


6309
NRW
4052
  30.07.2016 08:55  
Hallo Bilbo,

Zu Deinem Hochzeitsplan beglückwünsche ich Dich. Und ganz besonders freut mich,
dass eure Tochter gesund ist.

Zitat:
Ich mache eine neue Therapie mit einer Frau, welche mir sehr gut tut. Übt mich auch in Kommunikation


Ganz hervorragend. Wenn Du die Kommunikation beherrschst, vor allem dabei die, was man ohne Worte alles sagt,
dann verstehst Du Deine Ängste noch viel besser.

Zitat:
Interessant fand ich auch das richtige hören mit einem Gegenüber.


Dine Frau, Deine Tochter und alle andern hören auch auf die gleiche Weise.
Mit dem, was Du sagst und vor allem, wie Du etwas sagst, kannst Du somit extrem viel beeinflussen.
Zitat:
Mein absolut schlimmster Glaubenssatz von mir ist: "gehe vom Schlimmsten aus, dann wirst du nicht enttäuscht".


Wenn Du diesen Satz als Glaubenssatz verwendest, mag das so sein.
Dieser Satz ist für mein Leben immer ganz wichtig gewesen. Mir hilft er ständig, mein Risiko abzuschätzen. Wenn ich
dann weiß, ob ich das Schlimmste ertragen kann ( auch wenn ich es auf keinen Fall möchte) gebe ich mir "Grünes Licht"
zum Handeln.
Hier scheinen die Worte bei uns völlig unterschiedlich bewertet zu werden.
Das öffnet Dir möglicherweise Raum für neue Bewertungen.
Zitat:
Ich bleibe am Ball, lebe jeden Tag


Mach das, es lohnt sich. Und es wird immer besser. So lange Du bereit bist
ständig Neues zu lernen, hört die Verbesserung lebenslang nie auf.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende für Dich

Bernhard

Danke1xDanke




1712
21
Schweiz
505
  30.07.2016 10:20  
Danke für deine Antwort Bernhard

Dieser Glaubenssatz, da bin ich mir sicher, geiselt meine Ängste an...Ich achte im Moment sehr stark auf mein Inneres und merke, ich lebe nach diesem Satz. Ich gehe IMMER vom schlimmsten aus...meine Beziehungsängste sind dadurch auch stärker, irgendwie logisch..

Beispiel: Sie reagiert komisch und faucht mich an aus was für Gründe auch immer
ich denke: es liegt an mir, ich rechne mit einer Trennung....

Angst kommt auf..

Ich bin der Meinung, der Mensch kann alles ertragen, auch das Schlimmste...vielleicht kannst du diesen Glaubenssatz auch ein wenig abschwächen.. ich denke das ist ein weiterer Schritt Richtung Leichtigkeit..

Ich glaube dieses "richtig" hören und nicht vom Schlimmsten ausgehen bringen mich weiter.. Stück für Stück..

Danke1xDanke

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