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201521.05




6287
NRW
4000
«  1, 2, 3, 4  »
Hallo Bilbo,

Zitat:
Man kann eine Schwäche des Hirns nicht durch das Hirn selber lösen.


Und was ist, wenn Du gar keine Hirnschwäche hast?

Du schreibst immer sehr intelligent und selbstbewusst. Du stehst doch mitten im Leben. Und je
intelligenter jemand ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, das er sich hinterfragt. Also machst
Du doch ehern etwas nützliches und wichtiges.
Was ist falsch daran?

Zitat:
Sätze wie, ja wenn das so einfach ist und ich das jetzt nicht beantworten kann werden wohl
keine Gefühle da sein.


Ist der Kern dieses Satzes nicht etwas ganz anderes, als das, was ich im ersten Moment lese.
Niemand kann auf alles sofort eine Antwort haben. Du bist ein Mensch und keine Maschine.
Du musst nicht alles wissen, sonst wärst Du ja perfekt. Dein Anspruch an Dich selbst
scheint viel zu hoch zu sein. Wäre noch Platz neben Dir für eine Partnerin, wenn Du
alles unter voller Kontrolle hättest?
Ich habe ständig Zweifel, ob meine Handlungen ehern gut oder nicht so gut für mich sind. In meinem
Denken habe ich die Zweifel dadurch weitgehend beseitigt, das ich eine Entscheidung gefällt habe.
Alles was ich zur Zeit denke und sage kommt von der Grundlage meines aktuellen Wissensstandes.
Niemand, auch ich kann nicht alles wissen und erst recht nicht vorhersehen. Morgen weiß ich
schon wieder mehr.

Zitat:
Der Weg ist das Ziel und nicht das Ziel selbst.


Sehe ich genau so.
Und gerade eine Partnerschaft entwickelt sich immer weiter. Beide sollten für den "richtigen Weg"
etwas mit einbringen. Du kannst nicht wissen, wo Deine Partnerschaft nächstes Jahr steht.

Warum soll ich dann heute Zweifel haben, das ich etwas nicht beantworten kann.
Ich warte heute ehern locker auf neue Erkenntnisse die morgen oder übermorgen kommen werden.
Das hält mein Leben interessant. Natürlich macht mir das auch hin und wieder mal etwas Angst.
Nur die Angst ist das Gefühl, was mir hilft und mich vorwärts treibt. Ohne Angst würde ich morgens
im Bett bleiben.

Als Mensch bist Du mit Sicherheit richtig nett und ok.
Wünsche Dir viel Kraft und wenig Zweifel.


Viele Grüße

Hotin

Auf das Thema antworten




1712
21
Schweiz
505
  10.06.2015 15:21  
So ich komme wieder etwas zum Schreiben.

Viel ist passiert und doch eigentlich gar nichts. Es ist alles beim Alten.

Ich bin seit Montag in einer mal mehr mal weniger akuten Angstphase. Ich merke meine Verlustangst rebellieren und reagiere mich Fluchtinstinkt darauf. Ich merke allgemein, dass alles was ich unternehme und tue eigentlich nur ist, um der wahre Kern meines Problems zu verdrängen, resp. nicht zuzulassen. Das kostet so enorm viel Kraft tagtäglich durch den Sumpf zu gehen. Ich frage mich manchmal wie ich das überhaupt mit dem Job hinkriege, naja irgendwie geht es.

Heute hatte ich schon Angst als ich aufgewacht bin, die Angst lässt mich nicht schlafen. Bin zwar sehr gut eingeschlafen, war aber ab 5 Uhr morgens wach. Ein ziehen in der Brust und Beinen hat mich dann überhaupt nicht mehr schlafen lassen, sodass ich dann aufgestanden bin. Komischerweise ging es mir dann besser, jedoch nicht wirklich lange. Meine Freundin rief mich dann Mittags an, es ging um ihre Mutter und die Krebsdiagnose. Die Ärztin meinte Pankreas kann man nur einmal operieren, wenn es dann noch einmal kommen würde, müsse man es einfach hinnehmen. Sie weinte nur. Ich fühlte mich berührt und merkte wie viel sie mir bedeutet. Wenigstens kurz. Ich blockierte dann gleich wieder innerlich. Verdammte Ängste, aber ja DAS BIN ICH. Es ist kein Wunder schütze ich mich vor emotionalen Bindungen. Aber Himmel Herrgott, nach 3 Jahren Beziehung könnte es doch einfacher werden. Heute begleitet mich auch eine seltsame Melancholie…es ist, als ob etwas mich runterziehen will und tausend Tonnen auf mir liegen. Ich kenne das Gefühl! Ja auch von der Depression 2012 aber das Gefühl war schon früher da! Auch in den letzten beiden Beziehungen ja, aber noch früher….Kindheit, als der Terror zu Hause seinen Lauf nahm. Gut toll, Wahnsinn. Ein altes Gefühl und nu? Ich versuchte dem Gefühl Platz einzuräumen und liess es zu. schei., als ob mich tausend Tode ereilen. Das Fenster ist offen im Büro und mich überkam ein Geruch welcher mich schnurstracks aus diesem Zustand geholt hat. Ich hatte den Geruch schon einmal in der Nase, ich erinnerte mich an bessere Zeiten, da war der Geruch präsent. Momentan geht’s mir grad besser….was ist geschehen? Ich weiss es nicht…

Nächsten Dienstag geht es zu einem anderen Therapeut um mir neue Inputs geben zu lassen. Ich bin jetzt 3.5 Jahre beim gleichen TP und brauch eine neue Inspiration. Ich versuche mir auch noch etwas zum Schlafen verschreiben zu lassen, ich warte noch auf die Antwort von meinem aktuellen TP. Wo guter Schlaf ist, fällt der Tag leichter. Nun ja die Schlafstörungen kenne ich ja schon lange, auch lange vor der Angststörung. Hängen die vielleicht mit früher zusammen? Ich weiss es nicht.

Was mir aufgefallen ist, je mehr Harmonie in unserer Beziehung herrscht, desto mehr mache ich zu und hab den Drang zum Fliehen. Angst vor Nähe? Bindungsangst? Zu viel von dieser Angst und der Gegenpart stellt sich ein, die Verlustangst. Ein ewiges hin und her, es herrscht Krieg in meinem Kopf. Manchmal weis sich echt nicht weiter. So lange Therapie und immer noch so beieinander. Ich bemühe mich täglich daran zu arbeiten. Ich muss wohl in längeren
Zeitabständen denken. 3-4 Jahre? Was ist das schon. Wenn es so weitergeht, bin ich mit 50 am Ziel. Und es soll mir jetzt KEINER kommen „Hauptsache du hast es dann geschaft“. Ich BIN ungeduldig.



6287
NRW
4000
  10.06.2015 23:31  
Hallo Bilbo,

Zitat:
Was mir aufgefallen ist, je mehr Harmonie in unserer Beziehung herrscht, desto mehr mache ich zu und hab
den Drang zum Fliehen. Angst vor Nähe? Bindungsangst? Zu viel von dieser Angst und der Gegenpart stellt
sich ein, die Verlustangst.


Vielleicht bist Du hier schon ganz nah an Deiner Angst dran.
Warum sprichst Du immer in "Oberbegriffen, wie Drang zum Fliehen. Angst vor Nähe,
Bindungsangst, Verlustangst.

Schaffst Du das mal, auszudrücken, welches Gefühl bei großer Harmonie
genau in Dir aufkommt?

Könnte die Antwort sein. Ich traue mich kaum, mich meiner Partnerin ganz zu
öffnen.
Weil ich häufig Angst davor habe später mal wieder allein leben zu
müssen, wage ich nicht mich eng an meine Partnerin zu binden. Dann tut es
wenigstens nicht so weh, falls es mit der Partnerschaft nicht dauerhaft gut geht.

Auch wenn ich daneben liege. Versuche mal zu beschreiben, was Du genau empfindest.

Viele Grüße

Hotin





1712
21
Schweiz
505
  11.06.2015 13:43  
Lieber Hotin,

danke für die Antwort. Nun ja, weshalb benütze ich solche Oberbegriffe? Ich will mir selber die Zustände erklären, ich will es einordnen können. Kontrollieren? Bei Harmonie bin ich eins mit allem, ich bin gegen Aussen gerichtet, ich habe Frieden mit allem und jeden, ich fühle mich wohl und gemittet. Ich fühle mich zu Hause, angenommen und akzeptiert. Ich gebe. Ich bin im hier und jetzt.
Ich nenne es angekommen sein. Dieses Ankommen führt mich zwangsläufig zu meiner Kindheit vor der grossen Eskalation.

Heute war ein anstrengender Morgen. Ich war voller Trauer. Am Mittag beschloss ich, wie so oft in Richtung Elternhaus zu fahren. Irgendetwas zog mich dort magisch an, nur verstand ich erst heute warum. Wie oft fuhr ich bei schlechten Gefühlen Richtung Elternhaus. So oft.
Es fiel mir wie Schuppen von den Augen: Ich muss mich lösen von meinen Eltern und der Vergangenheit. Ich bin jetzt erwachsen.
Es ging mir sehr sehr mies auf dem Weg dorthin. Mir liefen die Tränen nur so hinunter weil ich wusste, ich werde das letzte Mal dort sein. Ja ich werde mich verabschieden und es fühlte sich, wie wenn tausend Lastwagen über mich hinwegrollten. Der Schmerz war unbeschreiblich heute Morgen. Ich werde mich lösen, ich werde nun adjö sagen. Das war mitunter eines der härtesten Erlebnisse der letzten Zeit.
Ich fuhr auf einen Parkplatz in der Nähe des Quartiers in welchem ich aufgewachsen bin. Es hat sich viel und doch nichts verändert. Meine Gefühle waren ab dem Aussteigen wie versteinert. Ich lief zum Einfamilienhaus, komische Situation, es fühlte sich surreal an. Ich war wieder da und zwar zu Fuss und nicht am Vorbeifahren. Ich habe mich verabschiedet, lief noch im Quartier umher und erinnerte mich an so vieles.

Mir wird so viel klar, all die Ängste, alle Traurigkeit und Verzweiflung….ich lebte noch immer zu Hause und es tat weh auf Lebewohl zu sagen. Auch wenn die Narben ein Teil von mir bleiben werden. Auch wenn die Ängste mich weiter begleiten, ich denke das ist normal. Es war ein wichtiger Schritt dorthin zugehen und bewusst auf Wiedersehen zu sagen.
Es fühlte sich gut an, irgendwie. Auf der anderen Seite war und bin ich jetzt sehr sehr leer. Ich habe starke Kopfschmerzen und weiss nicht so recht was jetzt kommt. Irgendwie fühle ich mich erwachsener als noch heute Morgen und doch fühl ich mich wie in einem Film.

Danke1xDanke


6287
NRW
4000
  11.06.2015 20:50  
Hallo Bilbo,

was Du beschreibst, ist absolut der "Wahnsinn".
Es kann wirklich genau so sein, wie Du es beschreibst.
Also doch keine Hirnschwäche? Ist das nicht (D)eine irre Gefühlsstärke.

Lass das bitte mal ein paar Tage auf Dich wirken.

Und wenn Du mir dann in einigen Tagen mal was aus Deiner Gefühlswelt erzählen kannst, würde ich
mich ehrlich echt freuen.

Sei stolz auf Dich. Bestimmt wird jetzt vieles besser. Du wirst innerlich ausgeglichener,
zufriedener und glücklich.

Herzliche Grüße

Hotin





1712
21
Schweiz
505
  24.06.2015 13:58  
So da bin ich wieder…es ist jetzt 2 Wochen her als ich mich von meinem Elternhaus lösen konnte. Oder zumindest einen Teil lösen konnte. Komische Sache dieses Loslösen aber es hat durchaus seine Spuren hinterlassen. Ich kann sagen, dass meine psychosomatischen Beschwerden sich stark gebessert haben, ich fühle mich erwachsener und habe mehr Selbstvertrauen. Ich stehe mehr bei mir und bin mehr im 2015. Es gab mir etwas Ruhe und Gelassenheit.

Leider hat sich meine anfängliche Hoffnung nicht bewahrheitet, dass durch dieses Lösen all meine Probleme in Bezug auf die Angst verfliegen. ;-) schade. Die Angst kommt und geht immer noch wie immer, jedoch falle ich nicht in diese Dissoziation oder werde völlig gelähmt. WUNDERBAR….Es ist ein Fortschritt, ich bin stolz auf mich…der Weg ist jedoch noch lange nicht zu Ende.

Ich kann nun auch endlich meine Partner so akzeptieren wie sie ist, ich sehe Ihr Stärken UND Schwächen und es ist ok. Sie ist wie sie ist. Ich habe gesehen das es ein Kampf gegen Windmühlen ist… auch illusorisch zu glauben dass sie wie ich lieben soll. Jeder spricht eine andere Sprache und hat es anders gelernt. Hier kann ich auch sagen WUNDERBAR.

Ich sehe es geht voran, mir wird das wieder klar wenn ich es niederschreibe.

Ich merke aber auch, wie sehr die Angst noch mit Erinnerungen aus alten Beziehungen verknüpft ist. Es sind diese berühmten Trigger welche mich ängstlich werden lassen. Komischerweise sind es keine schlimmen Erinnerungen. Es sind alltägliche Erinnerungen welche wahrscheinlich jeder hat. Nur fliesst die Information direkt ins Angstzentrum. Gestern Mittag habe ich auf FB jemand gesehen der meiner kurzen Beziehung vor ein paar Jahren gleicht. Und schon geht’s los. Das nervende ist wohl dass dann gleich Unsicherheiten, Ängste und vorallem ZWEIFEL zur aktuellen Beziehung aufkommen. Die Zweifel sind am beschissensten. An unserer Beziehung gibt es nichts weltbewegendes was schief läuft, im Gegenteil. Wir stehen uns sogar noch ein wenig näher als auch schon. Noch gestern Morgen habe ich über Hochzeit nachgedacht, weil es die Frau ist die ich will. So, nun ist die Angst da und ich Zweifel nur noch. Zwangsstörung, Zweifelskrankheit, ROCD…es passt so ins Bild. Meistens geht es mir am Morgen nach dem Schlafen sehr gut bis gut, dann wird es im späteren Verlaufe des Tages schwieriger. Auch wenn ich jetzt sagen kann, diese Ambivalenz begleitet mich seit Beginn, es ist jedesmal von neuem mühsam. Und sage es bei Gott niemandem der mein Problem nicht nachvollziehen kann..“was du hast Zweifel? Dann ist es nicht die Richtige“. HA ich habe bei jeder Frau Zweifel die mir näher kommt als mir lieb ist.

Lustigerweise habe ich in Angstfreien Phasen 0 Zweifel. Das einzige was mich dann „stört“ ist, dass es S. eine Flaute gibt, die aber erklärbar ist. Aber wehe ich hab eine schwierige Phase, dann ist das S. noch das kleinste Problem. Don’t feed the troll. Again and again…



6287
NRW
4000
  24.06.2015 16:17  
Hallo Bilbo,
Zitat:
Ich kann sagen, dass meine psychosomatischen Beschwerden sich stark gebessert haben, ich fühle
mich erwachsener und habe mehr Selbstvertrauen.


Herzlichen Glückwunsch für Dich. Einen großen Schritt bist Du offensichtlich
jetzt voran gekommen. Eine Zeit von zwei Wochen bedeutet so gut wie nichts.
Damit will ich sagen. Du wirst sehen, da wird sich noch ganz viel in den nächsten Monaten
und Jahren verbessern.

Weiterhin viel Erfolg

Hotin

Danke1xDanke




1712
21
Schweiz
505
  29.07.2015 13:14  
Heute ist ein durchzogener Tag.

Ich merke das ich ein Bedürfnis zum Tagebuch schreiben habe, wenn ich eine schlechte Phase hatte, oder habe.

Nun denn, was ist passiert? Ich habe sage und schreibe 6 Wochen am Stück eine gute Phase gehabt. Klar es gab immer wieder Anläufe von Angstzuständen, die richtig richtig starken sind aber nicht aufgetreten. An was lag das? Ich behaupte immer noch das Schlüsselerlebnis hat mir neue Tore eröffnet. Ich dachte doch echt, hey 1.5 Monate nix mehr schlimmes…ich bin stolz auf mich! Sehr sogar, das war der grösste Fortschritt seit fast 4 Jahren. Die guten Zeiten bewegten sich immer zwischen 1-2 Wochen, dann ging es wieder los.

Ich wurde dann letzten Montag eines besseren belehrt, das die „Krankheit“ in meinem Unterbewusstsein weiterbrodelt. Es ist auch ok, ich kann damit irgendwie leben. Angefangen hat es als ich eine Erinnerung über Verluste in meiner Vergangenheit hatte. Ich tauchte in die Erinnerung automatisch ein. Wie ein Sog hat sich das angefühlt und ich durchlebte das Gefühl wieder. Wir waren essen und mich überkam eine unendliche Traurigkeit, warum auch immer. Ich wusste trotzdem das es nichts mit der aktuellen Gegenwart zu tun hatte, es war trotzdem unangenehm. Meine Verlustangst wurde dann schön gegeiselt und ich rutschte leicht in eine Depersonalisation ein. Naja was mache ich in solchen Situationen? Nicht viel….und doch immer das gleiche…ich fange an zu Googeln und halte die Angst auf einem hohen Level. Ich kann wie nicht damit aufhören….Auch suche ich ständig nach Gefühlen um mir Sicherheit zu geben ob noch alles in Ordnung ist. Ja das ist doof und ich denke auch es hat nicht so viel damit zu tun ob die Gefühle bei mir weg sind. Dies ist meine Art mit der Angst umzugehen, ziemlich doof. Die Art zu suchen im Internet ist auch immer das gleiche „Was ist Liebe, was ist eine gute Beziehung, Unterschied Liebe und Verliebtheit“. Ich kann es nicht mehr lesen, gewisse Seiten kenne ich in und auswendig. Ich möchte das eigentlich nicht, es beruhigt aber. Ich muss etwas finden, das ich nicht in diese Art damit umzugehen reinrutsche. schei. Google, das ist wohl die dümmste Erfindung die es gibt. Wir denken nicht, wir googeln…. Tja, logisch denken während akuten Angstphasen, soll mir einer erzählen er kann das. 

Ich halte mich jetzt einfach an den 6 Wochen fest, dies heisst wohl das ich es kann. Es hat mir nochmal nen Schub Selbstvertrauen gegeben, dass es doch „heilbar“ ist. Es reicht auch schon aus wenn die Angst nur noch schwach wäre. Möglich ist es allemal und dies benötigt Zeit. Dranbleiben!

Danke1xDanke


6287
NRW
4000
  29.07.2015 23:29  
Hallo Bilbo,

mir scheint, bei Dir ist noch alles im "Grünen Bereich".

Bitte werde jetzt nicht ungeduldig. Du wirst dadurch, das Du weißt,
wie Du Dich besser selbst annehmen und akzeptieren kannst kein
neuer Mensch. Du bleibst der alte, sympathische Bilbo und Du
wirst glücklicherweise nie perfekt werden. Für Deine
Mitmenschen wärst Du sonst ein schwieriger Partner.
Zitat:
Auch suche ich ständig nach Gefühlen um mir Sicherheit zu geben ob noch alles in Ordnung ist.
Ja das ist doof


Bilbo, das ist nicht doof, ich halte das für klug. Diese Sicherheit sollte nur
immer mehr aus Dir selbst kommen. Frage Dich immer wieder mal, ob Du noch auf dem Weg bist,
den Du gehen möchtest. Und wenn Deine Antwort ja ist, ist das Deine Sicherheit. Google brauchst
Du dann nicht mehr. Das war Deine jahrelange Ersatzsicherheit.

Arbeite weiter an Deiner Zufriedenheit. Du wirst Deinem Ziel immer näher
kommen. Erreichen wirst Du es jedoch nie. Keiner wird perfekt sein.

Weiterhin viel Erfolg auf Deinem Weg

Hotin





1712
21
Schweiz
505
  15.09.2015 14:22  
So ich muss hier wieder einmal in meinem Thema schreiben.

Ich bin jemand der auf Kränkungen und Verletzungen sehr sehr schlecht reagiert. Gestern war auch wieder so ein Tag. Die Art und Weise mit welcher meine Freundin mich "angegriffen" hat, war nicht ok nur hat sie sich dabei gar nichts überlegt. Es ging darum, dass sie mich nicht so nett findet in letzter Zeit. Sie gebe sich Mühe und von mir kommt wenig bis gar nichts. Das Gespräch fand im Skype statt, in welchem ich mich über die doofe Mücke in der Nacht beklagt hatte. Auf alle Fälle meinte Sie dann dass ich doch Mückenspray inhalieren sollte, dann trete ich weg. Ich sagte nur sehr nett von dir. Sie meinte dass Sie jetzt auch nicht mehr nett mit mir ist, da ich es nicht bin gerade. Auf die Frage was jetzt wieder ihr Problem ist, sagte Sie das ich das Problem bin.

Ich muss dazu sagen, um das ganze abzuschwächen, wir sprechen manchmal im Witz ein bisschen unter der Gürtellinie, was auch ok ist. Wir sind beide da eher ähnlich.

Wenn ich dann aber (in meinen Augen) abgelehnt werde, mache ich mich enorm empfindlich und ertrage solche Sätze gar nicht mehr. Ich fühle mich gekränkt und es fühlt sich vernichtend an. Ich habe wirklich körperliche Beschwerden und ich rutsche in eine Art Minidepression hinein. Ich habe dann habe dann heute allen Mut zusammengenommen und das Thema angesprochen. Ihr auch den Verlauf des Chats geschickt. Sie hat gesagt das hört sich nicht wirklich nett an und es tut ihr Leid. Das Gespräch verlief ganz gut und ich verstand auch, dass es für sie enorm schwierig ist mich einzuschätzen, weil sich die Stimmung innert Sekunden manchmal umschlagen tut.

Ich habe ein grosses Problem mit dieser Ablehnung, welche mir mein geringes Selbstvertrauen beschert.

Ich kann nach solchen Situationen tagelang in meiner Kränkung verweilen und komme da schwer wieder heraus. Mir ist gerade jetzt aufgefallen, das ich meine Mauern hochfahre und nichts mehr an mich heranlasse. Verletzung - Mauer hoch - keine Gefühle. Ich fühle jetzt echt nichts mehr, nur meine Müdigkeit.

Solche Situationen in welchen ich sehr oft bin, treibt meine Verlassensangst an. Hier kommt wieder die Angst, das meine Gefühle weggehen. @Hotin, hat mir das sehr gut erklärt, was mir jetzt ein wenig hilft.
Manchmal ist es echt zum davonlaufen, ich fühle keine Sympathie und Zuneigung zu meiner Freundin, ich mag auch gar nicht mir ihr sprechen. Das ist diese Ambivalenz wohl, die mir das Leben schwer macht. Mich wundert es einfach, das ich so lange Mauere trotz dem Gespräch und der Entschuldigung. Ich kann mich gerade nicht öffnen. Hm ich denke das ist mit meiner Vergangenheit wohl normal und logisch. Trotz alledem ist die Angst da, keine guten Gefühle mehr für sie zu spüren. Doofes Muster! Auch wenn ich das jetzt kenne, die Unsicherheit bleibt ob es denn nicht wirklich so ist.

Meine Freundin und ich haben eine total andere Erziehung genossen. Ich habe bei meinem Elternhaus nie Diskussionen miterlebt! (Bis zum 14. Lebensjahr). Meine Freundin ist mit ihrer Mutter aufgewachsen und für sie sind Diskussionen normal, man fetzt sich kurz und nach ein paar Minuten ist alles vergessen. Bei mir nicht, es fühlt sich jedesmal richtig vernichtend an. Es fällt mir zwar schon einfacher damit umzugehen als vor 3 Jahren, trotzdem. Früher hatte ich bei jeder Kritik (Verletzung in meinen Augen) eine Panikattacke.

Unsere Streitkultur wird, so habe ich das heute gemerkt, viel besser. Wir müssen beide nicht immer unseren Willen durchsetzen, hören besser zu, bleiben ruhiger. Was in mir drinnen aber abgeht nach diesen Streitereien, bäh. Wie oben schon erwähnt, ähnlich wie eine Depression. Also nur eine leichte, was eine schwere Depression ist, habe ich mit 30 erfahren dürfen, das ist was anderes.

Ich kann mich in Beziehung einfach sehr schlecht wehren und mir fehlt das Selbstvertrauen. Ich habe das nie gelernt, mir wurde auch alles als Kind abgenommen. Probleme löste mein Vater für mich. Ich habe heute mein Anliegen ihr sagen können und gesagt was ich mir wünsche. Das ist ein Fortschritt. Ich verbiege mich nicht mehr so wie am Anfang!

Nun sitze ich hier und verdränge konstant unbewusst meine Freundin. Schon unglaublich was das menschliche Hirn kann. Der innere Beschützer nennt mein Therapeut das. Ich muss gar nicht versuchen mich an gute Zeiten zu erinnern. Ihre Stimme kann ich nicht abrufen, geschweige den ein gutes Gefühl zu ihr in der Vergangenheit. Ich bin taub! Früher hat mir das auch sehr starke Angst gemacht, da diese "Trennung" mir Schmerzen machte. Jetzt bin ich ein bisschen klüger und hoffe, dass ich wieder Zuneigung für Sie verspüre...

die Unsicherheit bleibt trotzdem!

Danke1xDanke

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