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201828.01




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Liebes Diarium:

Der Tag mit meiner Freundin war wie immer sehr schön, nur das Ende war auch fast wie immer weniger erfreulich.
Meine Gedanken haben mich aber nicht so fertiggemacht wie sonst manchmal.
Trotz ihrem Trost habe ich große Angst vor meinem morgigen Termin mit dem Schulsozialarbeiter.
Leider kann sie nicht dabei sein. Ich bin mir nicht sicher ob das gut oder schlecht ist.
Meine gute Laune hat dann noch mein Vater vermiest, sodass ich wieder in einem undefinierten Zustand zwischen Glück und Trauer bin, der mich seit Monaten verfolgt.

Der Gedanke, dass ich mir alles nur einrede und andere den Schulsozialarbeiter dringender benötigen, drängt sich vermehrt in den Vordergrund meines Gedankenchaos.
Bis jetzt ist mir eine Heulattacke erspart geblieben, doch ich denke viel an die gestrige Situation, in der ich von meiner Freundin vor dem Heulen bewahrt wurde. Ich habe dabei auf meine Gedanken geachtet und bin bis jetzt immer noch verwirrt. Es waren Tausende Gedanken die in wenigen Augenblicken durch meinen Kopf geschwirrt sind. Es waren eher Bilder und Filme als Gedanken. Ich wusste nur, dass sie da sind. Die wenigsten konnte ich erkennen. Klar und deutlich kann ich mich an eine Klarsichtfolie erinnern, die von der Rolle gezogen, abgerissen und zerknüllt wurde. Die restlichen Bilder sind verschwommen.
Ich frage mich, was dieses Chaos zu bedeuten hat und wie ich es ordnen kann.
Ich weiß nicht wie der Termin morgen ablaufen wird. Ich soll daran glauben, dass es helfen wird, aber die Angst wird dadurch nicht kleiner. Aber der Termin ist abgemacht, und ich werde mich auch dorthin zwingen. Zwar sind die Zweifel groß, doch ich habe keine andere Wahl wenn ich will dass es besser wird. Und es muss besser werden, da meine schulischen Leistungen nicht denen entsprechen die ich von mir erwarte und die von Anderen erwartet werden. Außerdem beeinflusst mein Verhalten und meine Stimmung maßgeblich den Zustand meiner Freundin, weswegen ich Anfangs am Sinn dieser Beziehung gezweifelt habe. Aber zumindest diese Zweifel sind verschwunden.
Ich stelle mir immer wieder Szenarien vor, die sich morgen abspielen könnten. Ich sehe mich vor dem Raum weglaufen aber nicht von der Stelle kommend. Ich sehe mich den Raum betretend und von anderen ausgelacht. Ich habe Angst, dass mich Menschen sehen, wie ich mit dem Schulsozialarbeiter spreche. Ich sehe mich, wie ich den Schulsozialarbeiter anlüge um seine Erwartungen zu treffen. Wie ich lüge um den Raum schnellstmöglich verlassen zu können. Wie ich lüge um mich selbst zufrieden zu stellen.
Wie ich mir mein Leben zurecht lüge, wie ich es meiner Meinung nach seit fast 17 Jahren getan habe.

Und ich habe Angst, dass es stimmt, dass ich leicht agoraphobisch veranlagt bin.
Mir machen diese Ängste angst.

Auf das Thema antworten


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Niedersachsen
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  29.01.2018 15:46  
Vielleicht ist es aber wirklich gut, dass du dort mal hin gehst. Schlecht auf jeden Fall nicht :) Und wer es braucht, wird auch hinkommen, mach dir deswegen keine Sorgen :freunde:

Wirst du erzählen, wie der Termin war?
Denk immer daran, dass die Leute dir nur helfen wollen! Dass es dir besser gehen kann. Versuch dich daran zu erinnern bzw. daran zu glauben und schreib es dir ggf auf und lies es jeden Tag erneut

Liebe Grüße





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  29.01.2018 20:09  
Liebes Diarium:

Den ganzen Tag hatte ich nur den Termin mit dem Psychologen vor Augen.
Als es dann so weit war, war es am Anfang ganz in Ordnung, doch im Laufe der Zeit wurde es unangenehm ständig Fragen zu beantworten. Teils war mir echt zum Heulen, aber irgendwie dann auch nicht.
Er hat viele Fragen gestellt. Zu mir, meiner Person, zur Schule, Musik, Familie, Freunde, meiner Freundin.
Am Anfang dachte ich, dass er es vielleicht auf mein "schwieriges Alter" von fast 17 Jahren schiebt.
Aber anscheinend will er sich mir doch annehmen, denn ich habe nächste Woche direkt wieder einen Termin.
Dort will er mir seine Ergebnisse präsentieren und den weiteren Verlauf durchsprechen.
Er hat mir angekündigt Tests mit mir machen zu wollen. Mehr weiß ich bis dato nicht.

Mir gehts grade wie immer. Leer und jenseits zwischen glücklich und traurig.
Dass ich meine Freundin versetzt habe weil ihr Bus verspätet kam, macht den Tag nicht besser.
Vielleicht lenkt mich die Schule ein wenig ab, ich hoffe es zumindest.



611
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Niedersachsen
142
  30.01.2018 07:48  
Es ist auf jeden Fall super, dass du bei dem Termin warst!
Es freut mich, dass du auch schon einen nächsten hast.
Natürlich ist das alles nicht einfach. Aber das wird dir bestimmt gut tun und er möchte dir ja auch nur helfen :)





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  04.02.2018 19:58  
Liebes Diarium:
Eine kurze Zusammenfassung der Woche...
Dienstag und Mittwoch waren in Ordnung, nicht gut und auch nicht schlecht eben.
Mittwoch abend musste ich meine Freundin trösten. Es war herzzerreißend sie so traurig zu sehen.
Am Donnerstag war sie da und es war gut dass sie da war!
Freitag war ein Vortrag vor 63 Leuten dran, lief aber ganz gut, nur die vielen Menschen waren zu viel und zu laut...
Samstag ist nicht erwähnenswert.

Heute bin ich in den Armen meiner Freundin so halb zusammengebrochen, hab sie noch bis zur Tür gebracht und bin dann im Bett zusammengeklappt. Mein Arm hat angefangen zu zucken, ich hab mich komplett verkrampft und unter der Bettdecke zusammengerollt und angefangen zu heulen und mein Kopfkissen lautlos anzuschreien und zu atmen wie nach 50min Ausdauerlauf.
Ich weiß nicht was das war, aber ich hab es öfter. Nur war es vorhin am Schlimmsten seit jeher.



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Niedersachsen
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  04.02.2018 23:03  
Du bisr wirkl lieb zu ihr :)
Wieso ist sie nicht bei dir geblieben? Wenn es dir so schlecht ging? :/

Geht es dir jetzt etwas besser?





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  05.02.2018 22:22  
Liebes Diarium:

Mindhead hat geschrieben:
Du bisr wirkl lieb zu ihr :)
Wieso ist sie nicht bei dir geblieben? Wenn es dir so schlecht ging? :/

Geht es dir jetzt etwas besser?


Das gehört sich doch so, oder Nicht?
Sie ist auf einem Internat und musste pünktlich zum Essen daheim sein.

Ich hatte heute den zweiten und letzten Termin beim Schulpsychologen. Er hat mich entlassen und gesagt dass ich weder krank noch abnorm bin.
Ich habe auch keine affektive Dysfunktionalität und auch sonst bin ich in Ordnung...

Mir geht's Grad besser nur hab ich wieder mal Kopfschmerzen.



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Niedersachsen
142
  06.02.2018 07:44  
Er hat dich wirkl einfach so entlassen? ._.
Das ist ja inkompetent. Man merkt immerhin, dass du leidest!
Kannst du noch auf anderer Art Hilfe bekommen?





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  06.02.2018 21:04  
Liebes Diarium:
Ich fasse nochmal die gestrigen Ergebnisse zusammen:
- ich habe keine depressiven Verstimmungen
- ich habe keine affektive Dysfunktionalität
- ich denke absolut rational
- ich verstehe meine Gefühle
- ich bin mit den Gefühlen durch meine Freundin überfordert
- ich bin nicht dem Mainstream angehörig
- ich bin nicht absonderlich
- ich bin nicht krank

- ich bin kein Fall für einen Psychologen?

Also mal abgesehen davon, dass sich manche der genannten Ergebnisse schon in sich widersprechen und teils auch keinen Sinn ergeben, sind das entweder Dinge denen ich nicht zustimmen kann





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  06.02.2018 21:19  
Toll, dass es meinen ganzen ellenlangen Text gelöscht hat und nur noch das Fragment da oben übrig geblieben ist...





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  21.04.2018 20:29  
Je länger ich über den Besuch bei diesem Psychologen nachdenke, desto mehr sehe ich, wie wenig mir der Besuch an sich gebracht hat. Er hat nur das wiederholt, was ich ihm eigentlich schon erzählen hab können.

Zur Zeit fangen einige Mitschüler an sich Gedanken über mich zu machen und mich zu diagnostizieren...
Ich wünschte, sie würden leise sein, und mich nicht ständig daran erinnern, dass ich NICHT Mainstream bin.
Ich bereue es nicht, dass ich nicht mit dem Strom schwimme, aber es ist nervig ständig darauf gestoßen zu werden...


Die letzten Wochen waren in Ordnung. Die Ferien waren zwar auch wieder ein dahinvegetieren, allerdings konnte ich meine Freundin für vier Tage besuchen. Das Glück schien angehalten zu haben bis vor ein paar Tagen. Auch konnte ich mich mit Musik ziemlich gut über Wasser halten. Aber jetzt fängt es wieder an, dass mir daheim alles auf den Kopf fällt. Um eine Heulattacke bin ich noch drum herum gekommen, aber ich habe Angst, dass es wieder so schlimm wird.
Meine Freundin will wissen wie es mir geht, aber ich kann ihr keine wirklichen Antworten geben.
Ich habe wieder Selbstmordgedanken, nur weiß ich, dass ich viel zu feige dazu wäre.
Ich träume davon, oder denke im Alltag daran, wenn meine Frustrationsgrenze wieder maßlos überschritten worden ist.
Teils habe ich auch solche Gedanken, dass ich daran denke, etwas nicht zu tun. Doch dann denke ich ständig daran das zu tun (zum Beispiel Aggressionen abzulassen) und es ist dermaßen ablenkend...
Nennt man sowas Zwangsgedanken? Also ich weiß, dass es diesen Begriff gibt, aber ich weiß nicht ob er für das nervtötende oben genannte Phänomen zutrifft.

Ich war einmal ehrlich zu meiner Freundin, und habe ihr erzählt was in meinem Kopf vorgeht. Die Folge waren zwei Stunden Tränen von uns beiden.
Ich bringe es nicht übers Herz noch einmal die Wahrheit zu sagen.
Zwar lüge ich auch nicht gerne, aber ich will sie irgendwie über Wasser halten, denn auch ihr geht es nicht gut. Allerdings ist sie bei ihren Erzieherinnen im Internat in guten Händen und in Betreuung.

Ich weiß ehrlich nicht, was ich machen soll um nicht wieder in ein Loch zu fallen.
Hilfe...
Meine Gedanken...





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  24.04.2018 20:44  
Ich lebe nicht. Ich existiere.
Ich will nicht mehr.
Ich will leben. Oder nicht leben.
Nichts Halbes.





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  24.04.2018 21:07  
Wenn ich dann noch Musik höre, die Smileys hier sehe und nachdenke wann ich das letzte Mal was gutes getan habe, und wann ich zum letzten Mal irgendwie Freundlichkeit erlebt habe, dann ist mir echt zum Heulen.
Zwar blödel ich mit manchen ganz gern mal rum, aber das ist längst nicht so erfüllend wie wirklich Spuren zu hinterlassen, *schnief*

:weinen: :seufzen





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  26.04.2018 22:08  
Ich habe einfach das Gefühl, als könnte ich mich nicht so ausleben wie ich gerne würde.
Als ich mit meiner Freundin Zug gefahren bin waren solche Momente da, in denen wir einfach gelebt haben.
Wir haben zwei alten Menschen in den Zug geholfen und sie auch verabschiedet.
Und wir haben ein ältere Dame, die etwas verloren am Bahnsteig stand auf unsere Bank eingeladen.
Auch sie habe ich als sie ausgestiegen ist verabschiedet.
Sie hat sich so gefreut. Es war wunderschön.
Sie war so süß. Jedes Mal wenn ich daran denke muss ich weinen.

In diesen Momenten habe ich gelebt und mich gut und lebendig gefühlt.
Aber daheim habe ich diese Möglichkeiten nicht.
Keine Möglichkeit Spuren zu hinterlassen, Gutes zu tun, etwas zu bewirken.
Momentan halten mich Danny Elfman (Komponist der Filmmusik zu Alice im Wunderland (mit Johnny Depp)) und Thomas Newman (Filmmusik zu Lemony Snickets Series of unfortunate events (nicht die Serie)) halbwegs über Wasser.
Aber es ist so schwer nicht ständig in Tränen ausbrechen zu müssen.


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