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201828.01




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Vorwort

Eigentlich weiß ich selbst nicht genau, warum ich dieses Tagebuch schreibe... vielleicht hoffe ich, dann besser mit der Situation umgehen zu können, vielleicht hilft es aber auch dem Einen oder Anderen, der gerade in einer ähnlichen Situation steckt wenn er/sie sieht dass er/sie nicht allein ist...

Ich war noch ein Teenager, mit allen hormonellen Höhen und Tiefen. Ich war gerade mit einem irgendwie... seltsamen, aber faszinierenden Typ zusammen. Er nahm mich mit zu einem Freund,E., dort lernte ich auch M. kennen. Wir freundeten uns an, und diese Freundschaft blieb auch nach der Trennung meines Damaligen bestehen.
Es sollte noch fast ein ganzes Jahr dauern, bis ich mich irgendwie in M. verliebte - ich hatte aber Angst es ihm zu sagen, stand doch eine wundervolle Freundschaft auf dem Spiel. Ich konnte mich nur E. anvertrauen, der mittlerweile auch zu einem meiner engsten Freunde geworden war.
Wir trafen uns oft, bald täglich, nur rein freundschaftlich natürlich. Als wir eines schönen Tages, am 1.4.2000 um genau zu sein, mal wieder bei E. waren, sagte er, als M. kurz aus dem Zimmer war: "Sag mal, siehst du das denn nicht? Er LIEBT dich!" Ich war erstmal völlig perplex; das hatte ich nie zu hoffen gewagt... Als M. zurück ins Zimmer kam, war ich so durcheinander, dass ich kein Wort rausgebracht habe, obwohl mir E. immer wieder Blicke zuwarf, die förmlich schrieen "sag es ihm endlich!"
Irgendwann wurde E. Dieses Trauerspiel wohl zu viel, er wandte sich an M.: "diese Frau liebt dich, so wie du sie liebst. Und jetzt küsst euch endlich, das kann man ja nicht mitansehen!"

So kamen wir zusammen, vor einer halben Ewigkeit, wie es scheint. Nach wenigen Monaten zogen wir in unsere erste gwmeinsame Wohnung, davor hatten wir beide bei den Eltern gelebt. Obwohl ich die letzte Zeit vor dem Auszug mehr Zeit bei M.s Familie verbracht habe.
Obwohl ich schon oft gehört habe, dass Appartments Beziehungskiller sind, schafften wir es 13 Jahre lang, sämtliche Höhen und Tiefen gemeinsam zu durchstehen. Wir haben zusammen gelacht, gestritten, geweint... nach 9 Jahren holten wir uns einen neuen Mitbewohner mit Fell nach Hause. Wir nannten ihn immer liebevoll "unser Fell-Baby". Das Familienleben schien perfekt.
2013 beschlossen wir nach langem Nachdenken, nach NRW auszuwandern, knapp 700km weit weg. Obwohl für mich von Anfang an feststand: ich gehe dorthin wo auch mein Partner ist.
Jetzt sind wir seit viereinhalb Jahren hier, in einer größeren Wohnung (am anfang haben wir uns oft über handy aus dem anderen Teil der Wohnung gegenseitig angerufen, nur um zu sagen "hey, ich bin grad im Arbeitszimmer" - "ja, und ich bin in der Küche". Wir waren eine so große Wohnung ja nicht gewohnt), sind hier auch schon einmal umgezogen in eine absolute Traumwohnung, wie wir beide von Anfang fanden. Ich stand oft am Fenster mit dem Blick nach draußen und einer unendlichen Dankbarkeit im Herzen - mein Leben war endlich richtig schön. Als todunglücklicher Teenager mit Suizidgedanken hätte ich mir ein solches Glück niemals träumen lassen.

Am 25.1.2018 hatten wir eine kleine Meinungsverschiedenheit - eine völlige Banalität, eigentlich. Er sagte, was soll denn dieser Ton schon wieder, ich sagte, mein Ton ist ganz normal, du bist nur wieder überempfindlich weil es dir zur Zeit nicht gut geht. Ein Wort gab das andere, in letzter Zeit passierte das immer öfter, ich hatte ihn immer wieder gefragt was los sei, ich hatte ja gemerkt dass etwas nicht stimmte. Seine Antwort war jedesmal die selbe: es ist nichts, wenn etwas wäre würde ich es dir schon sagen.
Dann sagte er diesen einen Satz, der meine Welt zum Einsturz brachte: "dann müssen wir halt die Konsequenzen ziehen".

(Fortsetzung folgt)

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  28.01.2018 17:48  
Tag 0

Ich war erstmal völlig durch den Wind. Ich fragte ihn, ob das sein Ernst sei, ob er tatsächlich die Beziehung beenden wolle; er bejahte. Ich bin erstmal rausgelaufen, ziellos durch die Straßen, ich war am Ende. Mir fiel plötzlich dieser dämliche Traum aus der letzten Nacht ein: M. hatte sich von mir getrennt. Jetzt war dieser Albtraum Wirklichkeit geworden...Irgendwann bin ich wieder zurück; wir hatten uns in den letzten fast 18 Jahren öfters gezofft, und immer hatten wir uns nach kurzer Zeit weinend in den Armen gelegen, beide die Verzeihung des anderen erbittend.
Wir haben nicht mehr viel geredet an diesen Tag. Ich habe mich zeitig ins Schlafzimmer verkrochen um allein zu sein - ich ertrug seine Anwesenheit nicht. Ich fühlte mich, als würde ich vor einem riesigen tiefen Loch stehen, und es gibt keinen Weg drumherum. Im Nachhinein (drei Tage später) kann ich mich irgendwie nicht an alle Einzelheiten erinnern, wie bei einem schlechten Traum.
Abends habe ich mich in den Schlaf geweint, wurde immer wieder wach, nur um weiter zu weinen.

(Fortsetzung folgt)

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  28.01.2018 19:41  
Tag 1

Viel geweint, wenig geschlafen. Der Tag zieht sich wie Kaugummi, alles wirkt so surreal, ich warte immer noch darauf endlich aufzuwachen, weil alles nur ein Traum war. Ich fühle mich schwach und kraftlos, schleppe mich durch die Wohnung. Ich telefoniere mit meinem Papa: ich könnte in meiner "alten Heimat" ein Appartment beziehen. Allerdings habe ich dort keine Arbeitsstelle; hier schon. Im Augenblick will und kann ich darüber nicht nachdenken. Ich habe Angst vor der Zukunft.

(Fortsetzung folgt)

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  28.01.2018 19:52  
Tag 2

Viele Tränen, viele Gedanken. Der Tag ist wieder quälend lang. Abends schaffen wir es, uns einigermaßen erwachsen zu unterhalten (mal abgesehen davon, dass ich ständig völlig willkürlich in Tränen ausbreche wie ein kleines Kind). Ich äußere meine Gedanken: warum hat er nicht schon etwas gesagt, bevor es zu spät war? Hätten wir dann noch etwas retten können? Was habe ich falsch gemacht? Wie kann nach 18 Jahren die Liebe einfach so...verschwinden? Wie kann man diese wunderbare Beziehung einfach so unwürdig enden lassen? Wie lange wusste er schon, dass er die Beziehung beenden wird? Waren bei den letzten ausgetauschten Intimitäten noch Gefühle dabei oder ging es ihm einzig und allein um die Befriedigung?...
Die einzige Antwort die ich bekomme: ich weiß es nicht, ich kann es dir nicht sagen, wenn ich es in Worte fassen könnte würde ich es tun.
Die quälenden Fragen bleiben.

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  28.01.2018 21:35  
Jedes Wort tut weh, wenn man Parallelen des eigenen Scheiterns einer großen Liebeszeit erkennen und mitfühlen kann. Wenn die Depression mürbe macht, kann man auch die Liebe vergessen, oder hat keine Kraft dazu, findet keine Worte mehr. Man blickt in den Abgrund und der Abgrund starrt zurück. Ich wünsche dir liebevolle Menschen, die dich in dieser Zeit und auch aus dieser Zeit begleiten.
Alles Gute und liebe Grüße

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  29.01.2018 01:07  
stuttgarter10 hat geschrieben:
Jedes Wort tut weh, wenn man Parallelen des eigenen Scheiterns einer großen Liebeszeit erkennen und mitfühlen kann. Wenn die Depression mürbe macht, kann man auch die Liebe vergessen, oder hat keine Kraft dazu, findet keine Worte mehr. Man blickt in den Abgrund und der Abgrund starrt zurück. Ich wünsche dir liebevolle Menschen, die dich in dieser Zeit und auch aus dieser Zeit begleiten.
Alles Gute und liebe Grüße

Vielen Dank. Ich hoffe, dass der Abrund vielleicht im Lauf der Zeit (und ich weiß, dass es sehr lange dauern wird) ein ganz klein wenig kleiner wird.
Auch dir alles Gute.





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  29.01.2018 01:23  
Tag 3

Der erste gemeinsame freie Tag seit der Trennung. Die meiste Zeit sitzen wir schweigend nebeneinander. Es fühlt sich so unglaublich komisch, so seltsam... so falsch an. Wir gehen nicht gemeinsam mit dem Hund raus, wie vorher. Unsere Wäsche im Bad liegt auf getrennten kleinen Häufchen anstatt auf einem Großen. Wenn einer ins Bad geht, und sei es nur um sich umzuziehen, macht er die Tür zu. All die kleinen Scherze und Witze, die sich eben erst im Lauf einer langen, innigen Beziehung ergeben und die Außenstehende meist albern bis lächerlich finden: sie fehlen, sind einfach nicht mehr da. In so vielen Momenten fällt mir ein, dass wir das ab jetzt nicht mehr gemeinsam machen: nie mehr gemeinsamer Urlaub, nie mehr gemeinsame Zukunftspläne schmieden, nie mehr zusammen duschen, nie mehr umarmen, nicht mal berühren, nie mehr Arm in Arm einschlafen...
Ich dachte es würde mit der Zeit leichter werden; bis jetzt wird es eher mit jedem Tag schwerer.

Ich bin froh wenn ich jetzt schlafen kann. Zumindest ein paar Stunden, in denen ich nicht denken muss, in denen ich mich nicht erinnern muss.

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  30.01.2018 00:19  
Tag 4

Mein Papa ist zu Besuch gekommen. Wir laufen durch die Stadt, zwischendurch mal eine Kleinigkeit essen und trinken, Abends schön essen im Lokal. Hat mich ganz gut abgelenkt, konnte sogar mal wieder ein wenig lachen.

Ich kann nicht sagen warum, aber irgendwie bin ich heute eher wütend als traurig.

Im letzten Sommer (mir kommt es heute vor als läge er schon Jahre zurück), ich war gerade in einer Tageskinik, hat M. sich schonmal so kühl und abweisend verhalten. Auf mein Nachfragen hin bat er um ein Paargespräch in der Klinik, am besten gemeinsam mit einem Therapeuten.
Er hatte darüber nachgedacht die Beziehung zu beenden; der Hauptgrund war:
"ich habe S.uelle Wünsche, die ich unbedingt erleben will, und ich weiß ja nicht ob du sie mir je erfüllen wirst. Ich habe auch Gefühle und Bedürfnisse, die sind auch wichtig, das sagen übrigens auch die Therapeuten: die Gefühle der Angehörigen (von Menschen mit Depressionen) sind auch wichtig. Ich kann nicht den Rest meines Lebens meine Wünsche unterdrücken."
(Aufgrund, sagen wir: schlechter, sehr schlechter Erfahrungen, ist S.ualität für mich ein eher schwieriges Thema. Regelmäßige Intimitäten gab es natürlich schon)
M. schlug vor, gemeinsam eine Paartherapie zu machen, was ich auch sehr gut fand. Als wir aus dem Zimmer raus waren, nahm er mich in den Arm, küsste mich und sagte, dass er mich liebe.

Nach der Trennung sagte er, er hätte ja sehr lange mit sich gehadert, und er hätte ja genauso gelitten wie ich.

Wenn ihm die Beziehung tatsächlich so viel bedeutet hat, warum hat er lieber (gemeinsam mit einem Freund und seiner besten Freundin) beschlossen, sie zu beenden anstatt mit mir die Paartherapie zu machen? War es ihm die Mühe nicht wert? Warum hatte er in der letzten Zeit zwar offenbar "keine partnerschaftlichen Gefühle mehr" für mich, aber hat sich nicht geschämt mit mir schlafen zu wollen?
Er sagte, er wolle ja schon mit mir befreundet bleiben, weil ich ihm immer noch sehr wichtig sei. Warum, verd****e Schei**e, hat er dann unsere Beziehung - und mich - so kaltherzig, so fieß, so respektlos behandelt?

Ich weine wieder, doch dieses Mal sind es Tränen der Wut.

Danke1xDanke


1979
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NRW
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  31.01.2018 00:15  
Deine Fragen und allg. Gedanken sind auf jeden Fall berechtig. Vor allem seine Begründung finde ich sehr merkwürdig. Vielleicht liegt es auch am Alter, ich weiß es nicht, aber Intimität als so zentrales Thema zu sehen, finde ich völlig übertrieben. Ich bin seit ca. 4 Monaten mit meiner Freundin zusammen und wir hatten nur einmal was und das ist völlig okay.

Danke1xDanke




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  31.01.2018 00:25  
Levent hat geschrieben:
Deine Fragen und allg. Gedanken sind auf jeden Fall berechtig. Vor allem seine Begründung finde ich sehr merkwürdig. Vielleicht liegt es auch am Alter, ich weiß es nicht, aber Intimität als so zentrales Thema zu sehen, finde ich völlig übertrieben. Ich bin seit ca. 4 Monaten mit meiner Freundin zusammen und wir hatten nur einmal was und das ist völlig okay.

Vielen, vielen Dank dafür!
Wir hatten dieses Thema ja schon öfters. Er meinte schon öfters ich sei nicht normal, wenn ich nicht spätestens alle 2-3 Tage das Bedürfnis verpüre. "S.x ist für den Menschen genauso wichtig wie essen oder trinken. Du nimmst dir ja selbst so viel Spaß weg." Genau das waren seine Worte. Ich war auch noch blöd genug das zu glauben und habe mir selbst Probleme eingeredet, wo gar keine waren. Erst in der Tagesklinik habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich mit meiner Denkweise ("S.x ist schön, aber es ist keinesfalls das Wichtigste in einer Beziehung.") ganz und gar nicht alleine bin :oops:



1979
18
NRW
662
  31.01.2018 00:29  
Vielleicht ist das gar nicht mal so schlecht, dass du weg von deinem Ex bist, gelinde ausgedrückt.
Achte bitte auch in Zukunft auf deine Bedürfnisse und gehe bitte nichts ein, was du nicht auch möchtest.
Kompromisse kann man ja machen, aber nicht bei der Intimität.

Danke1xDanke




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  31.01.2018 00:47  
Levent hat geschrieben:
Vielleicht ist das gar nicht mal so schlecht, dass du weg von deinem Ex bist, gelinde ausgedrückt.
Achte bitte auch in Zukunft auf deine Bedürfnisse und gehe bitte nichts ein, was du nicht auch möchtest.
Kompromisse kann man ja machen, aber nicht bei der Intimität.

Dein Beitrag hat mich echt grade zu Tränen gerührt. Ich glaube du hast mir endlich mal die Augen geöffnet.
Du hast völlig recht; gerade bei diesem Thema habe ich in den letzten 18 Jahren sehr viele Kompromisse gemacht. Wenn ich ehrlich bin, fand ich die letzten Male eher abstoßend als schön. Sagen wir mal so: wenn ich "währenddessen" merke, dass mein Partner das was ich gerade mache nicht wirklich mag, lasse ich es doch bleiben und versuche es nicht eine Minute später nochmal, so in etwa "gerade eben mochte sie noch nicht, aber jetzt bestimmt". Oder sehe ich das falsch?

Ich weiß selbst, dass ich bei diesem Thema etwas schwierig bin, aber er kannte die Gründe von Anfang an und hat Verständnis gezeigt, und er hat immer gesagt dass er Rücksicht nimmt.





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  31.01.2018 01:11  
Zitat:
Vielleicht liegt es auch am Alter,

Naja... er ist 34, ich 37...





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  02.02.2018 23:02  
Tag 7

Ein neuer Tiefpunkt. Ich weine fast den ganzen Tag. Obwohl ich so verletzt bin, würde ich ihn sofort zurücknehmen. Er fehlt mir so sehr. Ich muss ständig an all die schönen Momente denken, die wir hatten, und ich habe überhaupt keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Ich weiß nicht wie es sich anfühlen wird, jeden Abend in eine leere Wohnung zu kommen, in der niemand auf mich wartet, in der mich niemand umarmt... ich habe so große Angst. Ich bin sicher, irgendwann werde ich einsam und allein in meinem kleinen Loch, das sich Wohnung nennt, sterben; und man wird mich erst finden nachdem ich monatelang vor mich hinwese und sich die Nachbarn über den Gestank beschweren.

Ich weine mich in einen unruhigen Schlaf voll wirrer Träume.





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Mönchengladbach
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  02.02.2018 23:15  
Tag 8

Irgendwie fühle ich mich heute etwas besser. M. hat mir wieder versichert, dass er weiterhin mit mir befreundet sein möchte und mich keinesfalls hängen lassen wird. Ich kann, so lange ich möchte, in unserer Wohnung bleiben - natürlich werde ich früher oder später ausziehen, aber ich muss zumindest nicht in das nächstbeste Wohnklo ziehen, weil ich sonst auf der Straße sitzen würde.

Lansam schöpfe ich wieder Hoffnung. Wenn man ganz unten ist, kann es schließlich nur noch bergauf gehen, oder? Ich habe beschlossen erst mal alles auf mich zukommen zu lassen, alles langsam und Schritt für Schritt anzugehen. Und aus der aktuellen Situation werde ich versuchen das Beste zu machen. Ich sollte doch wohl alt genug sein, um mit dieser Situation halbwegs erwachsen und vernünftig umgehen zu können!

Also erst mal Schritt 1: nächste Woche werde ich in der Arbeit nach einer Vollzeitstelle fragen; ein paar Euro mehr hätte ich dann auch zur Verfügung.






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Mönchengladbach
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  05.02.2018 02:01  
Tag 10

Ein neuer Tiefpunkt. Mir ist wieder zum Heulen zumute. Am Abend, im Restaurant, hatte ich wohl meine erste Panikattacke, die völlig aus heiterem Himmel kam (sonst kannte ich das nur bei überraschenden Zusammentreffen mit Achtbeinern, aber dann um ein Vielfaches heftiger). Erst Herzrasen und das Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen, dann der "Zeitlupen-Modus", und das eigenartige Gefühl alles aus weiter Ferne zu betrachten. Zum Glück ist dieser Blödsinn nach einigen Minuten vorbei.

Jetzt fühle ich mich einfach nur... leer.



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Bergisches Land :)
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  05.02.2018 06:32  
Trennung ist grausam! Und nach Tag 10 so zu leiden ist mehr als normal und irgendwie auch gut und richtig. Du trauerst um sagen wir die Hälfte deines Lebens, es kommt dir so vor als würde die Sonne nie wieder scheinen. Glücklicherweise ist das nicht so und ich finde dich erstaunlich aktiv nach der Trennung. Und wenn Wut aufkommt freu dich insgeheim. Ich denke das ist ein angebrachtes Gefühl.

Ich kann mir vorstellen, daß eure so unterschiedlichen S.uellen Bedürfnisse wirklich das Hauptproblem sind. Ich bin da von dem Bedürfnis her eher wie du. Kann nett sein, muß man aber nicht so oft ;) ... Wo diese Wünsche nach S. alle spätestens 2-3 Tage herkommen ist mir immer schleierhaft. Aber sei's drum. Er hat das Bedürfnis und sieht seine Sehnsucht nicht erfüllt. Völlig wertfrei. Der verlassene Partner bleibt dabei auf der Strecke. Ich denke du hast ihm zuliebe schon viel zu lange deine Gefühle (der Abscheu, des Nichtwollend) zurück gestellt. Deine Wünsche nach selteneren Intimitäten sind aber genauso zu respektieren! Du übergehst dich ständig selbst, wenn du das ihm zuliebe zulässt. Vielleicht ist es wirklich das Alter, er scheint das Gefühl zu haben etwas ganz essentielles zu verpassen. Dafür riskiert er eine ansonsten intakte und gute Beziehung. 20 Jahre später setzt man eventuell andere Prioritäten. Vielleicht.

Auf jeden Fall kann ich deinen Schmerz guuut nachvollziehen. Ich hab immer gelitten wie Hund, und das bei viiiiiiel kürzeren Beziehungen. Wirst du denn noch nebenher therapeutisch unterstützt? Mir hat das Verarbeiten meiner Trauer, meiner Wut und meines schwindenden Selbstwertgefühls zusammen mit meiner Therapeutin immer geholfen und mich sicherer dadurch gebracht.





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Mönchengladbach
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  05.02.2018 23:29  
Danke sülchen! :)

Ja, du hast recht... ich habe meine Wünsche und Bedürfnisse immer hinten angestellt. In den letzten Wochen war die Beziehung auch irgendwie so lieblos und kalt; was auch klar ist, nachdem ich jetzt weiß dass er nichts Partnerschaftliches mehr für mich empfindet.
Wer weiß, vielleicht ist es besser so.

Was mir aber immer noch echt zu schaffen macht: er hat nicht mehr genug für mich empfunden um mich mal in den Arm zu nehmen oder mich zu küssen ohne dabei genervt die Augen zu verdrehen, aber für S. hat es noch gereicht?
Ich fühle mich irgendwie... ausgenutzt und missbraucht...





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Mönchengladbach
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  06.02.2018 00:15  
Zitat:
Wirst du denn noch nebenher therapeutisch unterstützt?

Zur Zeit nicht wirklich... ich bin übermorgen bei meiner Psychiaterin und ich habe vor, endlich eine Traumatherapie zu machen. Ist nur nicht so leicht, einen Traumatherapeuten zu finden...





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Mönchengladbach
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  06.02.2018 00:41  
Tag 11

Heute fühle ich mich irgendwie voller Tatendrang. Der erste Arbeitstag nach zwei Wochen Urlaub war sehr schön, meine Bewohner haben mich ganz gut abgelenkt. Erste Wohnungen im Internet angeschaut.

Abends kommen dann die Gedanken. Wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, war die Beziehung in den letzten Wochen/Monaten irgendwie kalt... die Redewendung "sich auseinanderleben" passt da, glaube ich, tatsächlich recht gut. Es gab kaum gemeinsame Unternehmungen mehr, selbst die gemeinsame Hunde-Runde war ihm schon zu viel: "wärst du mir böse wenn ich daheim bleibe?"
Bei unserem letzten Ausflug auf den Aachener Weihnachtsmarkt hat er ununterbrochen geschimpft, es sei kalt und windig.
Es gab keine Zärtlichkeiten mehr zwischen uns (außer S., der fand natürlich in der gewohnten Regelmäßigkeit statt. Wenn ich mal nicht wollte, gab es Vorwürfe: "dann hätte ich ja ruhig noch weiter zocken können, ich bin noch garnicht müde").
Überhaupt findet er es "nicht normal", wenn man nicht alle zwei, spätestens alle drei Tage das Bedürfnis nach S. hat.
Unsere gemeinsame (durch meinen Schichtdienst nicht gerade häufige) freie Zeit verbrachten wir in der Regel nebeneinander, aber nicht miteinander... jeder machte etwas für sich; auch Gespräche, wie früher, über Gott und die Welt und oft stundenlang, gab es nicht mehr.

Langsam beginne ich mich zu fragen, ob die Trennung vielleicht gar nicht so schlimm ist. Zurückblickend war ich ja in der letzten Zeit auch nicht mehr wirklich glücklich. Ich hätte zwar lieber erst mal versucht, noch irgendwas zu retten, aber anderseits... ich hätte alles getan um ihn zurückzubekommen... sogar meine Wünsche aufgegeben und mich damit selbst verleugnet... auf diese Weise wäre ich niemals wirklich glücklich gewesen.

... Jetzt fängt mein neues Leben an.

Hoffentlich...


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