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Pinselspitze

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Hallo zusammen!

Ich hoffe ich bin hiermit jetzt im richtigen Bereich des Forums gelandet...

Ich bin seit Jahren schwer chronisch krank. Ich möchte ungern alles einzeln auflisten, feststeht aber, dass mein Leben und mein Alltag extrem eingeschränkt sind. Ich habe in den letzten Jahren aufgrund meiner gesundheitlichen Probleme viele schmerzhafte Erfahrungen sammeln müssen (sicher geht es den meisten hier ähnlich was das Sammeln von negativen Erfahrungen betrifft), klar das bleibt nicht aus... Aber mir ist mittlerweile bewusst geworden, dass mich manche dieser Erfahrungen wirklich extrem geprägt und blockiert haben. Konkret geht es hier jetzt um mein Problem Nähe zuzulassen bzw. Menschen eine Chance zu geben, ein Teil von meinem Leben zu sein/werden (ist auf alle Bereiche bezogen Familie/Freunde/Partnerschaft). Ich bin in den letzten Jahren von Menschen, die mir sehr nahe standen extrem verletzt worden. Sie waren überfordert mit meinen Problemen und haben mich im Stich gelassen... Es gab nie wirklich eine Erklärung, nur einen Bruch, der zumindest bei mir Narben hinterlassen hat. Es geht hier nicht um falsche möchte gern Freunde - davon habe ich natürlich auch schon genug getroffen - sondern Personen, von denen man eigentlich hätte erwarten dürfen, dass sie zu einem stehen.
Lange Rede, kurzer Sinn... Ich bin nie wirklich sauer auf die Leute gewesen, ich habe die Schuld bei mir gesucht und gefunden: Ich bin krank und das belastet andere. Ich will aber anderen keine Sorgen machen oder sie überfordern... Also Taktik: Niemand bekommt zu sehen, wie schlecht es mir geht, solange sich das irgendwie vermeiden lässt. Ich bin also Meister im Zähne zusammenbeißen geworden. Allerdings hat das einen Haken, mir geht es einfach zu schlecht, als dass ich diese Charade 24/7 aufrecht erhalten könnte, also halte ich (gerade in schlechten Phasen) Leute die mir wichtig sind lieber auf Abstand, so das ich filtern kann, wie viel sie mitbekommen.
Bisher bin ich damit irgendwie durchgekommen, das System war sicher alles andere als optimal, aber es hat funktioniert...
Nun habe ich aber jemanden kennen gelernt, durch den mir klar wurde, dass ich so nicht dauerhaft weiter machen kann. Ich kann Menschen nicht immer auf Abstand halten, aus Angst sie zu vergraulen... Aber wie gehe ich das Problem am besten an? Schritt für Schritt oder Augen zu und durch...
Gibt es hier jemanden, dem es ähnlich geht und der vielleicht seine Blockade diesbezüglich bereits überwinden konnte? Würde mich über ein paar nette Antworten freuen

11.01.2019 12:01 • 11.01.2019 x 3 #1


8 Antworten ↓


Icefalki

Icefalki


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Vielleicht hilft es dir, demjenigen deine Strategie einfach mal zu sagen. Ich bin auch jemand, der sehr viel alleine mit sich ausmacht. Meine Probleme können andere ja nicht lösen, da muss ich schon selbst aktiv werden, oder eben so gut ich kann, damit umgehen.

Wenn derjenige dir am Herzen liegt, und du ihm, dann kann mit Offenheit schon viel erreicht werden.

11.01.2019 13:23 • x 3 #2


dasom


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Wenn dir bewusst geworden ist, dass dich einige Dinge aus der Vergangenheit getroffen und blockiert haben, ist das doch schon ein großer Beginn, und es sind viele Schritte. Aufhören musst du, dir oder anderen Leuten Vorwürfe zu machen oder die Schuld zu geben. Dann kommst du nicht raus. Überschweigen sollte man die Thematiken jedoch auch nicht, sondern man sollte damit eher hart in die Diskussion und Konfrontation gehen. Fluchen, Schimpfworte, Frust ... alles ist erlaubt, glaube ich, denn alles muss raus. Nichts darf drin bleiben.

Wenn man die Vergangenheit nicht verarbeiten, egalisieren und begraben kann, ist man nicht frei für die Zukunft. Das mit Freunden oder der Familie dauerhaft durchzuführen, ist schwierig und eigentlich auf Dauer nicht komplikationslos. Das hast du erfahren. Letztendlich musst du irgendwie aus deiner misslichen Situation selbst rauskommen. Das geht am besten, wenn du dich auf dich und dein Bauchgefühl verlässt.

Für die Zukunft solltest du eventuell viele große oder kleine Pläne schmieden. Dinge welche dich interessieren, dir Spass machen und immer schon gefallen haben. Es geht nicht darum, dass diese am Ende alle umgesetzt werden. Das sind dann mögliche Wege aus dem Kreisel in dem du derzeit steckst. Dann kommen auch wieder positive Erfahrungen dazu. Diese stellen dann die "negativen" Erfahrungen in den Hintergrund. Wobei man gar nicht so oft weiss, ob die negativen Erfahrungen tatsächlich soo negativ waren.

Gehe schonend, gut und wohlwollend mit dir um. Körperlich, gesundheitlich, seelisch. Was sind schon Fehler oder "unangemessene" Aktionen, wenn man dabei glücklich und zufrieden ist. Besser geht es nicht.

Wie du mit deiner Bekanntschaft umgehst, weis ich nicht. Vielleicht irgendein Mittelding aus Mut und Vorsicht. Am Anfang etwas mehr Vorsicht. keine Ahnung. Da ist eher deine Kreativität oder Feeling gefragt. Man kann ja auch erstmal in der Nähe umherpirschen und seine Beute umgreisen, bevor man zum Angriff übergeht. Das jede Beziehung schiefgehen kann, ist aber schon klar.

11.01.2019 13:33 • x 1 #3


Pinselspitze

Pinselspitze


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@Icefalki Danke für deine Antwort!

Den Schritt mit der Offenheit habe ich mit ihm bereits nehmen können (fällt mir sonst schwer, aber bei ihm war das irgendwie ganz einfach) und er hat unglaublich verständnisvoll reagiert... Ich bin mir eigentlich auch gefühlt sicher, dass ich mich vor ihm nicht verstecken muss, aber ich bin ein Kopfmonster und es ist mir eben wirklich in Fleisch und Blut übergegangen. Die Vorstellung er bekommt hautnah mit, wie es mir geht, wenn ich nicht mehr schaffe die Zähne zusammen zu beißen, versetzt mich echt total in Stress, obwohl er aus Erzählungen von mir eigentlich alles weiß... aber es ist eben ein großer Unterschied ob man etwas nur erzählt bekommt, oder es selbst erlebt. Er ist sich sicher, dass er damit umgehen kann, aber ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll... wie ich den Gedanken loslassen kann, dass ich meine Probleme niemandem zumuten kann.

@dasom Auch dir danke für deine ausführliche Antwort! Du hast mit Sicherheit recht, dass der einzige Weg nach vorne zu schauen, der ist, mit seiner Vergangenheit auf gewisse Weise Frieden zu schließen und nicht immer zurück zu blicken... Ich hoffe ich werde da mit der Zeit meinen Weg finden und nicht weiter auf der Stelle treten.

11.01.2019 15:38 • #4


Icefalki

Icefalki


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@Pinselspitze , ich kenn das alles auch, wenn es mir schlecht geht rede ich nicht mehr und wenn gefragt wird, was ist, sage ich, alles Gut.

Mein Mann weiss das. Der kennt mich besser, als ich manchmal glaube. Was ich damit sagen möchte, wir sind eh keine Heulsusen, erlauben wir uns gar nicht, und von daher "leichter ertragbar", mal salopp gesagt. Mit der Zeit spielt sich das ein. Deshalb nimm sie dir, denk nicht darüber nach, gib ihm auch ne Chance. Nur so findest du heraus, wie Problematiken zu händeln sind und wer wie darauf reagiert.

Bleib eben verhalten vorsichtig, geht ja eh nicht anders, aber riskiere es. Ich finde, es klingt sehr schön, was du über ihn berichtest. Ich frage mich manchmal auch, wie mein Mann meine Macken nur aushält. Tut er aber komischerweise, man glaubt das kaum.

11.01.2019 16:13 • x 1 #5


dasom


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Naja, manchmal muss man auch nach hinten schauen, um das eine oder andere noch mal zu erleben oder zu reflektieren. Ist dann eine Art Konfrontation. Das kann dann auch sehr bitter aber auch schlussendlich heilsam sein.

Begib dich aus der Rolle heraus, in die du dich hineinbegeben hast. Mit Zähne zusammenbeißen und sich selbst zu Krankheitsfall erheben, wird man am Ende wenig erreichen. Irgendwelche kreativen, für dich sinn- und glücklichmachende Momente müssen in dein Leben. Das können auch sicher auch neue Dinge sein, die dich inspirieren und bei denen du dich auf Neuland begibst. Dazu brauchst du dann auch keine Freunde und Bekannte. Denn das sind die Sachen, die dich dann ganz allein ausfüllen, zufrieden und glücklich machen - und die dir auch die ganzen Jahre gefehlt haben.

Man muss auch nicht auf alles und jeden Rücksicht nehmen. Das geht ganz und gar nicht, da bleibt man hängen.

Wahrscheinlich ist es so, dass du dich am meisten ändern musst. Musst beginnen, deine Interessen und das was dich glücklich macht, zu finden und auch durchzusetzen. Dazu braucht es dann immer wieder ein Prise Mut und Unbekümmertheit, die Dinge zu tun, die einen glücklich machen. Deine Freunde werden sicher froh sein, wenn sie sehen, dass du dich (endlich) entfaltest.

11.01.2019 16:44 • x 2 #6


BellaM85


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Hi!
Ich würde mich definitiv mit der Person treffen und euch beiden die Möglichkeit geben euch richtig kennen zu lernen. Wenn du sagst sie ist verständnisvoll usw und auch über deine Problematiken bescheid weiß was soll da dann schon groß passieren?
Du musst ihr oder euch einfach eine Chance geben alles weitere entscheidet die Zeit
Es wird sicherlich immer wieder Situationen im Leben geben wo man enttäuscht usw wird, und auch von Personen die einem am Herzen liegen aber man sollte trotzdem immer jedem eine Chance geben denn man weiß nie was daraus wird
Ich wünsche dir alles gute und spring über deinen Schatten, denke du wirst es nicht bereuen

LG

11.01.2019 18:36 • x 1 #7


Pinselspitze

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Erneut Danke für eure Antworten , auch dir @BellaM85 danke ich für deine Mut machenden und lieben Worte! Ich werde mich auf jeden Fall im Schatten springen üben.
Ich werde sicher nicht von heute auf morgen schaffen all meine Verhaltensmuster komplett über Bord zu werfen (ist ja auch vielleicht gar nicht unbedingt das Ziel), aber ich habe fest vor an mir zu arbeiten und es auch mit neuen Wegen zu versuchen.

11.01.2019 19:54 • x 1 #8


BellaM85


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Das ist eine gute Einstellung und du wirst es auch schaffen Rückschläge gibt es immer wieder mal, aber man muss lernen damit umzugehen und darf nie aufgeben und deswegen den Kopf in den Sand stecken das Leben ist zu schön und es gibt egal was ist immer Wege und Möglichkeiten

LG

11.01.2019 21:30 • x 1 #9




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