Hallo ihr Lieben,

Google hat mich dieses Forum finden lassen. Ich bin weiblich, in einer Beziehung, arbeite an einer Promotion und jobbe nebenher. Mein Problem: Seit mittlerweile mehreren Jahren kämpfe ich gegen 'die Angst vorm Verreisen'. Mal geht es besser, mal schlechter. Diese Spirale hat sich mehrmals soweit nach unten gedreht, dass ich nicht in den Urlaub gefahren bin. Im Moment ist wieder einer dieser Tiefpunkte erreicht und ich hadere sehr mit mir.

Woher genau ich Angst habe, kann ich nicht klar definieren. Die Angst vor der Angst macht einen gewaltigen Anteil aus, glaube ich. Es gab zwei, drei Situationen auf Reisen, die ich als körperlich/seelisch extrem empfunden habe. Danach hat sich das Problem jedes Mal verschärft. Andererseits habe ich mich auch jedes Mal wieder überwinden können. Zwischenzeitlich bin ich weite Strecken alleine gereist, mitunter ohne jedes Problem und (darauf war ich sehr stolz) ohne eine Träne zu vergießen.

Zur Jetzt-Situation: Mein Freund und ich wollten für drei Tage wegfliegen. Wir waren seit ca. 3 Jahren nicht mehr längere Zeit im Urlaub. Ich konnte aber nicht, der 'Kopf' wollte nicht. Überhaupt nicht. Es war schlimm, wir sind nicht geflogen und mein Freund war sehr, sehr böse auf mich. Das steckt mir immer noch in den Knochen. Ich weiß nicht, warum ich mich nicht überwinden konnte. Mir fällt kein anderes Bild ein als das des Esels, der einfach nicht weitergehen will, egal wie sehr man an ihm zerrt. Ich glaube (!), ich habe Angst davor, dass die altbekannten Panikattacken nicht aufhören. Nicht im Flugzeug, nicht im Hotel. Aber in diesen Panik-Situationen, kann ich nicht klar denken und mich nicht analysieren. Einzig der Gedanke, dass ich nicht fahren muss, beruhigt mich. Hinterher verstehe ich mich und meine Reaktion auch nicht mehr. Im Alltag geht es mir gut, keine Ängste, ich vermeide nichts. Städtereisen mit dem Zug oder Auto für einen Tag sind kein Problem. Solange ich weiß, dass ich bald wieder in meinem 'sicheren Nest' sein werde. Aber ich möchte weiter weg, möchte in Hotelzimmern schlafen und das Leben genießen.

Ich weiß, ich muss mich wieder trauen. Ich muss und ich will. Aber wie bekomme ich mich dazu? Ich bin zuversichtlich, dass ich hier Ratschläge finde, die mich weiterbringen. Allein zu lesen, dass man nicht allein ist und es schaffen kann, tut so gut!

05.09.2015 15:03 • 06.09.2015 #1


3 Antworten ↓


Vergissmeinicht
Hallo Vivian,

Begrüße Dich nochmal auf diesem Wege.

Denke die einzige Möglichkeit ist die Konfrontation. Es gibt hier ne Reihe Menschen die vor allem Angst haben. Da sich Deine Angst "nur" auf das Reisen beschränkt kannst Du schonmal froh sein.

Mein Mann stellte mich damals auch vor die Wahl und wäre alleine geflogen. Ich flog mit und er Urlaub war supi.

Was für Symtome bekommst Du?

05.09.2015 18:20 • #2


Hallo Vergissmeinnicht,

vielen Dank! Ich bin tatsächlich froh, dass sich meine Angst nur auf das Reisen beschränkt. Allerdings war das nicht immer so. Es gab eine Zeit, in der auch ganz alltägliche Dinge schwer für mich gewesen sind. Bus fahren, Zug fahren, es damals in der Schule "aushalten". Einiges von einem 'normalen' Leben habe ich mir schon oder immer wieder erkämpft.

Vor drei Jahren ging es mir aufgrund eines Todesfalls in der Familie sehr schlecht. Ich wusste nicht, wie ich mit der Trauer umgehen soll und habe sie nicht wirklich zugelassen. Am Ende hat sie sich natürlich ihren Weg gesucht und mich mit einer heftigen Panikattacke, vielleicht eher noch einem Nervenzusammenbruch, außer Gefecht gesetzt. Es folgte eine Therapie, die mir sehr geholfen hat. Ich habe einige Zeit Opipramol genommen, bin nunmehr aber seit über einem Jahr ohne Medis.

Diese gewaltige Panik von vor drei Jahren ist aber, denke ich, Teil meines jetzigen Problems. Es fing damals zunächst mit Unruhe an, ich konnte nicht abschalten oder entspannen. Das ging einige Tage, dann kam das Herzrasen, dann das Weinen. Ich konnte nichts essen, habe mich stattdessen mehrmals übergeben müssen. Zittern. Das Gefühl verrückt zu werden, vollkommen hilflos zu sein und die Kontrolle für immer verloren zu haben. Mir ging es drei Tage schlecht, ich habe mich selbst nicht darausholen können. Mein Hausarzt hat mir zunächst einige Tavor mitgegeben (welche ich nicht genommen habe), ein Psychiater, bei dem ich zum Glück sehr, sehr schnell einen Termin bekommen habe, hat mir dann Opipramol verschrieben, was mir sehr geholfen hat. Einige Wochen später kam die Therapie und viel Arbeit an mir selbst.

Ich bewundere deine Willenskraft, Vergissmeinnicht! Toll, dass du ohne ein Wort zu sagen mit in den Urlaub gekommen bist. Ist deine Angst diesbezüglich seitdem verschwunden? Oder kleiner? Es schwankt bei mir so extrem. Jedes Mal, wenn mich überwunden hatte, dachte ich diese lästige Angst los zu sein. Aber kurz vor dem nächsten Abflug war sie wieder da.

Ich wünsche einen schönen restlichen Sonntag!
Vivian

06.09.2015 12:49 • #3


Vergissmeinicht
Hey Vivian,

nun, Deine Zeilen lesen sich nicht minder positiv. Toll, das Du es ohne Medis geschafft hast und direkt eine Therapie antreten konntest. Gefallen hat mir an Deinen Zeilen = die Arbeit an mir selbst; nur so scheint es zu gehen.

Danach bin ich immer wieder gerne geflogen. Vielleich tkommt die Angst wieder, dann ist es eine Erwartungsangst. Vielleicht aber auch nicht; wünsche ich Dir von Herzen.

06.09.2015 17:43 • #4