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201828.02




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Hey

Ich bin 40 Jahre alt, weiblich, leide an Posttraumatischer Belastungsstörung, generalisierter Angststörung, Panikstörung und sozialer Phobie.
Ihr seht ich hab eine lange Liste an Problemen die alle schon in frühester Kindheit begonnen haben. Durch langjährigen Missbrauch und Misshandlung in der Familie kenne ich praktisch kein Leben ohne psychische Erkrankung.
Seit mehr als 20 Jahren bin ich am herumtherapieren, durch schreiben, malen, diverse Therapeuten, Austausch mit andren Betroffenen, 2x psychosomatische Tagesklinik, sprechen und analysieren und üben.... . Natürlich gab es dabei extrem aktive Jahre und andere in denen ich mich auf den normalen Alltag konzentrieren durfte.
Am meisten belasten mich all die Ängste die teilweise ganz ohne Anlass oder abstrusem Anlass mein Leben schwer machen. Nach ein paar guten Jahren, nachdem ich nun keine Existenzängste haben muss, es schaffe regelmäßig zum Zahnarzt zu gehn, und nun nach 20 Jahren auch endlich bei der Frauenärztin war, die alles für in Ordnung befunden hat, nachdem es also gar keinen konkreten Grund gibt zur Sorge gibt, sind meine Symptome einfach so wieder aufgeflammt. Und _das_ macht mir riesen Sorgen : (.

Grüsse Sani

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  01.03.2018 11:11  
Hallo Sani,

willkommen

vor was hast Du denn aktuell Angst ? Und gibt es einen Auslöser ?





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Österreich
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  05.03.2018 09:56  
Das ist es ja, diesmal gibt es einfach nichts das ich vor mir hergeschoben habe und erledigen müsste, wie Termine oder finanzielle Sorgen. Und es ist wohl das erste mal für mich daß das so ist, weil ich bestimmte Dinge einfach früher nicht geschafft hab.
Ich hab das Gefühl jetzt wo ich die Dinge aus dem Weg geräumt hab die mich früher geängstigt haben, sucht sich mein Gehirn andere Gründe um mein Angstgefühl zu erklären. Zum Beispiel könnte mein Partner sterben, oder mein Hund, oder ich könnte eine schwere Krankheit kriegen, oder ich könnte ungewollt schwanger sein.
Wobei die Angst schwanger zu sein eine alte ist die ich schon seit meiner Teenagerzeit immer mal wieder habe. Als die kam hat mir diesmal mein Mann einfach zwei Tests gegeben zu meiner Beruhigung, die dann auch wie erwartet negativ waren. Dafür hab ich danach aus heiterem Himmel Schmerzen am Brustkorb bekommen die bei mir Panikattacken ausgelöst haben, denn es könnte ja das Herz sein oder ein anderes Organ.
Ich glaube in Wahrheit, unter alldem ist es eine Angst vor Dingen die ich nicht kontrollieren kann. Ich habe das Gefühl was ich nicht kontrollieren kann wird über mich herfallen und mich fertig machen. Und nach dem Panikrückfall steht an erster Stelle unkontrollierbarer Dinge die Angst selbst, von der ich sehr genau weiss daß sie mir das Leben zur Hölle machen kann.

Ich hasse die Angst, sie hat in meinen Augen keinen Nutzen, nichts Positives. Beschützen und warnen kann mich die Vernunft tausend mal besser. Sie macht nichts ausser mir weh zu tun, mir Lebensqualität zu rauben, und mich zu behindern. Ich habe ein Leben lang gekämpft und viel gewonnen, ich will es nicht wieder verlieren.

Vielleicht muss ich aktuell daran arbeiten zu akzeptieren, loszulassen und gewisse Dinge im Leben zu nehmen wie sie kommen. Ich wäre sooooo gern ein gelassener Mensch der das kann. Vielleicht muss ich auch die Angst einmal akzeptieren um an ihr vorbeizukommen, bzw durch sie hindurch. Das wäre zumindest die Idee die ich habe wie meine aktuelle Situation Sinn ergeben könnte. Vielleicht ergibt sie aber auch gar keinen Sinn und ich bin einfach kaputt.

Sani



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  05.03.2018 17:16  
oh sani, das kann ich gut verstehen....ich habe das neulich gesagt bekommen, als ich meinte, wenn ich dieses eine problem gelöst habe, dann habe ich keine angst mehr. da meinte mein mann - dann suchst du dir wieder was neues, wovor du angst haben kannst.
ich bin so erschrocken und gleichzeitig dachte ich mir - hat er recht ? ist es bei mir einfach normal angst zu haben ? was für eine furchtbare vorstellung.

und ich habe auch angst vor dingen, die ich nicht kontrollieren kann, ich kann nichts kommen lassen, ich will sozusagen die totale kontrolle....ich weiß ja selbst dass das quatsch ist.



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  05.03.2018 17:23  
Mir macht es Angst das ich die Angst und die Unruhe nicht kontrollieren kann oder besser das ich sie nicht einfach vorbei ziehen lassen kann.



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  05.03.2018 17:31  
wie soll man das auch kontrollieren können, dazu müsste die angstursache weg sein. die glaube ich ja zu kennen. aber es steht nicht in meiner macht, sie abzustellen.

ich kann es immer wieder versuchen, da rauszukommen. vielleicht habe ich irgendwann mal glück. oder ich bleibe für immer und ewig darin gefangen und muss es akzeptieren, mit allen seinen negativen folgen, positive kann ich keine sehen.

in guten phasen gelingt es mir, den gedanken daran zur seite zu schieben und die angst nicht zuzulassen.

gerade bin ich in keiner guten phase



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  05.03.2018 17:43  
@soraya72, ich verstehe das auch nicht das Ängste so mächtig sein können. Ich möchte einfach mein Leben wieder zurück, ohne diese sch. Angst.





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  05.03.2018 17:44  
Ja ich hatte auch immer "Gründe", und jetzt wo eigentlich keine mehr da sind, steht die Angst irgendwie allein da, so ganz ohne Kostümierung quasi. Und da ich keinen Grund sehe, seh ich auch nicht was ich dagegen tun kann. Hätte ich zum Beispiel Angst vorm Zahnarzt, dann weiss ich die Angst dauert bis zum Termin, und wenn der erledigt ist, dann bin ich wieder befreit. Das funktioniert jetzt natürlich nicht. Es gibt ja keinen Termin.
Ich merke ganz genau wie mein verkorkstes Gehirn jetzt versucht Gründe zu erfinden. Körperliche Symptome sind schnell gezaubert, und Schmerzen sind nicht weniger schlimm wenn sie psychosomatisch sind. Das macht mir natürlich Angst vor dem was mein Gehirn noch alles mit mir anstellen kann.

Dieses Irrationale macht mir Angst dass ich verrückt werde. Wisst ihr, beim Lesen der Antworten und meinen Gedanken dazu, da hab ich mich an was erinnert. Als ich Kind/Jugendliche war, da hat meine Familie immer alles abgestritten was an Misshandlung stattgefunden hat. "Du spinnst/bildest dir alles ein/übertreibst/siehst immer nur das schlechte". Die haben mich einfach für verrückt erklärt und ich war komplett verzweifelt.
Und irgendwie wiederholt sich das jetzt. Die Angst/Panikattacken kommen und ich sag zu mir selbst "du bist krank und verrückt". Macht mich grad nachdenklich....

Danke2xDanke


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  05.03.2018 18:48  
verstehe ich...vielleicht will da was raus aus deinem unterbewusstsein, etwas, was noch verarbeitet werden will, und du erkennst es nicht, weil die angst dich ablenkt, deinen fokus auf andere dinge lenkt.

du bist da vlt schon einen schritt weiter, ich glaub ja immer, dass wir an die wurzel des übels müssen, bloß wir kommen irgendwie nicht hin





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  06.03.2018 10:38  
Es könnte sein dass noch was verarbeitet werden muss, aber mir ist noch ein anderer Gedanke gekommen.
Angst haben und noch viel schlimmer Angst zeigen, war immer verboten für mich. Ganz besonders zu den Zeiten wo sie berechtigt war. Für Angst haben gabs zuhause lächerlich machen, Beschimpfungen und auch Schläge. Später in der Schule gabs dafür Mobbing, weil ich kein Selbstbewusstsein hatte und meine Wehrhaftigkeit mir ausgetrieben worden war.
Diese verachtende Haltung hab ich verinnerlicht und das mit dem Beschimpfen und Bestrafen selbst übernommen. Die Angst sollte weggehn, mich in Ruhe lassen, nicht Teil meines Lebens sein. Und so existiert sie bis jetzt, auch ganz ohne Gründe, so als wär sie nie integriert worden, konserviert.
Noch immer ist es für mich unvorstellbar schlimm daß andere Menschen mir ansehn könnten daß ich Angst/Panik habe, und dann verstärkt sie sich jedes mal um ein Vielfaches in der jeweiligen Situation.
Ich kann ja niemandem erklären wieso ich dann Angst habe wenn sich normale Leute nicht fürchten, und das ist dann genau wie früher. In Situationen wo viele Leute um mich herum Angst haben bin ich die Entspannteste von allen, zB bei einer Abschlussprüfung. Ich erinnere mich an eine Situation wo ich noch klein war, so Grundschulalter. Da gabs ein so heftiges Unwetter dass die Keller überschwemmt waren und die Klos übergegangen sind, so richtig Weltuntergangsstimmung. Meine Familie hatte Angst, Stecker wurden rausgezogen, man hat sich weg von den Fenstern gestellt und zusammengedrängt. Nur eine hatte genau Null Angst, nämlich ich. Ich war glücklich. Bis heute liebe ich Unwetter.

Danke2xDanke


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  06.03.2018 10:43  
Ich denke das ist ein sehr komplexes Thema mit der Angst. Wir alle können ja nicht verstehen warum wir in gewissen Situationen Angst haben. Bei mir war jetzt lange Zeit Ruhe,
dann kam ein Ereigniss und ich hänge wieder voll drin.....leider



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RLP
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  06.03.2018 11:11  
Hallo Sani, da sind viele sehr kluge Gedanken in deinen Beiträgen. Vielleicht hat soraya recht und deine Angst will dich nur von etwas ablenken. Ich finde, du klingst als wärst du auf einem super guten Weg und machst bald einen riesen Schritt nach vorne.



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  06.03.2018 20:17  
Ich kenn das auch, dass ich in Situationen, in denen andere vor Angst durchdrehen total ruhig und entspannt bin.



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RLP
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  06.03.2018 20:25  
Aber das zeigt doch, dass ihr in Wirklichkeit sogar sehr mutige Menschen seid !



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RLP
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  06.03.2018 20:33  
Ich muss jetzt mal ganz doof fragen, kann es sein dass die Ängste sowas wie ein übersteigertes Selbstschutzverhalten sind. Vielleicht weil man als Kind nicht beschützt wurde und dadurch auch nie gelernt hat, in welchen Situationen Angst oder Schutz, in welchem Ausmaß, wirklich gebraucht werden ?



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  06.03.2018 20:45  
Ich denke wenn man als Kind nicht beschützt wurde, hatte man sicher öfter Angst...diese Angst speichert unser Gehirn...so könnte ich es mir erklären...

Danke1xDanke


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  06.03.2018 20:51  
Hm, also ich bin sehr beschützt aufgewachsen, mir wurde immer jegliche Sorge abgenommen. Ich hätte jetzt bei mir eher gesagt, ich hab nie gelernt mit Angst richtig umzugehen

Danke1xDanke


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  06.03.2018 20:55  
Aber ich denke wenn man als Kind oft Angst hatte kann das schon prägen.

Danke1xDanke


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  07.03.2018 08:45  
Sicher, das kann ich mir schon vorstellen. Ist ja nur meine persönliche Erfahrung. Bei mir ist die Angst eigentlich erst da, seit ich "auf eigenen Füßen" stehe. Das war für mich schon ein Schock irgendwie. Da waren immer Mama und Papa, die alles geregelt haben und ich war safe - und auf einmal alles selber wuppen.Ich wollte das ja, aber bereit gefühlt dazu hab ich mich irgendwie nie.

Danke1xDanke




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Österreich
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  07.03.2018 09:31  
Bei mir war es so daß die Menschen die mir eigentlich Sicherheit geben hätten sollen, die waren die mir regelmäßig Todesangst eingejagt und mich attackiert haben. Ich weiß daß es schon so war als ich 3 Jahre alt war, durch alte Videos. Und ich bin auch sehr sicher dass es davor auch nicht anders war. Meine Eltern werden sich nicht plötzlich komplett verändert haben. Einiges war dabei vorhersehbar, aber vieles komplett unvorhersehbar für mich. Es konnte mich praktisch jederzeit treffen. Daher war es sehr berechtigt damals ständig Angst zu haben.

Wenn das Gehirn schon während seiner ganzen Entwicklung dauernd so geflutet wird wirkt sich das natürlich aus. Kann man auch nachlesen. Darum glaube ich auch nicht daß ich eines Tages komplett geheilt sein werde. Ich hoffe aber daß sich meine Lebensqualität weiter verbessern wird und ich lerne noch besser mit mir umzugehn. Es bessert sich ja auch wenn ich zurückdenke, aber es gibt halt immer wieder Rückschläge.

Am 26. hab ich nach Jahren wieder einen Termin bei meinem Psychiater. Mal schaun was er sagt. Vielleicht kann man unterstützen ohne dass gleich wieder SSRI+Seroquel drankommt. Würde mir etwas Sanfteres wünschen.

Danke3xDanke


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