Ich

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Hallo ich bin 17 und heute auf dieses Forum getoßen,

allerdings weiß ich nicht so genau, ob ich hier richtig bin...
Ich hab seit Jahren Angst vor meinem Vater. Bevor ihr jetzt schlimmeres denkt, möchte ich vorwegnehmen, dass er mich nie geschlagen oder sonst wie missbraucht hat!
Allerdings neigte er besonders in der Vergangenheit zu starken Wutausbrüchen, in denen er mich sehr oft angeschrien hat.
Aufgrund einer schlimmen Krankheit meiner Mutter, die vor ca. 6 Jahren auftrat, musste mein Vater uns oft alleine versorgen.
Besonders gab es immer Streit um den Zustand meines Zimmers. Dazu muss ich gestehen, dass ich ein sehr unordentlicher Mensch bin und das Zimmeraufräumen einfach nicht in den Griff bekam.
Seit 2 Jahren ist mein Vater nun alleinerziehend, da mein Mutter starb. Er hat sehr viel an seiner Wut gearbeitet und wir haben auch viel gesprochen. Auch der Zustand meines Zimmers hat sich sehr gebessert. Allerdings kommt es immerwieder zu Situation, in denen er "laut" wird.
Deswegen habe ich oft, wenn ich mich in meinem Zimmer befinde Angst. Diese tritt auf sobald mein Vater im Haus ist und ich ihn z.B. die Treppe hochkommen höre. Besonders schlimm ist es, wenn sich mein Vater in meinem Zimmer befindet:
Ich fange an zu hyperventilieren, habe das Gefühl mein Bauch zieht sich zusammen, schwitze, usw.

Ich kann mir nicht vorstellen, diese Angstgefühle jemals zu verlieren, aber wenn es eine Möglichkeit gäbe, wäre ich natürlich überglücklich, denn diese Angst schrenkt mein Leben sehr ein.

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Vielen Dank im Vorraus

07.07.2008 22:07 • 12.07.2008 #1


10 Antworten ↓


GastB


Hallo du,

ich denke schon, dass du hier richtig bist.

Das ist ja wirklich traurig, dass deine Mutter so früh gestorben ist.


Es hört sich gar nicht gut an, dass du so eine Angst vor deinem Vater hast.

Wie ist denn die Beziehung zu deinem Vater ansonsten? Wie geht ihr miteinander um? Worüber sprecht ihr? Wie sprecht ihr darüber? Macht ihr etwas zusammen? Hast du Geschwister?

Lg
GastB

07.07.2008 22:40 • #2


Ich


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Ich wüde sagen, dass wir ansonsten eigentlich eine sehr gute Beziehung haben.
Wir (mein Bruder, mein Vater und ich) versuchen uns immer gegenseitig zu unterstützen.
Ich habe auch mit ihm über meine Angst gesprochen, aber davon geht sie nicht weg. Wir sprechen sehr offen miteinander. Aber trotzdem kommt es immer mal wieder dazu, dass er schreit...leider

08.07.2008 08:38 • #3


GastB


Hallo du/ich ,
Zitat:
Allerdings kommt es immerwieder zu Situation, in denen er "laut" wird.
Deswegen habe ich oft, wenn ich mich in meinem Zimmer befinde Angst. Diese tritt auf sobald mein Vater im Haus ist und ich ihn z.B. die Treppe hochkommen höre. Besonders schlimm ist es, wenn sich mein Vater in meinem Zimmer befindet:
Ich fange an zu hyperventilieren, habe das Gefühl mein Bauch zieht sich zusammen, schwitze, usw.


wenn du mit deinem Vater sogar schon mal darüber gesprochen hast, dann sollte er auch für eine Lösung offen sein, oder was meinst du?

Du könntest dir einen Plan ausdenken, wie dein Vater sich verhalten sollte, damit du diese Angst nicht haben musst. Immerhin bist du schon fast volljährig. Also hast du spätestens dann, aber eigentlich schon längst vorher das Recht, die Spielregeln zumindest in deinem Zimmer selber zu bestimmen.

Überleg dir z.B. mal, ob und unter welchen Bedingungen du deinen Vater in dein Zimmer lassen willst. Darf er jederzeit einfach eintreten? Muss er anklopfen und warten, bis du "herein" sagst? Was ist, wenn er drin ist und dann die normale, erwachsene Kommunikationsebene verlässt: Willst du das tolerieren? Oder willst du dem Grenzen setzen?

Ich meine das wirklich ganz ernst.

Und wenn du dir darüber im klaren bist, wie du das Verhalten deines Vaters in diesen Dingen haben willst, kannst du mit ihm darüber in Kommunikation treten. Du kannst auch das in verschiedenen Formen machen. Z.B. mit der einfachsten Art, etwa so: ein Dauerschild draußen an deine Tür zu hängen z.B. mit
"Bitte anklopfen und Eintrittsaufforderung abwarten.
Im Zimmer ist eine maximale Lautstärke von ..... Dezibel erlaubt" - oder sowas ...

Und falls dein Vater deine Spielregeln missachtet, überleg dir dafür auch eine praktikable Lösung. Diese kannst du dann ruhig vorher schon mit deinem Vater besprechen. Wenn euer Verhältnis wirklich gut ist und er auch ein wenig Einsicht in seine Fehl-Verhalten hat, sollte er deine Wünsche und entsprechenden Konsequenzen akzeptieren.

Und dann heißt es in den konkreten Situationen nur noch: Freundlich, aber konsequent sein.

Was meinst du dazu?

Gruß,
GastB

08.07.2008 21:37 • #4


Ich


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Es ist ja so,dass er anklopft und wartet bis ich ihm die Tür aufmache (so verhindere ich, dass er mein Zimmer betritt). Aber manchmal kommt es halt zu Situationen, in denen er darauf besteht mein Zimmer zu besichtigen. Schließlich ist es ja sein Haus.

Wenn er die " normale, erwachsene Kommunikationsebene verlässt", versuche ich ja schon immer ruhig auf ihn einzureden. Ich habe nie zurückgeschrien und werde es wohl auch nie tun. Dies wäre auch denke ich eine sehr schlechte Lösung.

Wir haben versucht uns darauf zu einigen, dass er versucht mich nicht mehr anzuschreien, aber die Angst bleibt leider doch

Liebe Grüße,
Ich

08.07.2008 22:28 • #5


GastB


Hi,

was würde deiner Meinung nach geschehen,

wenn er in deinem Zimmer schreien würde,

du dann zur Tür gehen, diese aufmachen würdest und sagen würdest: "Bitte geh jetzt raus - wenn du schreist, können wir nicht reden"?

08.07.2008 22:48 • #6


Ich


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Ich glaube das könnte ziiiiiemlich böse enden. er würde wahrscheinlich nochh mehr schreien, evtl. was durch die Gegend werfen.

Es ist nicht gut wenn man ihn irgendwie reizt, wenn er sowieso schon sauer ist

11.07.2008 20:32 • #7


GastB


"Irgendwie reizt" - das wäre aber nur eine ganz sachliche, freundliche Aufforderung von dir.

WENN ER sich davon gereizt fühlt, ist das SEIN Problem - kannst du das verstehen?

Das ist sonst etwa so, wie wenn jemand sich z.B. durch die Aufforderung, in einer U-Bahn mit Rauchverbot nicht zu rauchen, so "provoziert fühlt", dass er glaubt, den angeblichen "Provozierer" zusammenschlagen zu dürfen. Genau dieselbe Logik.
Es wäre schon schlimm genug, wenn dein Vater dieser Logik folgt,
wenn du ihm aber darin folgst, leistest du seinem Fehlverhalten immer weiter Vorschub.

Wenn du erwachsen - und angstfrei - werden willst, dann musst du lernen, dich abzugrenzen - was auch heißt, anderen Grenzen aufzeigen lernen.

Es ist dabei egal, ob das dein Vater, Urgroßvater, Schwiegermutter, Kind, Chef, Bürgermeister, Arzt oder sonstwer ist - wenn du dich selber respektieren können willst und willst, dass andere dich respektieren, dann musst du das lernen, und es lernen wollen. D.h. den Wert davon verstehen.

Nimm deinen Vater als Übungsfeld für dein späteres Leben. Glaub mir, du wirst noch oft in solche Situationen kommen, dass andere rücksichtlos über deine Grenzen rübertrampeln, sprich, sich danebenbenehmen. Wenn du da kuschst, wirst du nicht weit kommen - sondern im Gegenteil, du wirst immer weiter zurückgedrängt werden und immer wieder "Opfer" werden.

Denk mal darüber nach.

Du nennst dich "Ich" - lerne, dieses Ich zu behaupten.
Werde ein Mann.
Wobei auch Frauen das lernen sollten.

Mein Rat: Mal dir erstmal aus, was dein Vater alles tun könnte und was das Schlimmste davon sein könnte, wenn er sich von deiner o.g. Aufforderung, dein Zimmer zu verlassen, "provoziert fühlen" würde.
Und dann überleg dir dazu Lösungsmöglichkeiten.

Auf keinen Fall solltest du es weiterhin als selbstverständlich hinnehmen, dass du es duldest.

Gruß,
GastB

11.07.2008 20:46 • #8


Bishou

Bishou


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Hallo!

Zuerst muss ich leider eine kleine Kritik zum letzten Beitrag von "GastB" äußern (sorry):

Zitat:
Wenn du erwachsen - und angstfrei - werden willst,


Ich finde, das hört sich so an, als wärst du ("Ich" ^^) noch nicht richtig erwachsen, weil du dieses Problem mit deinem Vater noch nicht im Griff hast. (Vielleicht ist es aber auch nicht ganz so harsch gemeint, wie es bei mir ankommt). Jedenfalls finde ich, dass du dich sehr erwachsen anhörst. Ich finde vorallem gut, dass du nicht zurückschreist! Und ich bin überwältigt davon, dass du, trotz der Tatsache, dass dein Vater deine Angst verursacht und dein Leben in dieser Beziehung schwierig für dich macht, versuchst ihn und seine Wutausbrüche zu verstehen und seine guten Seiten (z.B. dass er sich verbessert hat und dass ihr sonst gut klar kommt, etc.) hervorhebst! Ich finde das wirklich toll, dass du ihm das einfach so verzeihst!

Trotzdem gebe ich GastB in einigen wichtigen Punkten recht. Das Verhalten deines Vaters ist fehl am Platze! Das sollst du ihm nicht unbedingt vorwerfen! Aber du solltest dir dessen bewusst sein. Denn [b]du[/d] machst nichts falsch - ganz im Gegenteil. Auch, dass dein Zimmer unordentlich ist, ist kein großer Makel an dir. Dafür musst du dich nicht schlecht fühlen.
Versuche dir einfach darüber klar zu werden, dass in den Situation, in denen dein Vater dich anschreit, nicht du, sondern er ein Fehlverhalten zeigt. Du und deine Reaktionen sind schon okee so, wie sie sind. Wenn du es nicht auf die Ellebogentour machen und ihn grob zurückstoßen willst, dann verstehe ich das. Aber dann musst du dir ein inneres Schutzschild aufbauen, in dem du dir sagst: "Ich mache nichts falsch! Ich bin hier im Recht!"
Daher finde ich die Idee mit den Regeln für dein Zimmer sehr gut. Denn sie geben dir sozusagen die Position einer Erwachsenen, einer mit deinem Vater gleichwertigen (gleich starken) Person! (Das war es vielleicht, was GastB meinte.) Ihr müsstet nur durchsetzen, dass sie strenger eingehalten werden. Wenn dein Vater einfach in dein Zimmer kommt, obwohl du es nicht willst, dann verletzt er deine Privatsphäre, was unbewusst oft viel mehr Auswirkungen auf uns hat, als wir denken! Wenn er einfach dominant hereinplatzt, dann fühlst du dich sicher "klein", unterlegen. Vielleicht bekommst du auch sofort den Gedanken "Ich habe etwas falsch gemacht!" oder etwas Ähnliches. Unter solchen Bedingungen ist eine Angstreaktion eigentlich nur natürlich. Bei dir tritt sie eben nur etwas extremer auf.
Klingt zwar dumm, aber vielleicht könnt ihr das 'mal in einem Rollenwechsel durchspielen. ^^ Wenn ihr euch sonst gut versteht, geht dein Vater vielleicht darauf ein. Dann ist er 'mal in deiner Position und du baust dich über ihm auf und brüllst ihn ordentlich zusammen. Natürlich muss das vorher abgesprochen sein! Manchmal bringt sowas 'was, ... manchmal nicht. Und manchmal mehr als man dachte! Versuchen kann man es.

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen!

Denk' dran: Du bist okee mit deinem unordentlichen Zimmer und du machst auch nichts falsch!

Shou

11.07.2008 21:26 • #9


Ich


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Vielen Dank für die Ratschläge und die aufbauende Worte. Das hilft mir wirklich sehr und ich bekommen neue, interessante Denkansätze. Ich hoffe, dass ich die Angst vor meinem Vater bald verliere. ICh werde mich auf jeden Fall noch einmal mit hm zusammensetzen und mit ihm darüber reden.

LG Ich

12.07.2008 10:16 • #10


GastB


@ Bishou

Zitat von GastB:
Wenn du erwachsen - und angstfrei - werden willst

Mit 17 Jahren ist man noch nicht erwachsen, muss man noch nicht erwachsen sein - aber natürlich will man es demnächst mal werden - nicht wahr?

Ich schrieb ja: erwachsen UND angstfrei.

Es ist aber trotzdem wirklich so, dass man nicht wirklich erwachsen, nicht wirklich autonom und selbstverantwortlich sein kann, wenn man gleichzeitig noch Angst vor bestimmten oder unbestimmten Menschen hat und sich ihnen nicht gewachsen fühlt, ihnen gegenüber nicht die eigene Person und die eigenen berechtigten Ansprüche äußern und verteidigen kann.
Das gilt z.B. für viele altersmäßig längst erwachsene Töchter: Wenn sie besuchsweise zu ihrer Mutter "nach Hause" kommen, agieren viele Mütter weiterhin so, als wären die Töchter noch minderjährig, fangen an, sie herumzukommandieren oder zu bevormunden, und die Töchter fühlen sich dabei miserabel, können sich aber nicht dagegen wehren.

Leider funktioniert das dann aber eben auch so, wenn andere Personen eine Autoritätsfunktion haben (könnten), insbes. natürlich Chefs, dass man dann in sein unerwachsenes Angst-/Gehorsams-/Beschwichtigungsverhalten verfällt. Das ist aber nicht nur für die Gefühle, sondern auch für die Karriere echt schlimm.

Daher kann ich "Ich" wirklich nur sehr ans Herz legen, seine Position und seine Rechte zu wahren und den Vater entsprechend zu steuern.

Zitat von Bishou:
Daher finde ich die Idee mit den Regeln für dein Zimmer sehr gut. Denn sie geben dir sozusagen die Position einer Erwachsenen, einer mit deinem Vater gleichwertigen (gleich starken) Person! (Das war es vielleicht, was GastB meinte.)

Genau. Ich denke, im Grunde siehst du es genauso wie ich.

Ansonsten stimme ich allem zu, was Shou geschrieben hat.

Viel Erfolg dabei!

GastB

12.07.2008 15:05 • #11




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