dls

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Hi, ich hab mich gerade angemeldet,

bin ein 36 Jahre junger Mann
vor ein paar Wochen habe ich mein Leben mutwillig komplett umgekrempelt, Freundin+Wohnort verlassen, und jetzt geht es mir sehr schlecht. Bin depressiv und so gut wie ohne Selbstsicherheit.

Seit fast 10 Jahren habe ich mit teilweise heftigen Depressionen zu tun.

Bei den Störungs-Kategorien hier würde ich mich am ehesten unter "Angst vor Ablehnung" einordnen.

Ich bin ziemlich sicher, dass meine Probleme mit den frühkindlichen Erfahrungen mit meiner schwerkranken Mutter zu tun haben.
Der Witz ist, ich bin jetzt umgezogen in die Stadt meiner Mutter, um bei ihr zu sein, aber ob das eine gute Idee war?!?
Ich wohne zum Glück nicht bei ihr, sondern bei einem anderen Verwandten. Trotz der zwangsläufigen Gesellschaft fühle ich mich grundsätzlich einsam.

Ach ja, ich bin "hochqualifizierter Akademiker", konnte aber beruflich nie richtig Fuss fassen und habe gerade Hartz IV beantragt.

14.04.2013 21:56 • 18.04.2013 #1


16 Antworten ↓


where.there.is..


Erstmal herzlich Wilkommen hier

Warum hast du denn deine Freundin verlassen (+ Wohnort)? Gabs dafür ein wirklichen Grund? Besonders erfreut bist du ja nun nicht wirklich drüber..

15.04.2013 10:56 • #2


dls


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Tja. Den Wohnort verlassen hab ich weil die Wohnung nicht mehr bezahlbar war und sich das mit der Familie 200 km weiter so anbot.
Die Freundin verlassen, warum? Wenn ich ehrlich bin, wegen einer anderen. Mit der läuft's nun nicht gerade prickelnd, naja, vielleicht brauche ich das um zu mir selbst zu finden... und dabei kann ich jede Hilfe brauchen... oder soll ich's nochmal mit der Ex versuchen? Um im Sommer nochmal neu anzufangen, wenn sie mit ihrer Weiterbildung fertig ist und ich vielleicht auch wieder beruflche Perspektive habe? Nein, so weit bin ich (noch?) nicht...
Der Kernpunkt ist echt, ich muss zu mir selbst finden. Beruflich und Gesundheitlich. Das verdeutlichen sie mir alle beide, die Damen, und ich merke auch wie gut es mir tut, mich um mich selbst zu kümmern.

Abends setzt halt immer wieder die Einsamkeit ein. Ach ja, ich nehme mal gerade die kleine Tablette Doxepin (10mg) vom Hausarzt... Für Freitag hab ich einen Termin beim Psychiater bekommen *freu* vielleicht hat der noch nen anderen Vorschlag bzgl. meiner Medikamentierung...

Therapie beim Psychologen hab ich auch wieder angeleiert, bei einem den ich von früher kenne. Letzte Woche war ich das erste Mal wieder bei ihm, jetzt isser erstmal in Urlaub -> Durststrecke für mich bis 6.5.

15.04.2013 20:48 • #3


where.there.is..


Nun gut. Aber der Plan, zu dir selbst zu finden, ist gut würd ich sagen. Wenn du da auf dem richtigen weg bist, fällt dir alles andere wahrscheinlich auch leichter, darum solltest jetzt nicht mehr so viel überstürtzen.

Hast du es für abends mal mit Hobbys versucht? Oder ein Verein dem du dich anschließen könntest?

15.04.2013 22:31 • #4


dls


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Vielen Dank für Deine Reaktionen und Fragen, liebe where.there.is.light.

Heute ist es dann doch mehr die tagsüber-Einsamkeit, die zuschlägt... abends bin ich mit ein paar Leuten aus einer Selbsthilfegruppe zum Eisessen verabredet.

Würde gerne meinen Schreibtisch aufräumen und diversen Papierkram erledigen, aber mir fehlt (noch) der Antrieb.

17.04.2013 09:22 • #5


Ehemaliger_Benu.


Zitat von dls:
Ich bin ziemlich sicher, dass meine Probleme mit den frühkindlichen Erfahrungen mit meiner schwerkranken Mutter zu tun haben.

Was waren das für Probleme mit deiner Mutter?

Zitat von dls:
Der Witz ist, ich bin jetzt umgezogen in die Stadt meiner Mutter, um bei ihr zu sein, aber ob das eine gute Idee war?!?

Kommt drauf an, ob du den Mut hast, die Probleme mit deiner Mutter aufzuarbeiten. Wenn ja, finde ich das gut. Wenn nein... dann war das meiner Meinung nach ein grosser Fehler.

"Ersatz-Mami" (wie in einem anderen Thread geschrieben) ist auf KEINEN Fall eine Lösung deines Problemes. Weder für dich, noch für die Frau, die du dafür "auswählst".

17.04.2013 10:06 • #6


dls


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Danke fürs Nachhaken, Coonie.
Meine Mutter hatte vor meiner Geburt eine Abtreibung und ist während meiner Kindheit darüber schwer krank geworden, sie hatte damals mehrere Suizidversuche, war viel im Krankenhaus.

Das abgetriebene Kind war von meinem Vater, und ich möchte ihn als Mittäter der Abtreibung bezeichnen, er ist damals mit ihr nach Holland gefahren, in Deutschland ging es ja nicht. Treibende Kaft war trotzdem meine Mutter. Meine Eltern haben damals in den 70ern mit niemandem darüber gesprochen, war ja auch nicht üblich.

Wer sich ein bisschen mit Familiensystemtheorie auskennt, kann vielleicht nachvollziehen, dass ich es für eine plausible Erklärung meiner Depression halte, dass ich dieses ältere Geschwisterkind, das ich hätte haben sollen, manchmal sehr vermisse.
Meine Mutter war in Gedanken immer bei dem abgetriebenen Kind und seelisch nicht wirklich für uns jüngere Geschwister da. (habe eine jüngere Schwester und einen jüngeren Bruder)

Heute sind sowohl meine Mutter als auch ich privat wie beruflich ungebunden und haben viel Zeit, die wir miteinander nutzen könnten... aber ist es realistisch, dass mir das was bringt? Die meisten raten mir ab, irgendetwas von ihr zu erwarten, ich soll mich auf meinen "eigenen Weg" konzentrieren...

17.04.2013 11:15 • #7


GastB


Hi,

vorab: Den anderen erwähnten Thread habe ich nicht gelesen.

Ich denke, zum einen wirst du es mit allen Freundinnen schwer haben, wenn du noch so an deiner Mutter festhängst - ob räumlich nah oder fern.

Zum anderen: Offenbar kennst du dich mit Familiensystemtheorie aus. Hast du denn schon mal eine "Familienaufstellung" gemacht? Das würde sich in dieser Familienkonstellation ja direkt anbieten. Eigentlich sollte das die Bindung an das tote Geschwisterchen lösen und dich für deine Gegenwart und Zukunft freier machen.

Zum dritten: Eine schwer depressive Mutter ist nie eine gute Mitgift - egal, weshalb. Deswegen kann die Sache mit dem toten Geschwisterkind nicht der alleinige Grund für deine Probleme sein, und daher auch nicht die alleinige Lösung. Aber helfen würde es m.E. schon, sich wenigstens davon lösen zu können.

17.04.2013 11:34 • #8


dls


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Ich hab das zum Anlass genommen, nochmal bei meiner Mutter anzurufen und einen gemeinsamen Termin bei einer bestimmten Therapeutin vorgeschlagen, nämlich bei derjenigen, mit der ich dieses Thema bislang bearbeitet habe, vor allem mit Familienaufstellungen...

Meine Mutter hat gesagt dass sie wenig Lust dazu habe. Daraufhin bin ich sauer gewirden und hab ihr an den Kopf geschmissen, dass ich sie brauche und dass ich es schei. finde dass immer nur das tote Kind wichtig ist und ich nicht. Sie hat dann erstmal nix mehr gesagt und ich hab aus Wut und Bitterkeit einfach aufgelegt.

Ich werd mich wieder melden wenn sich noch was ergibt...

17.04.2013 11:38 • #9


Ehemaliger_Benu.


Zitat von dls:
...und hab ihr an den Kopf geschmissen, dass ich sie brauche...

Brauchst du sie wirklich?
Für was?

Abnabeln wäre, glaube ich, besser.

17.04.2013 11:45 • #10


GastB


Auch von mir die Frage: Wofür brauchst du deine Mutter?

Für eine Familienaufstellung SICHER nicht!

Und man sollte dafür jemanden nehmen, der/die darauf spezialisiert ist, nicht einfach irgendeinen Therapeuten, auch nicht, wenn man diese/n schon kennt. Vielleicht ist es sogar besser, wenn der betreffende "Aufsteller" die Familiensituation noch gar nicht kennt.

17.04.2013 11:47 • #11


GastB


Zitat von GastB:
Und man sollte dafür jemanden nehmen, der/die darauf spezialisiert ist, nicht einfach irgendeinen Therapeuten, auch nicht, wenn man diese/n schon kennt. Vielleicht ist es sogar besser, wenn der betreffende "Aufsteller" die Familiensituation noch gar nicht kennt.

http://www.health4life.ch/therapie/fami ... ellung.php

17.04.2013 12:00 • #12


dls


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Tjoa, das Ergebnis der bisherigen Aufstellungen ist ja auch durchaus, dass ich mich "freimachen" soll von diesem ganzen Kram, und meinen eigenen Weg gehen... wahrscheinlich heisst das für mich im Moment tatsächlich, dass ich mich um einen Tagesklinik- oder sogar stationären Aufenthalt bemühen sollte, weil mir für alles andere die Selbstsicherheit fehlt... nur leider geht das nicht von heute auf morgen...

17.04.2013 13:00 • #13


dls


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Kurzes Update:
Gestern hat meine Mutter mich irgendwann zurückgerufen und vorgeschlagen dass ich sie heute bei dies und jenem helfe bzw zur Hand gehe. Ich hab gesagt, sie soll mich heut morgen wieder anrufen, hat sie auch gemacht, und ich hab gesagt dass ich keine Lust habe.

In erster Linie ging es um die Grabpflege meines Grossvaters (er ist erst vor ca 4 Wochen verstorben). Ich geh wenn dann aber lieber allein auf den Friedhof, und das hab ich ihr auch gesagt.

Das mittel- bis langfristige Problem meiner Mutter ist, das sie jetzt, wo ihr Vater nicht mehr lebt, das Haus (es ist ihr Elternhaus, mein Opa hat es ihr schon Jahre vor seinem Tod überschrieben) alleine nicht mehr halten kann.
Ich finde, als Sohn und Erbe nat man das Recht und die Pflicht, über so etwas dann auch nachzudenken.

Deswegen habe ich übrigens vorgestern meinen Vater angerufen, da er seit 25 Jahren von meiner Mutter getrennt ist, hat er damit eigentlich nichts zuntun

18.04.2013 09:57 • #14


dls


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Kurzes Update:
Gestern hat meine Mutter mich irgendwann zurückgerufen und vorgeschlagen dass ich sie heute bei dies und jenem helfe bzw zur Hand gehe. Ich hab gesagt, sie soll mich heut morgen wieder anrufen, hat sie auch gemacht, und ich hab gesagt dass ich keine Lust habe.

In erster Linie ging es um die Grabpflege meines Grossvaters (er ist erst vor ca 4 Wochen verstorben). Ich geh wenn dann aber lieber allein auf den Friedhof, und das hab ich ihr auch gesagt.

Das mittel- bis langfristige Problem meiner Mutter ist, das sie jetzt, wo ihr Vater nicht mehr lebt, das Haus (es ist ihr Elternhaus, mein Opa hat es ihr schon Jahre vor seinem Tod überschrieben) alleine nicht mehr halten kann.
Als ältester Sohn hat man ja wohl das Recht und die Pflicht, über so etwas dann ebenfalls nachzudenken, oder?
Deswegen habe ich vorgestern meinen Vater angerufen, da er seit 25 Jahren von meiner Mutter getrennt ist, hat er damit eigentlich nichts zu tun, aber witzigerweise hat er mir irgendwann mal gesagt, dass er sich vorstellen könnte, seinen "Lebensabend" wieder mit meiner Mutter zu verbringen... Mein Vater hat noch ein gutes halbes Jahr zu arbeiten...
Ich hab ihn jetzt vorgestern ganz konkret gefragt, ob er sich vorstellen kann, danach bei meiner Mutter mit einzuziehen. Er hat es bejaht.
Ob er es dann wirklich tun wird, sei mal dahingestellt, aber mich hat es entlastet... und das arme kleine Scheidungskind in mir freut sich natürlich immer wenn es mitbekommt dass die Eltern gar nicht soooo böse miteinander sind - ich glaube, das ein oder andere Trauma hab ich echt auch aus der Pubertät mitgenommen, als vor allem die jeweiligen Verwandtschaften uns Kindern den "anderen" Elternteil oft schlechtgeredet haben... aber die wussten ja alle nichts von dieser Abtreibung! Denn die, da bin ich sicher, stellt das Wurzel der ganzen Misere dar.

Hoppla, war jetzt gar nicht so kurz. Danke dass ich mich hier aussprechen darf...

18.04.2013 10:13 • #15


Ehemaliger_Benu.


Hallo,

erstmal mein aufrichtiges Beileid zum Tod deines Grossvaters.

Wieso sollte deine Mutter das Haus nicht halten können? Ist da noch ne Hypothek drauf? Wenn nicht, seh ich da echt keinen Grund wieso das ein Problem sein sollte. Als Sohn hast du sicherlich das Recht darüber nachzudenken. Als Erbe kannst du nicht darüber nachdenken, denn du hast das Haus ja nicht geerbt. Es gehört deiner Mutter. Die Entscheidung liegt also letztendlich allein bei ihr, was sie tut.

Weiß deine Mutter darüber Bescheid, dass du deinen Vater gefragt hast ob er da mit einziehen möchte? Hast du denn da vorher mit ihr überhaupt geredet was sie dazu meint? Nur weil dir das gefallen würde, heißt das noch lange nicht, dass auch sie das möchte. Hat ja nen Grund warum deine Eltern sich scheiden liessen. Und du bist ja nun wirklich kein kleines Kind mehr, auf das die Eltern Rücksicht nehmen müssten. Also lass doch deine Eltern so leben, wie sie möchten und leb du dein Leben. Wenn die beiden tatsächlich wieder zusammenkommen wollen, schaffen die das auch allein.

Du bist ein Scheidungskind, ok, das sind Millionen anderer Menschen auch. Wenn du meinst, dass du aus dem Umstand der Scheidung und der Abtreibung eines Geschwister-Kindes vor deiner Geburt einen traumatischen Schaden erlitten hast, dann solltest du daran arbeiten. Eine Wiedervereinigung deiner Eltern wird dir dabei genausowenig helfen wie das Suchen einer Ersatzmama. Dein Problem wird niemand für dich lösen können, das kannst du nur selbst. Alles immer nur auf eine schlechte Kindheit zu schieben, ist meiner Meinung nach zu wenig. Nach vorn gucken! Abnabeln von Mama. Wenn das allein nicht klappt, dann mit professioneller Hilfe. Aber der Wille dazu, der muss in dir sein!

18.04.2013 11:03 • #16


dls


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Nach vorn kucken, Du hast recht...
ich brauche dringend Hilfe bei meiner beruflichen Neuorientierung...
Hab heute schon beim Jobcenter angerufen, ob ich einen Termin bei einem Arbeitspsychologen bekomme. Mal schauen ob die zurückrufen :-/
Habe zu viele Hemmungen, Bewerbungen zu schreiben, erstens weil ich nicht sicher bin ob ich überhaupt in meinem Berufsfeld Software/IT bleiben will, zweitens weil ich echt Prbleme habe meine letzten 1.5 Jahre Nichtstun/Kranksein zu "verkaufen"... und wenn ich mich an den letzten Job davor erinnere, das war das reinste Bore-out (NICHT Burn-out, sondern Schädigung durch kontinuierliche Langeweile...)

Hab auch schon 2 private Karriere-/Berufs-/Selbstfindungsberater kontaktiert, ist zwar teuer, aber vielleicht meine einzige Chance...?!?

18.04.2013 12:07 • #17




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