Hallo Leute!

Auch ich möchte mich euch kurz Vorstellen und Hallo sagen. Ich bin "fast" 23 Jahre alt, wohne in Pforzheim, habe aber 22 Jahre meines Lebens in der nähe von Baden-Baden gelebt. Zurzeit studiere ich in Pforzheim im 2ten Semester. Ich würde mich als netten Typen beszeichnen. Vielleicht etwas schüchtern aber besonders ängstlich war ich nie..
..bis mich vor zweieinhalb Jahren meine erste Panikattacke überkam. Ich war alleine zu Hause, mein Eltern übers Wochenende verreist, meine Geschwister übers Wochenende bei meinen Großeltern. Ich saß abends vor dem Fernseher als ich eine Art Engegefühl im Hals spürte. Ich wusste nicht so recht was das sein könnte und schenkte der Sache keine große Beachtung. Die Engegefühle wurden dann aber in kürzester Zeit immer stärker und das Atmen viel mir schwer. Ich ging nach draußen um etwas frische Luft zu schnappen. Dort verlor ich aber vollkommen das Gefühl noch Luft zu bekommen. Meine Knie wurden weich, ich verlor das Gefühl in den Fingern und mir wurde schwindlig. Ich schläppte mich zum Telefon um meine Großelten anzurufen. Bekam aber kaum einen orndentlichen Satz aus mir raus. Mit letzter Kraft schleppte ich mich dann zur Wohnungstür und öffnete diese, damit jemand in die Wohnung kommen kann um mir zu helfen falls ich Umkippe. In den nächsten Minuten kämpfte ich im Hausflur um mein Leben. Jedenfalls dachte ich das. Ich brach total in Tränen aus und dachte: "Jetzt ersticke ich hier. Wenn ich jetzt Ohnmächtig werde wache ich warscheinlich nie mehr auf" Es waren schreckliche 10 Minuten "Todeskampf" bis endlich Hilfe kam.
Im Krankenhaus wurde ich dann durchgecheckt. Die Atemwege waren frei, keine auffälligen Atemgeräusche. Das Röntgenbild meiner Lunge war okey, dei Blutwerte entsprechend. Auch ein Tox-Test war negativ. Diagnose Panikattacke. "Hier sind 4mg Valium, beim nächsten mal einfach in eine Tüte atmen" So oder so ähnlich wurde ich gleich wieder nach Hause geschickt.

Bis heute bekomme ich regelmäßig diese Engegefühle im Hals habe aber gelernt damit umzugehen und heute sind sie zwar lästig aber nicht mehr besonders schlimm. Im laufe der Jahre aber entwickelte ich andere "Symptome". Im Unterricht oder auf dem weg zur Schule wurde mir häufig sehr plötzlich übel und schwindlig. Ich habe das lange nicht mit der ersten Panikattacke verknüpft, ich dachte das ich wohl am morgen zu wenig gegessen habe oder so etwas. Etwas kam mir aber komisch vor denn kaum war ich zu Hause oder hatte das Schulgebäude verlassen verschwanden meine Symptome rasch. So bin ich im letzten Schuljahr auf stolze 30 Fehltage gekommen. Auf Grund meiner Volljährigkeit alle von mir selbst entschuldigt und so bekamen meine Eltern davon kaum etwas mit. Ich begann Schulausflüge zu meiden und ging auch nicht mit auf die Abschlussfahrt. Immer häufiger tratten diese plötzliche starke Übelkeit und die Schwindelgefühle auch außerhalb der Schule auf und ich begann gewisse Situationen zu vermeiden. Bahn oder Bus fuhr ich nur noch widerwillig ich nahm meist das Auto. In Diskotheken fuhr ich nur noch selbst, damit ich im Fall der Fälle schnell nach Hause komme. All das und viele weitere Kleinigkeiten schlichen sich langsam und ohne das es mir bewusst wurde in mein Leben.
Vor den Klausuren im letzten Semester war ich eine ganze Zeit sehr unter Stress und schon lange vorher sehr angespannt. Am Morgen einer meiner letzten Prüfungen war ich dann besonders angespannt und ich hatte so ein komische Gefühl. 20 Minuten vor Prüfungsbeginn saß ich bereits im Raum, ganz vorne wie ich es bei Klausuren öfters tat. Irgendwie gab mir das schon lange ein Gefühl von Sicherheit. Heute weiß ich warum. Kaum 5 Minuten im Raum begann ich zu zittern, ich wurde total nervös, Es viel mir schwer einen klaren Gedanken zu fassen, ich hatte auch eine Art von schwer zu beschreibenden Wahrnehmungsstörung.. als würde meine Sinne alle paar Sekunden total aussetzen. Ich verlies fluchtartig den Raum und wusste garnicht recht was mit mir geschiet. Ich brauchte beinnahe eine halbe Stunde um mich wieder zu fangen. Ich kam deutlich zu spät zur Prüfung aber alles schien wieder in Ordnung. In Ordnung ist seit diesem Tag aber garnichts mehr. In den folgenden Monaten wurden meine PAs immer häufiger. PAs im Bus, im Taxi, wärnd dem Einkaufen, als Beifahrer im Auto oder zu Hause oder in den Vorlesungen. Bis zu drei mal am Tag. Vorlesungen konnte ich dieses Semester erst eine Hand voll besuchen. An schlimmen Tagen habe ich mich nicht mehr aus dem haus getraut. Ausgelassen mit Kumpelz feiern gehen ist nicht mehr drin. Mir wurde schnell klar das mit mir etwas ganz und garnicht stimmt. Dennoch habe ich mich lange nicht getraut mich jemandem anzuvertrauen und habe all meine Energie darin verbraten alles möglichs gut vor anderen zu verstecken. Was mir unerklärlicher Weise auch super gelingt. Nur meine engsten Kumpels wissen davon. Und davon nur einer wie schlecht es mir damit wirklich geht. Selbst vor meinen Eltern konnte ich es bis jetzt geheim halten.

Vor drei Wochen war ich dann total am Boden und mir wurde klar das es so nicht weiter gehen kann. Ich habe mich an eine Psychologische Beratungsstelle gewandt und mit einer Therapie habe ich auch schon begonnen. Morgen habe ich meine dritte Sitzung. Im Vergleich zu den letzten Wochen bin ich ganz guter Dinge und hoffe das ich mein Leben bald wieder in den Griff bekomme.
Von diesem Forum erhoffe ich mir natürlich etwas mehr über meine Probleme zu erfahren und Erfahrungen mit Gleichgesinnten austauschen zu können. Ich habe überlegt ein kleines Therapie Tagebuch hier im Forum zu führen um anderen einen kleinen Einblick zu geben. Vorallem aber um mir alles von der Seele reden zu können was ich in den letzten Jahren alles so für mich behalten habe.
In diesem Sinne,
Vivalavida

07.05.2009 01:16 • 12.05.2009 #1


4 Antworten ↓


Hallo Vivalavida,
habe meine Angststörung auch sehr lange geheimgehalten und ging über 2 Jahre auch ganz gut, aber ich vor zwei Wochen in eine sehr schwere Phase kam MUSSTE ich einfach drüber sprechen, hatte auch viele Weinkrämpfe und es ist einfach so aus mir raus und es wäre viel zu anstrengend gewesen das "geheimzuhalten".
Fragen deine Kumpels nicht nach, warum du nicht mitgehst?
Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man schon gut Ausreden erfinden kann... aber ich hatte auch immer ein wahnsinnig schlechtes Gewissen und letztendlich dachte ich mir: Freunde müssen jemand doch so akzeptieren, wie man ist und hab dann auch reinen Wein eingeschenkt. Hat aber wirklich 2 Jahre gebraucht, war nachher aber dann erleichtert, vor allem weil alle ganz toll reagiert haben und mich sehr unterstützen. Das " Verstellen" kann nämlich sehr anstrengend und eine zusätzliche Herausforderung in der PA sein.
Aber das muss natürlich jeder für sich selber wissen.
Ich wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg
Alles Liebe für dich
Das Nachtleben

07.05.2009 22:58 • #2


Zitat:
Fragen deine Kumpels nicht nach, warum du nicht mitgehst?

Ohh,.. doch! Aber wie du so treffend formuliert hast wird man immer kreativer im Ausreden erfinden. Übung macht bekanntlich den Meister und Gelegenheiten zu üben hatte ich viele. Auch mir fällt das nicht immer leicht. Schließlich würde ich ja nichts lieber tun als ausgelassen feiern zu gehen.. wenn es da nicht ein kleines Problem gebe =)
Negative Konsequenzen hatte mein Verhalten aber schon. Ganz egal wie gut die Ausrede ist, irgendwann reißt bei jedem der Gedultsfaden. Früher klingelte mein Telefon täglich und ich war viel unterwegs. Heute klingelt es kaum noch am Wochenende.. toll finde ich das ganz und garnicht! Viele Freundschaften sind so über die Monate total abgeflacht.

Zitat:
Ich wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg
Alles Liebe für dich
Das Nachtleben

Ich machs knapp: Gleichfalls!

- Vivalavida

10.05.2009 23:08 • #3


lotta
Hallo Vivalavida,

herzlich willkommen und alles Gute!

Schön dass du uns so ausführlich Deine Ängste geschildert hast.
Jeder hier kann das nachvollziehen.

Bei mir war es ähnlich und ich habe mich in Deinem Text sofort wiedererkannst. Fängt krass an und man denkt erst es sei unbedeutend....wird aber immer schlimmer bis man sich eines Tages eingestehen muss ...MIT MIR STIMMT WAS NICHT....

ich war in Therapie und gehe bald in eine psychosomatische Kinik, kann heute schon ganz gut mit den PA umgehen und habe sie auch nicht mehr jeden Tag....damit will ich nur sagen dass es besser wird auch wenns Anfangs hoffnungslos erscheint.

11.05.2009 19:21 • #4


Psychosomatische Klinik.. ein Begriff den ich hier schon oft gelesen habe. Aus irgendeinem Grund für mich ein sehr negativ behafteter Begriff. Dabei weiß ich garnicht so recht wie es in solch einer Klinik abläuft oder was ich mir darunter vorstellen kann. Kann mich vielleicht jemand aufklären?

- Vivalavida

12.05.2009 23:38 • #5




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