Bebeno

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Hallo ihr Lieben,

ich bin neu hier und möchte mich gerne vorstellen. Ich bin weiblich, 25 und lebe mitten in Frankfurt am Main.
Ich bin brotlose Illustratorin /Comiczeichnerin und Jobbe nebenher.

Bevor eine bodenlos freche und heftige Panikattacke im Februar mein Leben total auf dem Kopf gestellt hat, war ich aktive Studentin.
Mein Studium stagniert aber seither, da ich es nicht mehr zur Uni schaffe, welche ausserhalb von Frankfurt liegt.

Ich trat im April eine Therapie an, welche nun fast zu Ende ist. Bei mir wurde eine leichte Depression, Agoraphobie mit Panikattacken diagnostiziert.
Leider wurde aber alles im Laufe des Jahres immer schlimmer. Mittlerweile schaffe ich es nicht mehr das Haus ohne Begleitung zu verlassen.
Ich habe oft Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Übelkeit. Ich habe gute und schlechte Phasen.
Vor ein paar Wochen war ich täglich draussen und habe geübt und seit einem Monat habe ich das Haus, bis auf wenige Ausnahmen und für die Therapie, nicht mehr verlassen und
habe mich durchweg irgendwie krank gefühlt. Wenn ich das Haus mit einer Zielsetzung verlasse, breche ich meistens panisch zusammen, da der Gedanke "ich muss jetzt funktionieren" mich in die Knie zwingt.

Ich lebe leider noch mit meinem Lebensgefährten bei meinen Eltern zuhause. Unser Einkommen (ich arbeite von zuhause aus) reicht zurzeit nicht um uns eine eigene Wohnung zu nehmen.
Die Situation ist sehr belastend für alle. Meine Eltern verstehen nicht was mit mir passiert ist, haben aber Akzeptanz. Meine Mutter wünscht sich von mir immer wieder, dass ich wieder zur "Normalität" finde. Es ist sehr traurig und belastend für mich, dass ich ihnen Kummer bereite, aber auch traurig zu sehen, dass ich zurzeit anders bin als sie es sich wünschen, auch wenn ihre Wünsche nur gute Absichten sein sollen. Ich fühle Scham, Versagen, Unvollkommenheit. Ich habe schon das Gespräch gesucht, leider nur mit mäßigem Erfolg. Ich würde gerne einfach weggehen damit ich niemanden mehr belaste.

Viele meiner Probleme liegen in meiner Erziehung und in meiner Vergangenheit. Als Jugendliche wurde ich lange gemobbt und fand auch danach keinen richtigen Draht mehr zu den meisten Menschen.
Ich war meine komplette Schullaufzeit keine gute Schülerin und blühte erst im neuen Studium auf, welches ich jetzt nicht mehr schaffe wahrzunehmen. Das Gefühl dass ich aber nichts wert sei, aufgrund meiner schlechten Noten, ist bis heute nicht verschwunden.

Es fühlt sich alles sehr schwer an und ich fühle mich oft ohnmächtig angesichts der vielen Missstände und schäme mich.
Oftmals wünsche ich mir aber einfach nur unbeschwert "ich" sein zu können, weil ich das Gefühl habe in diese Welt nicht reinzupassen.
Ausserdem fühle ich mich wie eine schlechte Partnerin, da ich wie ein kleines Kind auf meinen Lebensgefährten angewiesen bin.

Trotzdem versuche ich in dem Ereignis etwas gutes zu sehen. Kurz vor ausschlaggebender Attacke, habe ich mich um den Verstand gearbeitet, im Studium und Job, in der Hoffnung mich so wertvoller zu fühlen. Ich weiß heute dass all diese Einstellungen die ich hatte, zumindest nicht für mich, funktionieren. Ohne diesen "Not-Stop" hätte ich mich in den Tod gearbeitet nur für ein bißchen Anerkennung.

Von all dem abgesehen bin ich ein fröhlicher verrückter Mensch. Ich liebe Tattoos und bunte Pullover. Ich schaue gerne amerikanische / englische Sticoms und gönne mir auch manchmal ein Videospielabend, (wenn es mein schlechtes Gewissen zulässt.) Wenn all diese Angstzustände nicht wären, würde ich auch gerne mal shoppen gehen.
Ich wünsche mir irgendwann mein "ich" leben können. Trotz meiner Vorlieben bin ich selbst seit langer Zeit leider eine graue Maus und lebe vieles nur in meinen Zeichnungen aus.

Ich würde mich sehr freuen hier Gleichgesinnte zu finden. Vielleicht auch jemand aus Frankfurt.
Liebe Grüße
Bebeno

PS: Bitte verzeiht den hakeligen Text. Das ganze nagt auch ein meiner Formulierungsqualität.

13.12.2013 17:03 • 13.12.2013 #1


5 Antworten ↓


kalina

kalina


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Liebe Bebeno,

erstmal ein herzliches Willkommen für Dich.

Vieles was Du schreibst kenne ich aus eigener Erfahrung und sicher auch viele andere hier.

Es wird sicher wieder besser werden für Dich, manchmal dauert es, bis man einen Weg aus dem Dilemma findet,

jeder auf seine Weise. Mit Hilfe von Therapeuten und Selbsthilfe kann man Lösungen und Strategien entwickeln.

Und nie vergessen, was man trotz allem für Stärken hat.

Liebe Grüße

13.12.2013 17:17 • #2


Delfi84


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Hallo Bebeno,

ein herzliches Willkommen

Ich wohne ca. 20 km von Frankfurt entfernt. Also nicht weit weg von dir.

Ich habe auch schon mehrere Panikattaken hinter mir und weiß, wie du dich fühlst.

Ich bin auch oft auf meinen Lebensgefährten angewiesen.

Raus traue ich mich zwar, aber meine körperlichen Beschwerden sind teilweise echt schlimm

Aber ich weiß, irgendwann werden wir alle wieder gesund werden und die "schlechte Zeit" verkraften. Auch ich wurde in der Schule viel gemobbt und habe keine schöne Erinnerung an die Schule....

Kopf hoch!

Liebe Grüße

13.12.2013 17:32 • #3


Bebeno


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Hallo ihr Lieben,

ja ich bin mir auch sicher, dass es Berg auf gehen wird. Das ganze Leben ist ein auf und ab.
Mich stimmt fröhlich, dass mir diese Situation die Möglichkeit gibt Ereignisse aufzuarbeiten, die anscheinend lange in mir geschlafen haben.

Ich freue mich wirklich sehr hier mich mit Leuten denen es gleich oder ähnlich geht, mich austauschen zu können.

Vielen lieben Dank für euer herzliches Willkommen

13.12.2013 18:14 • #4


Kater Carlo


Ich habe den Eindruck, dass Du eine Menge Grips, Energie und Power hat. Gegenwärtig kannst du diese nicht voll nutzen, aber das wird wieder !

13.12.2013 18:20 • #5


Chaoslexikon


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Hallo du, was du schreibst ließt sich für mich sehr vertraut. Gerade das mit dem funktionieren müssen. Heute bin ich zum Glück ein gutes Stück weiter und habe verstanden das ich Krank bin. Es hat nichts mit dem puren Wollen zu tun, sondern ist auch eine Frage von können. Ich erkläre es mir so wie mit einer Erkältung, nur weil man will daß sie nicht mehr da ist geht sie leider nicht. Man hält sich warm trinkt heiße Zitrone usw. damit es besser wird und die Panikatacken setze ich mit dem Niesen gleich, man kann sie vielleicht ein wenig kontrollieren aber nicht einfach abstellen.
Seit ich das für mich verstanden habe fing es an aufwärts zu gehen, da ich mir weniger Druck mache und nicht mehr denke ich muß das alles können. So ist es leichter auch die eigenen Erfolge zu erkennen die man hat.
Was das schämen angeht, so kenne ich auch dies, da ich jedoch weiß woher meine Erkrankungen stammen vertrete ich die Meinung es gibt nichts wofür ich mich Schämen muß, außer das ich nicht rechtzeitig die Reisleine zog und auf meine Gesundheit geachtet habe.

13.12.2013 18:24 • #6




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