Zeraphine

Hi,
Es geht mir schon seit langer Zeit nie wirklich gut. Momentan ist es wieder schlimmer geworden. Ich weine jeden Tag. Fühle mich hilflos und total isoliert von allen, auch wenn Menschen um mich herum sind, sie dringen gar nicht wirklich zu mir hindurch. Ich schaffe es nicht Kraft und Motivation dafür aufzubringen etwas mit anderen zu unternehmen, ich kann mich einfach nicht mehr verstellen, kann nicht mehr über meine negativen Gefühle hinweg steigen.
Auch reden fällt schwer, in mir tut alles weh. Ich weiß nicht, was ich machen soll, um aus diesem Loch raus zu kommen...die meiste Zeit lässt mich alles was um mich herum geschieht kalt, es ist nur noch ein Funktionieren und irgendwie durch den Tag kommen...und es klappt nur grenzwertig habe ich das Gefühl...Bewegungen werden schwer, banale Sachen wie Aufräumen, Putzen, Kofferpacken, Einkaufen...ich verschiebs alles nach hinten...und wenn der Druck von außen groß genug ist, wenn kein Weg mehr dran vorbei führt, dann handel ich irgendwie.
Schule ging vor den Ferien auch nur noch grenzwertig. Eigentlich schwänze ich jede Woche irgendetwas, mal mehr mal weniger.
Ich komme mit dieser inneren Leere nicht klar. Oder mit den Situationen in denen mich meine Gefühle komplett überrennen. Ich glaube ich pendel nur noch hin und her zwischen den beiden Extremen. Eigentlich sehne ich mich nur nach jemandem, bei dem ich so sein darf wie ich bin, traurig und schweigsam...ich möchte nicht mehr alleine sein müssen mit so viel Schmerz..
aber ich kann es nicht ausdrücken, vor niemanden, nur wenn ich alleine bin zerreißt es mich wieder innerlich irgendwann. Sind Menschen da sind meine Gefühle weg. In Therastunden ist es genauso. Es kann mir niemand helfen. Ich kann mir nicht helfen. Vielleicht wäre es besser wenn ich mir Medikamente verschreiben lasse, vielleicht würde mich das hier irgendwie rausholen. Aber ich traue mich auch nicht beim Psychiater anzurufen. Ich nehme das was ist selbst nicht wirklich ernst, denke mir dass ich einfach nur schwach, unfähig und lustlos bin...Und ich weiß auch nicht ob Medikamente etwas besser machen würden, ob ich das brauche, ob es mir schlecht genug geht. Und habe Angst, dass sie mich wieder wegschicken.

Geht es jemandem hier vielleicht ähnlich?
Wie komme ich raus aus diesem Tief? Wie kann ich wieder normal fühlen? Wie aufrichtig am Leben anderer teilnehmen? Auf Menschen zugehen? Wärme spüren? Lachen? Dinge gerne tun?
Ich weiß die Fragen sind dumm...aber ich meine es ernst...wie finde ich eine Weg zurück ins Leben? Wer hat so einen Wechsel geschafft von so weit unten aus irgendwann wieder Licht spüren zu können? So wie mein Leben jetzt ist hat es für mich kaum Wert.
lg

18.04.2011 17:33 • 26.06.2019 #1


12 Antworten ↓


Strand

Strand


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Hallo Zeraphine,

Deine Fragen sind absolut nicht dumm!
Ich kenne die Gefühle die Du hast auch, Du bist nicht allein!
Was für eine Therapie machst Du denn, bzw. wie lange schon?
Du kannst Dir sicher sein, dass dieser Zustand nicht für ewig so bleibt. Nichts bleibt so wie es ist! Das will ich Dir als Trost sagen
Ich habe es bisher auch nicht ohne Medis geschafft, aber die Depression wurde einfach besser damit. Du kannst ja auch erstmal mit Deinem Therapeuten darüber reden. Hast Du es schon mal mit Johanniskraut probiert?

LG
Strand

18.04.2011 17:56 • #2


fesibena86


Hallo Zeraphina,
mir ging und geht es ganz ähnlich wie dir.
Hab auch gedacht ich kann mich zusammen reissen, dann geht es schon irgendwie.
Musste aber einsehen, dass es eine Krankheit ist, seelisch, die ihre Ursachen hat und um die ich mich kümmern muss.
Was du beschreibst, dass du bei andern dich kalt stellst, kenne ich auch, dass passiert wenn man sich von seinen Gefühlen unbewusst abschneidet, damit de Schmerz einen nicht überfallen kann. Auf Dauer ist das natürlich sehr destruktiv.
Also ich will jetzt auch eine Therapie machen, was wohl in unserem Fall als die erste Medizin angesehen werden sollte.
Bis dahin gibt es schon Medikamente, die einen unterstützen können, hab seit letzter Woche ein Medikament genommen.
Bin aber tagsüber sehr müde, nehm jetzt denk ich nur noch eine Tablette abends. Es kann aber nur eine kleine Hilfe sein, was mir mindestens genauso hilft ist meine Gedanken bewusst positiv zu lenken.
es ist nicht leicht zu glauben das es eine heilbare Krankheit ist, aber es ist anscheinend so

18.04.2011 18:57 • #3


LieKum2011


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hallo zeraphine und fesibena,

ich leide auch unter depressionen. ich nehme jetzt abends vor dem schlafen ein medikament. habe das medikament auch mal morgens genommen. da waren die nebenwirkungen aber zu drastisch.

ohne das medikament sind allerdings die depressionen zu stark. deshalb nehme ich das medikament, obwohl ich von der wirkung nicht so überzeugt und nicht so begeistert bin.

LG LieKum2011

18.04.2011 19:42 • #4


fesibena86


Hallo LieKum,

mir fällt es auch schwer mich für oder gegen die Medikamente zu entscheiden.

man weiss ja nicht ob es einen ohne genauso ginge, naja bin denk ich jetzt erst mal gleichgültiger geworden und wein nicht mehr so oft.

Vorerst wohl o.k. so

lg

18.04.2011 19:58 • #5


LieKum2011


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hallo fesibena,

das du nicht mehr soviel weinen musst ist ein gutes zeichen. dann wirkt das medikament. das mit der gleichgültigkeit und auch zeitweisen antriebslosigkeit ist wohl bei den meisten antidepressiv wirkenden medikamenten normal.

LG LieKum

18.04.2011 20:07 • #6


ängstlicheKatze.


Hallo,

mir ging es auch so wie dir und ich habe Depressionen und Panikattacken gehabt. Seit ich das Medikament Citalopram nehme geht es mir wesentlich besser und mein Leben macht mir wieder Spass.

Vor dem Besuch bei einem Psychiater brauchtst du keine Angst zu haben, ruf einfach an und lass dir einen Termin geben. Oder geh zu deinem Hausarzt, als ich in so einem Tief war bin ich zu meinem Hausarzt gegangen, der hat dann direkt bei einem Psychiater angerufen und einen Termin für mich gemacht.

18.04.2011 20:55 • #7


saidndone


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Zitat von ängstlicheKatze:
Vor dem Besuch bei einem Psychiater brauchtst du keine Angst zu haben

Das kann ich nur bestätigen: Davor brauchst Du keine Angst zu haben.

18.04.2011 22:04 • #8


Strand

Strand


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Also ich nehme auch Citalopram seit Dezember und die Depression ist bei mir weg! Die Ängste leider nicht ganz, aber ich kann das Cita empfehlen. Hatte auch keine NW bis auf Verdauungsprobleme hin und wieder.
Opipramol find ich hingegen eher unwirksam, ausser dass es müde macht.

18.04.2011 22:10 • #9


Zeraphine


Hi,
danke für eure Antworten.

@Strand
Ich gehe da seit fast einem Jahr hin. Es ist eine analytische Psychotherapie.
Von ihr kam der Vorschlag mit Medikamenten.
Nein noch nicht. Bekommt man das ohne Rezept in der Apotheke, oder in einer Dro.?
Johanniskrauttee habe ich da, aber das taugt natürlich nichts.

@LiebKum2011
Dass Antidepressiva zeitweise antriebslos machen können wusste ich nicht.
gibt bestimmt auch andere, die antriebssteigernd wirken..oder?..
Sowas müsste ich dann da abklären wahrscheinlich.

Ich kann es mir kaum vorstellen dass ich ein Medikament nehme, es wenn ich Glück habe beim ersten Mal anschlägt und es mir dann wieder gut geht...Ich weiß nicht mehr, wie sich gut fühlen anfühlt.
Ich weiß noch nicht, was ich mache.
liebe grüße

19.04.2011 13:26 • #10


Strand

Strand


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Hallo Zeraphina,

Antidepressiva kriegst Du beim Psychiater. Der weiss dann höffentlich auch welches Medi am besten zu Dir und Deinen Symptomen passt.
Also Citalopram ist auch antriebssteigernd.

Johanniskraut würd ich Tabletten nehmen, so an dir 900mg würd ich da schon nehmen.
Das darfst Du aber nicht zusammen mit ADs nehmen!!'

LG
Strand

19.04.2011 18:17 • #11


lostPassion


hallo Zeraphine ,

das was du da beschreibst kommt mir selber auch bekannt vor,die innere Leere,schmerz isoliert sein.letzes jahr war der zustand bei mir so schlimm,dass ich mich selber in eine tagesklinik einweisen lassen habe.dort wurde nach 3 monatiger therapie eine borerline-störung diagnostiziert.medikamente habe ich so weit noch nie vertragen,nur ein ganz leichtes mittel namens "insidon",damit bin ich gut gefahren.alles im allem kann ich nur sagen, die therapie hat mir viel gebracht,bin auch immer noch in ambulanter therapie.vielleicht ist ja die überlegung in eine tagesklinik zu gehen für dich auch etwas,da kommst du erst mal aus der isolation raus,bist beschäftigt und es kann einem auch einiges klar werden über sich selbst und sein leben.wünsche dir alles gute!

28.04.2011 13:30 • #12


Kleine_Matz

Kleine_Matz


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Wenn du Medis nehmen möchtest oder nicht hängt ganz stark von deinem Leistungsdruck ab. Was würdest du einem Freund raten wenn er dir erzählen würde das es ihm so geht wie es dir geht?
Ich hatte neben meiner Angststörung auch eine leichte Depression. Aber ich kann nicht nachempfinden wie es mit mittelschweren bis starken Depressionen ist. Aber das Wort "zusammenreißen" lese ich sehr oft - und das finde ich ganz ganz schlimm. Egal ob Depression oder Angst. Wir haben nichts, worin wir uns zusammenreißen müssen. Wir sind krank und brauchen Hilfe - jeder auf unterschiedliche Art und jeder ist auf unterschiedlichem Weg krank geworden. Hätten wir eine Mandelentzündung würden wir auch nicht sagen wir müssen und zusammenreißen. Und der eine versucht es ohne Medikamente mit gurgeln, Tee und Ruhe und der andere nimmt Antibiotika weil er die Schmerzen nicht mehr aushält.
Wir stark wir leiden wissen nur wir selbst. Und ob man Unterstützung im Form von Medis annehmen möchte können auch nur wir selbst entscheiden.

26.06.2019 21:25 • #13



Dr. Reinhard Pichler


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