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Hallo zusammen,
ich bin neu hier und auf der Suche nach Tipps und Gleichgesinnten zum Austausch.

Zunächst mal etwas zu mir und meiner Geschichte. Ich bin 27 Jahre jung und stehe kurz vor meinem 2.Stex im Lehramt. Das heißt auch für mich, kurz vor dem Amtsarzt und der Verbeamtung( die Info wird noch wichtig sein später).

Trotz meines geregelten beruflichen Lebens, geht es privat leider schlechter als schlecht zu. Nun also zu meinem Problem. Ich bin krankhaft Eifersüchtig auf alles und auf jeden. Mein Freund und ich sind seit 3 Jahren ein Paar und wohnen seit mehr als einem Jahr zusammen.
Meine Eifersucht äußert sich eigentlich bereits jeden Tag, ich quetsche ihn nach der Arbeit wortwörtlich aus, was er den Tag über wann mit wem und wo getan hat. Immer mit dem Hintergedanken herauszuhören, ob er Kontakt mit einer Arbeitskollegin hatte.

Bei den Arbeitskolleginnnen habe ich ein paar spezielle Kandidatinnen, die mir ein besonderer Dorn im Auge sind. Besonders attraktiv, klug, lustig und jung und außerdem gerne mal in seinen Raucherpausen dabei, obwohl sie nicht rauchen. Auch all diese Infos habe ich durchs penetrante ausfragen herausgefunden.
Wenn also meine Partner nach Hause kommt und nicht explizit erwähnt, dass er mit einer der oben genannten Kolleginnen gesprochen hat, frage ich nochmal gezielt nach.

Er reagiert, absolut verständlich, völlig genervt davon und weiß natürlich auch, dass ich ihn nur so intensiv befrage, um an die Infos über die Koleginnnen zu gelangen.

Manche Arbeitskolleginnen kenne ich auch persönlich, die zählt er zu seinem Freundeskreis und schreibt ab und an auch mal über whats app mit ihnen. Für mich ein weiterer Grund der Eifersucht. Er muss mir immer Rechenschaft ablegen wann, warum, wie lange und worüber seine Konversationen mit den anderen Frauen gehen. Er hat mich noch nie belogen und gibt mir absolut keinen Grund ihm zu Misstrauen, dennoch kontrolliere ich hin und wieder die Whats app Gespräche, indem ich ihm über die Schulter schaue beim Schreiben, heimlich in sein Handy schaue oder ihn ganz offen frage, ob ich das lesen darf. Er verweigert dies auch nicht und ich habe immer Zugang zu seinem Handy. Eigentlich ein positiver Grund für mich ihm zu vertrauen.

Leider klappt das alles andere als gut. Das schlimmste Problem besteht für mich dann am Ende darin, wenn er etwas ohne mich unternimmt. Wenn er was mit männlichen Freunden macht, habe ich mich noch einigermaßen unter Kontrolle. Wenn Sie Alk. trinken und Abends um die Häuser ziehen wird es schon schwieriger.
Wenn es dann allerdings eine Firmenfeier ist oder ähnliches und die besagten weiblichen Kolleginnen anwesend sind, ist es mit mir vorbei.
Ich gerate in einen wahnsinnigen Strudel aus negativen Gedanken, meine Horrorvorstellungen weiten sich über den Abend auf die gesamte Zukunft aus.
Ich denke mir Dinge wie "Er lernt seine hübsche Kollegin jetzt besser kennen und merkt wie schrecklich ich bin" "er freundet sich mit ihr an und fängt an mit ihr zu schreiben und sich dann in sie zu verlieben " "er merkt dass er mich nicht braucht und mit anderen mehr Spaß haben kann" "er findet sie attraktiver als mich" "er flirtet mit ihr und verheimlicht es mir". usw.

Wenn ich mich verabrede und mich ablenken, klappt es noch relativ gut die Gedanken zu verdrängen. Wenn ich allein zu Hause bin komme ich aus der Abwärtsspirale nicht mehr raus. Ich fange an ihn vollzutexten und auszufragen. Ich will ihn quasi aus der Ferne kontrollieren. Ich verzweifle daran richtig, werde wütend auf ihn, dann auf mich. Fange an zu weinen, mein Herz rutscht 3 Etagen tiefer und alles wegen der Vorstellung: da ist grad eine die mich "ersetzt" mit der er grade mehr Spaß hat als mit mir.
Kurzum will ich es ihm am liebsten verbieten, zu solchen Feiern hinzugehen. Oft empfindet er es auch so und geht dann nicht hin, wirft es mir dann aber auch sehr stark vor.

Ich bin ein sehr reflektierter Mensch und fürchte bereits selbst herausgefunden zu haben, wo das ganze Problem herrührt. Dazu hole ich in meiner Familiengeschichte etwas aus.
Ich war 9 und meine Mutter besuchte eine Freundin im Ausland, da entdeckte ich meinen Vater heimlich telefonierend. Ich konnte Gesprächsfetzen aufschnappen und auch wenn ich noch ein Kind war, konnte ich spüren, dass das kein "normales" Telefonat war, welches mein Vater dort führte. Ich habe davon meiner Mutter berichtet und schlussendlich kam heraus, dass mein Vater eine Affaire hatte.
Ich habe daraufhin bis in die Pubertät hinein das Leiden meiner Mutter miterlebt. Mein Vater ist nicht ausgezogen, mir zu liebe, weil er es bei seinen Söhnen in der ersten Ehe wohl falsch gemacht hat. Meine Eltern lebten allerdings weder wirklich zusammen, noch wirklich getrennt. Mein Vater hatte weitere Affairen und meine Mutter spionierte ihm nach. Ich wurde zum Teil mit von ihr aufgefordert sein Zimmer zu durchsuchen oder "Schmiere" zu stehen, während sie seinen Computer durchforstete und Pincodes für den Safe ausprobiere. In dem sie dann letztendlich Schmuck für seine neue Geliebte fand.
Ich schätze dieses Umfeld, hat nicht wirklich positiv zu meinem Blick auf Beziehungen beigetragen. Ich habe nie vorgelebt bekommen wie man jemandem vertraut. In einer Phase, in der man als pubertärer Mensch Halt sucht und Orientierung, wurde ich zum Spielball meiner Eltern, die mich auf ihre Seite ziehen wollten.

Ich weiß, dass ich eine Therapie brauche. Leider sind psychische Erkrankungen bei Beamten nicht gern gesehen und ein großer Punkt, weshalb man beim Amtsarzt durchfällt. Daher möchte ich mit einer Therapie bis zur Verbeamtung warten.

Ich möchte aber auch meine Beziehung retten, ich möchte mich nicht so schrecklich fühlen und ich möchte mich aus meiner Gedankenspirale retten können, wenn sie mal wieder über mich hineinbricht.

Und so kommen wir zum Schluss meiner ausführlichen Berichterstattung. Was sind eure Ideen, Tipps und Hilfen, die ihr mir in meinem speziellen Fall an die Hand geben könnt.

Kennt ihr Gruppen in denen man sich Theapiemäßig austauschen kann, ohne einen Eintrag in der Krankenakte zu bekommen?

Kennt ihr Übungen oder Strategien, die einem aus dem Karussell helfen?

Ich bedanke mich schonmal im voraus bei euch, über Feedback, Anmerkungen, Ideen und Meinungen zu meinem Problem.
eure Frau F.

03.08.2019 00:44 • 21.08.2019 #1


7 Antworten ↓


guteFee
Zitat von Fräulein_Fpunkt:
Ich denke mir Dinge wie "Er lernt seine hübsche Kollegin jetzt besser kennen und merkt wie schrecklich ich bin" "


Du weißt es eigentlich selber!

Auch wenn es krankhaft ist liegt es in deiner Hand daran zu arbeiten.

Keine Beziehung hält das lange aus, wenn man sich immer für alles rechtfertigen muss.

Wenn Du deine Beziehung retten willst, musst Dir klar werden dass dieses Verhalten genau dazu führen wird, wovor Du am meisten Angst hast!

Er ist nicht dein Besitz und seine Gefühle kannst Du weder erzwingen noch kontrollieren .

Ich spreche aus Erfahrung und mache Dich auf diesen Spruch aufmerksam, wo wirklich die Wahrheit dran hängt.....
Zitat:
Wenn Du jemanden liebst lass es los...Kommt es zu Dir zurück gehört es Dir. Kommt es nicht zurück, hat es Dir niemals gehört!

03.08.2019 07:48 • x 1 #2


soleil
Eifersucht hat NICHTS mit dem Partner und ALLES mit dir und deinem tiefen, inneren Selbstwert zu tun.
Du bist nach deinen eigenen Angaben ja schon sehr reflektiert. Du beschreibst auch eine Situation aus deiner Kindheit, die (ein) Auslöser für deine jetzige krankhafte Eifersucht sein könnte.
Der Ursprung der Eifersucht wird immer in der Kindheit gelegt, es ist die Angst vor dem Verlust der Eltern im frühen Kindheitsalter.
Wenn wir nun älter werden, tragen wir aber genau diese Angst und emotionale Abhängigkeit immer noch in uns herum. Es ist fast schon unglaublich, wie stark uns solche Kindheitskonditionierungen prägen.
Psychologen sagen: Die ersten 2 Jahre eines Kindes formen sein gesamtes restliches Leben!
Denn nun wird klar: Die Eifersucht hat nichts mit deinem Partner, sondern alles mit dir und deinem Inneren zu tun.
Der Partner mag zwar der Auslöser für die Eifersuchts-Gefühle sein, den Nährboden dafür aber bereiten wir selber. Und zwar in Form eines angeknacksten Selbstwertgefühls.
Mit einem gesunden Selbstwert verschwinden gleichzeitig auch viele Selbstzweifel und damit auch die Gedanken und Gefühle rund um Verlust- und Trennungsangst.
Eine Person mit einem starken Selbstwert weiß, dass sie selber klar kommt, mit oder ohne Partner mit oder ohne Eltern.
Wenn dich das Eifersuchtsgefühl überkommt, dann versuche diesen Zustand sofort zu erkennen und dagegen zu manövrieren. Das Schlimmste was dir in dieser Situation passieren kann ist, dass dich das Eifersuchtsgefühl überwältigt, du nicht mehr klar denken kannst und vom Gefühl bestimmt wirst. Das führt oft zu negativen Aktionen deinerseits (wie bereits geschehen) und oftmals auch zu bleibenden Schäden in der Beziehung.
Wenn du also merkst, dass sich ein Gefühl der Eifersucht in dir bildet, dann mache sofort gedanklich einen Schritt zurück, atme tief in deinen Bauch und werde dir wieder bewusst, woher dieses Gefühl wirklich kommt (aus deiner Kindheit) und wer dafür verantwortlich ist (DU!).
Es kann hier oft helfen, kurz die Augen zu schließen und dabei zu versuchen, die Schultern, den Nacken und die Gesichtsmuskeln zu entspannen. Körperliche Entspannung ist der Schlüssel und die schnellste Methode, um solchen Gefühlen (das gilt übrigens nicht nur für Eifersuchtsgefühle sondern auch für alle anderen negativen Emotionen) den Garaus zu machen.
Sage dir an diesem Punkt innerlich: Ich weiß, wer ich bin. Ich kenne meine Stärken und ich weiß auch, was mein Partner an mir hat. Es gibt keinen Grund, eifersüchtig zu sein und dann versuche deine Atmung bewusst zu vertiefen und dich gleichzeitig wie oben beschrieben zu entspannen. Noch mal: Entspannung ist DIE schnellste Methode, um Eifersuchtsgefühle zu bekämpfen bzw. erst gar nicht entstehen zu lassen.

Änderst du nichts an deinem Verhalten, wird dein Freund irgendwann die Reissleine ziehen und verschwinden.
Daher tust du gut daran, DIR zuliebe und um die Beziehung zu retten, an DIR und deiner Einstellung etwas zu verändern.
Eine Therapie wäre meines Erachtens nicht das schlechteste.

03.08.2019 08:21 • x 3 #3


Danke für eure Antworten! Mir tut es richtig gut mal Rückmeldung von jemandem zu bekommen.


Zitat von soleil:
Mit einem gesunden Selbstwert verschwinden gleichzeitig auch viele Selbstzweifel und damit auch die Gedanken und Gefühle rund um Verlust- und Trennungsangst.


Von diesem Ansatz weiß ich bereits und versuche auch täglich an meinem Selbstwert zu arbeiten. Ich bin sehr ehrgeizig in meinem Job, habe Hobbys, gehe zum Sport und treffe mich mit Freundinnen. Das sind so die gängistens Dinge, die ich bisher gelesen habe, um sein Gefühl zu verbessern. Leider sehe ich damit keine Erfolge. Ich als Einzelperson fühle mich stark, relativ Attraktiv, interessant und intelligent. Ich denke auch allein würde ich mein Leben meistern können. Mein Beziehungs ich ist allerdings nicht so stark.

Ich finde mich zwar gut, aber durch den Vergleich mit anderen fange ich wieder an zu zweifeln. Dann wenn ich von außen "beurteilt" werde, dort wo ich mit Menschen verglichen werde oder wo einfach jemand Fremdes in diese Beziehung einwirkt fühle ich mich unbedeutend und klein.
Was für eine Möglichkeit gibt es denn wenn es um mein "Wir" Selbstwertgefühl geht, dieses zu verbessern. Bisher denke ich, dass ich Bestätigung von meinem Partner brauche, in Form von Liebesbekundungen. Ich fange dann an zu zweifeln, wenn er mir nicht sagt dass er mich attraktiv findet und daran messe ich dann meinen Selbstwert innerhalb der Beziehung. Wo kann ich denn bei dieser Problematik ansetzen?

03.08.2019 09:28 • #4


soleil
Zitat:
Ich finde mich zwar gut, aber durch den Vergleich mit anderen fange ich wieder an zu zweifeln. Dann wenn ich von außen "beurteilt" werde, dort wo ich mit Menschen verglichen werde oder wo einfach jemand Fremdes in diese Beziehung einwirkt fühle ich mich unbedeutend und klein.
Was für eine Möglichkeit gibt es denn wenn es um mein "Wir" Selbstwertgefühl geht, dieses zu verbessern. Bisher denke ich, dass ich Bestätigung von meinem Partner brauche, in Form von Liebesbekundungen. Ich fange dann an zu zweifeln, wenn er mir nicht sagt dass er mich attraktiv findet und daran messe ich dann meinen Selbstwert innerhalb der Beziehung. Wo kann ich denn bei dieser Problematik ansetzen?

Ich denke es gibt kein "Wir" Selbstwertgefühl. Das einzige was du stärken und verbessern solltest ist DEIN Selbstwertgefühl. Wenn dieses vorhanden ist, verlangst du automatisch nicht mehr nach einem "Wir" Selbstwertgefühl. Dann hast du auch keine Selbstzweifel mehr und forderst von deinem Partner auch nicht ständig Liebesbekundungen und Bestätigungen durch ihn an deiner Attraktivität etc. pp. Also: wenn DEIN Selbstwert o.k. ist, ist er es auch innerhalb einer Beziehung.

03.08.2019 09:44 • #5


FeuerWasser
Zitat von Fräulein_Fpunkt:
Mein Beziehungs ich ist allerdings nicht so stark.

Es gibt genauso wenig ein Beziehungs-Ich wie ein Selbst-Ich.

Das du dich alleine besser fühlst ist verständlich denn alleine hast du keine Konkurrenz, alleine musst du dich nicht mit anderen vergleichen, musst es niemand anderen Recht machen, bist in keiner Belastungssituation mit der du adäquat umgehen musst. De facto bist du nicht stark wie du denkst.

Eine Beziehung sollte eine Draufgabe sein, das i-Tüpfelchen aber kein Partner kann dir ständig sagen "du bist toll", "du bist die Beste", "ich liebe nur dich". Kein Mann kann dir Gefühle vermitteln die dir von Grund auf fehlen und dafür ist ein Partner auch nicht zuständig. Es ist deine Aufgabe und wenn du nicht vorwärts kommst und Hilfestellungen via Onlineportale oder der zig Nachschlageseiten zu wenig sind, wäre es eine Überlegung wert, einen Therapeuten zu kontaktieren der mit dir die Ursachen ergründet und behebt.

03.08.2019 17:27 • #6


Zitat von FeuerWasser:
einen Therapeuten zu kontaktieren der mit dir die Ursachen ergründet und behebt.



Ich würde ja gerne eine Therapie machen, nur steht mir der Amtsarzt im Weg (wie oben erklärt). Daher suche ich nach Konzepten, Übungen, konkreten Tipps um die Situation erstmal für mich zu "bearbeiten". Ich denke der Austausch in einem Forum ist da ja ein guter erster Schritt.

Ich brauche vor allem Hilfe dabei, aus der Gedankenspirale auszubrechen. Mich nicht von den Gedanken auffressen zu lassen und diesem Sog zu entkommen.

04.08.2019 10:36 • #7


Hallo Frau F.,

was Du beschreibst - also Deine Gefühle und Dein Verhalten gegenüber Deinem Freund erinnern mich an mein Problem, das ich hier auch als Thema eingestellt habe. Mir geht es gerade mit Kolleginnen - und besonders der einen - so. Am liebsten würde ich auch immer wissen, was er wann mit wem tut nur um dann komisch zu reagieren, wenn er von ihr oder anderen berichtet. Ich finde es total schlimm, weil es ja auch mich selber einschränkt, mir Energie absaugt, die ich für mich brauche und unser Verhältnis nachhaltig stört. Im Moment versuche ich, gar nicht zu reagieren - also er berichtet, dass "X." etwas gesagt hat, ich reagiere nur auf den Inhalt. Dass mir das Herz aus den Ohren klopft, sieht er hoffentlich nicht. Wenn er mich doch fragt, ob etwas ist, lüge ich im Moment, indem ich sage, dass ich wegen einer anderen Sache bedrückt bin - es bringt einfach nichts, wieder und wieder davon anzufangen. Aber weg ist es leider dadurch nicht. Ich kann nur meistens die Verheerungen in der Beziehung verhindern. Und die Hinweise von Soleil, wie man in dem akuten Moment sich selber zur Ruhe bringen kann, werde ich versuchen zu berücksichtigen.
Schreib doch mal wieder, wie es Dir inzwischen geht.
Alles Liebe derweil

21.08.2019 14:43 • #8




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