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201809.03




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NRW
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Hallo und einiges zu meiner Person.
Ich werde bald 30 und bin schon seit 2009 Studentin. Aufgrund immer wiederkehrender depressiven Episoden, habe ich es nie geschafft zu Ende zu studieren. Meine schlimmste Episode (das ist die 3. ) ist die derzeitige, die ich seit dem Sommer 2016 habe und seitdem habe ich auch mit einer Psychoanalyse angefangen. Es wird einfach nicht besser. Es geht mir jeden Tag dreckig. Ich denke ständig an den Tod. Ich trau mich nicht mal mich umzubringen, weil ich weiß wie sehr meine Mutter darunter leiden würde. Meine Therapeutin sagt, es sei normal, dass bei einer Analyse erst einmal alles hochgespült wird an schlechten Erfahrungen, Emotionen etc. Aber ich habe kein Vertrauen. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich Bindungsängste habe und meine Therapeutin es schon als großen Erfolg sieht, dass ich bis heute durchgehalten habe, weil ich jede Woche darüber nachdenke die Therapie abzubrechen. Ich persönlich leide stark darunter, dass 'nur' das Hingehen und Durchhalten mein bisheriger Erfolg sein sollen. Ich fühle mich alt, krank,müde. Ich schlafe 14-18 Stunden am Tag. Ich fühle mich fast schon so, als hätte mir jemand eine Betäubungsspritze verabreicht...ich kann nicht mehr meine Freunde sehen. Ich habe sogar Schwierigkeiten mich an Hauptbahnhöfen aufzuhalten (obwohl ich in Berlin geboren und aufgewachsen bin...bin fürs Studium nach NRW gezogen). Man sagt mir, es würde besser werden. Ich solle warten. Aber jeder Tag der vergeht wird immer schlimmer für mich.
Aufstehen ist eine Überwindung. Von Zähneputzen und duschen will ich gar nicht reden. Am schwersten fällt es mir zu essen. Unter diesen Umständen kann ich nicht studieren. Und arbeiten kann ich auch nicht mehr. Ich habe mein gesamtes gespartes Geld, was eigentlich für mein 1-Jährigen Auslandsaufhenthalt gedacht war, ausgegeben. Nun stehe ich da. Und es wird noch schlimmer. Meine Eltern kann ich nicht fragen, weil sie Rentner sind und selbst kaum über die Runden kommen. Meine Schwester ebenfalls nicht, da sie tief in einer Schuldenfalle steckt. Mit meiner Bindungsangst zerstöre ich langsam aber sicher die Beziehung zu meinem sehr liebenvollen und fürsorglichen Freund, der ebenfalls noch Student ist...
Also wohin mit mir? Ich habe im Jobcenter angerufen und bin in Tränen ausgebrochen, weil ich mich so sehr schäme, dass ich in so einer Lage bin.Ich traue mich nicht einmal dahin um zu erfragen ob eine finanzielle Hilfe möglich ist. Ich habe Angst. So groß, dass es mich lähmt.
Was ist die Lösung? Was ist der Ausweg? Ich denke nur noch der Tod kann mich erlösen. Kennt ihr das? Wart ihr in dieser Lage? Ich weiß wirklich nicht was ich tun soll. Der Leidensdruck ist so groß, dass ich kaum Luft kriege. Mein Körper ist verkrampft und ich zittere selbst beim Tippen dieser Zeilen...

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Danke2xDanke


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  09.03.2018 03:05  
Wie lange machst du die Psychoanalyse schon? Bei diesem Verfahren kann es sehr lange dauern, bis eine deutliche Verbesserung eintritt. Dafür sind die Ergebnisse aber tiefergehender und in der Regel langanhaltend.
Zu deiner finanziellen Frage: Ich denke nicht, dass du Hartz IV bekommen kannst, solange du immatrikuliert bist. Und Hartz IV wäre sicher auch ein Schritt in die falsche Richtung, denn es soll ja nach Vorne gehen :) gerade so ein Studium kann einem Auftrieb geben, wann man merkt dass man (wenn auch nur langsam) vorankommt und Erfolge macht.
In der Psychoanalyse bekommt man recht wenig Werkzeuge in die Hand, deswegen ist es vielleicht keine schlechte Idee, sich einmal aktiv umzuschauen, was es z.B. so an Literatur gibt (klasse z.B. Vom Glück sich selbst zu lieben oder die Kunst sich wertzuschätzen). Und auch hier der Rat: Bei starken Depressionen kann man es als Unterstützung auch erwägen, sich ein Antidepressivum verschreiben zu lassen. Das wirkt einigen innerhalb kurzer Zeit. Halte durch : )





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NRW
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  09.03.2018 03:14  
hi, danke für deine Antwort. Ich mache die Analyse seit Oktober 16.
Das Problem ist, ich komme gar nicht mehr voran im Studium. Ich kann mich nicht einmal auf einfache Texte konzentrieren...ich habe mir ein paar Bücher bestellt. Aber ich schaffe es kaum aus dem Bett. Ich kann nur noch schlafen.
Medikamente wollte mir meine Therapeutin nicht verschreiben...sie ist der Ansicht es würde mich nur noch mehr einlullen. Ich weiß, ich habe hier geschrieben um Rat zu bekommen, obwohl ich Schwierigkeiten habe irgendetwas umzusetzen. Ich danke für's offene Ohr und die Antwort.



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  09.03.2018 03:53  
Hmm ich weiss bei einer Depression ist man schlapp, aber 14-18h Schlaf? Das klingt schon nach sehr viel. Hast du schon alle körperlichen Ursachen ausgeschlossen? Ich war auch lange Zeit ständig müde und wurde immer depressiver. War dann über ein Jahr in Psychotherapie ohne merkliche Fortschritte bzw. ich wusste auch nie wieso ich depressiv war, bis sich dann herausgestellt hat, dass ich Probleme mit meinen Augen hatte was die ständige Schlappheit verursacht hat. Also nur so als Denkanstoss, dass man eben schon zuerst das körperliche Ausschliessen soll denn sonst vergeudet man nur seine Zeit in der Therapie.
Also würde sicher mal in einer psychiatrischen Klinik einen Bluttest machen lassen, falls du das noch nicht gemacht hast. Weil so viel Schlaf ist halt schon etwas verdächtig.





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NRW
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  09.03.2018 04:08  
Hey, danke für deine Antwort.
Der Arzt hat nichts gefunden. Aber es ist jetzt schon mehr als ein halbes Jahr her, dass ich einen Bluttest gemacht habe. Kann ich bei einer psychiatrischen Klinik einfach hingehen ohne Überweisung oder ähnliches?



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  09.03.2018 04:23  
Weiss ich ehrlich gesagt nicht, ob man da einfach so hingehen kann, hängt glaub u.a. von deiner Versicherung ab, aber kannst sicher mal Fragen. Wobei wenn vor einem halben Jahr nichts gefunden wurde, ist es unwahrscheinlich, dass man jetzt gross etwas finden wird. Wenn z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegen würde wäre das damals entdeckt worden.

Welche Themen belasten dich denn? Bzw. wie hat es damals angefangen als du das erste mal depressiv wurdest, was war da der Auslöser?





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NRW
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  09.03.2018 04:43  
genau das versuche ich auch rauszufinden, was eigentlich los war...ich denke meine Depressionen haben schon sehr früh angefangen...da ich schon in der Grundschule und auch später auf dem Gymnasium Probleme hatte...es kam in meiner Familie oft zu Gewalttätigkeiten...und das seitdem ich denken kann. Mein Vater: distanziert,autoritär,aggressiv. Vieles habe ich verdrängt. Daher habe ich selbst keine richtige Antwort auf deine Frage...ich versuche es während der Analyse rauszufinden. Was bis jetzt ein ziemlich schwer beschreitbarer Weg für mich war....



  09.03.2018 07:54  
Hallo,
alles was Du zu Deiner Situation schreibst kommt mir sehr bekannt vor, nur bin ich schon 54 J. alt, gelernter Industriemechaniker und beziehe eine Zeitrente wegen Erwerbsminderung.
Leichtere Depressionen in Form einer Dysthymie begleiten mich seit meiner Jugend, aber durch meine soziale Isolation aufgrund meines sozialen Status/Abstiegs empfinde seit Monaten einen ähnlichen Leidensdruck wie Du ihn beschreibst.
Ich beschäftige mich auch täglich mit dem "Final Exit", dem Gedanken an den Tod, der Erlösung verspricht.
Aber ich quäle mich Tag für Tag weiter da durch, denn irgendwas hält mich trotz allem von diesem einen, endgültigen Schritt ab. Ich versuche meine Gedanken zu fokussieren auf Dinge, die mir immer Spaß gemacht haben. Sport zum Beispiel - ich mache schon lange Radsport, was mir auch für die Psyche immer geholfen hat. Mein Ziel ist es wieder aktiv zu werden und meine derzeitige Lethargie zu überwinden.
Hast Du es schon mal mit Ausdauersport versucht? Macht Dein Freund vielleicht Sport? Klingt vielleicht blöd oder banal, aber ich versuche Dir einen Ansatz nach meinen Erfahrungen zu geben...ein kleines Licht am Ende des Tunnels.
Würde Dein Freund mit Dir Schwimmen gehen oder Joggen...müssen keine Spitzenleistungen sein - schon 10-15 Minuten genügen zu Beginn. Wenn man dann merkt wie gut das tut steigert man sich schon von selbst.
Ich weiß, alles graue Theorie - doch einen Versuch ist es wert.
Übrigens war mein Vater ähnlich wie Deiner und bei meinem war noch hoher Alk. im Spiel. Ich sehe die Ursprünge meiner Probleme auch in meiner frühen Kindheit.
Übrigens hatte ich auch immer Probleme in meinen Beziehungen zu Frauen. Es ging anfangs immer recht gut, aber nie über die Dauer von 5-6 Jahren hinaus. So hatte ich mehrere feste Bindungen im Leben, war aber nie verheiratet und bin auch kinderlos. Gerade vor 6 Monaten ist meine letzte Partnerschaft in die Brüche gegangen, was ich natürlich auch noch nicht ganz verarbeitet habe.
Ich kenne auch das Gefühl von Scham, das Du beschreibst und diesen Druck auf der Brust, der einen kaum atmen lässt.

Wenn es noch Dinge gibt, die Dir Freude machen lohnt es sich auch dafür zu leben und zu kämpfen...sonst wäre ich auch nicht "so alt" geworden mit diesem ganzen Sch...

Danke1xDanke


  10.03.2018 11:43  
Liebe Gast88,

während meines Klinikaufenthaltes sind mir viele an Depressionen erkrankte Mitpatienten begegnet, die wirklich erst unter den richtigen Medikamenten wieder einen Blick nach vorne richten konnten. Sie hatten wieder einen Antrieb und damit täglich kleine Erfolge und neuen Lebensmut. Ich finde es unverantwortlich in deiner Situation nix zu nehmen. Du versuchst es zu lange schon ohne. Mach es dir nicht so schwer! Such dir einen guten Psychiater /Neurologen und schildere ihm deine Odyssee. Er kann dir helfen. Manchmal gibt es auch Wege neben dem Studium. Aber dafür musst du erstmal a bisserl stabiler werden. Es wäre schade, wenn du nicht alles versuchst. Ich denke auch oft, dass ich nicht auskomme und nix ändern kann. Aber in Wahrheit sind viele Verpflichtungen, egal ob materiell oder welche, die wir uns selbst auferlegt haben, gar nicht lebensnotwendig. Wenn du nur dich selbst siehst, mal nicht die ganzen verwirrenden Fäden von Schuld und Druck und Verpflichtung und Erfüllen-müssen.... dann fällt fast alles ab. Es geht doch um dich. Und wenn die ganzen Vorstellungen im Kopf nicht lebbar für dich sind, dann sind die Pläne falsch. Such dir andere. Als Erwachsene musst du vieles nicht mehr mitspielen. Du bist nicht mehr wehrlos wie als Kind. Kannst deine eigenen Entscheidungen treffen. Wenn du zur Stabilisierung z.b. finanzielle Sicherheit brauchst, dann versuche eine Ausbildung. Ruhig auch unter deiner Qualifikation aber in einem Bereich, der dir Spass macht. So gewinnst du Selbstvertrauen und du verdienst was. Dann kannst du noch immer weiter studieren und hast noch eine Ausbildung vorzuweisen. Greif es an, du hast noch viel vor!

Liebe Grüsse



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  10.03.2018 12:29  
Hallo Gast88,

Menschen die suizidgefährdet sind wird ungern unbeobachtet ein Antidepressivum verschrieben weil viele erst mal antriebsfördernd sind und die Gefahr das jemand dann den Antrieb hat den Wunsch in die Tat umzusetzen groß ist.
Und ein beruhigendes scheint bei Deiner Schilderung ja aktuell auch nicht das Richtige.
Das hohe Schlafbedürfnis kann durch eine Depression kommen.

Es gibt auch psychatrische Notfallabteilungen.
Wenn Du da hingehst und sagst das Du nicht mehr leben willst wirst Du aller Wahrscheinlichkeit sofort aufgenommen, kannst unter Umständen aber halt nicht einfach wieder gehen.

Du hast eine Therapeutin aber keinen Arzt?
Normalerweise ist der Arzt für die Medikation zuständig.
Es wäre wichtig das Du ihm schilderst wie es Dir geht.
In manchen Situationen muss man einfach Hilfe in Anspruch nehmen damit es weiter und später wieder selbst voran geht.

Liebe Grüße

Mamamia75

Danke1xDanke


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  10.03.2018 19:20  
Hallo Gast88,
Ich weiß nicht wie in NRW ist . Aber wenn du raus finden kannst wo in NRW der Psychosoziale Dienst ist könntest du da noch zusätzlich Hilfe bekommen ! Denn eine Therapie ist sehr Gefühls aufwühlend ! Beim Psychosozialen Dienst haben sie Adressen von Psychosozialen Vereinen die auch Sozialarbeiter haben die könnten dich in Finanziellen Fragen Beraten und auch Begleiten . Denn Vielleicht kannst Du ja Bafög beantragen für dein Studium oder anderes . Ich hoffe von Herzen das du wieder auf die Beine Kommst und dein Studium Erfolgreich beendest . Und hier bist du auch nicht allein ! Wünsch dir ganz viel Kraft
Liebe Grüße Wurzi alias Djamila


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